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Die Stimme · 1929-03-21 · Heft 64 (21.3.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 64 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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„^ *«**■" 4, Se«e 6_DIE STIMME _Nr. 61 ’ Die weltberühmten and bevorzugtesten Amerikanischen raanis<hewHzNatzo$ Grieß □□aoaooooDaoooDDDaoooaoo a mXÖ'WliPW'lNö 8 □□□OOQODOOOODOODDCLDODD Farvel sind bereits eing^etroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingelangten Mazzoth Crackers, eine besondere Freude für die Kihder raonisdtewUz Nalzos-VerlrKeb Wien, 2. Dez., rugbatiigase 24 (Nordbahnslraoe 38) Telephon Nr, R as-9-32 und R 48-C-sa finale: iü frosf, 2. Dez., Haldgasse 9 Telephon Nr. A 41-8-64 Die jährliche Blutliige in Polen Wie alljährlidl' in der Zeit vor den Peffachtagen, ift auch ln diefem Jahre in Polen die Ritualmordlegcndc aufgetaucht. Diesmal war Wilna der Schauplatz. Eine chriftliche Frau namens Wojtowicz ließ ihr kleines Mädchen in dem Laden des jüdifchen Kaufmannes Gerszkorn in der Dominikanergaffe zurück. Gerszkorn führte das weinende Kind, um es zu beruhigen, vor dem Laden hin und her. In der Umgebung verbreitete lieh das Gerücht, daß Juden ein Kind verichleppen wollen, um cs zu Ritualzwecken zu fchächten. Eine große Menfchenmcngc vcrfammeltc fich vor dem Laden und fchickte lieh an, denfelben zu ftürmen. Dabei wurde ein Jude namens Abelowicz fehwer mißhandelt. Auch der inzwifchen zurückgekehrten Mutter des Mädchens gelang es nicht, die Menge zu beruhigen. Erft die her angekommene Polizei, die ein Protokoll aufnahm, konnte die Menge zerftreuen. Ein Mord an einem Chaluz nach vier Jahren entdeckt Aus K u t y wird uns berichtet: Vor vier Jahren wurde in der Nähe von Kuty, dem Städtchen gegenüber Wiznitz, am Czerraoschufer die Leiche eines ertrunkenen jungen Mannes gefunden, die am Körper viele blaue Flecke aufwies. Aus den in den Taschen Vorgefundenen Dokumenten ging hervor, daß es sich um einen Chaluz aus Cholm (Polen 1 handelt. Man nahm an, daß der junge Mann bei dem Versuche, den Czermosch zu überschreiten, in eine Untiefe geraten und ertrunken sei. Vor kurzem fand nun in Slobodka (Bezirk Kossow) eine Bauernhochzeit statt, bei der dem Alkohol fleißig zugesprochen wurde und die mit einer Rauferei endete. Ein arg verprügelter Hochzeitsgast verriet hierauf aus Fache für die erhaltenen Prügel, daß einer der anwesenden Hochzeitsgäste, der Bauer L u k a n i u k, den Chaluz ermordet habe. Lukaniuk wurde verhaftet und gestand, daß er sich dem jungen Manne angeboten habe, ihn über die Grenze nach Rumänien zu schmuggeln. Der Chaluz ging darauf ein und wurde ein Preis von einigen Dollars vereinbart, ln der nächsten Nacht trafen beide an einem abgelegenen Ort am Czermoschufer zusammen. Während der Chaluz den Kahn bestieg, versetzte ihm der Schmuggler mit dem Ruder einen Hieb aufs Hinterhaupt, der ihn betäubte, worauf der Bauer den jungen Mann erwürgte und der Barschaft von einigen hundert Dollar beraubte. Die Leiche warf er ins Wasser. Interessant ist, daß der Mörder nur eine Hand hat und daß das ganze Dorf von dem begangenen Morde wußte; aus Furcht vor dem gewalttätigen einhändigen