Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 67 (11.4.1929)
- Date
- 1929-04-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 67 rwe ornttip L/IE 31 miflEr SeMe 7 * Jüdische Goldgräber in Kanada Die Märchen und die Wirklichkeit Rund 400 Meilen Luftlinie nördlich von New York Hegt Kanada. Kanada bedeutet, für d&i Touristen wenigstens, gewöhnlich Montreal, eine prachtvoll gelegen* Stadt, die zu 82 Prozent katholisch ist und von 60.000 Juden bewohnt wird, die — wie überall — studieren, handeln, die Synagoge besuchen, Zionlstenversammlungen abhalten und am Jom Kippur fasten. Die reichen Juden wohnen in Westmount, die weniger reichen sind Über die ganze Stadt verstreut, während die armen beisammen im Ghetto wohnen, das nur ganz, ganz wenig, aber immerhin etwas an die East- Side (das Judenviertei) von New York erinnert. Es gibt hier eine kräftige jüdische Aufwärtsbewegun-g auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens. Die Vereine für kulturelle und zionistische Betätigung nahmen in jüngster Zeit einen bedeutenden Aufschwung. Wer war der erste kanacU«ohe Jude? Es wird berichtet, daß diese Auszeichnung den Verwaltungsbeamten Aaron Hart trifft, welcher an der Seite de6 Generals Amherst durch die Tore Montreals ritt, all« die Franzosen die Stadt am 8. September 1760 den Engländern übergaben. Seitdem gab es jüdische Generale, Hudson-Bay-Händler, Mitglieder der gesetzgebenden Behörde, Parlamentsmitglieder, Lords, Gesandte, Richter, Bürgermeister, Bankiers und industrielle Größen, welche dazu beitrugen, Kanada der großen Kette von Weltmächten einzuverleiben. Juden kamen während des ganzen 19. Jahrhunderts nach Kanada, aber die Dekade von 1901 bis 1911 sah das größte Anwachsen der jüdischen Bevölkerung. Gegenwärtig gibt es über 150.000 Juden in Kanada, und 73 Prozent davon verteilen sich auf die drei Städte Montreal, Toronto und Winnipeg. Ständig waren Juden unter den Pionieren, welche neue Teile dieses ausgedehnten Dominions erschlossen. Die Erzählungen von den Abenteuern dieser jüdischen Pioniere, Farmer und Goldgräber sind spaßig, tragisch und pathetisch zugleich. Unter den Juden, welche im Jahre 1867, zur Zeit des großen Goldfiebers, — als man im Bett des Fraser- Flusses Gold vorfand — nach Britisch-Columbia kamen, befand sich auch Abraham Belasco, der Vater des berühmten jüdischen Bühnenkünstlers. Neue Siedlungen in Erez-lsrael Aus Jerusalem wird uns gemeldet: In der neuen Siedlung «Rab i ah» bei Benjaminah, sind Mitte März die ersten Siedler eingezogen. Die neue Kolonie ist 7 km von Benjaminah und 8 km von Chederah gelegen. Sie soll nach ihrem Ausbau 500 Häuser enthalten, darunter 50 Arbeiterhäuser. Die Fläche der Siedlung beträgt 30.000 Dunam. In der Ebene Saron, in einer Entfernung von 15 km von Tel-Aviv, wurde eine neue Siedlung «H a d a r» angelegt, die in erster Linie Orangenbau betreiben wird. Die Bodenfläc'he, die gegenwärtig kultiviert wird, beträgt 1600 Dunam und soll später auf .4000 Dunam erweitert werden. Die neue Siedlung grenzt an das Gebiet von Ain Ghaj, Ramataim und Magdiel und ist in dem Bewässerungsplan der Audja- Bewässerung mit eingeschlossen. Die Kuschane für die einzelnen Parzellen sind schon ausgegeben worden, so daß mit der Pflanzarbeit bereits begonnen werden konnte. Die Kwuzah «Schiller», die denamen des verstorbenen zionistischen Pioniers Schlomoh Schiller trägt, ist einer der jüngsten Siedlungs punkte im Pflanzungsgebiete nahe bei Rechboth. Sie besteht aus 34 erwachsenen Mitgliedern und sechs Kindern. Die Ansiedlung der Kwuzah «Schiller» ist noch nicht i»m Kolonisationsbudget der Zionistischen Exekutive vorgesehen, so daß ein großer Teil der Angehörigen der Kwuzah außerhalb landwirtschaftliche Lohnarbeit verrichtet. Trotzdem ist es der Kwuzah bereits gelungen, auf dem vom Keren Kajemeth zur Verfügung gestellten Boden einige landwirtschaftliche Kulturen zu entwickeln. Sobald die Kwuzah ein Budget erhalten wird, wird mit der definitiven Durchführung des Siecllungsprogrammes begonnen werden. Die arabischen Uebergriffe an der Klagemauer wollen kein Ende nehmen Aus Jerusalem wird gemeldet: Am vergangenen Samstag, während die Juden an der Klagemauer ihre Morgenandacht