Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 67 (11.4.1929)
- Date
- 1929-04-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053820--0974-3056290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite-8 DIE STIMME Nr. &t ®uler Herd - Isrf Goldes Wer* ■ Die bestrr nominierte 1. Wiener orthodoxe M n zzothfabrik Israel Vortfrefflllela gibt bekannt, daß Oberall täglich frisch gebackene MAZZOTH und MAZZOTHGRIESS nHt Stempel „VOOTRimiCH“ erhältlich sind. Das Konsistorium der jüdischen Gemeinden Italiens Der Generalrat des Konsistoriums der jüdischen Gemeinden Italiens, der das repräsentative Organ der italienischen Jndenheit ist, beschloß in seiner soeben in Mailand abgehaltenen Tagung, mit den Vertretern der zionistischen Föderation Italiens wegen Ernennung eines Vertreters des Konsistoriums für den nicbtziomsttschen Teil der Jewish Agency in Verhandlungen zu treten. Neuer gesetzlicher Status der italienischen Judenheit Aus Rom wird gemeldet: Die Aussöhnung Italiens mit dem Vatikan hat eine Neuregelung des verfassungsmäßigen Status der jüdischen Gemeinden Italiens notwendig gemacht. Im Zusammenhang mit der neuen religiösen Politik hat die Regierung beschlossen, eine Modifizierung der gesetzlichen Verfügungen bezüglich der Juden, die noch vor der Bildung des vereinigten italienischen Königreiches in Kraft getreten waten, vorzu nehmen. Zu diesem Zweck wird eine Sonderkommission eingesetzt, der drei Juden, unter ihnen der # Gberrabbiner von Rom, und drei N i c h t j u d e n angehören. Aufgabe dieser Kommission wird es sein, den Entwurf einer Neuregelung des Status der jüdischen Gemeinden herzustellen. Wie es heißt, wird der anfängliche Plan, die Stelle eines Oberrabbiners für ganz Italien zu schaffen, fallen gelassen. Viel wahrscheinlicher ist, daß ein rabbinischer Rat, ähnlich einem Beth-Din, als oberste rabbinische Landesbehörde eingesetzt weiden wird. Die Philosophie des Wohltuns Max Warburg über, jüdische Hilfsbereitschaft. "”* ’ Aus Berlin' schreibt man uns: In"der vor kurzem ln Berlin abgehaitenen Jahresversammlung des Hilfsvereines der Deutschen Juden hielt der bekannte jüdische Philantrop Max M. Warburg eine Ansprache üiber das Ethos des Wohltuns, in der er eine Act Philosophie das Gebens entwickelte. Die Liebe zu den Armen und Bedrängten, erklärte der Redner, der Wunsch, ihre Not zu lindern, ist eine alte jüdische Pflicht, ist eine Auswirkung des jüdischen Gedankens: «Liebe Deinen Nächsten.» Heute ist es allerdings viel schwerer, man kann sagen: komplizierter, Gutes zu tun, als früher. Mit Almosen von Person zu Person ist es nicht mehr getan. Wir glaubten früher, unsere Schuldigkeit zu tun, wenn wir das Elend unserer nächsten Nachbarn stillten. Heute liegt es so, daß die Not irgendeines Menschen, mag er auch fern sein, uns mehr oder weniger ebenso berührt Wir müssen versuchen, diesem Elend in der ganzen Welt, wie früher dem in unserer nächsten Umgebung, entgegenzutreten, und müssen den zehnten .Teil unseres Einkommens dazu liergeben, wie früher den Maasser. Wenn wir diese Weltverbundenheit vor Augen haben, so gilt ebenso wie in politischer und in wirtschaftlicher Beziehung auch in charitativer Hinsicht der Satz, daß kaum auf einem Punkte der Erde etwas geschehen kann, das nicht indirekt auch uns betrifft. Je weiter aber der Sitz der Hilfsbedürftigen von uns entfernt ist, desto mehr drängt sich die Frage auf: wie gelangen wir zur Kenntnis der