Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 66 (4.4.1929)
- Date
- 1929-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 10 DIG STIMME Nr. 6S Literatur und Kunst in Erez Israel Moderne Literatur — Hebräische Zeitschriften — Kam* mermusik in Jerusalem — Hubermann — Zwei Theater: «Habitnah» und «Ohel». (Brief aus Jerusalem.) Eure der erfreulichsten Ersclieinungen des kulturellen Lebens der Juden in Palästina ist die rege literarische Tätigkeit, die weit über den Rahmen dessen hinau&geiht, was sonst eine Sprach- und Kulturtätigkcit von 150.000 Menschen schafft. Dies erklärt sich daraus, daß das palästinensische Judentium sich für die kulturelle Entwicklung des Gesamtjudentums verantwortlich fühlt, daß hier der Grundstein einer neuen hebräischen Kultur gelegt wird, die von Palästina aus das Judentum alter Länder wieder zu einer kulturellen Einheit verbinden soll. Diese literarischen Bestrebungen haben sich jetzt einen Mittelpunkt in der großen neuen Wochenschrift «Mosnajim» geschaffen, die ab Mitte März erscheinen wird. Sie wird von der hebräischen Schrittstetlervereinigung Palästinas unter der Redaktion von J. D. Berkowicz und P. Lachower hefausgegeben. Sie wird wöchentlich erscheinen und jedesmal mindestens 20 Seiten umfassen und neben Origimaischöpfungen der hebräischen Dichtung und Pdblrzflstik auch UeberSetzungen aus der Weltliteratur und vor allem einen groß angelegten kritischen und bibliographischen Teil enthalten. Die hebräische Literatur wird mit dieser Zeitschrift nach langer Zeit wieder eine würdige Tribüne erhalten. Der eine der Herausgeber, P. Lachower, macht sich auch dadurch um die hebräische Literatur verdient, daß er die erste umfassende und grundlegende Geschichte der neuen hebräischen Literatur veröffentlicht. Der erste Band handelt von dien Anfängen der neuen hebräischen Literaturbewegung von Mosche Chaim Luzzatto an bis zum Ende der Haskalabewegung in Deutschland und Oesterreich, der zweite Band umfaßt die Haskalabewegung in Rußland von ihrer Entstehung in Wilna bis zu ihrem Höhepunkt in Jeihuda Leib Gordon. Diese Literaturgeschichte ist auch dadurch für den Leser, der in dieses Gebiet eindringen will, so geeignet, weil sie nicht nur eine Kritik der Literatur und eine Schilderung des allgemeinen geistigen Zeithintergrundes gibt, sondern auch Proben aus der Literatur bringt und so zugleich eine wertvolle Anthologie diarstellt. In den letzten Jahren hat sich um die hebräische Literatur und weit darüber hinaus um den Zionismus und das Judentum am verdientesten der Verlag «Hapoel Hazair» dadurch gemacht, daß er die sämtlichen Werke und Briefe von A. D. Gordon herausgibt. Vier Bände sind bereits erschienen. Der letzte Band, der die Briefe umfassen' soll, wird in diesem Herbst erscheinen. In A. D. Gordon tritt uns der größte und tiefste Denker des Jischuw in Palästina entgegen, der nicht nur den wahren Sinn des Zionismus erfaßt, sondern ihn auch in seinem unmittelbaren Leben verwirklicht hat. Auch auf allen anderen Gebieten ist die kulturelle Tätigkeit des Jischuw in Palästina in letzter Zeit in starkem Aufschwung begriffen. Dies gilt besonders vom musikalischen Leben. In Tel Aviv hat sich ein Orchester gebildet, während in Jerusalem vor allem die Kammermusik sich entwickelt. In den letzten Jaihren wird Palästina auch immer mehr von internationalen berühmten Künstlern aufgesucht. In dieser Woche konzertiert in Palästina Bronislav Hubermann. Mit seinen Konzerten wird die palästinensische «Saison» eiugeleitet. Purim und Pessach werden eine Reihe großer öffentlicher Veranstaltungen zeigen. Zum ersten Male beteiligt sich die palästinensische Regierung an der Frühjahrsmesse in Ted Aviv, nicht nur durch ihre eigenen Ausstellungsobjekte und durch besondere Vergünstigungen an