Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 66 (4.4.1929)
- Date
- 1929-04-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 66 Warnung! Vorzügliche, täglich ofenfrische, feinste» dOiMIftte NAZZOTH und QRIE0 bekommen Sie nur aus der I. Wr. orth. Mazzothfabrik Israel Vortrefflich Wien» II.» Obere AugartenstraDe St Verlangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzoth Ausgegrabene Städte und Tempel in Palästina und Mesopotamien jür, die Stadt Abrahams — Königsgräber in Sumerien — Die versunkene Synagoge. Während die heilige Stadt Jerusalem durch alle Jahrtausende gleichsam im Mittelpunkte dis geistigen Interesses der gesamten Menschheit stand und in den letzten Jahrhunderten von Juden und Ghristen, Pilgern, Geiehrten, Touristen immer wieder besucht und durchforscht wurde, hat man die alte chaldäische Stadt U r, von der Abraham auszog, als er mit L o t stritt, verhältnismäßig wenig beachtet Niemand hat sich um dieses halbwüste Land und um die Ruinen von Abrahams Vaterstadt, die nach der Bibel die Urheimat des jüdischen Volkes ist, bisher gekümmert. . Erst in der jüngsten Zeit kamen hervorragende . englische Gelehrte ins Land, bepackt mit modernem Ausgrabungswerkzeug, mit viel Wissen und dem großen englischen Interesse für alles Biblische — vad nun beginnen die Trümmer des alten Ur aus dem Sand und Schlamm der Jahrhunderte allmählich hervorzutauchen. Der berühmte englische Forscher Leonard Wo 1- 1 e y, der sich im verlassenen U r eingegraben hat, hat Tausende von Gräbern der Leute von Ur geöffnet und aus tausenden Grabsteinen und anderen Steinschriften soviel zusammengetragen, daß er ein fast vollständiges Bild vom Leben dieser.Stadt und des Staates entwerfen konnte. Zweitausend Jahre vor Christo haben die Könige von Ur den Gipfelpunkt ihrer Macht erreicht. Sie hatten ein wohlorganisiertes Reich mit genauen Gesetzen über Kaufen und Verkaufen;; über Schuhgeschäfte und Verträge, über Heirateny Scheidungen, Adoption — alles, was die europäischen Völker viel später entwickelten, kannten die Leute von Ur schon. Da« größte Aufsehen in der ganzen Welt haben WcMeys Entdeckungen der sumerischen Königsgräber gepiacht, die bei der Stadt Ur liegen. In diesen Gräbern, vor allem in dem Grab der Königin Shub-Ad, hat man Kostbarkeiten gefunden, die nur mit denen zu vergleichen sind, die in den berühmten Pharaonengräbern Aegyptens entdeckt wurden.. Dort lag eine große Menge wunderschöner goldener Gefäße, Brettspiele, Figuren, Plastiken usw. Von der ganzen hohen Kultur des sumerischen Volkes, die um das Jahr 2000 vor Christo ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte, hat man noch vor wenigen Jahrzehnten nichts gewußt. Nach Ansicht Woileys war die Stadt Ur und das ganze blühende Königreich Sumerien am unteren Euphrat und Tigris'einmal, vielleicht sogar mehrmals von der Sintflut verschlungen worden, die alles vertilgte, was sich nicht in hochgelegene Städte und Burgen zu flüchten vermochte, und nur zufällig hat Woliey ber seinen Ausgrabungen die Spuren der Sintflut entdeckt. Einige Zeit nach den Ausgrabungen Woileys wurde in der neuen zionistischen Siedlung Beth Alpha im Emek Jesreel beim Graben eines Bewässerungskanals ein Teil eines bemalten Mosaikbodens entdeckt, auf dem einige Zeichnungen von Sternbildern mit hebräischen Inschriften sich befinden." Die Hebräische Universität in Jerusalem unternahm die Ausgrabung des Gebäudes, zu dem dieser Boden gehört. In der ersten Woche wurden die Umrisse des Gebäudes festgestellt und ein kleiner