Verhältnisse, damit wir in der richtigen Weise geben können. Was wir brauchen, i6t ein bewußtes, überlegtes Handeln der Geldgeber: wer Geld gibt, muß sich die Müihe nehmen, grümdlichst zu studieren, wie er am besten mit den Mitteln, die schließlich beschränkt sind, wirtschaftet Nur, wenn die rein finanzielle Leistung verbunden wird mit der persönlichen Hingabe an den Dienst des Wohltuns, wird sie in höherem Sinne zu dem, was man unter. Mizwah in jüdischem Sinne versteht. Der Redner skizzierte dann die Aufgaben des Hilfsvereines der Deutschen Juden im einzelnen, kam u. a. auch auf die Einwanderungsbcsdiränkungen zu sprechen und bemerkte: Jedes Land muß den Juden, die in ihm leben, ein menschenwürdiges Dasein bereiten, um auch aus öer Mitarbeit dieser wohl überall in der Welt v/egen ihrer Intelligenz und ihres Fleißes anerkannten Mitbürger den richtigen Nutzen für die Gesamtheit zu ziehen. Was der Hilfsverein im Osten zu tun hat, fuhr Herr Warburg fort, betrifft in erster Linie die Siedlung, die wirtschaftliche Stärkung der Juden im Osten und im Orient; kulturelle Förderung, geistige, sittliche Förderung neben der wirtschaftlichen; die sozial-hygienischen Einrichtungen in den Kolonien; Haushaltungsschulen; Kindersanatorien sind zu schaffen und der Waisenkinder müssen wir uns annehmen. Das Werk unserer amerikanischen Freunde, die über größere Mittel verfügen, müssen wir ergänzen, Indem wir von hier aus die Detailarbeit leisten. Vornehmlich in den Kolonien gibt es eine ganze Reihe von Arbeiten, die die Bewohner glücklicher, das Leben in den Kolonien lebenswerter machen. Errichtung einer Rabbinerlehranstalt in Prag Im Prager jüdischen Rathause fand die diesjährige Plenarsitzung des Obersten Rates der Gemeindeverbände unter Teilnahme von Vertretern aller Gemeindeverßände statt Es wurde unter anderem beschlossen, eine Anstalt für Heranbildung von Rabbinern und Religionslehrern, womögüch mit Beginn des Schuljahres 1929/30, in Prag zu eröffnen. Zum Rektor wurde der Prager Oberrabbiner Dr. Heinrich Brody bestellt; neben ihm sollen zwei weitere Dozenten und die notwendigen Lektoren und Hilfskräfte wirken. In das Budget für 1929 wurde zu diesem Zwecke ein Betrag von 100.000 Tschechokrotien eingesetzt (Ita.) Eine Räbbi-Löw-Straße in Prag Im Ortsausschuß für Prag 1—VI stellte der jüdischnationale Bezirksrat Dr. G o 1 d s t e i n den Antrag, eine Straße in der alten Judenstadt nach dem großen Prager Rabbi Löw zu benennen. Der Antrag wurde vom Ausschuß genehmigt und zwecks Durchführung an das Rathaus Groß- Prag abgetreten. Von der Jeschiwah zur Baumwollplantage Im Warschauer «Jud» erzählt A. M. Rubin von einer Begegnung mit einem früheren Teischer Jeschiwah-Bachur in Florida. Ich bin auf der Reise durch die gesegneten Baumwollfelder von Florida. Soweit das Auge reicht, tiefblauer Himmel und milchweiße Erde, die durch die schwarzen beweglichen Punkte, kleine Neger jungen, die an der Wolle zupfen, noch weißer in die Augen fällt. Wir sind in den Baumwollplantagen von Florida. Plantagen und Pflanzer! Man hat in Amerika und in der Welt keine gute Meinung von diesen Dingen! Man denkt an Ausbeuter und Sklaven, besonders an die sohrwarzen Sklaven, die den weißen Unternehmern auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Um so mehr B: :ar GROSSER MUSIKVEREINS-S A AL!l Donnerstag, 18. April, V28 Uhr abends 1 Dirigent: ProfOSSO? StOOifgO PaVöS (Rumänien) Mitwirkend: PrOffOSSOiT iOiSt ZäfTäÖlSr PEOGBAP1PJ: P. Tschaikowaky: Sinfonie Nr. 6 (Patholique) Mendelssohn: Violinkonzert Alexander Zirra: Tantala si Pacala (Sinfonische Dichtung) Carl Goldmark: Ouvertüre »Sakuntula« Karten zu S1— bis S 6.