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Die Stimme · 1929-04-11 · Heft 67 (11.4.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 67 (11.4.1929)
Date
1929-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME nTBT Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen raonl$dicwHzna(zos Grieß goaQaaoDnoaaöooQacioooDöO nraö-rB’iwM«» □ o __ _ . __ _ □□□□□□&□□□□□□□□□DDQOaOP Farvel sind bereits eingetroffen tund in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingelangten Mazzoth Crackers, eine besondere Freude für die Kinder , Flanischewitz Noizos-Vertrieb Wien, 2. Dez., Fagbadigatse 24 (NordbahnstraOe 38) Telephon Nr. R 23-9-32 und n 48 0-82 Filiale: lg. Frost, 2. Bex., Haldsasse 9, Telephon Nr: A 41-8-64 Jewish Agency als Symbol des jüdischen Friedens Eine Rede Nahum Sokolows Der Präsident der Zionistischen Exekution, Nahum S o k o l o w, der seit einiger Zeit in New York weilt, hielt bei dem zu seinen Ehren im Hotel Waldorf- Astoria veranstalteten Empfang eine von lebhaftem Beifall begleitete Ansprache, die wir hier auszugsweise wiedergeben: Meine Botschaft ist heute die gleiche, die ich vor zehn Jahren, am 27. Februar 1918, im Namen des jüdischen Volkes an die Friedenskonferenz in Paris verkündet habe: Der Weltfrieden wird kommen, wenn Zion wieder aufgebaut sein wird. Das ist nicht nur eine Angelegenheit des Nahen Ostens oder Palästinas oder eine jüdische Angelegenheit, es ist eine Sache, von der der Sieg der Gerechtigkeit und Humanität abhängt. Die Friedenskonferenz war 1918 nicht beendet, sie läuft noch weiter. Sie,heißt Genf, Locarno, Kellogg-Pakt. All diese Namen bezeichnen große Meilensteine, aber das Ziel und der wahre Name ist Zion. Von Palästina aus wird ein frisches geistiges Leben sich entwickeln, um das Gewissen der Menschheit umzugestalten. Vön Palästina aus geht die ruhmvolle Mission an die garize Welt. . Zionismus ist nicht ausschließlich ein Kolonisationsschema. Er ist eine Wiederäuflebung. Die zionistische Bewegung rettete das Judentum in einem tieferen Sinne des Wortes. Manche weisen auf die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten des Jüdischen Nationalheims hin. Wir wissen all dies besser als alle Kritiker. Es ist ein Laboratorium» ein kolossaler Versuch des Zusammenschmelzens^von Ost und West. Es ist vielleicht das schwerste Unternehmen in der menschlichen Geschichte, weil es die größte und edelste Eingebung ist, das wirkliche messianische Werk. Ich möchte nicht von seinem Erfolg sprechen. Erfolg ist eine Bezeichnung, zu einfach für Ideale. Der Zionismus will einen Sieg "erringen. Wir sind erst am Anfang eines langen Weges. So ist es mit dem Weltfrieden, so ist es mit Z i o n. Ich glaube, wir sind sogar ein .wenig'•mehr vorgeschritten im Zionismus als im Weltfrieden. Wir erstreben die Vollkommenheit beider. Deswegen müssen wir vor allem Frieden in unserem eigenen Hause haben. Jüdischen Frieden. Ich betrachte die J e w i s h A g e n c y a 1 s e i n Symbol des jüdischen Friedens, und ich gratuliere euch, amerikanische Juden, zu diesem wundervollen Beginn. Die amerikanische Judenheit voran, die anderen werden folgen. Der Hauptteil des jüdischen Volkes ist mit uns. Es gibt einige «Antis», die Schatten nachjagen und die Substanz übergehen. Mit welch tiefer Bitterkeit muß man bemerken, zu einer Zeit, wo die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt auf Palästina gerichtet ist, wo von den Lippen der größten Führer der Nationen und großer politischer Parteien der ganzen Welt edle Worte des Respekts, der Beachtung und enthusiastischen Anerkennung für unser nationales Ideal, für unsere Anstrengungen und Opfer im Zusammenhang mit der Wiederaufrichtung unseres Jüdischen