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Die Stimme · 1929-03-28 · Heft 65 (28.3.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 65 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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gapc s DIB9liSffi Nr. 45 Warnung! Vorzügliche, täglich ofenfrische, ftlitstat «MmmUi MAZZOTH und GRIE0 bekommen Sie nur aus der I. Wr. orth. Mazzotbfabiik Israel Vortrefflich Wien, 11* Obere AugarteMbreBe SS Verfangen Sie überall ausdrücklich VortreffNch-Mazzoth Der Rabbi und der Räuberhauptmann Eine Begebenheit aus Kolomea. Mitten s» den .wilden Karpafcfrcnbesigen,, wo Osrtktempolen; an SfebenbüTgen grenzt, dehnen sich endlose Wälder, die heute noch jeden Wamerer mit Grauen erfülion. I® diesen finsteren WäMeirn hauste vor ruundertfünfzig Jahren eine Räuberbande unter AafÜhmmg des im ganzen Lande gefürchteten Räuberbairptm armes Dobosch, Der Name wird heute noch in der Gegend mit Schrecken genannt; der «Schinderhaswies» der Karpathen. Wehe, wer ihm ins Gehege kam. Von seinem Gute blieb nichts mehr übrig, Pferd und Wagen wunden ihm genommen, auch die Kleider vom Leibe. Der Unglückliche, der etwa versuchte, sich zur Wehr za setzen, konnte sicher sein, schon hier im duarldeß WaWesbodon sein Grab m finden. Fnhrtetrte, dee die Gegend befahren mußten, pflegten am Rande des Waldes Halt zu machen und m warten, bis noch andere Fuhrwerke' kamen. Waren genügend Leute da^ so pflegten sie stob, bewaffnet mit Messern, Dolchen und Sensen, mit ihren Fuhren, dhcfot hmterejnander, in den Wald hrneinzuwagesu Es pflegte in der Regel wenig zu nützen, Dobosch wurde fertig mit den Menschen und Pferden und Hunden, auch mit den primitiven Waffen der Bauern und Fuhrleute, Sein Name und sein Auftreten jagten den Leuten, solche Schrecken ein, daß sie zumeist ihre Messer und Dolche za Boden warfen und sich selber ebenfalls, um Erbarmen flehend. In solchen Faßten stieß Dobosch ein, vritdtes Gelachter aus, daß der, Wald weit -und breit erzitterte, und fletschte wte fern Raubtier seine weißen Zähne. In aßen Ruhe püütvderfe er dann die Reisenden aus, Ehrt! wenn sie bar all ihrer Habe, auch ihrer «irgendwie brauchbaren Kleider waren, schickte er sie halb nackt mit guter Empfehlung nach Hanse. Manchesmal, wenn er gerade schlecht gelaunt .war, ging diese Entlassung nicht ohne blutige Schläge ab. Ein Menschenleben galt bei Dobosch nicht vieL Verging eine Zeit, ohne daß Ddbosdi Berate fand, da sich keiner durch dem Wald wagte, so war der gute Mann nicht träge, sich die Beute z-u hoten. Er überfiel dann Dörfer und Städtchen, wagte sich auch bis nach Kolome-a, In die Stadt, die fast nur vom Juden, bewohnt war, und nahm alles, was ihm in die Hand fiel Wunde ruchbar, daß Dobosch auf dem Wege nach der Stadt sei, so verkroch und versteckte sich alles, was sich verstecken konnte. Keiner dachte daran, ihm Gegenwehr zu leisten. Sogar Polizei und Soldaten verschwanden auf irgendeine Weise und kamen erst zum Vorschein, als die Gefahr vorüber war, das heißt, das Städtchen wie ausgebrannt dalag. So ging es viele Jahres. Bis die .Umwälzung elntrai Und diese kam nicht durch die Polizei, das Militär, die Behörden, sondern kam von den Juden, unter denen damals eine große religiöse Bewegung Uhren Anfang nahm. Es war die Zeit der, Entstehung des OfoassfeÜiismus. In einem Dorfe in den Karpathenbergen, lebte Rabbi Israel, genannt