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Die Stimme · 1929-04-04 · Heft 66 (4.4.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 66 (4.4.1929)
Date
1929-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 66 »WE STIMME Seite 7 Die Not des modernen jüdischen Schulwerkes Auflassung des Wiener hebräischen Pädagogiums zum zehnjährigen Anstalts< Jubiläum? In Amerika und in Polen haben gewisse, an der Erhaltung und Entwicklung der traditioneM-religiösen Kultur ues Judentums interessierte jüdische Kreise eine stattliche Reihe van Lehr- und Erziehungsanstalten geschaffen, von denen die bekannte, hodus-chul* mäßhg geleitete Jeschiwaih in New $ork, die den Namen des berühmten talmudisdhen Gelehrten Rabbi Jizchak Elchanain trägt, und die vor kurzem in Lublin errichtete gleichartige Anstalt besondere Hervorhebung verdienen. Diese erfreuliche kulturelle Tatsache muß, unbeschadet unserer ablehnenden Haltung gegenüber den destruktiven Tendenzen der orthodoxen Politik, rückhaltlos anerkannt werden. Leider aber kann man gegenwärtig beim modernen jüdischen Schulwerk, das unmittelbar nach dem Kriege in mehreren Ländern Europas als Ausdruck des erstarkten Willens zur nationalen Kultur, zur jüdischen Eigenart, entstand, nicht die gleiche .Au.ftoauintensität feststellen, wie sie in den Leistungen der jüdischen Orthodoxie in Erscheinung tritt. Das große hebräische Schulwerk der Tarbuth in Polen und Litauen hat nach wie vor mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die in der letzten Zeit immer bedrohlicher werden, und nun erfahren wir, daß auch das Wiener Hebräische Pädagogium, das im Jahre 1919 von Oberrabbiner Chajes gegründet wurde, und bis zu dessen Tode unter seiner Leitung stand, infolge Geldmangels mit Ende des laufenden Schuljahres, also zu seinem zehnjährigen Jubiläum, geschlossen werden soll. Dieses Faktum — Auflösung aus Anlaß des Jubiläums — entbehrt nicht einer gewissen traurigen Pikanterie . . . Die Anstalt, die im Laufe Ihres zehnjährigen Bestandes eine ansehnliche Zahl moderner hebräischer Pädagogen, Lehrer für Volks- und Mittelschulen, dde ln verschiedenen Ländern Europas als jüdische Erzieher und Jugendbildner wirken, hervorgebracht hat, wurde bei Lebzeiten ihres Rektors, Prof. Chajes, in der Hauptsache mit den finanziellen Mitteln erhalten, die dem verstorbenen Wiener Oberrabiner von jüdischen Kulturfreunden aus Amerika zur Verfügung gestellt wurden. Diese Mittel sind nun vollständig erschöpft und es besteht leider weinig Hoffnung, daß die jüdischen Kulturkreise Amerikas, die in letzter Zeit ihr Hauptaugenmerk auf die Schaffung eigenjüdischer Erzieh ungs- und Unterrichtsanstailten für die heranwachsende jüdische Jugend der Vereinigten Staaten lenken, geneigt sein werden, für die Erhaltung des Hebräischen Pädagogiums in Wien weitere materielle Opfer zu bringen. Das amerikanische Judentum, das durch viele Jahre der Mäzen zahlreicher kultureller und sozialer Institutionen des europäischen Judentums war, hat sich in jüngster Zeit auf diesem Gebiete eine Art Monroe- Doktrin zurechtgel-egt und J&t daran, sein bisheriges werktätiges Interesse für jene Fragen, die ausschließlich die jüdische Bevölkerung einzelner Länder angehen, immer mehr abzubauen. In Erkenntnis dieser Tatsache haben sich bereits führende jüdische Kreise in Polen und Litauen entschlossen, im eigenen Lande große Aktionen zugunsten des modernen jüdischen Schul Werkes dieser Länder durchzuführen und es wird auch Sache des Wiener Judentums sein, für die Erhaltung des Hebräischen Pädagogiums, das in seiner Art eine in der ganzen .jüdischen Welt einzig dastehende Anstalt ist, die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Mann auf dem Gottesacker Eine Bettlergestalt aus der Leopoldstadt Von J. Tiger. Cin erlesener Genufj \ sind die, nach einem speziellen Verfahren erzeugten, ln acsclimack w. Bekömmlichkeit unerreichte« ST RUM-MAZZOTH und GRIESS die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzeugt, bestbekannt sind und wegen ihrer Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden 1 Die vielen tausende Freunde der Qualitäts-Mazzoth „Strum“ lassen sich keine anderen Erzeugnisse ‘aufd rängen Froher Pessach — nur mit Strum Mazzoth die als das beste österr. Fabrikat anerkannt sind Wer einmal Strum-Mazzoth genießt, nimmt keino anderen! Die Mazzoth-Bttckerei H. STRUM, 11., Rotensterngasse 11, steht unter Aufsicht des chrw. Kabb.inats der Israelit. Kultusgemcindo Wien. Besonders in ritueller Hinsicht sind Strum- Mazzoth unbedingt einwandfrei. