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Die Stimme · 1929-04-11 · Heft 67 (11.4.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 67 (11.4.1929)
Date
1929-04-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 67 Seite 5 OIE STIMME KUNEROL ■+ Ist verbärgt reHies|Fett aas Kokosnüssen. Die Erzeafring sttht unter streng ritueller^Aufsicht des Herrn Bezirksmbbfaers S. Bhrenfeld zu Mattersbarg. K U N B R O L kann daher von allen Strenggläubigen zur Zubereitung von Osterspefsen verwendet werden. ßfflEnasjr ®P@2aatt> War der alte, Halsmann das Opfer eines Raubmordes? Der zweite Schwurgerichtsprozeß Wie die «Stimme» bereits mitteilen konnte, dürfte der zweite Schwurgeridhtsprocseß Halsmatin im Laufe des Monates Juni vor den Geschworenem iti Innsbruck stattfinden. Dr. Preßburger, der Halsmanii im ersten Prozeß vertrat, hat bekanntlich die Verteidigung im Einvernehmen mit dem Angeklagten an den Innsbrucker Rechtsanwalt Dr. P r e ß 1 e r abgetreten. Der neue Verteidiger hat bereits einen umfangreichen Schriftsatz an das Gericht gelangen lassen, in welchem besonderes Gewicht auf die Beweisführung in der Richtung gelegt wird, daß es sich im Falle Philipp Halsmann nicht um einen Vatermord oder Totschlag, sondern um einen Unfall oder um einen Raubmord unbekannter Täter handle. Zur Begründung dieser Ansicht wird darauf verwiesen, daß der erste Prozeß keinerlei Klarheit über das Fehlen eines größeren Betrages in Schweizer Francs, . den der alte Halsniann bei sich getragen haben soll, gebracht habe. Der Verteidiger beantragt daher die Einvernahme des Personals aller jener Sohutzihütten und Gasthäuser, in denen die beiden Halsmann'auf ihrer Wanderung eingekehrt sind, um festzusteilen, ob nicht aus den Kreisen dieser Personale heraus Klarheit über den damaligen Geldbesitz geschaffen werden könnte. Ferner beantragt der Verteidiger die Ausforschung jener beiden Männer, die von Zeugen nach der Auffindung der Leiche Halsmanns getroffen wurden und bereits davon wußten, daß auf dem Wege nächst der Dominikushütte eine Leiche liege. Die Verteidigung beantragt schließlich die Vornahme eines LokalaugensCheines noch vor der neuerlichen Schwurgerichtsveihandlung und besteht auf der Einholung eines neuen Sachverständigengutachtens, da der Oberste Gerichtshof in der Begründung seiner Entscheidung über die Nichtigkeitsbeschwerde das Gutachten der bisherigen Sachverständigen als nicht genügend stichhältig bezeichnet hat. „Außerdem“ warf Herzl.. ‘ Bia Denkmalaafraf mit GesinnungshinderaiMea Brief an die «Stimme». Vor kurzem wurde ein von mehreren hervorragenden Persönlichkeiten gezeichneter Aufruf verbreitet, der aus Anlaß der fünfundzwanzigsten Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls zur Errichtung eines Denkmals aufforderte für den «Begründer des Ruhmes des Wiener Feuilletons», der «außerdem» noch die Idee des Zionismus wie eine brennende Fackel in die Welt warf...» Dieses hilflose «außerdem», das die nebensätzliche Behandlung des Lebenswerkes des toten Führers einleitet, klingt da einigermaßen unaufrichtig und wirkt in Verbindung mit der Unterschrift Albert Einsteins besonders peinlich. Man darf füglich bezweifeln, daß Professor Einstein diesen Aufruf, der auch sonst von kräftigen Geschmacklosigkeiten und sanften Entstellungen der großen schöpferischen Idee Theodor Herzls strotzt, vor seiner Veröffentlichung gelesen und seine Unterschrift wissentlich gesetzt habe in der Nachbarschaft des Hermann Bahr, dieses malerischen Chamäleonardo da Linz und unverfälschten Gesinnungswechslers, an dem nur der gottväterliche Heiligenschein, der trügt, Beständigkeit hat, und in Kenntnis dieses, sagen wir: behutsamen Gestammels, das vor lauter Angst, irgendwo anzustoßen, die abstoßende Formulierung, die in allen Assimilationsfibeln zu lesen ist, nachgeleiert hat: «Herzl wollte das russische Judentum — und nicht, Gott behüte, auch die Verfasser dieses Aufrufes — aus der Enge des Ghettos» usw. Das Venerationsbedürfnis dieser Herren, das in dem projektierten Herzl-Denkmal sichtbar zum Ausdruck kommen soll, in allen Ehren. Was man da aber peinlich vermißt, ist der dazu gehörige Bekennermut, ist die Geneigtheit, das «Haupt