die Besucher der Messe, santdern auch dadurch, daß sie durch einen dreisprachigen Stempel auf allen Briefen die Aufmerksamkeit dre Welt auf die Messe in Tel Aviv lenkt. Während der Ausstellung sollen täglich Konzerte und Ausführungen in dem Freilicht-Theater stattfinden und von dort aus zu allen Teilen des Ausstellungsgrundes versendet werden. Händel» Oratorium Elijah wird von dem palästi ne heischen Orchester mit einer Beteiligung von 100 Personen aufgel'ührt werden. Besondere Abende sind der jemenitischen und der orientalischen Musik gewidmet. Die beiden palästinensischen Theater, die berühmte «H a b i m a h» und das Arbeitertheater «0 hei» werden die neuen Stücke ihres Repentoirs zeigen. Bin Saal wird eine Ausstellung der Gemälde palästinensischer Künstler enthalten. So wird der, Besucher der Ausstellung in Tel Aviv gleichzeitig Gelegenheit haben, einen Einblick in das kulturelle Leben des palästinensischen Jischuw zu tun. Gelächter. Der alte Mendel Dalles liegt im Sterben und nimmt Abschied von seinen Kindern die um sein Bett versammelt sind. «Kinderlach,» sagt der Sterbende, «mei ganzes Leben hab ich gedarbt und gespart und hab mir nicht das kleinste Vergnügen gegönnt. Ich hab mich immer getröstet und mir gesagt: In jener Welt drüben werde ich dafür reinste Freude erleben. Lachen möcht’ ich, wenn drüben auch nix wifl» Konzert des Jüdischen Gesangvereines Das zweite diesjährige Konzeft des Jüdifchen Gelang- Vereines unter der Leitung feines Chormeiflers A. Dimitrowsky (Samstag, den 23. März, im Feftfaale des Induftriehaufes) brachte einen fchönen Erfolg, der gleidxerweife dem reichhaltigen Programm wie den vorzüglichen Sängern zuzufchreiben ifl. Wir wollen aus drefem AnlafTe mit jenem Nachdruck, den diefe wahrhaft gute Sache verdient, auf das Wirken des Jüdifchen Gefangvereines hinweifen, der cs (Ich zur Aufgabe gemacht hat, jüdifdie Muftk in die breite Oeffcntlichkeit zu tragen. Daß alle künfllerifchen Vorbedingungen für diefe Bemühungen gegeben find, bewies das genannte Konzert. Das Programm brachte neben Joel Engels „Leuditturm" den Mendelsfohnfchen Pfalm iij, einen wunderfchönen Choral mit Soli, der große Wirkung erzielen konnte. Freilich entfpricht das Werk heute nicht dem, was wir unter nationaler jüdifdier Mufik verliehen. Nicht viel befTer fleht es, unferer Anficht nach, mit Milners Pfalm 13, einem tadellos gebauten Werk, das die choralen Möglichkeiten fehr hübfeh auszunützen weiß, inhaltlich aber kaum etwas Neues zu fagen hat. Ganz anders das Engelfche Wiegenlied, das als Uraufführung aus dem Nachlaß gebracht wurde: Ein ganz volksliedhaft gehaltenes Schlaflied — einfach und fdilicht. Als letzte Darbietung kam MulTorgskys prachtvoller, gewaltiger Chor „Jofua", auf einem hcbräifchen Thema aufgebaut, voll ftürmifchem Rhythmus und verhaltener Klage. Freilich, cs bleibt das Werk eines ruffifchen Künfllers, während das als Einlage gebrachte Quintett von Alex. Krein (das von Hans Lewitüs, Elfe Stein, Ifrael Brandmann, Dr. Georg Heim und vor allem dem wunderbaren Joachim Stutfchewsky vollendet exekutiert wurde) befle jüdifche Mufik Hl. Von den Sängcrfoliften wäre befonders In*. Kohn hervorzuheben. Gideon. Kunstchronik Arnold Zweig Erder Vorfitzender des Schutzverbandes deutfeher Schriftfleller. Die Hauptverfammlung des Schutzverbandes deutfeher Schriftfleller in Deutfchland, Oeflerreich und der Tfchechoflowakei wählte Arnold Zweig zum Erden Vorfitzenden des Verbandes. In den Hauptvordand wurde u. a. auch S. Gronemann als Schatzmeider gewählt. Jüdifche Tanzkund. In der Monatsfdirift „Der Tanz“ fchreibt M. Berchin-Benedictoff über den palädinenfifchen Tänzer Baruch Agadati, der um die Formung eines modernen jüdifchen Tanzdils bemüht id. Jüdifche Kündlerfpiele. Max Zclnikcr, der in Wien von