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Die Stimme · 1929-03-28 · Heft 65 (28.3.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 65 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Tftr. tag Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen Grieß □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□oaag □ nisöJTö’nyw’JNö □ □□□□□OflDDDO□□□□□□BDDOOD Farvel sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spe2ialität sind die neu eingelangten Mazzoth Crackers, eine besondere Freude für die Kinder raanisdtewiMz Pfaizos - Veririel» Wien, 2. Dez., Fu$ba<h£a«s« 24 (Nordbahnslraoe 38) Telephon Nr. R 23-9-32 und R 48 0-82 Filiale: lg. Frost, 2. Bez., Haidgasse 9, Telephon Nr; A 41-8-64 daß seine Pioniere die Arbeiter sein mußten. Es folgte weiter, daß im Vordergrund des Ringens um die Erschließung neuer produktiver Kräfte im Land die landwirtschaftliche Siedlung stehen mußte. Die Arbeiter, die mit dem Willen zu diesem Pioniertum nach Palästina kamen, waren und sind ihrer sozialen Herkunft nach eigenartig zusammengesetzt. Nur ein kleiner Teil dieser Arbeiter, die überwiegend aus Osteuropa einwanderten, gehörte von Haus aus zur Arbeiterklasse. Die Mehrzahl stammte aus dem kleinbürgerlichen Milieu des Handels und des Handwerks, das den jüdischen Osten. behrrscht, ein Teil auch aus großbürgerlichen und akademischen Kreisen. Ungewöhnlich groß war der Bildungsgrad dieser Arbeiter, ünge-1 wohnlich gering ihre Vorbereitung auf die landwirtschaftliche und städtischen Arbeitsaufga« . ben, die in Palästina zu erfüllen sind. Sie alle Die Vereinsmeier werden nicht alle. Besonders in Deutschland entwickelt sich dieses «Gewerbe» immer blühender. Und so gibt es denn in Berlin neben, den Vereinen zur «Vertiefung der Ehrfurcht vor dem ehemaligen Kai'serhause», derzeit Doorn in Holland, und «zur Pflege der Geselligkeit unter den jungen Fleisch-' hauersöhnen» auch einen «Verein zur Entlarvung Einsteins». Man müßte sich eigentlich wundem, wenn es einen solchen Verein i‘n Deutschland nicht gäbe. Die Feindschaft gegen den großen jüdischen Gelehrten wäre an sich durchaus begreiflich und keineswegs anrüchig. Aber daß diese Feindschaft sich sogleich in Satzungen niederschlägt, einen Präses, .einen Schriftführer und einen «Säckelwart» wählt, , das ist das Uebel. Ein Gelehrter, der anderen mißliebig ist. wird nicht widerlegt, nein: er wird «entlarvt»; und nicht durch eine Einzelperson, sondern durch ein anonymes Kollektivum. Gab es doch während des Krieges auch einen Verein zur raschen Niederkämpfung Englands, der allerdings, bevor er sein Ziel erreicht hatte, umständehalber aufgelöst wiur.de ... •* E i n ft e i n machte vor Jahren zufammen mit Profcllor Weizmann eine Reife nach Amerika. Als fic das Schiff verließen, wurde Weizmann von einem amerikanifchen Reporter um feine Meinung über Einfteins Relativitätstheorie befragt.. Weizmann erwiderte: „Während der ganzen Secreife hat mir Prof. Einftein feine Theorie ausführlich dargelcgt und ich gewann dabei die ficherc Ueberzeugung, daß Einftein felbft die Relativitätstheorie tadellos verfteht..." * Nach einem Vortrag in Paris wurde Einftein mit ftrenger Miene gefragt, ob eigentlich feine Theorien mit Kant im Widerfpruch ftänden. „C’est difficile ä clire“ antwortete er. „Chaquc philosophe a son propre Kant.“ * Als man lieh in feiner Umgebung über den Lebenswandel; eines Bekannten entrüftete: „Ich ziehe das ftille Laftcr der aufdringlichen Tugend vor.“ * In Buenos Aires wurde Einftein als befonderc Sehenswürdigkeit eine ganz modern eingerichtete Zeitungsdruckerci gezeigt; alles mafchinell, alles automatifch. Man fragte ihn, vt« ihm das gefalle. „Ausgezeichnet!“ fagte Einftein. „Fehlt nur noch eine Mafchine, die es lieft.