Nationalheims verkündet werden — daß es Juden gibt, die bereit sind, all dies bloßzustellen und sich als unverbesserliche Nörgler und Unzufriedene erweisen, unfähig die Disziplin der Einigkeit zu wahren . . . Stolz auf eine Vergangenheit, die einzig ist in der Weltgeschichte, sind wir uns voll bewußt des schweren Gewichtes der Verantwortung, die wir mit der Friedenskoatacnna und dem Mandat auf uns genommen haben. Wir haben die größte Möglichkeit auf Erden. Wir können gleichgestellt und geehrt sein. Hier ist nichts, was.uns stört. Der Weltfrieden kann errichtet werden durch den gleichen messianischen Geist, durch welcheji Zion jetzt errichtet wird. Beide haben einen wundervollen und begeisternden Beginn. Von beiden hängt unser Leben ab, unsere Ehre als’ Menschen und Juden. Nathan Straus und die orthodoxen Kongregationen Amerikas Aus New York wird gemeldet: Die Union Orthodoxer Kongregationen Amerikas hielt im New Yorker Jeschiwah-College eine Konferenz ab, der Vertreter von 650 orthodoxen jüdischen Kongregationen ans ganz Amerika'beiwohnten. (Inhaber: 1IIICM ,M 5 Richard Herzog WlLll ii., k»1 Pfarrg. 28 Toi. A-41-6-24 Sprechapparate i al i*t jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und üesangsschlager In reichster Aaswahl auf Lager I Auch Teilzahlungen! ProvinzversandI Soeben neue original-amerikanische Lieferungen eingelangt Nach einer lebhaften Aussprache über die Frage des Palästina-Aufbaues nahm die Union eine Resolution an, in. welcher der Plan der Erweiterung der Jewish Agency gebilligt und eine proportionale Vertretung der Union und der anderen orthodoxen Körperschaften Amerikas in der Agency gefordert wird. Der Konferenz wohnte der greise Philantrop Nathan Strauß bei. In einer Ansprache an die Mitglieder der Konferenz führte er aus, er gehöre zwar einer der ersten Reformkongregatiouen von Amerika an, er sei aber über die Leistungen der zweiten Generation der jüdischen Reformbewegung enttäuscht. Nur eine intensive jüdische Erziehung in orthodoxem Finne könne die jüdische Jugend für das Judentum begeistern. Es sei wichtig, daß alle drei religiösen Gruppen des amerikanischen Judentums, Reformisten, Konservative und Orthodoxe, diesem Ziele zustreben. Die englische Agudah nimmt an der Jewish Agency-Konferenz teil London, 5. April (J. T. A.) Die Agudas Jisroel in England hat beschlossen, zwei Delegierte zu der in London zusammentretenden Konferenz der englischen Juden, die eine Vertretung der englischen Juden im nichtzionistischen Teil der Jewish Agency wählen soll, zu entsenden." Für die Teilnahme an der Jewish Agency selbst stellt c|ie Agudac, Jisroel bekanntlich die Bedingung, daß Sich die Tätigkeit der Agency auf rein politische und wirtschaftliche Fragen beschränkt. Orangen... Vol Ernst Davis, Jerusalem «Aegyptfen hat die Baumwolle aufgebaut, Palästina wird die Orangen aufbauen», sagt man hier. Von Jaffa herunter in den Süden über Ness Zionah, Rischon le Zion, Rechowoth und nach Norden über Petach Tikwah, Herzlia, Chederah bis nach Haifa herauf wachsen von Monat zu Monat neue Pflanzungen aus detr| Boden. Von 1920 ab bis Ende vorigen oder Anfang diesen Jahres hatte sich die jüdische Bodenkaufspolitik praktisch auf das konzentriert, was man die «Erlösung des Emek» nannte. Der Keren Kajemeth, unterstützt von halb und ganz privaten Gruppen, erwarb den großen Taleinschnitt zwischen Haifa und dem Tiberiassee, der Galiläa von Samaria trennt. Warum, weshalb? Vielleicht aus romantischen Gründen, um das alte Schlachtfeld des Landes, auf dem seipe großen Kämpfe ausgefochten wurden, und sich alle (Kilometer eine historische Stätte findet, in den eigenen Besitz zu bringen. Sicher aber, weil man in jenen Zeiten im Jahre 