Teil des Mosaiks entdeckt. Es hat sich herausgestellt, daß das Gebäude eine Synagoge aus den ersten Jahrhunderten nach der Tcmpelzerstörung darstellt. Das Gebäude der Synagoge hat eine Ausdehnung von etwa 12 Meter von Norden nach Süden und etwa 14 Meter von Osten nach Westen. Die Nebengebäude der Synagoge sind noch nicht klargelegt. Der Kreis der Sternbilder, der mehr als drei Meter umfaßt, befindet sich in fast vollständig gutem Zustande. Im Laufe der zweiten Woche der Ausgrabungen wurde der südliche Teil der Synagoge klargelegt. Es wurden Sockel von zwei Säulenreihen entdeckt, ferner eine steinerne Plattform, die als Bühne oder Ehrensitz für den Vorstand der Gemeinde gedient haben mag und einige Stufen, die die ganze Breite des Mittelschiffes einnehmen und zu der Bundeslade/führen. Es wurden auch .weitere Teile des Mosaiks aufgedeckt, die sechs Zeichnungen des Tierkreises zeigen: Widder,.Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe und Jungfrau darstellen und eine der vier Zeichnungen, die die vier Jahreszeiten symbolisieren, mit der Inschrift «Die Jahreszeit des Nissan». Predigt. «So seid ihr! Gemeindesteuern bezahlen wollt ihr nicht; aber auf dem jüdischen Friedhof begraben werden — das macht euch Vergnügen!» 1 Kleine Nachrichten 20 Soldaten der Roten Armee fielen während einer Eisenbahnfahrt über zwei jüdische Soldaten der Roten Armee hery mißhandelten sie grausam und warfen sie schließlich aus dem fahrenden Zuge hinaus. Auf den Stationen unterwegs plünderten die Soldaten-Huligans Läden von Juden. Drei Antisemiten, die am 9. November 1928 in Kanawina einen Pognom inszenieren wollten, indem sie durch die Stadt zogen, jüdische Passanten mißhandelten und «Hoch die kommunistische Internationale! Tötet die Juden!» riefen, standen vor dem Gericht in Nischni-NowgorotL Der Rädelsführer Arkalow, ein früherer Offizier der Denikin-Armee, wurde zu sechs Jahren Gefängnis, Krasnow zu zwei Jahren Gefängnis und Zawin zu neun Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Die Leningrader Hauptfynagogc wurde auf Verlangen der kommuniftifchen j ü d i f ch e n Arbeiterfdiaft enteignet und in einen Arbeiterklub umgewandelt. Nach „Krasnaja Gazetta“ wurden im Jahre 1928 59 Synagogen in Arbeiterklubs umgewandelt. (Icaa.) * Der Waad Leumi ernannte Professor Aibert Einstein aus Anlaß seines 50. Geburtstages und in Anerkennung seiner Verdienste um das Palästina-Werk zum Ehrenmitglied der Knesseth Israel # Professor Fränkel von der Universität Kiel wurde zum Direktor des mathematischen Instituts an den” hebräischen Universität zu Jerusalem ernannt. Professor Fränkel wird sein neues Amt im Herbst antreten.' # Mit der Einweihung der Loge Nr. 1102 des Unabhängigen Ordens Bnei Brith in Shanghai hat sich die Bnei-Brith-Organisation auch auf China ausgedehnt. * Der vor kurzem in Jassy verstorbene jüdische Bankier Wachtel hinterließ zehn Millionen Lei für jüdische W ohlfahrtszwecke, davon sechs Millionen für alle I. » Adlcrgasse 5 Tal. R-23-4-90 II. » Kl. Pfarrg. 