voriger Saifon dem Publikum noch in guter Erinnerung fleht, id foeben aus London zurückgekehrt und wird ab Freitag, den y. April, ein kurzes Gadfpiel in den Jüdifchen Kündlerfpiclen, II., Praterdraße 34 (Reklame), abfolvieren. — Freitag, den 5., Samstag, den 6., und Sonntag, den 7. April, Senfations- Premierc, mit der beliebten Soubrette Edher Perclmann und Max Zelniker. Montag, den 8. April: „Der Sänger feiner Trauer“. Dienstag, den 9. April« „Ewige Narren“. Mittwoch, den 10. April: Sondervordcllung zu Ehren S. Iris und J. Reismann. Neues jüdisches Theater (II., Praterstraße 60). Wochenspielplan: Von Freitag, den 5. April, bis Montag: «Die Seder Nacht», Schauspiel in vier Akten von J. Latajner, Musik von A. Golomö. — Dienstag: «Stärker als die Liebe.» Mittwoch: «Mojsche, wie kriechste?» — Donnerstag: «Kreutzer Sonate», Lebensbild in drei Akten von J. Gordin. «Die Blume von Odessa» heißt die jüngste Novität der Jüdischen Künstlerspiele in der Praterstraße. Es ist eine leichte Komödie, in welcher Frau Perimann — von uns bereits öfters gewürdigt — durch übersprudelndes Temperament und herzhaften Humor das Publikum sofort für sich einnimmt. Besonders gelan-g es diesmal Herrn Iris, dem Regisseur dieser Komödie, und Frau Meiseis, lebendige Gestalten auf die , Bühne zu setzen. Beide boten ausgezeichnete schauspielerische Leistungen. Herr Isak Deutsch stellte sich diesmal mit schönen russischen Liedern ein und das ganze Ensemble konnte für herzlichen Beifall danken. a. s. Ehrenabend. Am 19. d. M, findet im Festsaal des Hotel «Bayrischer Hof» ewi Ehrenabend des Kammersängers Julius Watt statt. Unter anderen wirken die Damen Frau Bella Berson, Blise Hecht, Tanzkünstlerin Gertrud Kraus, Frau Zelniker und die Herren Arnold, Markus HerschkowitA Hausknecht sowie die sechsjährige Sängerin «Lia* mit. Zur Aufführung gelangt das Melodrama «Dämon Weib» von H. Markus. Englisch und alle anderen Sprachen fabelhaft leicht zu erlernen kann jeder glückliche Besitzer einer Sprechmasditne. Das Musikhaus «Excelsior», Wien, L, Adlergasse 5 (Tel. R 23-4-90), und II., Kleine Pfarrgasse 28 (Tel. A 41-6-24), hat eine Reihe UnterrichtspJatten schon längere Zeit auf Lager (auch Turnunterricht) und hat somit jedermann Gelegenheit, sich zu jeder Zeit selbst durch die ersten Autoritäten zu unterrichten. Leser unserer Zeitung können so eine Wundermaschine auch zu besonders günstigen Zahlungsbedingungen erwerben. E Das Lebensmittel zum Lebenszweck zu machen, wird man in Versuchung gebracht, wenn man bedenkt, welch herrliche Ware die amerikanische Mazzoth-Fabri'k Manischewitz in diesem Jahre nach Wien gebracht hat. Manischewitz-iMazzoth, Gries, Farvel und die über Nacht berühmt gewordenen Manischewitz-Krackers vereinigen in sich die alten Riten mit den modernsten technischen und hygienischen Errungenschaften, vereinigen in sich erlesenste Feinheit des Geschmackes mit einer Frische und Zartheit, die •sie selbst für Magenkranke ersehnlich machen, 3,000.000 Juden kaufen Manischewitz-Mazzoth. Das besagt alles, AmtlicheVerlautbarungen der Israelitis chen Kultusgemeinde Wien Sprechstunden des Präsidiums Die Sprechstunden der Mitglieder des Präsidiums wurden für den Parteienverkehr wie folgt festgesetzt: Präs. Prof. Dr. Alois Pick: Dienstag und Freitag von 11 bis 12 Uhr vormittags, die Vizepräsidenten Doktor Jaikotb O r n s t e i n und Dr. Josef Löwen herz: Mit Ausnahme des Freitag an allen Wochentagen von y2\ bis %2 Uhr mittags. Abordnungen von Vereinen und Anstalten, welche vom Gesamtpräsidium empfangen zu werden wünschen, mögen sich diesbezüglich ln der Regel zwei Tage, spätestens jedoch am Tage vorher, über die Möglichkeit und den Zeitpunkt des Empfanges mit der Amtsdirektion ins Einvernehmen setzen. Eine Vorsprache von Einzelpersonen oder