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, patcntamtlleli geschützten Maschinen (Ofen) auf elektrischem Wege und werden von fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern angefertigt. 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Der Kantor erledigte rasch die Zeremonie, einige Frauen schluchzten aus Gewohnheit und Lipe schritt, seinen Stock im Arm, mit der weinenden Waise aufrecht hinter der Bahre und kraute nervös seinen Bart. Nachdem zwei abgefrorene Zehen seines linken Beides amputiert worden waren, wurde Lipe Kuker aus dem Rothschildspital als gesund entlassen. Zögernd zog er seine zerfetzte, vom Desinfektionsapparat arg zerknüllte Miilitärkleidung wieder an, indem er sich wehmütig an das saubere Spitalsbett lehnte, in welchem er sich wochenlang geborgen gefühlt. Dann stand er draußen, den leeren Rucksack geschultert, und stützte sich au.f einen Stock, obwohl er schmerzlos auftreten konnte. Die Spitalsmattigkeit in den Gliedern, schlenderte Lipe behutsam bis zur Leopoldstadt, verzehrte im Gehen einige gebratene Kartoffeln, die er nach langem Feilschen erstanden hatte, und landete schließlich ln einem kleinen Bethaus, wo man tagsüber vor Kälte geschützt war. Aber auch in der Nacht verblieb er dort; der keifende Schammes, der sonst gegen jedien Zuwiderhandelnden Schnorrer seine Autorität diurehzusetzen versuchte, zog diesmal den kürzeren. Lipe legte sich nach Gebets Schluß einfach auf die Bank, zog die Knie empor und wies seinen Spitalszettel vor. Dagegen war nun einmal nichts auszurichten; die geschnörkel'te Unterschrift des Arztes jagte dem griesgrämigen Schammes große Angst ein, als würde er vor sich das Operationsmesser sehen ... Freitag abends, nach dem Gebet, schlüpfte Lipe als erster in den separierten Raum, wo Speisen an die Armen verteilt wurden. Er machte rasch Karriere, half in der Küche oder als Speisenträger; hier sah er auch zum ersten Male seine spätere Gattin, die ihm wegen ihrer Zungenfertigkeit reichlich Imponierte. Auf den ersten Blick stellte er ihre besondere Tauglichkeit fürs gemeinsame «Geschäft» fest. Lockende Zukunftspläne durchkreuzten sein Hirn und er ließ nichts unversucht, um dieses verhuz-elte Weiblein an sich zu fesseln. Beim Speisenverteiien reichte Lipe seiner Auge* betenen die größten Portionen und steckte ihr noch außerdem seine eigene Barches-Ration zu, die sie rasch in ihr Ridikül, das sie stets in der Hand trug, schob und zu dem übrigen, schwer feststellbaren Inhalt legte. Später erstand er bei einer Versatzamtauktion ein glänzendes Armband, suchte die Frau seiner Wahl auf ihrem Standort auf und machte ihr unumwunden einen Heiratsantrag, den sie nach reiflicher Ueberlegung annahm. Als man von dem alten, hustenden Winkelrabbiner zurückkam, gingen die Jungvermählten ln eine Auskooherei, wo man zur Feier des Tages Branntwein trank und Lebkuchen und allerhand Leckerbissen verzehrte. Lipe zog die Spendierhosein an, und nötigte seine Oattrtn, sich gütlich zu tun. Dann zog das aeuvermählte Paar in die Wohnung der Frau, in ein dumpfes Mansardenzimmer mit einer kleinen Dachlueke. Befanden sich beide zu Hause, so beriet man lange, überlegte verschiedene Pläne, bis man ein Einvernehmen erzielte. Sie sollte, wie bisher, in den rituellen Restaurationen, bei Tempel au sgängen etc. «arbeiten», Lipe hingegen hatte sich ein besonderes Arbeitsfeld auserkoren: den Gottesacker . . . Wie schon im klenen Bethaus, brachte es Lipe bald auch hier zu einem gewissen Ansehen unter den Kollegen, die