“ Einsteins Dank Namens der Zioniftifchcn Vereinigung für Dcutfchland fchickte deffen Präfidcnt Herr Kurt Blumenfcld an Profcflor Einftein ein Schreiben, in welchem es u. a. hieß: „Wir Zioniften haben das Bedürfnis, Ihnen bei Ihrem 50. Geburtstage zum Bewußtfein zu bringen, daß Ihr Eintreten für unfer Werk aber zeichnete der Wille aus, Arbeiter zu sein und Arbeiter zu bleiben, im Dienst des nationalen Aufbaues. Diese Arbeiter aber brachten aus ihren Geburtsländern nicht nur das nationale, sondern auch das soziale Ideal, die Ideenwelt des Sozialismus, mit in das Land. Hier, wo es gilt von unten auf eine nationale Gemeinschaft aufzubauen, werden die Kräfte auch von dem Willen befeuert, neue Lebensformen zu verwirklichen. Der Kampf um die nationale Neugestaltung ist so ganz von selbst mit dem Kampf um soziale Neugestaltung verbunden. So konnte das Einsetzen der außerordentlichen menschlichen Kräfte, das vor allen Dingen für die Besiedlung von Landgebieten, die erst entsumpft werden mußten, um Produktions- und Lebensmöglichkeiten zu gewähren, nur in Formen des sozialen Experiments aufgenommen werden. (Fortsetzung folgt.) zu den echten Leiftungen Ihres menfchlichen Wirkens gehört. Unfere Landesftelle des Keren Kajemeth Leifracl fendet Ihnen als befcheidenes Gefchenk einen Korb Früchte zu Ihrem Geburtstag.“ Prof. Einfteins Antwort auf Blumenfelds Brief lautete: „Lieber Herr Bluraenfeld! Der künftlerifdh gefdimückte Korb mit den prächtigen Erzeugniffcn unteres geliebten Landes I Die in ihrer Qualität unübertroffenen, I fl unverfälschten I [Original Palästina-Keinej B aus den bestrenommierten alten unter strengster || fl ritueller Aufsicht stehenden Kellereien der Chewräfl, fl Misrachl aus Jaffa sind bereits eingetroffen. fl 8 Verkauf: Stadtgutkeller, Wien, II., Stadtgutg. 36, fl B Tel. R 29-7-34 fl hat mich mit Freude und Rührung erfüllt. Es ift ein Symbol dafür, daß die heißen Bemühungen und die fchwere Arbeit wirklich fchon Früchte getragen haben. Hoffen wir, daß Menfchen, Tradition und Sachen in Ercz Ifrael fo vortrefflidi und echt fein werden, wie der Inhalt diefes Korbes. Ihnen, Herr Blumenfcld, herzlichen Dank für die warmen Worte. Ich weiß, daß mein bißchen Wirken für die heilige Sache maßlos überfchätzt wird. Die Gabe, auf Menfdicn zu wirken oder gar zu führen, ift mir überhaupt nicht gegeben. Wenn etwas von mit wirkt, dann find es einige unperfönliche Einfichten, die mir im Laufe des Lebens zuteil geworden find. ' Mit herzlichem Dank und Gruß! Ihr A. Einftein.“ „Die Mehrheit des britischen Parlaments steht fest hinter dem Zionismus . . Aus London meldet die J. T. A.: Der Jüdische . Nationalklub Londons gab zu Ehren von Colo n e 11 Wedgwood, dem Schöpfer der Liga «The Seventh Dominion», ein Diner. Nachdem der Vorsitzende, Chefredakteur Morris Myer, an den Ehrengast eine Begrüßungsansprache hielt, erklärte Colonel Wedgwood u. a. folgendes: Nicht allein ich, sondern auch die Mehrheit des britischen Parlaments steht fest hinter dem Zionismus und ißt überzeugt, daß .— keine andere Bewegung so viel Gutes für die Juden vollbracht hat wie die zionistische Bewegung. Und nicht allein dem Judentum brachte der Zionismus Belebung und Hoffnung, sondern auch den Engländern. Die Lage des Zionismus ist nicht so gut, als man sich wünschen könnte. Wir müssen darum über eine Körperschaft $rerfügen, die den Zionisten in ihrer Arbeit hilft Di« Liga für das siebente Dominion will nicht, daß man die Juden gegenüber den Arabern bevorzugen soll; wir wollen G1 e i c h» b e r « c h t i g u n g f ü r all c. Würde Palästina in ein englisches Dominion umgewandelt werden, so würde e« ein teures Juwel Ln der Krone dos britischen Imperiums worden. Obwohl England den Juden nicht so geholfen hat, wie man es von ihm hätte erwarten können, so ist es doch der beste Freund der Juden. Denjenigen, die behaupten, wir wollten das