verrichteten, drangen Araber bis zur Mauer vor und entfernten verschiedene Gegenstände, die gewöhnlich von den betenden Juden benutzt werden. Die Juden versuchten, die Araber an ihrem Zerstörungswerk zu verhindern, wobei es zu einer Schlägerei kam. Der Polizeiposten vor der Mauer zeigte sich der Situation nicht gewachsen. Der stellvertretende Distriktskommissär, der von dem neuen Zwischenfall benachrichtigt wurde, sandte den Distriktsoffizier zur Klagemauer und trug ttyn auf, jeden Versuch einer Störung des Status quo unmöglich zu machen. Der Offizier veranlaßte, daß die weggenömmenen Gegenstände zurückgegeben werden. Die neue Gemeindeverfassung in Palästina Im cLoar Hayom» bespricht Jabotinsky den Entwurf der Regierung, der dem High Commissioner weitgehende Rechte hinsichtlich der Munizipalverfassung in Palästina einräumt. Er kommt zu einer scharfen, ablehnenden Kritik der Verordnung und betont, daß sie im Gegensatz zum Mandat stehen würde, das ausdrücklich die Entwicklung von autonomen lokalen Selbstverwaltungsbehörden vorsieht. Es könne keine Rede davon sein, daß die Stadtverwaltungen in Palästina den neuen Gesetzentwurf abzeptierten. Sie müßten schärfstens dagegen Stellung nehmen und nicht immer in den Irrtum verfallen, den unsere Politik so oftmals begangen habe. Wir protestieren, seien aber bereit, uns mjt dem Geschehenen abzufinden, wenn unsere Proteste erfolglos blieben. Die Gefahr eines solchen Verhaltens Kege vor allem darin, daß Präzedenzien geschaffen würden und die Verletzung unserer Rechte sozusagen legalen Charakter erhalte. Dabei sei sich jedermann darüber klar, daß die gegenwärtige Verwaltung in Palästina im Widerspruch mit dem Geiste und dem Inhalt der Versprechungen handle, die uns im Namen der englischen Nation gegeben worden seien. In ähnlichem Sinne nimmt auch der «Dawar» Stellung. Die Frage der heiligen Stätten W'*» die römischen Zeitungen melden, weilt der Apostolische Delegierte für Washington in Palästina. Er gedenkt, dort mit dem englischen Kirchenprimas, dem Erzbischof von Canterbury, zusammenzutreffen, um mit ihm die im Zusammenhang mit den Heiligen Stätten bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu erörtern. Wie die dem Vatikan nahestehende Agentur «Corriopondenza» mitteilt, wind die Frage der «Heiligen Stätten» demnächst in das Zentrum der 1 n t e r- SIEGM. KORNMEHL OBOSSFLEXSCHB AD BREI Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, AbteilU^^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien AutosEUstelluno kostenlos IX, Berpgasse 15 XVH1, W&hrlngeratraße 97 nationalen Verhandlungen treten. Es bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vatikan und der britischen Regierung, wobei es der Standpunkt des Vatikans ist, daß England als Mandatarmacht des Völkerbundes voll verantwortlich sei für die Ordnung der Besitzverhältnisse bezüglich der Heiligen Stätten. Der Erzbischof von Canterbury, der Kirchenprimas von England, trat am 1. April eine Mittelmeerreise an, die ihn auch nach Palästina und Jerusalem führen wi-rdv, „Bne Binjarain“ beim High Commissioner Am 28. März empfingen der High Commissioner und der Chief Secretary eine Delegation der «Bne Binjamin», der Organisation junger Kolonistensöhrte in Palästina. Dem High Commissioner wurde ein Memorandum überreicht, in dem eine Reihe von Erleichterungen für die Ansiedlung der Kolonisten gefordert wurde, darunter vor allem Bereitstellung von Regierungsböden und Befreiung der Kolonisten von Steuern während der ersten fünf Jahre. Der High Commissioner betonte in seiner Erwiderung den Wert eires Kolonisationssystems, da6 sich auf den Prinzipien der Privatinitiative und des Privatbesitzes aufbaut. Er sei überzeugt, daß ebenso wie in allen anderen Ländern auch in Palästina diese Methode zum Erfolg führen werde. Die Frage der Zuteilung von Regierungsböden könne erst nach dem Abschluß der Landvermessung in Palästina entschieden werden. Ebenso könne eine Befreiung von Steuern nur von Fall zu Fail erwogen und bewilligt werden. Vierzigjähriges Jubiläum der Kolonie Chederah Der Waad der Kolonie Chederah befchloß vor einigen Tagen, im Jahre 5691 das Jubiläum des vierzigjährigen Bestehens der Kolonie zu feiern. Ein