Mörder und seiner Sippe wagte es jedoch niemand, die Anzeige zu erstatten. Der Präsident der Pester Kultusgemeinde gestorben Au« Budapeft wird uns gemeldet: Der Präfident der Pefter ifraelitifchen Kultusgemeinde Hofrat Aladar K a s z a b ift im Alter von 64 Jahren geftorben. Er fpielte auf wirtfdiaftlicbem und kulturellem Gebiete eine führende Rolle, war der Begründer der Kaszabfchen Schraubenfabrik und der Schöpfer der dem Spital der ifraelitifchen Kultusgemeinde angegliederten Poliklinik, die er nach dem Kriege aus eigenen Mitteln ins Leben rief. Vor einem Jahre wählte ihn die Pefter ifraelitifchc Kultusgemcindc zu ihrem Präfidcnten. Während feiner kurzen Tätigkeit gelang cs ihm, durch muftergültigc Amtsführung und beifpicllofcn Eifer das allgemeine Vertrauen noch zu vertiefen. Hofrat Kaszab hat einen beträchtlichen Teil feines Vermögens für wohltätige und kulturelle Zwecke vermacht. Unter anderem hat er teftamentarifeh die Errichtung einer Stiftung von 300.000 Pcngö verfügt, deren Jahrcszinfen durch die ungarifche Akademie der Wiffenfchaften Gelehrten, Schri f tftrllcrn oder Diducrn, ferner in jedem dritten Jahre Perfonen zugcfprochen werden follen, die fich um die Zuftandebringung der Einigkeit der ungarifchen Gefellfchaft und die Befeitigung der konfeffionellen Schcidemauern das größte Verdjpnft erworben haben. Er hat ferner für jüdifche Studenten, die wegen des in Ungarn beftehenden Numerus claufus ihrem Studium im Auslande obliegen müffen, 20 Prozent des Einkommens feiner Grundftücke und Zinshäufer vermacht. Diefer Betrag geht an die Budapefter Univerfität zur Errichtung von Stipendien über, fobald der Numerus claufus in Ungarn abgefchafft wird. Ein Vorkongreß der ungarischen Judenschaft Vom 12. bis 14. März fand in Budap-ft die vorbereitende. Tagung zum Kongreß der ungarifchen Judenheit ftatt. Mehr als 200 Delegierte aus allen Teilen des Landes hatten fich eingefunden. Die Kongreß-Organifation aer ungarifchen Judenheit war im Jahre 1868 gefchaffen worden and ift feither kein cinzigesmal zufammengetreten. Jetzt foll, wie der Vorfitzende der Tagung, Baron Adolf Kohner, ausführte, der Kongreß den gegenwärtigen Verhältniffen entfprechend reorganifiert und regelmäßig einberufen werden. Als unauffchiebbare Aufgaben des Kongreßes bezeichnete Redner u. a. die Anbahnung einer Zufammcnarbeit mit der Orthodoxie in Ungarn, die Löfung der Frage der Beteiligung der jüdifchen Religionsgemeinfchaft mit Bodcnbefitz aus d c j* Vermögcnsablöfung, die Vertiefung des Religionsunterrichtes, die Rettung der zwerghaften jüdifchen Gemeinden auf dem flachen Lande, die Penfionsverficherung der Gemeindeangeftellten, die Wiedererrichtung des jüdifchen Religionsfonds, die Schaffung von Internaten am Rabbinerfeminar und den Lehrerfeminarcn. Chfredakteur Dr. Ludwig Szabolcfi referierte über das jüdifche Studentenwefen. Er behandelte zunächft das Problem der im Inland ftudierenden jüdifchen Univerfitätshörer, deren Anzahl im ganzen Lande etwa 1200, in Budapeft 600 beträgt. Die ungarifchen jüdifchen Studenten fuchen feit 1921 die öfterreichifchen und die deutfehen Univerfitäten auf; feit 1923, feit Mufiolini fie durch ein befonderes Gefetz vom Kollegicngcld befreite, ftudieren