Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 66 (4.4.1929)
- Date
- 1929-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Sei«» 5 Nr. 66 KUNEROL Ist TtfMfft rekie« Fett aas Kokosnüssen. Die Erzeugung steht not«* streng ritueller AafslAt des Herrn Bezirksrabbiners S. Bhrenfefd za Mattersbarg. KUNEROL kann daher von allen Stnaggllobigen zur Zabereitting von Osterspeisen verwendet werden. Die „Hofjuden“, Rothschild und moderne Finanzkapital Die Legende von der Herrschaft des „jüdischen“ Geldes Der ältere WictechafteantisemttiGtmis stdite sich (fett Juden gewöhnlich als Händler vor, als unliebsamen, parasitären Hausierer, den man eher lächerlich nahm, als daß matt ihn besonders fürchtete. Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts und dann bis in unsere Tage hinem gilt der Witischafteantteemittemus vor altem dem jüdischen Bankier und von .hier aus dem «jüdischen Kapital», dem angeblich von Juden beherrschten internationalen Finanzkapital» . Den Anlaß zu dieser Vorstellung haben sicherlich in erster Linie die Rothschilds gegeben, der alte Meyer Amsafoel Rotscbilid und dann seine Söhne, die «fünf Frankfurter», die, über fünf Länder planmäßig verteilt, das internationale Anteihegeschäft in einer technischen Vollendung ausibildeten, wie es sie vorher nicht gab. .Trotzdem kann man den Rothschilds — wie der bekannte volkswirtschaftliche Sohriftetdfer Dr. Richard Lewönsohm aiusführt — nicht den Ruhm zuerkennen oder, von der anderen Seite her gesehen, den Vorwurf machen, daß sie ein völlig neues Bank- oder Finanzierunigssystem geschaffen haben. Der Begründer der Dynastie, der alte Meyer Apise hei Rothschild, hat nichts weiter1 getan, als was andere, nichtjiid'ische Bankiers vor ihm taten: das Geld, das die Kurfürsten von Hessen aus dem Verkauf ihrer Landeskinder angehäuift hatten, in Form von Anleihen an andere Staaten weiterziuleiten. Meyer Amschel kam bei dem höchst mißtrauischen, auf seinen Vorteil bedachten Kurfürsten Wilhelm in das Geschäft firnem» weil er niedrigere Provisionen nahm, sauberer und daher auch etwas billiger arbeitete als die anderen. Auch die Söhne Meyer Amscihels haben ihren Weg gemacht, weil sie als äußerst geschäftstüchtig, aber auch als korrekt und gewissenhaft galten. ln der Art ihrer Geschäfte unterscheiden sie sich prinzip'ieU nicht von den «Hofjuden» des Siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Auch die Rothschilds waren im wesentlichen Ftnanzberater,; Geldbeschaffer und Geidverieiher des Staates und der Fürsten. Die- Faist ein halbes Jahrhundert ist nun schon der n e b r ä i s oh e Z a u b e r e r tot. Drei fahre nach dem höchsten Triumph seiner politischen Laufbahn, den er unter Bismarcks Augen auf dem Berliner Kongreß errungen hatte, versank er unter die bleibenden Schatten dies ewigen Traumes» Er war längst zur Mumie verdorrt und geisterte nur noch, vor dem letzten großen Abschiedinehmen, durch den Phantasderaum seiner Erinnerungen und Visionen. Aber, welch Wunder bei einem Staatsmann, dessen Werk von dem Vernichter Zeit so schnell zerfressen zu werden pflegt: die Glorie von Disraelis Nachruhm will nicht verblassen. Ja, sie scheint noch immerfort zu wachsen, sie sprüht in tausend Lichtern, und das märchenhafte Abenteuer seines Lebens behält seinen Duft und seine Farbe. Woran das liegt? Nicht am «rein» Historischen, also muß es doch wohl am Menschlichen liegen. Der Fall Hegt ähnlich wie bei Napoleon. Auch er trat aus Reih und Glied der uns geläufigen Menschenpflanzen. Auch die Geschichte des «unsterblichen» Ehrgeizes, der Benjamin Disraeli hieß, läßt sich so wenig wie die des Korsen i-n die Prosa der rein politischen Willens- und lnteressenkämpfe übersetzen. Darum wartete auch Disraeli all die Jahre auf seinen, auf den zu ihm gehörigen Biographen, der ihm in dem französischen Schriftsteller Maurois erstand. Disraelis großer Gegenspieler im Zeitalter der liberalen Reform, W. E. Gladjstone, hat Im seelengleichen John Moriey einen den Menschen und das geschichtliche «Thema» erschöpfenden