Baaischemtow, der Begründer, des Chassidismus. Noch hatte sich der Baaischemtow nicht offenbart. Nur ein kleiner Kreis von Nahestehenden kannte seine Größe und hütete das Geheimnis. Einer aus diesem Kreise war Rabbi Leib Ristiner, so genannt, weil er aus Pistin, einem Städtchen neben Kolomea, stammte. Besagter Rabbi Leib Pistiner war damals schon seiber ein großer Zaddik, aber auch ihn kannte-die Welt noch nicht Er lebte in Kokxmea als einfacher Kaufmann. Seme Geschäfte führten ihn mehrmals im Jahre durch die Karpatbemväider. Mehr denn einmal war er schon im Bereiche des Räubers Dobosch größten Gefahren ausgesetzt. Aber jedesmal geschah etwas wie ein Wunder, daß er dom Räuber entgehen konnte. Wie oft hatte Rabbi Leib Prstinet den großen Baafechemtew angefleht, er möge doch kraft seines Einflusses in den höheren Regionen etwas gegen Dobosch unternehmen, der es fn letzterer Zeit besonders auf Juden abgesehen hafte, sie atrsplünderte, mißhandelte und ihrer viele auch tötete. Aber der Baatedcamtow schüttelte den Kopf und sagte: «Noch ist nicht Zeit. Wenn die Zeit da ist, kommt auch die Hilfe.» Die Not der Juden in Kolomea und Umgebung wunde aber infolge dieser Umtriebe immer größer. In Kolomea selbst häuften sich die Ueberfälle, und immer waren es Juden, die als Opfer herhalten mußten. Merkwürdig genug war es, daß sich Dobosch nie an Rabbi tuet» Pteönet veqgfttt obwohl dessen Haas stell to der Nähe der großen Schtri befand, in einer Straße, die von Dobosch mit Vorliebe heimgesudhrt wunde. Es war beinahe so, als fürchtete der Räuber etwas, ate ahnte er, daß mtt einem Angriff auf dieses Haus und dessen Bewohner sein Glück m Ende gehen würde. Aber einmal konnte Dobosch dem doch nicht wüderstehöa. Es war an efoem FfceStegabewd, Ein Verwandter Rabbi Leibs kam mit seiner ganzen Familie aius einem nahen Dorf, um die Hochzeit einer Tochter in Kotomea zu feiern. In Rabbi Leibs Haus hatte am Freitag die Hochzeit stattgefunden, und Jetzt, am Abend, waren alte Räume hdfbdeuchfet und an reich gedeckten Tischen saßen sehr viele Gäste um das Brautpaar und die Hochzeitsgäste herum. Die heil befeuchteten Fenster zogen Dobosch gar sehr an. Unwillkürlich blieb er stehen und überlegte, ob er hinein sollte oder nicht. Eine innere Stimm© wannte ihn davor, aber die hellen Klänge, die Speisern und Getränke auf dem .Tische lockten unwiderstehlich!. Er ging durch dias offenstehende Tor und trat direkt, ohne anzuklopfem, in die aller Welt geöffnete Siafobafstuibe Rabbi Leibs. Zunächst dachte man an einen, verspäteten Gas t Wie man aber das Gesicht des Räubers erblickte, das äße aus eigener Anschauung und durch Beschreibung kannten, wunde die Gesellschaft von einem Schrecken erfaßt, wie beim plötzlichen Einbruch einer Natumgewalt Es suchte sich za retten, was sich retten konnte. Der Brautvater hatte noch so viel Geistesgegenwart, das Brautpaar rasch nach sfeto zu ' " » l r* üf|FH “tSÄS* 5 Richard Herzog «IlLII m-, ki. pt.rrg. aa T*L A-41-6-24 Sprecbapparate alle jüdischen and hebräisehen Schallplatten Soeben eingetroffen die neuen Schlager: 25 om.S 6.-! Ava „Friederike“: 0 Mädchen, mein Mädchen. Liebe seliger Traum. Er ist nur Barspieler. Badeteky-Fox. Kennst dn das kleine Hans am Mlehtgansee? Wenn der weide Flieder blQfat. Trink, trink, Brfrderlein trink. Mascha (Bubliczki). , Ana „Hochxeil in Hollywood“: Im Schönbrunnerpark. Sei lieb zu mir, sei nett *U mir. In Paris, bei der Ubr der Madelaine. Casanova, leb Uebe dich. Meis Engel (Angela Mia). Maseha (Bublicxki). 