28 Tal. A-41-6-24 I nha b e r: Richard Herzog . y jüdischen and hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und üesaagsschlager In reichster Auswahl auf Lager i Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Sotben nana orlglnal-amerlkaalacha Lisfsrongan alngalangt das Jassy er jüdische Spital, eine Million für die Darlehenskasse der jüdischen Studenten, 1000 Pfund für das jüdische Arbeiterhospital auf dem Berge Carmel in Palästina. Wachtel hinterfieß außerdem fünf Millionen Lei für Kulturanstalten in Rumänien ohne Unterschied der Konfession. * Der französische Arlbeitsminister Loucheur vollzog persönlich den Akt der Eröffnung des Mathilde und Henri Rothschild-Krankenhauses in Paris- Anwesend waren u. a- Baronin James de Rothschild und ihr Sohn Dr. Henri de Rothschild, der Minister des Innern Andrö Tardieu und viele Vertreter der Behörden und der Wissenschaft. (Jta.) Fünfzig Semester „Theodor Herzl" Samstag, den 30. März beging der akademische Verein «TheodorHerzl» die Feier seines fünfzigsten Semesters. Zu der Festversammlung im Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines hatten sich zahlreiche Festgäste eingefunden. Nach der Eröffnungsansprache des Präses abs. jur. Ad. Engel wurde eine Reihe von Glückwunschreden an den jubilierenden Verein gerichtet, aus denen wir die gehaltvolle Ansprache des Dir. Dr. V. Kellner hervorheben, der, im Namen des Prager Brudervereines «Bar Kochba» sprechend, die innere Verwandtschaft der beiden Vereine unterstrich, welche eine bestimmte Individualität in der zionistischen Studentenbewegung repräsentieren. Die Festrede hielt Dr. S. Schmitz. Der Vortrag, durch Inhalt und Form den Typus solcher Gelegenheitsreden weit überragend, entwarf ein prägnantes Bild der Entwicklungsgeschichte des Vereines «Theodor Herzl», dessen Streben von seinem Anfang an darauf ausging, über das bloße Bekenntnis zum Zionismus hinaus zur Erkenntnis seiner Probleme vorzudringen und im geschlossenen Kreis eine echte Lebens- und Lerngemeinschaft zu schaffen. So hat der Verein schon zu einer Zeit, als dies noch etwas völlig Neues bedeutete, ein Palästinaseminar veranstaltet und, auf diesem Wege vorwärtsschreitend, der zionistischen Bewegung wertvolle Kräfte geschenkt, die auf verschiedenen Arbeitsgebieten in Palästina und der Galuth sich bewährt haben. — Den eindrucksvollen Abend verschönten Ceflovorträge des Künstlers J. Stutschewsky sowie die Rezitation eines Gedichtes von Zuckermann, der einer der Ersten und der Besten im «Theodor Herzl» gewesen ist, durch ein Vereinsmitglied. Ein Bankett der Aktivitas und zahlreicher A. H. mit ihren Damen, an dem auch einige Gäste teilnahmen, gab dem Abend seiner! Abschluß. Den zahlreichen Glückwünschen, die der Verein erhalten hat, schließt sich auch die Redaktion der «Stimme» herzlich an! Möge es dem Verein, der auf eine schöne Tradition zurückblickt und lange ein geistiges Zentrum der Wiener akademisch-zionistischen Bewegung gewesen ist, beschieden sein, auf den guten Wegen fortzuschrelten, die ihm seine Schöpfer gewiesen haben! Wahlvorschläge zum zionistischen Delegiertentag Vom* zionistischen Landeskomitee für Oesterreich wTrt! mitgeteilt: Wir machen alle Bezirkssektionen, Sondervereinigungen und Ortsgruppen darauf aufmerksam, daß die W -a h 1 Vorschläge zur Wahl der Delegierten bis zum 5. April im Bureau des zionistischen Landeskomitees eingereicht werden müssen. In Wahlkreisen, in welchen nur e i n Delegierter zu wählen ist, unterbleibt die Einreichung von Wahlvorschlägen. Die Wahlvorschläge haben zu enthalten: 1. Die unterscheidende Parteibezeichnung. 2. Die Parteiliste, d. i. ein Verzeichnis von mindeste!