Abordnungen im Präsidium soll jedoch tunlichst mrr in jenen Fällen stattfitnden, in welchen nicht schon durch die Amtsdinektion oder den zuständigen Amtschef dtas betreffende Anliegen im Rahmen des eigenen Wirkungskreises erledigt werden kann. Kundmachung betreffend die Subventionierung von Vereinen und Anstalten Mit dem Rechnungsabschluß über 'das Jahr 1928 und den Vorarbeiten für den Voranschlag der Einnahr men und Ausgaben für das Jahr 1929 befaßt, mußte das Präsidium erkennen, daß die finanzielle Lage der Kultusgemeinde in den letzten zwei Verwaltungsjahren eine so wesentliche Verschlechterung erfahren hat, daß außerordentliche Maßnahmen unerläßlich sein werden, um das Gleichgewicht im Gemeindehaushalte wieder herzustelilen, Die beiden Verwaltungsjahre 1927 und 1928 haben mit einem nicht unbedeutenden Defizit abgeschlossen; mangels jeglichen Reservefonds wird die Tilgung dieser Fehlbeträge aus der laufenden Gebarung der nächsten Jahre vor sich gehen müssen. Wie schon aus dem Tätigkeitsbericht der Kultusgemeinde für die Periode 1925—1928 hervorgeht, erscheint das Defizit vornehmlich durch die bedeutende Steigerung der Subventionslasten und der Aufwendungen für Fürsorgezwecke hervorgerufen. Das Präsidium der Israel. Kultusgemeinde erachtet es daher als seine Pflicht, die geehrten Vorstände sämtlicher seitens der Israelitischen Kultusgemeinde in den letzten Jahren subventionierten .Vereine und Anstalten van dieser Sachlage in Kenntnis zu setzen und schon derzeit aufmerksam zu machen, daß die. Israelitische Kultusgemeinde nach dem gegenwärtigen Stande ihrer Finanzen kaum in der Lage sein wird, ihre Aufwendungen für Subventionen im bisherigen Umfange aufrecht zu erhalten. Es wird unerläßlich sein, daß seitens der geehrten -x stände der Vereine und Anstalten alle erdenkliche Mühe aufgeboten wind, um selbst die zur Betriebsführung erforderlichen Beträge im Kreise der Mitglieder und Gönner zu beschaffen und die Inanspruchnahme der Mittel der Kultu-sgemeinde auf das Allerootwendigste zu beschränken. Der Kultusvorstand, welcher das verdienstvolle und hingebungsvolile Wirken der im Bereiche der Israel. Kultusgemeinde bestehenden, von Vereinen und Privaten geführten Institutionen voll und ganz anerkennt, wird genötigt sein, bei Subventionsbewilligungen mit größter Rigorosität vorzugehen und besonders zu prüfen, ob die von den Vereinen und Anstalten aus Mitgliederbeiträgen und Spenden selbst aufgebrachten Beträge in einem entsprechenden Verhältnisse zu der angesuchten Subvention stehen. Das Präsidium gibt der Erwartung Ausdruck, daß sein Bestreben, durch Ordnung der Finanzlage den ungestörten Fortbestand unserer Gemeinde zu sichern und die Grundlage zu einer gedeihlichen Weiterentwicklung zu schaffen, allseits verständnisvolle Unterstützung finden wird. Der Präsident: Prof. Dr. Alois Pick, m. p. Die Vizepräsidenten: Dr. Jakob Ornstein, m. p. Dr. Josef Löwenherz, m. p. Lieferungs-Vergebungen Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangen im Laufe der nächsten Zeit die Errichtung einer hölzernen Gerätekammer beim Kind er Ambulatorium, II., Raiuscherstraße 16, sowie die Vornahme diverser Instandsetzungen im Kinder Ambulatorium selbst und in den damit verbundenen Sonnentagesheimen und Liegehallen, zur Vergebung. Hiebei werden folgende Arbeiten zur Ausschreibung gelangen: Baumeister-, Zimmermanns-, Tischler-, Schlosser-, Anstreicher-, Glaser-, Spengler-, Instaliations-, Schwarzdecker- und Hafnerarbeiten, sowie Linoleum-Lieferung. Jene Firmen, weiche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens 12. April 1929 dem Technischen Amte der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I« Seitenstettengasse 2, IV. St, bei welchem während dir gewöhnlichen Amtsstunden (Samstage ausgeuommui)