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Die Stimme · 1929-03-28 · Heft 65 (28.3.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 65 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 05 DIE STIMME Safte 7 Karl Kautsky, der „Ehrenjude“ «. . . Nur jämmerliche Gesinnungsfeiglinge können dem Judentum ihre Sympathie versagen « . .» Im einer Unterredtwvg mit einem Mitarbeiter der «Stimme» äußerte sich kürzlich der Klassiker der sozialistischen Marx-Exegese, Karl K a u t s k y, über seine Stellung zum Judentum. Der greise Sozialistenführer, der mit den antijüdischen Strömungen, die sich in gewissen Kreisen der österreichischen Sozialdemokratie bemerkbar machen, sichtlich unzufrieden war, sprach die Ueberzeuigung aus, daß man den geistigen Wert eines Menschen oder einer Bewegung nach ihrem Verhältnis zum Judentum bemessen kann. Nur jämmerliche. Gesinnungsfeiglinge können den jahrtausendealten Leiden und heroischen Kämpfen des jüdischen Volkes, das der Menschheit unvergängliche Lebensideale geschenkt hat, ihre Sympathie versagen. «Ich selbst» - erklärte Kar-’ Kantsky — «dürfte wohl in meinen Adern keinen einzigen Tropfen jüdischen Blutes haben. Mein positives, freundschaftliches Verhältnis zum Judentum aber, das ich im Laufe meines langen Lebens oft genug bekundet habe, trug mir in weiten Kreisen der sozialistischen Internationale den immerhin nicht ganz eindeutig gemeinten Titel «Ehrenju.de» ein. Diesen Titel trage ich gerne und mit Stolz..» Tanz oder Nichttanz — komische Frage. Audi ein anonymer Brief an die Redaktion. So oft man in der frühzionistisohen Spaltpilzpresse den Geist Herzls beschworen findet, stellt sich automatisch die Gedankenverbindung ein: «Gegen wen geht es diesmal, und welche Bosheit wird nun abgewandelt?» Seitdem der Repräsentation,sball der Wiener Zionisten so wohil gelang, daß ex nebst sonstigem Vorteil einige tausend Schilling für den Chajes-Wald und das Chajes-Gymnasium abwarf, hat die «Neue Welt» alle anderen radikalen Bilbulim beiseite getan und unser Landeskomitee unter Feuer genommen, weil es dem Jugendverein «Erez-Israel» diese Veranstaltung erlaubte; denn Tanz von Zionisten verstößt — nun, natürlich gegen den Geist Herzls ... Der Jugendverein, der stets seine zionistische Pflicht getan, treppab, treppauf bei Leerung der Nationalfondsbüc’hsen, straßab, straßauf jüngst bei der ruhmreichen Kultuswahlschlacht, war tief gekränkt und glaubte, sich verteidigen zu müssen. Dabei ahnen die braven Jungen« und Mädels nicht, wie sehr sie sich durch ihren Ball um den Zionismus verdient gemacht; belebten sie ja beste zionistische Ueberliieferung, die uns in diesem Wechselsturm der Jahre schier verloren ging. Ja, Zionismus und Tanz sind kein Widerspruch; im Gegenteil! Auch ohne daß dies statistisch festgestellt ist, wage ich die Behauptung, daß mit dem Aufstieg der modernen zionistischen Bewegung zugleich die Zahl der durchtanzten Tausend'kilometer jäh emporschnelflte. Denn die Adepten des jungen Zionismus tanzten aus vielen Gründen zugleich: im überschäumenden Glücksgefüh l ih res neu gefundenen Leberisideals, Ln der Freude des Wiederfindens freundlicher Genossen, und die Männlein unter ihnen nicht zuletzt, um den Weiblein die heilige Lehre auf diese angenehme, leichtfaßliclie Art näherzubrIngen. Zum Rüstzeug des zionistischen Agitators, war er nun von der «Kadimah» oder «Ivria», von den Studenten-Verbindnngen oder -vereinen, in Wien oder draußen in der Provinz .gehörte es, einen flotten Walzer zu schwingen uod eine graziöse Polka zu drehen. Heute heißt es — Nebensache — Foxtrott und Jazz. Und wenn das zionistische Leben alljährlich in der Makkabäerfeier gipfelt, so wieder die im Ball, im Repräsentationsball der Wiener Zionisten. Sang doch unser Barde, der liebe Zuckermann, neckisch dazu: «Gilts auch nicht auf blut’ger