*« doppelt so vielen Bewerbern, als in dem betreffenden Wahlkreis Delegierte zu wählen sind. 3. Die Bezeichnung des zustellungsbevollmächtigten Vertreters. Jeder Wahlvorschlag muß mindestens von zehn Wählern des Wahlkreises unterschrieben sein. Wir bitten die Gruppen, sich strikte an diese Vorschriften zu halten. Für die Hauptwahlkommission: Arthur Albers m. p., Dr. Leonhard Eckstein m. p., Dr. Emil Krasny m. p., Dr. Sigmund Sonderling m. p. Eine zionistische Tribüne in Wien Schon lange beftand Im öfterreichifchcn Zionismus die Abficht, eine Tribüne zu fchaffen, bei der den zioniftifchen Führern und den führenden Männern der Sektionen und Sondergruppen die Möglichkeit gegeben wird, fich über aktuelle zioniftifche Probleme in Ruhe und Sachlichkeit auszufprechen. Zur Befriedigung diefes Bedürfniffes führte das Zioniftifche Landeskomitee die Donnerstag-Abende ein. Am erften Abend wurde vön Herrn D. Goldhammer und Herrn Dr. Tartakower über die nädiften Aufgaben der zioniftifchen Organifation in Ocflerrcich in örganifätorifcher und - propagandiftifcher Hinfichtgc~ fprochen. Der zweite Abend war der Berichterllattung und Debatte über die Weltkonfcrenz der Zioniftcn-Revifioniften in Oefterreich gewidmet; Referent war Dr. Norbert Hoffmann. Auf einem weiteren Abend wurden von Herrn Adolf Böhm feine Anfichten darüber entwickelt, weldic Aufgaben die zioniilifche Organifation nach Schaffung der Jewifh Agency zu erfüllen haben wird. Bei einem nächflen Abend wieder referierte Herr Prof. Dr. Stein über die Arbeitsaufgaben der zioniftifchen Sektionen und Ortsgruppen. Der letztere Abend war durch ein Referat des Herrn Dr. N. M. Gelber ausgefüllt, der über die Entwicklung 'des Judenftaatsgedankcns bei Herzl referierte. Das Wiener jüdische Museum Am 18. März fand die diesjährige zwanzigste Genralversammlung der «Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums» statt, die das Wiener jüdische Museum seit 1895 unterhält. Nach einem vom Präsidenten Hofrat Prof. Frankfurter erstatteten Rechenschaftsbericht hielt Prof. Frank einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die «Eiidrüoke» eines Architekten aus dem modernen Palästina», in dem er die Probleme der modernen jüdischen Baukunst erörterte. Delikatessen sehet Pessach! Seit Jahren erfreuen fich die „S t r u m - M a z z o t h“ einer immer fteigenden Beliebtheit und gelten als das beftc ö ft prr e i ch i f ch e Erzeugnis. Viele Taufende verlangen ausfchließlich „Strum-Mazzoth“. Den Grund diefer Bevorzugung kann man leicht begreifen, wenn man die bekannte Mazzoth« Bäckerei „H. Strum“ in der Rotenfterngaffc auffucht. In dep fcchs großen Räumen des Haufes Nr. 11, die der Mazzoth« Erzeugung dienen, fieht man eine ganze Anzahl großer Mafchinen, die den ganzen Erzeugungsprozeß — vom Mehl bis zur ofenwarmen Mazzc — in der crftaunlich kurzen Zeit von nur drei Minuten erledigen. Aufs angenehmfte berührt den Befchauer die peinliche Sauberkeit. Die Mazzoth-Mafchinen, von Herrn Strum jun. nach eigenen Patenten konftruiert, arbeiten abwechfclnd. Genau nach ij Minuten Arbeitszeit bleibt eine Mafchine liehen und wird auf das penibelfte gereinigt. Der Betrieb fleht unter ritueller Aufficht des Rabbinats der Kultusgemeindc Wien und ein fogenannter Mafchgiach fowie drei Mafchgichim forgen dafür, daß die rituellen Vorfchriften ftrengftens eingehalten werden. „Strum-Mazzoth“ zeichnen fich aber nicht nur durch die bei der Erzeugung beobachtete Sauberkeit, fondern vornehmlich auch durch den guten Gcfchmack aus, der fie zu einer beliebten D e 1 i k a t e f f e macht. Erfreulich ift die Tatfachc, daß efte „Mazzoth-Bäckcrei H. Strum“ hauptlächlich jüdifdie Arbeiter befchäftigt. Früh übt fich... Ein Hakenkreuzler führt fein Söhnchen, du bis jetzt auf dem Lande gelebt hat, zum erften Mal in der Stadt ia daa Zoo. Als der muntere Knabe einen Papagei ficht. (a§| m warnend: „Vata — das Huhn ift jüdifch.“