Darsteller gefunden. Der Mann ans den Mittelklassen, die Gladstone zum Bewußtsein ihrer Geschichtlichkeit erweckte, brauchte, wenn er auf den Meister blickte, sein Gefühl nicht umzTueteiten. Beide waren Exemplare der gleichen Gatselbe Funktion übt auch noch in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts der, nächst Rothschild, populärste jüdische Bankier in Deutschland', Gereon Bleiöhroeder, aius. Bleich roeder, der Bankier Bismarcks, der den Krieg von 1866 und zum Teil auch nodt den Krieg von 1870/7! finanziert hat, ist der letzte Staatsbankier alten Stiles. Mit ihm stirbt, wenigstens in den großen europäischen, Wh’tschaftslähdern, dieser Typus aus. Der Geldbedarf der Staaten tritt an Bedeutung zurück hinter.den laufenden. Geldbedarf der Wirtschaft und an die Stelle dies Bankiers tritt mehr und mehr die Aktienbank. An der Organisation dieser neuartigen Finanzierungsinstrtute haben Juden hervorragenden Anteil. Die Brüder Pereire in Paris, ihrer Herkunft nach spaniolische Juden, haben die Idee der modernen Gnündungsban/k, die sich ihr Kapital aus dem Publikum beschafft, zum ersten Mate in, die Praxis uimgesetzt Auch an der Gründung der ersten deutschen Aktienbanken waren Juden hervorragend beteiligt. Aber die Großbanken sind niemals von Juden beherrscht worden. Schon vor dem Kriege gab es bei den deutschen Großbanken neben jüdischen Namen Nichtjuiden wie Georg von Siemens und seinen Schwiegersohn Helfferich, und nach dem Kriege hat sich die Zahl der Nicbtjuden unter den Großbankleitem noch vermehrt. Neben den Großbanken sptelen die großen Privatbankiers im deutschen Wirtschaftsleben nur eine untergeordnete Rolle. Unter ihnen nimmt das alte Berliner Bankhaus Mendelsoihn, dessen^ Inhaber schon seit Generationen Protestanten, aber unverkennbar jüdischer Abstammung sind, noch immer den ersten Platz ein, während der - Stern Bleichroeders verblaßt ist. Auch im Reich gibt es noch große Privatbantehätrser unter jüdischer Leitung, wie Werbung in Hamburg und die expansive Frankfurter Firma Lazand. Speyer- Ellisen. Unter den Finanziers jüngsten Datums hat sich der oTthödoxe Jude Jacob Michael über die Unbilden der Stabilifsierungszeit hinaus behauptet tung. Und überhaupt war die Laufbahn' dieses Spröß lings eines reichen Liverpoder Kaufmannes die typisch englische. Wie ganz anders bei, DisraeJi. Sprößling einer mit den Großeltern aus dem Venezianischen ein gewanderten se ph a rd i sch e n Familie, hatte er gegen eine feindlich verschlossene Wei t i n bar oc kern Zickzack anzustürmen, ehe er auf der Ebene stand, von der aus seine Vorgänger u nd Widersacher den Flug u n t e r n o m m e ri h a 11 e n. Kaum zur Bewußtheit erwacht, sah Benjamin sich in den Krieg mit dem Vorurteil — nicht der Klasse, vielmehr der Rasse, verstrickt, obwohl er früh getauft war und die Lieb« zur geistigen und physischen Landschaft seines Heimatlandes dem kindlichen Gemüt eine Selbstverständlichkeit war. Doch die'grausame Entdeckung des Anderssein begleitete ihn, bis sein Genius, die Kraft seiner politischen Vision, seine Menschenkenntnis, sein Witz, sein Instinkt für die Zeittendenz der Entwicklung, sein Vertrauen auf das Märchen des Zufalles und das göttliche Geheimnis alles Schicksalhaften, und nicht zuletzt seine unbesiegbare Mutbaftigkeit die Tore zur höchsten Macht im Staate gesprengt hatten. Aber nun, da er sie in Händen hatte, zitterten sie. Die physische Kraft war verzehrt, und auf dem greisenhaften Antlitz des Frtthgealterten lag die Melancholie des verglimmenden Lichtes» Es war ein Hindernisrennen, wie es ln dieser Form die moderne Welt nicht zum zweitenmal gesehen hatte. In diesem Manne, der nicht Taufchrist war, wie seine Umgebung, der Inden heiligen Büchern seines verstreuten Volkes und ihrem geschichtlichen Schicksal die Offenbarung der göttlichen Geheimnisse verehrte, er blieb selbst in dem. ritterlichsten Lande Europas, bei aller Verhätechefung durch die Aristokraten, ein FremdHng; und er Wleb.es, obwohl in seinem Blut und m seiner Serie die