- in der Konzertdirektion Vindobona, Karlsplatz, bei Kchlendorfer, I., Krugerstraßo 3 und Musikverciuskassa.! wunderte es mich, als man mich auf einen Farmer und Baumwolipflanzer verwies, der in Gesicht, Sprache und Wesen ganz was anderes darstellte. In einem Städtchen in Karolinien traf ich mit ihm zusammen. Ein großgewachsener, ‘hagerer Mann von kupferbrauner Gesichtsfarhe. Er empfing mich zuerst etwas reserviert. Wärmer und gesprächiger wurde er, als er merkte, daß ich an seinem jüdischen Wesen und seiner Jüdischkeit Interesse zeigte. Er bewies gleich in der ersten Unterhaltung, wie sehr er heute noch im Talmud, 1m‘jüdischen Schrifttum und in der hebräischen Literatur bewandert ist. Vor vielen Jahren kam er mit Weib und Kind nach Amerika. Er ernährte sich eine Zeitlang als Melamed und vertauschte dann diesen in Amerika nicht leichten und wenig einträglichen Beruf mit dem Hausiererpack. Ein nichtjüdischer Kunde, der sein Freund geworden war, verhall ihm zu einer kleinen Baumwoftfarm, die er erst in Pacht und Bearbeitung nahm, um bald deren Besitzer zu werden. Sie ist heute eine kleine blühende Plantage. Er ist der einzige jüdische Baumwoilpflanzer in der Gegend. Und auch er wird sich hier nicht allzu lange halten können. «Warum nicht? Die Neger sind doch willige und billige Arbeiter?» Ein Irrtum, belehrte er mich. Negerarbeiter gibt cs nur unter zwei Bedingungen: Entweder sie erhalten zehn Dollar im Monat bar ausbezahlt und haben dabei einen gewissen Anteil am Reingewinn, oder sie bekommen 25 Dollar monatlich ohne Gewinnanteil. Der schwarze. Arbeiter ist aber nicht genügend entwickelt, um zwischen Mein und Dein zu unterscheiden. So kommt es denn, daß der Pflanzer nie und nimmer den vollen Ertrag einbringt. Mindestens die Hälfte der Baumwolle verschwindet. Ich versuchte schon das Doppelte an Gehalt zu zahlen, das nützte aber nichts. Mit den weißen Arbeitern In New York, die fünfmal so viel Lohn erhalten, kommt man viel weiter. Weiße Arbeiter anzustellen, geht aber keineswegs, weil der Pflanzer gar nicht Herr seiner Erde und seiner Produkte ist. Den Markt und die Preise machen andere, auf die er keinen Einfluß hat. Feste Anstellungen, Arbeiterverträge mit Pensionen sind hier nach Lage der Dinge undenkbar. «Am schwersten dürfte doch wohl für Sie das jüdische Leben sein, die jüdische Erziehung der Kinder in dieser unjüdischen Umgebung?» «Gerade das nicht,» wehrte er ab. «Kommet in mein Haus und Ihr wendet staunen, wie meine Kinder, ein Knabe und drei Mädchen, das Jüdische beherrschen. Mein Junge lernt Gemoro. Und wenn ich abends oder am Sabbat meine Baumwolle und meine Neger ver- .gesse und mit meinem Sohne beim Lernen sitze, so -bin ich in Tolsch wieder. Auch das Kind, obwohl es hier geboren ist und nie Litauen gesehen hat. Es kommt alles auf die Eltern an. Wenn die nicht wollen, dann sind alle Versuche, eine jüdische Atmosphäre in Amerika zu schaffen, vergebens.» Der spanische Dichter Pio Baroja propagiert die Rückkehr der Juden nach Spanien Eine markante Erscheinung im literarischen Leben Spaniens ist der bekannte. Dichter Pio Baroja, dessen wohlwollende Einstellung zu Juden in den dortigen aristokratischen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt Bekanntlich hatten die führenden Geister des modernen Spanien die Vertreibung der Juden aus dem Lande, wo sie sowohl im politischwirtschaftlichen, wie im blühenden Kulturleben eine hervorragende Rolle spielten, für ein historisches Unglück und den unmittelbaren Grund des Niederganges der Bedeutung Spaniens für die abendländische Kultur. An der Spitze dieser Judenfreunde steht der Autor des «Jahrmarktes der Narren», Baroja, dessen Liebe zu allem Jüdischen von einer echt spanischen Heißblütigkeit gekennzeichnet ist. Dieser lOOprozentige Arier hat an der Eingangstür seiner Wohnung eine «Mesusah» befestigt und bezeugt eine bewundernswerte Ehrerbietung für jüdische Sitten und Kultur. In seinen Werken schildert Baroja die Juden als eine Hefe für den arischen Teig, als eine «europäische Komplikation», die Spanien notwendig hat zur Entfaltung seiner nationalen Vollkraft. Die Quintessenz des jüdischen Charakters sieht Baroja in dem eigentartigen Optimismus, der unbeschadet des transzendentalen Pessimismus und der ständigen radikalen Unzufriedenheit, oder gerade wegen dieser Nebenschwingungen der jüdischen Seele, die Triebkraft der jüdischen Aktivität ausmacht. Zionistischer Delegiertentag Die Wahlen für den am 20., und 21. d. M. stattfindenden zionistischen Delegierlentag finden Donnerstag, den 11. d. M., statt. Die Gesinnungsgenossen haben sich bei der Wahl durch Vorweisung der Schekelquittung und ein Ausweisdokument (Straßenbahnlegitimation, Paß usw.) auszuweisen. In nachstehenden Sektionen finden Wahlen statt: Sektion I: Klublokal der Hakoah, I., Wipplingerstraße 24, 7—S Uhr abends. . Sektion IWV: Terrassencafe, V., Margaretehplatz, 6—10 Uhr abends. S e k t i o n VI/VII: Mariahilferstraße 79, Annoncenbureau Guttinann, 6—10 Uhr abends. Für die Hauptwahlkommission: Artur A1 b e r s, Dr. Leonhard Eckstein, Dr. Emil K r a s n y, Dr. S. S o n d e r 1 i n g. Karmel-Weine bei Gerngross. In der Lcbensmittclabtci- Iung des Warenhaufes Gerngross gelangen ab heute Karmcl- Weine aus Rildion le Zion zum Verkauft Zionistische Jugend und Organisation« An der Donnerstag, den 28. März stattgefundenen Veranstaltung des zionistischen Landeskomitees berichtete Dr. Tartakower über die neuesten Ereignisse in der zionistischen Welt sowie über die Neuerscheinungen der hebräischen Literatur. Hieran schloß sich das Referat des Herrn Prof« Kellner über das Verhältnis der Jugend zur zionistischen Organisation, Er führt aus, daß der Zusammenhang zwischen Jugend und Organisation ein lebendiger sein muß. Die zionistische Jugend müsse an der positiven Aufbauarbeit der Organisation teilnehmen, soll sich aber vom Parteigetriebe möglichst fernhalten. An das Referat schloß sich eine längere Debatte, an der sich Dr. Koppel, Dr. Gelber, Dir. Tartakower und Max Schrötter beteiligten. Der nächste Vortrag des zionistischen Landeskomitees findet am Donnerstag, den 11. April, präzise 8 Uhr abends, im Cafö Silier, I., Schwedenplatz, statt. Es spricht Here Dr. Leo G o 1 d h a m m e r über «Probleme des XVI. Zionistenkongresses». Unmögliches verlangen? In einem Scheidungsprozeß vor dem Rabbiner erklärte eine Frau, daß sie nur dann in die Scheidung willige, wenn ihr Mann sie so verlasse, wie er sie genommen habe. Auf die Frage des Rabbiners, was sie damit verlange, sprach die Frau: «Er hat mich als Witwe genommen, er soll midi wiedef als Witwe verlassen 1 rir uihift «MHlrllrr-i ruft-nr—