25 Ott » S 7,50 Eine neue Whitomann-Plattc: Bosos ot Testerday. Get oat and get ander the Moon. Jeannino, I droam ol Lllac Time. Grieving. Layton und Jobnstone. In the Evenlng. Obiqnits, The Toy Town Artillery. In old Vienna. Mississippi Molody. Angela Mia (Mein Engel). Dolores. Ausschließlich elektrische Aufnahmen, vollendet in der Wiedergabe! ziehen und in einer Ecke des Dachbodens zu verstecken. Wer itm Hause allein in aller Seelenruhe ntft dem Kidduschbecher in der Hand blieb, das war der Hausherr, Rabbi Leib Pistfiner. Ueberrascht blieb Dobosch eine Werte stehen und sah dem Juden scharf ins Gesicht Er glaubte, dieses Judengesicht schon einmal gesehen zu haben. Aber Dobosch war kein Mann des langen Nachdenkens. Schon zog er dien Säbel und schlug damit Rabbi Leib so kräftig über die Hand, daß ein Blutstrahl aufepniltzte und auf den Tisch floß, aber den Weinbecihier ließ Rabbi Leib nicht falten. Er richtete die Augen nach oben und sprach im verzückten Gebete: «Möge mein Blut für die ganze Gemeinde sühnen, daß säe verschont Weibe von ferneren Leiden» den Räubereien und Ueberfällen, Herr der Welt!» Da fing Dobosch an zu zittern. Seine Hände hingen sdifetff herunter, seine Beine schlotterten. Er senkte sich tiefer und tiefer, bis er Rabbi Leib zu Füßen lag und etwas von Verzeihen stöhnte. «Geh deines Weges!», sagte Rabbi Leib ruhig, «und bete, daß Dir Gott verzeihe.» «Heiliger Mann», flehte der, Räuber. «Ich bin hungrig, gib mir was m essen.» Da rief Rabbi Leib alte seine Hausgenossen und die Gäste wieder in diie Stube, er befahl ihnen» da sie immer noch voller Angst zögerten, ziu kommen. Dann sprach er, mit Wütender Hand den Becher hochhaltend, das Käddusch gebet, das Segensgebet, über das Brot und verteilte die Brotstücke an sämtliche Gäste. Auch Dobosch bekam 6ern großes Stück ab. Er ging aius dem Hause, ohne ein Wort zu reden. ln Dobosch ging aber seit diesem Tage eine Wandlung vor. Er zog sich in den tiefsten Wald zti- £tk&, vergrub Riate, SdsweBt, Mcsaac und Dotetv Darm hotte er ans seinen Schtophrinkete atte in den riefen Jahren geraubten Sachen hervor and wartete am Wege, bis eine Fuhre kam. Und waren es arme Juden, so schenkte er tonen von den Sachen, Jta, nötigte tonen auf, was sie gerade brauchen konnten. So tat er es jahrein*^, bis er von all dem angesammelten Oute keine» Faden mehr hatte. Darauf zog er steh in einen anderen Weid zurück, entsagte völlig dem Reisch und Alkohol und lebte von Frachten» Wiunzetn und Wasser. Aras dem gefürchteten Räuber wurde fein Ftfötmld und Beschützer der Reisenden. Kam ein Bawdewageo de» Weges durch den Karpathcnwatd, so stand, wie aus dem Boden gewachsen, Dobosch davor, fragte den Fuhrmann, wöSsäti er wollte, zeigte ihm den Weg und gab ihm gute Ratschläge für, die Wcrterfaihrt. Bei den Juden Kofcomeas und der Umgebung steht heute noch Rabbi Leib Pistiner in bestem Andenken. Im Cbassildimstüberl erzählt man sich gern das Wmrater, cfas sich in dessen Haus, in dem ein Abglanz vom großen Raatechemfow leuchtete, am Freitagabend befim Kiddusch vollzogen. Weizmatins Gesundheitszustand Das Zentraibureau der Zionistischen Organisation in Lomdon teilt mit, daß sich Präsident Weizmanti Gesmrydheitszmstand zusehends bessert. Man hofft, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation ln der Lage