zärtlichste Liebe zu Land und Volk nistete. Das erhöht das Wunder Disrarii. Seine glänzende Machtstellung, der zäsanische Ehrgeiz des von innerer Ruhelosigkeit gepeitschten Assimiflanten, der sein Engländer tum als Gnadengeschenk des Himmels empfand — nie haben sie ihn seinem Stamm- Volke den Rücken zukehren und sie hilflos ihrer Pein anheim!allen lassen, so wenig, wie er Lm Glanze der Macht je der grausamen Mühseligkeiten des Arbeitsvolkes vergaß. Alles an diesem Manne war anders als bei denen, die in der Menagerie der Politik die Vordergründe füllten. Es war größer und tragischer, voll einer überdimensionalen Phantastik ... Neue Chaluzim-Alijah Aus Polen Vor kurzem reisten 50 Chaluzim aus Warschau nach Palästina ab. Auf dem Wege nach Triest schlossen sich ihnen 10 Chaluzim aus Ostgalizien an. In wenigen Tagen wird eine weitere größere Gruppe Chaluzim aus Polen die Reise nach Palästina antreten. Die Chaluzim werden von größeren und kleineren Gruppen Touristen begleitet, die die Pessach-Tage in Palästina zubringen oder die Frühjahrsausstellung in Tel Aviv besuchen wollen. Aus Sowjetrußland Fünfzehn Chaluzim, die sich gegenwärtig in Moskau aufhalten, erhielten gemäß einem Beschlüsse des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion Pässe zur Reise nach Palästina. Weitere 65 Chaluzim, die sich in Provinzstädten aufhalten, haben sich ebenfalls um Palästinapässe beworben und harren -der Entscheidung des Zerrtrakxekutivkomitees. Die Führer der aufgelösten Chaluzim-Organisation Altschuler und Zeruhabo! haben soeben eine d r e i j ä h r i g e G e f ä n g n i sh a f t absolviert und werden im Etappenwege nach Swortlowaky gebracht. Aus Deutschland Der Landesvörstand der Zionistischen Vereinigung ia Deutschland trat am 24. März zu einer Sitzung zusammen, m der die Frage der Ansiedlung deutscher Chaluzim in Palästina behandelt wurde. Es handelt sich um ein Ansiedkingsprojekt, das bereits grundsätzlich beschlossen worden ist. Der vom geschäftsführenden Ausschuß vorgelegte Finanzierungsplan wurde genehmigt, ein erheblicher Teil der Mittel ist bereits beschafft worden und es ist zu erwarten, daß die noch erforderlichen Beträge kn Laufe der nächsten Monate aufgebracht werden. Beschränkung der Selbstverwaltung Jerusalem, 2a März. (J. T. A.) «O f f i c i1 a l G azeitte» veröffentlicht eine Regierungsverordnung, Iaiut welcher der Oberkommissar ermächtigt ist, alle von den palästinensischen Stadtverwaltungen gefaßten Beschlüsse aufzuheben und beschlossene Maßnahmen durch andere m ersetzen; den Bürgermeister, die Stadtratsmitglbeder oder die Stadtsekretäre zu en tl ass e n und sie durch andere Personen zu ersetze n, wenn irgendein Grund solche Maßnahmen rechtfertigt, * Diese Verordnung bedeutet einen starken Eingriff in die in gewissem Ausmaße in Palästina vorhandene kommunale Autonomie. Aus der Nachrichtt geht nicht hervor, ob diese Verordnung durch bestimmte Vorkommnisse veranlaßt wurde. In der Praxis wind der Jischuw durch sie vorläufig nur in Tel Aviv betroffen, welches die Behörden, wie wir gemeldet haben, schon früher unter eine gewisse Beschränkung gesetzt haben, die von budgetären Rücksichten ausgegangen ist. Gerade im Hinblick auf das Prestige von Tri Aviv, der ersten reinjüdischen Stadt, ist die neue Regierungsverordnung sicher bedauerlich, aber man darf hoffen, daß die Regierung nicht in die Lage kommen wird, sich ihrer in Zukunft zu bedienen. Die Gemeindeautonomie in Erez-fsrael Der Stadtrat von Jaffa hat eine Konferenz aller palästinensischen Stadträte einberufen, die gegen die jüngste Regierungsverordnung, wonach die Regierung berechtigt sei, gewählte Stadtverwaltungen aufzulösen und durch eigene Beamten zu ersetzen, sowie Beschlüsse der Stadtverwaltungen zu annullieren und sie durch Maßnahmen eigenen Frmr—rnr zu ersetzen, protestieren und den Gedanken der Autoonnrite der Gemeinden energisch vertreten soH. Der Roman des jüdischen Ministers Der phantastische Aufstieg Benjamin Disraelis — Ein Täufling» der dem Judentum die Treue bewahrte