besonderes Erinnenu>n gsb'uch, das anläßlich des Jubiläums erscheinen wird, soll die Geschichte der Kolonie bis zur Gegenwart beschreiben. Jüdische Frauen I Das Osterfest naht! Kluge Hausfrauen verwenden zum Kochen aus hygienischen Gründen nur Aluminiumgeschirre, die bester Qualität und billigst bei Leopold Heine A. 0., Wien, VI., Gumpendorferstraße 11, zu haben sind. ■ £in erlesener Genug | In sind die, nach einem speziellen ||| Sj Verfahren erzeugten, ln ■ III Qoachntack u. Bokttmmilchkolt unorroKhtan I I s STRUM-MAZZOTH j! und GRIESS 1 Hl die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandi III frei erzeugt, bestbekannt sind und wegen ihrer | n Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden I | Hl Die vielen tausende Freunde der Qualitäts-Mazzoth ■ III „Strum** lassen sich keine anderen Erzeugnisse ||| III aufdrängen ||| in Froher Pessach — nur mit ■! Strum Hazzoth I die als das beste österr. Fabrikat anerkannt sind Wer einmal Strum-Mazzoth genießt, nimmt keine anderen! 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Dezember 1928 wurde eine zentrale Verhandlungskommission mit dem Sitz in Bukarest gebildet, die sich aus den rumänischen Mitgliedern des zionistischen Aktionskomitees und deren Stellvertretern sowie aus Vertretern der zionistischen Landesorganisationen und Sonderverbände aller vier Provinzen zusammensetzt. Diese Kommission hat die Aufgabe, mit den in Betracht kommenden Körperschaften alle notwendig erscheinenden Verhandlungen, betreffend die Wahl der nichtzionistischen Jewish-Agency- Mitglieder aus Rumänien, zu führen. In der am 24. März d. J. stattgefundenen konstituierenden Sitzung wurde festgestellt, daß Delegierten Versammlungen aus Vertretern der jüdischen’ Kultusgemeinden in jeder Provinz, an denen auch Vertreter der neutralen Keren-Hajessod-Komitees teünehmen sollen, das geeignete Forum für die Wahl der nichtzionisüschen Mitglieder in der Jewish Agency darstellen würde. Es wurde daher beschlossen, sich an die jüdischen Kultusgemeinden des ganzen Landes zu wenden und dieselben zu ersuchen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen und von sich aus die Initiative zur Einberufung des vorgeschlagenen Forums zu ergreifen. Die Mitglieder der Verhandlungskommission in den vier Provinzen werden die Vollmacht erhalten, die Verhandlungen zwecks Festsetzung aller Einzelheiten im Namen der Verhandlungskommission zu führen. Rumänische Studenten exzedieren wieder — wo bleibt die demokratische Regierung Maniu? Bukarest, 3. April. (J. T. A.) Studenten der Jassyer Universität, die eine Exkursion unternahmen, überfielen unterwegs in den Eisenbahnk u p e e s die mitreisenden jüdischen Passagiere und mißhandelten sie schwer. Auf der Station Kalaraschi, Bessarabien, schlugen sie auf den sephardischen Juden Beliaschni so lange ein, bis er bewußtlos liegen blieb. Er wurde in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause gebracht. Die Zeitung «Diminiatza» teilt mit, daß die Huligans bei ihrer Ankunft in Kischinew von der Polizei zur Ausweisleistung aufgefordert wurden, daß aber keiner von ihnen in Haft genommen wurde. Die Zeitung «Lupta» verurteilt scharf die Ausschreitungen in Bessarabien und berichtet über antisemitische Ausschreitungen in Transsylvanien. Der Schuhmacher Moses josef aus Klausenburg, sein Enkel Josanka Molnar und die jüdischen Bürger Hirsch und PeterKuhn wurden auf der Straße von Cuzisten so schwer mißhandelt, daß sie bewußtlos auf dem Platze blieben. An der Technischen Schule in Timisoara wurde dej einzige und letzte jüdische Schüler der Anstalt durch seine Mitschüler gezwungen, die Schule zu verlassen. Bis jetzt wurden diese Verbrechen nicht bestraft. Die Regie* rung möge endlich, fordert «Lupta», solchen Skandalen mit der erforderlichen Energie entgegentreten« Das kranke Judentum... * "" Vom Frankfurter Rabbi Samson Raphael Hirsch, Gründer der Orthodoxie innerhalb des deutschen Judentums, ist folgender Satz berühmt geworden: «Seitdem die Rabbiner Doktoren werden, ist das Judentum fortwährend krank.» I Herren und Dameo-lfielder nach Maß I Rsicbe 3toffaaiwib.i Zahltag tucb üeberelnk«mm*a. I JfoBEamim ladna Wien. VI., Mariabllferstraße 107. TeL B 27-84S