Walstatt, zum Ersatz findet ein Bail statt» Recht schön, aber— der Geist Herzls!! Nun, als Theodor Herzl noch lebte, hatte auch er ein reges Verständnis für den Tanz und für alles, was an Daseinsfreude drum und dran hängt. Kein Makkabäerfest galt in Wien als gelungen, kein Ball hatte seine Weihe, ehe nicht die königliche, schwarzbefrackte Gestalt des Führers inmitten der Tänzer erschien. Er kam, lächelte, konvertierte, tanzte wohl auch selbst mit, ja, tanzte zwischen seinen weltbewegenden diplomatischen Ak- Etn Provirizra/bbiner, der die Gewohnheit langwieriger Predigten hatte, predigte eines Tages ausführlich über ite Unterscheidung zwischeti «großen» und «kleinen» Propheten. Nachdem er bereits den «.großen» vierzig und Jen «kleinen» zwanzig Minuten gewidmet hatte, sagte er: «Nun kommen wir m einem meiner Lieblinge, von äem Ich mit besonderer Freude spreche, nämlich zu Walachi. Was sollen wir mit Malachi tun? Wohin sollen adr ihn stellen? Welchen Platz solcn wir ihm geben?» Da rief ein alter Jude von seiner Bank hinauf zur Kanzel: «Gehen Sic ihm mcineu Platz, EUrwiirdeii, ich gehe »ach Hause.» aas®®®®®®®®®®®®®®® □ □□ Achtungf Palästina-Mazzoth aus Tel-Aviv Achtung f Jeder Jude, der Palästina fördern will, kauft PoliisiiiiM - aus der unter strengster Aufsicht des Oberrabbinates p5r, Ehrwürden Ob. Rabb. Kook) stehenden ältesten Mazzoth-Fabrik Palästinas in Tel- Aviv, gegr. 1889. Die Mazzoth sind bereits eingetroffen und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein, Alleinvertretung: N. Spindel I Lanrenzerberg Nr. 3, Tel. R 29-7-34 ui Achtet auf die Marke: Weißer Hirsch im Mögen David tu Ein Teil des Reingewinnes fließt dem Keren Kajemeth le Israel zul ^6llvllllllllltWleteliail9IM<IILilljBMIlllllllllMliP]l»Tell»llelf#B».|g|lelllllSllSllSll8llelH>ll8llw tionen für die Nationale Heimstätte; Doch Vorsicht, Epigonen, laßt Euch Herzl von niemandem kommentieren, nicht von jenen Nörglern und auch von mir nicht! Lest doch selbst nach, was er alles sagte und schrieb! Als 1898 oder 1899 die Jüdisch-Akademische Verbindung «Unitas» in Wien ihren Ball gab, widmete unser Heros für die Damenspende ein kleines, leichtgeflügeltes Gedicht. Es kam gleich neben die Liste der ersten Goldenbuch-Spenden aus Oesterreich für den Keren Kajemeth zu stehen und atmet Geist von seinem Geiste. «Dreht Ihr Euch in frohem Reigen, Sollen Gram und Sorge schweigen, Und in solcher jungen Nacht Sei nichts Trauriges gedacht . . « Dennoch mögt ihr Herrn die schlanken Mädchen werben dem Gedanken! Morgenländ’soher Rosen Duft Wehet köstlich durch die Luft; Glauben werden Zions Söhnen, Daß es herrlich sei, die Schönen. Dann, wenn diese Nacht verschwand, Rötet sich der Himmelsrand, Und die Herzen werden schlagen: Dort im Osten will es tagen. Theodor Herzl.» Drum, Ihr vom «Erez-Israel», laßt die Köpfe nicht hängen ob einer drolligen Kapuzinadel Arbeitet so wacker zionistisch, wie bisher, marschieret und schlagt Euch, 90 oft die Führung Euch ruft, und seid fröhlich und tanzt, wenn Euch die Lust dazu ankommt. Und wenn autf Euren Bällen die optimistische Lebenslust des Zionismus aus dier guten Zeit Herzls durchschlägt und sich emporschwingt über die griesgrämige Nörgelsiirbt des Al'ltarres und wenn dort auch nur-ein ER HEINE-BUND EINE JÜDISCHE BUCHGEMEINDE NICOLO-PECCAVI oder die Dreyfuß-Affäre in Copentras. Von Armand Lunel. Aus dem Französischen. Dichterische Verwertung politischen Themas; wie weltgeschichtliche Vorgänge im Parteikampf eines Provinznestes aussehen. - Erscheint Ende März. J, OS*ATO$CHU t 1863. Roman aus dem Jiddischen. Fortsetzung des «Letzten Waldjuden», des Romans vor dem Sturm. Hier der »Sturm*: die Zeit des Polenaufstands, an dem viele Juden teilnehmen und den die Russen blutig niederschlagen. Erscheint tm Juni. MOSES MENDELSSOHN, Der Mensch und sein Werk. Aus seinen Schriften, Briefen