hoch zu tragen», wie es doch Herzl, nach dem Attest der Aufrufsverfasser ausdrücklich lehrte. Oder sollte er auch dabei auschließlich an die russischen Juden gedacht haben? Das Judentum hat seinem toten, unsterblichen Führer ‘ in den letzten Jahren ein imposantes, in die ganze Welt ragendes, lebendiges Denkmal gesetzt: Erez Israel heißt es! Was bedeutet angesichts dieses herrlichen, stolzen Monumentes, an dessen Aufrichtung das ganze schöpferisch gewordene jüdische Volk mitgewirkt hat, das Gipsmodell des Bildhauers Sandor J a r a y, das — wie es im Aufruf heißt — seiner «Uebertragung in Marmor harrt» — mag es harren! M. Agnus. Der k. k. Ritualmordtheoretiker a. D... Rabbi Chajim Vital und August Rohling Vor kurzem meldeten die Zeitungen, daß der traurig-berühmte Universitätsprofessor August R o h 1 i n g, k. k. Ritualmordtheoretiker a. D., seinen 90. Geburtstag in stiller Zurückgezogenheit feiern konnte. Rohling lebt gegenwärtig in Salzburg als Altpensionist des «angestammten» k. k. Antisemitismus, dem gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die gleichsam zur Modeliteratur avancierten Tahnudfälechungen und allerhand andere «gelehrte Gutachten» ••Iber die ethische «Fragwürdigkeit» der jüdischen Religion, nach denen damals besondere Nachfrage bestand, in unbeschränkter Zahl lieferte. Neben seinem «Talmudjuden», der wie ein richtiger Kolportageroman in vielen Hunderttausenden von Exemplaren veibreitet wiurde, hat Rohling auch eine Reihe kleinerer Schriften veröffentlicht, schamlose Verleumdungen und GelegenheitsKigen, die er besonders in der Pessachzeit, in der Saison der Blutlüge, massenhaft zu prodiusaenen pflegte. Seinem «Getehrtenscharfsinn» verdankt man bekanntlich auch die «Demaskierung» des berühmten jüdischen Kabbalisten Rabbi Chajhn Vital, eines Jüngers des «Arl» (Rabbi Zigfiak Lama), der die ganze mittelalterliche AlystJk m entscheidender Weise beeinflußt hat Rohling machte die «Entdeckung» — er gab vor dem Prager Gericht eine diesbezügliche eidesstattliche Erklärung ab —, daß Rabbi Chajim Vital in zweien seiner Werke, und zwar in dem «Pri Ez Chajim» und im «Ssefer ha-Likutim», die Abschlachtung von christlichen Jungfrauen zu jüdischen Ritualzweoken als ein heiliges, gottgefälliges Werk der Juden bezeichne. In den vor einiger Zeit erschienenen «Lebenserinnerungen des Kabbalisten Vital», die der bekannte jüdische Schriftsteller Chajim Bloch, ein gründlicher Kenner der kabbalistischen Literatur, mit feinsinniger Einfühlungsgabe zium erstenmal in deutscher Sprache henausgab (Vemay-Veriag, Wien), weist der Herausgeber auf (fieses Meisterstück des Rohlingschen Lügenlebens besonders hin, indem er zugleich auch Aeußerungen der hervorragenden christlichen Gelehrten Delitzsch, Strack, Noeldecke und Wünsche reproduziert, die die Behauptungen Rohlings als dummfreche Verleumdung zurücfcwteseak ...Rin ... Russische Revolutionstalmudisten Privilegierte Pogromopfer — Die „Schwarzen Hundert“ in neuer Auflage—Neo- Antisemitismus der dritten Internationale Die passive Pogromqualifikation, die; in früheren Jahren im russischen Zarenreiche alle Juden des Ansiedlnngsrayons, ohne Unterschied der Klasse und des Standes, besaßen, ist im neuen bolschewikischen Rußland, wo das Proletariat eine privilegierte Stellung inne hat, sinngemäß auf die jüdischen Proletarier übergeganigen, auf die pnirvileigierte Klasse der jüdischen Fabrikarbeiter. Die deklassierten jüdischen Bürger und Kleinbürger, die die russische Revolution aus der Gesellschaft ausgestoßen hat, kommen in der neuen Gesellschaftsordnung nicht einmal mehr als Pogromobjekte in Betracht. Sie haben ihre Gleichberechtigung auch vor dem Pogromtode eingebüßt und müssen sich schon mit dem wirtschaftlichem Ruin allein, der ihnen allerdings in unbeschränkter Weise zuteil wird, begnügen. Dagegen erfahren diie klassenbewußten jüdischen Arbeiter, die die volle Gleichberechtigung genießen, die besondere Auszeichnung häufiger antisemitischer Ueberfälle und Verfolgungen durch ihre eigenen Kiässengenossen, jene russischen Pogromromantiker, die ihre reaktionäre, ju den feindliche Gesinnung aus der Geistessphäre der ehemaligen «Schwarzen Hunderb» in die dritte