Mandat verleugnen, das dem Völkerbund gegebene Versprechen brechen und in Palästina selbständige Ziele verfolgen, antworten wir: Wir wollen nichts ändern, wir bauen nur vor. Wenn einmal die Mandafcsverpfliichtung zu Ende geht, und das Jüdische Nationalheim aufgebaut ist, dann wünschten wir, daß Juden und Araber innerhalb des englischen Imperiums freiwillig verbleiben. Wir wollen das Mandat nicht ändern, sondern es in allen Punkten durchführen. Die Aufgabe der Mandatarmaohit würde aber nicht vollendet, das Jüdische Nationalheiim nicht geschaffen sein, wenn nicht eine j ifd i s c h e Mehrheit in Palästina geschaffen würde. Der Status eines Dominions bedeutet, daß. ein Land unabhängig ist und dennoch den Schutz der britischen Flotte genießt. Die Liga für das siebente Dominion wolle Palästina als eine freundschaftliche Dreiheit des englischen, jüdischen und arabischen V o 1 kes aufbauen. Freies Land in Palästina für jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa Ini Londoner Unterhaus richtete Colonel Wedgwood an den'Kolonienmiinisteir die Frage: Ist es dem Minister bekannt, daß die Regierung Trans]ordaniens gewissen arabischen Flüchtlingen . ,100.000 Duinam Bodenin der Gegend zwischen Amman und Derna unentgeltlich urid für die ersten fünf Jahre auch steuerfrei zu-r Verfügung gestellt und außerdem eine a>usreichende Wasserversorgung und Schutz vor Beduinen- Ueberfälien versprochen hat? Warum beschafft die Regierung Palästinas oder, Transjordaniens nicht in gleicher Weise Siedliiingsiland für jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa? 0,rmsfoy-Gore erwiderte, daß das Bodengebiet in Palästina, auf welches die Regierung einen unanfechtbaren Anspruch hat, sehr begrenzt ist und daß anderseits die Bestimmung des Palästina-Mandats, die sich auf die jüdische Einwanderung bezieht, auf Trans* jordianien keine Anwendung hat. Eine jüdische Arbeiterkolonie in Deutschland Aus Berlin wird uns geschrieben: Sonntag, den 17. Märiz, tagte im Logenhaus Berlin, die Mitgliederversammlung der Haupts.telle für jüdische Wanderfürsorge. Die wichtigsten Landesverbände und Gemeinden hatten ihre Vertreter entsandt. Die Tagung wurde durch den Vorsitzenden des Berliner Wohlfahrtsamtes, Herrn Eugen Caspäry, eröffnet. Er konnte in den einleitenden Begrüßungsworten unter dem Beifall der Versammlung aus den eingegangenen Begrüßungsschreiben hervorheben, daß der Landesverband Bayern in einem Schreiben mitteilte, daß er die' g ep lan t e j üdis ch e A r beite r k o 1 o n i e mit einer Summe von 10.000 Mark zu subventionieren gedenkt. Im weiteren Verlauf der Tagung traf auch die Nachricht ein, daß der sächsische Landesverband, der am gleichen Tage seine Sitzung abhielt, dem Projekt der Arbeiterkolonie zustimmt und 5000 Mark als B e i t r a g bewilligt hat. Dank dem Ausbau der Organisation konnte eine wesentliche Verminderung der Wanderung herbeigeführt werden. Während im Jahre 1926 noch über T8.0 0 0 Vor spräche’n von Wanderern gezählt wurden, sind im Jahre 1928 nur zirka 15.000 zu verzeichnen gewesen. Als ein besonderer Erfolg der Tätigkeit in den letzter! zwei Jahren kann die Herausgabe der Zeitschrift „Jüdische Arbeite- und Wandorfürsorge“ angesehen werden. Im Hinblick auf die immer schwerer werdende Wirtschaftssituation in Deutschland wird die Hauptstelle in den kommenden Jahren ihre größte Aufmerksamkeit den Fragen der Produkt i,v i e rung der Wanderer zu wenden, und zwar soll nicht nur das bereits längst geplante Projekt einer j ü d i s c h e n A r b e i t e rkolonie schon in der allernächsten Zeit realisiert werden, sondern auch, der Ausbau der jüdischen Arbeitsnachweise und Berufsberatung soll beschleunigt und gefördert werden. „Verein zur Entlarvung Einsteins“ - -lir - >»• ns/ tti ) I

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