seine Autorität. stillschweigend anerkannten. Er erhielt das schönste Almosen und solange er nicht abgefertigt war. wagte es die Übrige Bettlersvhar nicht, heranzukommen. Lipe schlichtete auch Streitigkeiten unter seinen Zmnftgenos'sen selbst und vermittelte soga, wicder'vit erfolgreich beim Friedhofverwalter, der die Schnorrer sonst niahit leidien mochte. Wie ein pflichttreuer Beamter kam Lipe jede.n Tag hieher, und hatte ebenso wie die diensthabenden Kantoren eine bestimmte Zahl von Leichenbegängnissen zu absolvieren. Waren gleichzeitig in verschiedenen Abteilungen des Friedhofes Leichenbegängnisse, untersuchte Lipe die «trauernden Hinterbliebenen» genau auf ihre Spendabildtät. Durch einen Blick ins aufiiegende Spendenbuch der «Ohewra Kadisoha» hatte er sogleich heraus, wie es um die Einnabrnsmiöglichikeiten stand. Im Laufe der Zeit führte Lipe ln seiner Arbeitsmethode verschiedene Verbesserungen ein, indem er beispielsweise jeden Frühmorgen im benachbarten Kaffeehaus in bestimmten Tageszeitungen die Traueranzeigen «durch* nahm. Er notierte genauest Zeit und Ort des Leichenbegängnisses und war so stets auf dem Laufenden. Spät, nachmittags, nach getaner Arbeit, kam das Ehepaar zusammen. Die Fusion des Geschäftes war ein glänzender Einfall gewesen, Freilich gab es oft auch Zerwürfnisse und Zwistigkeiten, die manchmal recht bedrohliche Formen annahmen. Aber Lipe verstand es dabei immer, den «Herrn im Hause» zu zeigen und seine Gattih mußte klein beigeben. Das Verhältnis unter beiden Eheleuten wurde auch nicht besser, als Lipe Vater wurde. Mit Kennermiene schaute er das Neugeborene an und hatte bereits auch in betreff des Kindes seinen Plan. Nach einigen Als die Bettler vom frischen Grab zurückkehrten, trafen sie mit den ebenfalls zurückikehrenden Begleitern einer reichen «Leich’» zusammen, die ganz erstaunt waren, nicht angescihnorrt worden zu sein. Lipe faßte als erster einen Entschluß; er ließ sein Kind stehen, nahm den Stock in die Rechte, humpelte an die schwarzgekleideten, vornehmen Damen und Herren heran und streckte seine Hand aus. Die Schnorrer warfen sich anfangs verständnislose Blicke zu, jedoch bald folgten sie dem Beispiel Lipes und bearbeiteten der Reihe nach die trauernden Hinterbliebenen. Kaum war jedoch die «Schiweh» vorbei, schleppte sich Lipe bereits mit einer halbblinden Bettlerin herum, die er nach einigen Wochen heiratete. Der gleiche hustende Winkelrabbiner vollzog auch diesmal die' Trauung und man ging dann in ebendieselbe Auskoc'herei, wo man, wie vormals, die festlichen Leckereien verzehrte. Auch an der gewohnten Arbeitsteilung wurde nicht gerüttelt. Seine Frau sollte, wie bisher, in den rituellen Restaurationen, bei Tempelausgängen etc. «arbeiten», Lipe hin,gegen hatte sich den Gottesacker mit seinen zahlreichen Gräbern auserkoren . . „ Die Cohens nähern sich dem Rekord . .. Amerika zählt Alles. Mehrere hunderttausend Menschen leben davon, daß sie — zum Spaß oder im Aufträge — etwas zählen. Und so zählte mau jüngst auch die in New York am häufigsten vorkommenden Namen Nächst Smith, der dort obenan steht, kommt gleich Cohen mit einigen Millionen. Allerdings brauchen sich auch Schwarz und Mayer und ähnliche bekannt klingende Namen gar nicht zu schämen. Aus der «guten alten Zeit». Ein jüdischer Flüchtling steht betrachtend vor dom Denkmal des österreichischen Heerführers Feldmarschall Radetzky. Zwei Offiziere, Feschaks von der Siric-Ecke, stehen gerade dabei und beginnen, ihn zu verhöhnen, indem sie seine Bewegungen und seine Sprechweise nachahmen. Der Jude hört eine Zeitlang geduldig zu und sagt dann, aulf das Standbild des siegreichen Feldherrn zeigend: «Was machen Se mir nach? Machen Se dem da nach!» , amei ITHS» von osteuropäischem Rabbiner der auch -IJJJJJ ist, bei gutem Gehalt, per sofort Gesucht Derselbe muß sich Uber einwandfreie Vergangenheit ausweisen können und darf nicht mehr als 2 Kinder besitzen. Offerten unter „ZÜRICH“ an die Administration des Blattes

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