Internationale herübergerettet haben und sich von Zeit zu Zeit in kleinen antijüdischen Betriebspogromen üben. Die offiziellen Zeitungen der Sowjetunion, die russischen ebenso wie die jiddischen, haben eine ständige Rubrik für die Registrierung dieser revolutionsfeindlichen antisemitischen Exzesse eingeführt und es muß festgestellt werden, daß auch die russischen Behörden einen energischen und zielbewußten Kampf gegen den Betriebsatitisemitisnius führen, der sich auf staatlichem Boden breitmacht. Diese aufrichtige Stellungnahme der russischen Regierung gegen den Neo-Antisemitismus, die in einem strafweisen Ausschluß der Exzedenten aus den staatlichen Betrieben klar genug zum Ausdruck kommt, und die ihr zweifellos die Sympathien der Juden der ganzen Weit, auch der politischen Gegner, sichert, hat es aber bisher leider nicht vermocht, den, judenfeindlichen Ausschreitungen in den staatlichen Betrieben und Unternehmungen, die immer kühner und regelmäßiger auftreten, ein für allemal ein Ende zu bereiten. In jüngster Zeit wiederholen sich die antijhdischen Betriebsexzesse in Schlüsseliburg, Minsk, Stalingrad, Witebsk, Bobrojsk und in den staatlichen Kohlenbergwerken. Dort ereignete sich sogar der Fall, daß ein alter bolschewikischer Parteifunktionär in einer Betriebsversammlung der Grubenarbeiter, zu denen auch mehrere Juden gehören, eine Art von Bekenntnisrede hielt, in der er sagte: «Ich unterwerfe mich in vollem Gehorsam den Beschlüssen der Partei. Aber ich hasse die Juden und halte es für falsch, daß d'ie kommunistische Partei die Veranstaltung von Judenprogroinen verboten hat.» Aehnliche «Bekenntnisreden» teilt das russische Amtsblatt «Komsomoiskaja Pnalwda» auch aus anderen Orten mit, wobei es mit aller Schärfe für einen erneuten rücksichtslosen Kampf gegen die Träger und Verschleppen der antirevolutionären antisemitischen Seuche eintritt. Einzig dem jiddischen Organ der Jewsekzia, deren rasend gewordene Revohitionstalmudisten von der bekannten tanaitisch-dialektischen Formel «ipeha mistabra» nicht loskommen können und die in ihrem umstürzlerischen Uebereifer alles von der verkehrten Seite zu nehmengeneigt sind, blieb es Vorbehalten, — wtie M. G. Zimmermaiin in dem jüngst erschienenen Heft der «Menorah» ausführt —, für die Erscheinung des russischen Neo-Antisemitismus dessen Opfer verantwortlich zu machen und statt des Kampfes gegen die antisemitischen Strömungen innerhalb der russischen Arbeiterschaft eine Abwehr des — jüdischen Chauvinismus zu propagieren ... Mazzoth — eine konterrevolutionäre Erscheinung Propaganda gegen die Mazzotheinfuhr in Rußland, Aus Moskau meldet die J. T. A.: Die Zeitung «Emess» tadelt die russischen Regierungsbehörden, die die Erlaubnis zur Einfuhr von Mazzoth äus dem Ausland erteilt haben, und attackiert besonders die Führer der jüdischen Gemeinden in Moskau und Leningrad, denen vorgeworfen wird, daß sie ihre Verbindung mit ausländischen Bankiers, Rabbinern und gelben Sozialisten ansnützen, um Aufrufe in die Weit zu schicken, daß das jttidische Volk in Rußland Hungers stirbt. Die Einfuhr von Mazzoth diene der Konterrevolution . . . * Das Berliner Komitee zur Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth erhielt gestern aus Charbin im fernen Osten auf telegraphischem Wege einen größeren Betrag für die Mazzoth-Aktion überwiesen. Schomre-Schabos-Bank in Riga Am 1. April fand in Riga eine Sitzung des Vorstandes des Schomre-Schabos-Landesverbandes statt. Einstimmig wurde die Gründung einer Schomre-Schabos- Bank beschlossen und in die Wege geleitet. (Ita.) Die 12.000 gefallenen deutschen Juden Die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten «Schild» hat die Veröffentlichung der vorläufigen Liste von im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten des deutschen Heeres geschlossen und stellt durch sehr vorsichtige Schätzung fest, daß zumindest 12.000 deutsche Juden auf dem Felde der Ehre geblieben sind... Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 13. April d. J., um 3 Uhr nachmittags, findet der jugendgottesdienst für die israelitische odhidjugcnd in oea Gemeinde- und Beziitospnagogen statt.

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