1921 und bestimmt 1924 zu Beginn der großen Einwanderung, glaubte, es kommt nicht so genau darauf an, womit man anfängt, weil man doch Mittel genug haben wird, um alles zu tun. Sicher aber nicht, weil es der beste Boden war ... Mittlerweile blieben die besten Böden des Landes, wo genügend Wasser vorhanden ist, um zusammen mit der heißen Sonne des Orients die wertvollsten Produkte hervorzubringen, von der Kolonisation kaum berührt. In der Periode der großen Selbstkritik, während der letzten beiden Krisenjahre, hat man das mit Schmerzen registriert. Und nun erst, unter vielen Wehen, hat sich allmählich der Plan einer bestimmten Kolonisationsstrategie herausgebildet. Die Mittel, die heute der Kolonisation zur Verfügung stehen, sollen auf die Eroberung der S c h 1 ü s s e i position des Landes konzentriert werden. Drei große Stellungen sind heute das Ziel: die Wasserkräfte, in denen die ganze motorische Energie und .die große Zauberkraft zur Befruchtung seines Boderis aufgespeichert ist, die Ausbeutung der nutzbaren Mineralschätze und cler Erwerb aller Böden, deren geographische Lage eine Bewässerung zuläßt. Insgesamt sind das etwa eine Million Dunam, etwas über 90.000 Hektar, hauptsächlich in der Küstenebene und im Jordantale gelegen. Seit dem Krisenjahre 1926 begann das energische Eindringen des Privatkapitals auf diese bewässerbaren?Böden. Anfang 1924 hatte das ganze Orangenareaä 34.000 Dunam umfaßt, davon 12.000 in jüdischem Besitz, und Ende dieses Jahres dürften es etwa 70.000, davon 35.000 in jüdischen Händen, sein. Die Juden haben ihren Anteil in diesen vier Jahren also von einem Drittel auf die Hälfte gesteigert. Von allen Wirtschaftszweigen in Palästina gilt seit den Erfahrungen der letzten vier Jahre die Orangenköltur als der sichere und der lukrative. Jede Saison brachte große Gewinne. Man rechnet, daß ein Dunam, dessen Anlage und Unterhaltung bis zum Fruchttragen 85 Pfund kostet, einen Reinertrag von 16 bis 25 Pfund nach Abzug aller Unkosten einbringt Zwanzig Dunam oder etwas mehr als 7J4 Morgen geben dem Pflanzer also ein Reineinkommen von 6400 Mark. Gelingt es den Juden, etwa 200.000 Dunam' die§er Böden in die Hand zu bekommen, dann könnten sie, wenn man ein Zehntel der ganzen Fläche für Gebäude, Wege und ähnliches abzieht, 9000 Pflanzerfamilien auf solchen 20-Dunam-Parzellen eine auskömmliche Existenz schaffen. Die Familie zu fünf Köpfen gerechnet, ergäbe das eine Bevölkerung von 45.000 Seelen. Diese 45.000 neuen Kolonisten würden einer noch wesentlich größeren Zahl von Immigranten aus städtischen Berufen Existenzmöglichkeiten schaffen, und die Erschließung der Orangenzonen auch nur in diesem Umfang könnte die Verdopplung der jüdischen Bevölkerung bedeuten. Man sieht heute dieser Entwicklung mit großem Optimismus entgegen und fürchtet sich nicht vor der wirtschaftlichen Problematik, in erster Reihe der Absatzfrage. Bisher ist fast die ganze Produktion von England allein aufgenommen worden. Eben erst hat man begonnen, und zwar mit Erfolg, Kontinental* europa zu beliefern und sicher gibt es da noch sehr großen Spielraum. Man träumt von einer eigenen Orangenflotte, die, in den Händen eines starken Pflanzersyndikats, wenn die Produktion genügend gewachsen sein wird, mit besonderen Einrichtungen zum Schutze ihrer empfindlichen Ladung von Jaffa oder vielleicht Haifa aus nach allen großen Häfen Europas abgehen wird. Dies sind Hoffnungen für die Zukunft, an dje sich die Erwartung einer größeren Einwanderung knüpft, jenes Ziel, für das man auf alle Weise zu arbeiten bemüht ist, ob man den Jordan emporstaut, das Flußbett des Kison reguliert oder im Sarontal Orangen pflanzt.

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