sein wind, eefne Retee nach Ere.z Israel im April arnzratreten. Antisemitische Exzesse in Bessarabien Ans Bukarest meidet J. T. A.: «Universum» meldet aus Kisch&new: Die Behörden haben telegraphische Berichte erhallten, daß sich in der Ortschaft Pr ep eli tza antisemitische Ausschreitungen ereignet haben. Rekrutdrangen in die Wohnungen jüdischer Familien ei», demolierten die Einrichtung und mißhandelten die Einwohner. Die Ortsgendarmen waren gegenüber den Rekmte machtlos. — Aus Tlghina werden ähnliche anüsemi^sohe Ausschreitungen von Rekruten gemeldet. Hungernde Juden verpfänden beim Pfarrer GebetntettslHen. Io Traschkun, einem Städtchen in Litauen, wo cRe Hwugersnot besonders groß isL haben Jaden als Demonstration dagegen, daß man sie hilflos ihrem Schicksal "überläßt, bei dem Ortspfarrer ihre Gebe tm ä m t e 1 und T e p h i 11 n gegen eine Summe von je 25 Llt (2.5 Dollar) in Pfand gegeben, um sich Brot zu beschaffen. Der Stadtrabbiner hat eine .Aktion zur Auslösung der verpfändeten Gebetutensilien eingeleitet. (Jta.) Hilfe für die jüdischen Flüchtlinge ans Rußland Am 18. <Mänz fand in Beil in eine Zusammenkunft führender jüdischer Persönlichkeiten Deutschlands mit den Führern der russisch-jüdischen Kolonie in Deutschland statt, um über Maßnahmen zu beraten, die der (unsagbaren Not der rotssiscthi-j üdischen Flüchtlinge, die hauptsächlich der Intelligenzschicht des russischen Judentums angehören, abhelfen sollen. Den Vorsitz führte der Präsident des Verbandes rassischer Juden., Herr Staatsrat Dü. Jakob Tel tei, der in der einleitenden Rede bemerkte, es hatten sich zum erstenmale Führer der deutsoh-jüdischen und der rassisch-jüdischen Intelligenz zusamimengefunden. Mazzoth und Orangen aus Palästina Unter der Aeglid e dos ZIonistischen Landeskomitees halben diie Gesinmiingistgienosscn, di© sich bereits mi/t der Einführung delr palästinensischen Orange in Wien verdient gemacht haben, eine Aktion unternommen, um die Gesilnniuingsgenos&en ttnd Freumde des Palästina-Au Abanes zu Pessach imrt paläistinensrschem Mazzoth zu versorgen. Die Aktion findet umtet) der Kontrolle des Landeskomitees statt Die Mazzoth! sind ausgezeichneter Qualität mud staimmen aus detj ältesiten, nutimeihir votlständig modernisierten MazzotW*. Fabrik Palästina®. Besteillinngen nimimtt das Büro 'des LWdeskömltee’s* I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85/86, entgegen. Die Preise der Mazzoth sind: 1 leg (gepackt in zwei Paketen ä y2 kg) S 2.60, Da bereits anfangs April mit der Lieferung der Mazzoth begonnen werden soll, wird ersucht, bereits jetzt die Bestellungen aufzugeben, damit lief der Versendung keine Verzögerung etotr&L /' An die österreichischen Besitzer von Grundstücken in Palästina I<h bringe den Käufern von Grundftückcn in Paiäftina, die bei der Mefhek-Gefcllfdiaft oder anderen GrundllücksgefeUfchaften Grund und Boden in Paläitina angekauft haben, zur Kenntnis, daß lieh in Wien ein Verein zum Schutze der öfterreidiifchen Käufer und Befitzcr von palältinenlifchcn Grundflächen konftituiert hat und auch ein fokher Verein in Haifa regiftriert wurde. Als derzeitiger Obmann diefes Vereines richte ich an alle Grundftiickskäufer und Befitzcr das Erfudicn, mir Name und genaue Adrcffe bekanntzugeben und eventuell den Beitritt zum Verein anzumeldcn. Dr. Leopold Sofer, Wien, I., Kohfeiarkt io, i

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