und Gesprächen. Herausgegeben von Bertha Badt- Strauß. Umgang mit Juden und Nichtjuden, Freundschaften, Religiosität, äff evtl. Betätigung, abgeklärtes Menschern tum, gütige Weisheit - kurz: Mendelssohns Persönlichkeit. - Erscheint zum Mendelssohn-Jubiläum i. August JULtU« KALISKI s JUDEN IN D*R DEUTSCHEN POLITIK. Fortsetzung der Serie: Juden in der deutschen Literatur, Junen auf der deutschen Bühne, Die Juden in der Kunst. Von den großen jüdischen Figuren des Liberalismus und Sozialismus ausgehend, behandelt ausführlich die letzten 20 Jahre - von Riesser bis Rathenau! Erscheint im November! Spezialprospekt auf Wunsch - Beste Ausstattung Jahresbeitrag: S 25.-. Postsparkassen-Konto: Wien D 114.792 (Dr. Ahron Eliasberg) DER HEINE-BUND, BERLIN W57, PALASSTR. 10/U und eine SIE sich m einem gutjüdischen Schidd.uch zusiammenfinden. Masal tow! Und übers Jahr macht noch einen Purimball dazu, denn unser Publikum braucht ihn, um all die Verstiegenheiten, an denen heute das zionistische Parteileban krankt, schmerzlos abzureagieren in Jux tmi MaskenspieL Verhandlungen zwischen dem Papst und der englischen Regierung Nette vatikanische Politik in Palästina Nach einer Meldung dtes'Uilste'iindienstes aus Mailand hat der Papst eben eine Neuordnung verwailtungsrechtlicheir Art im Palästina verfügt, die eines politischen Einschlages nicht entbehrt. Die Verwaltung und der Besitz an den Heiligtümern in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth ist seit der Errichtung des Staates Palästina unter britischer Mandatsregierung noch immer nicht endgültig geregelt. Es heißt, daß Verhandlungen hierüber zwischen dem Vatikan und London wieder im Gange sind, und in diesem Zusammenhang muß wohl auch der Entschluß, die kirchliche Jurisdiktion über Palästina, die seif Jahrzehnten der Apostolischen Delegation im Syrien unterstellt war, aus dem französischen Mandatsgebiet nach der britischen Eimflußzone Aegypten zu verlegen, vom politischen Gesichtspunkte gewertet werden. Zweigniederlassung der Aegyptischen Bank in Palästina Nach der ägyptischen Presse hat die Leitung der ägyptischen Bank ein Abkommen mit arabischen Finanz- Jeuten getroffen, iwn in Syrien und Palästina diese»' Bank zu eröffnen. Die Mazzoth-Besteuerung in Erez-Israel in der letzten Sitzung der Leitung des Waad Leumi wurde beschlossen, ein Memorandum über die Frage der Mazzoth-Besteuerung an die Regierung zu senden. Die Regierung soll die Genehmigung erteilen, daß nicht nur diie in Palästina hergestellten Mazizoth, sondern auch die vom Ausland importierten und in Palästina zum Verkauf gelangenden Mazzoth besteuert werden dürfen. — Die Sitzung beschloß ferner, sich mit dem Ober-Rabbinat wegen Bildung des Obersten Rabb mischen Rates in Verbindung zu setzen. Das neue Gemeindegesetz sieht bekanntlich einen Obersten Raibbönisohen Rat als höchste religiöse Instanz der ln der Knesseth Israel organifierten Jüdischen Bevölkerung Palästinas vor. Eine neue Chaluz-Alijah Forderung der Zionistischen Exekutive. Die Zionistische Exekutive unterbreitete der Palästina- Regierung ein Memorandum, in welchem um die sofortige Gewährung von weiteren 300 Zertifikaten für C h a 1 u z i m - Einwanderer ersuch* wird. * Der Januar 1920 \väes eine beträchtliche Zunahme der Einwanderung von Juden in Palästina auf. Laut den soeben veröffentlichten Zahlen kamen hn Januar 481 Ein*, wanderer, unter ihnen 352 Juden, nach Palästina; In dem gleichen Monat verließen 173 Personen, unter Urnen 89 Juden, das Land. Im Dezember 1928 wanderten t 07 Juden ein, 90 Juden ans. Der Heiratsluftige beim Schadchen. Diefers „Alfo, welche Eigcnfchaften foll Ihre Braut haben?“ Der Kandidat: „Schön foll fie fein ~ reich — und gefcheit.“ Der Schadchen: „Gut, junger Mann. Aber daraus mach ich drei Partien.*

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