fic meift in Italien. Die jüdifchen Studenten Ungarns haben im Auslande 1450 Diplome erworben. Dr. Alexander Mezei behandelte das Problem der Erneuerung des Ifraelitifchen Ocffentlichen Landesfonds (Religionsfonds), der nach der Rezeption des jüdifchen Glaubensbekenntniffes gebildet wurde, mit der Bcftimmung, den nationalungarifchen Geift zu fördern, arme Gemeinden und fonftige wohltätige Zwecke ohne Unterfchicd der Konfeftion zu unterftützen. Aus dem Fonds wurden alle kulturellen Bedürfniile der Religionsgemeinfchaft und des Landes befriedigt, Schulden unterftützt, Begabungen gefördert, im Nordoften des Landes ungarifche Schulen gegründet. Der Fonds betrug etwa eine Million Kronen. Die Renaiftance des jüdifchen Kulturlebens fei ohne die Wiedererrichtung des auf 47 Heller zufammengefchrumpften Fonds undenkbar. Deshalb fei der Vorftand des Oeffentjichen Fonds neu gebildet worden. Die Rettung von Gemeinden, Schulen, verdienten, alten Beamten könne nur durch den Oeffentüchen Fonds erreicht werden. Der Redner richtete an die Verfammelten die Aufforderung, für die Wiederauffüllung des Fonds zu wirken. Baron Adolf Kohner eröffnete die Schenkung mit einer Spende von x 0.0 o o Pcngö. Oberrabbiner Dr. Ernft Winkler (Nagykanlzfa) referierte über die Rettung der kleinen Provinzgemeinden. Um die Judenheit der Provinz zu retten, müßten nach dem Referenten folgende Maßnahmen ergriffen werden: Die Errichtung eines ftatiftifchen Zentralbureaus unter Zuhilfenahme des Materials des Statiftifchen Amtes. Der Bevölkerungszuwadis der jüdifchen Bevölkerung ift fall: auf nichts zuf ammengcf chrumpft; in der Provinz überwiegen vielerorts die Todesfälle die Geburten. Die Milchehen machen ein Fünftel aller Ehefchließungcn aus. Die jüdifchen Volksuhulen und höheren Schulen erreichen nicht die Verhältniszahi der jüdi- Ichen Bevölkerung. Die Staatsfubvention wurde 77 Lehrämtern entzogen; es gelang jedoch, mehrere Schulen zu retten. In der Provinz mußten viele Schulen geichloffen werden; 160 jüdifche Schulen find im Lande übriggeblieben. Das Kultusminiftcrium hat die Erhaltung des jüdifchen Schulwefens erfchwert. Viele Rabbincrftellcn find in der Provinz unbefetzt. Durch Uebertritte verlor die Judenheit zwifdhen 1919 und 15124 14 Seelen pro Taufend. Auch tuf dem Gebiete der ftittlichen Beihilfen müßte die Judenheit eine gleiche Behandlung mit den anderen Konfeüfionen erfahren. Wie leben die Juden In Mexiko? Die jüngst wieder ausgebrochenen revolutionären Wirren haben Mexiko, das Erdölterritorium von Amerika, in den Vordergrund der Ereignisse gerückt; daher mag es nicht uninteressant sein, auch einiges von dem Leben der Juden in diesem Riesenland unbegrenzter Möglichkeiten, das hur von 15 Millionen Menschen bevölkert ist, zu erfahren. Nach Mexiko kamen Juden schon um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts, zur Zeit der Vertreibung aus Spanien und Portugal. Doch von dieser alten jüdischen Siedlung blieb keine Spur; die Inquisition, welche von den Spaniern auch nach Mexiko übertragen wurde, rottete'Tausende von Juden aus. Fast vierhundert Jahre vergingen, ohne daß man in Mexiko einen Juden kannte. Der haibziviüsierte Mexikaner hat noch heute von einem Juden die gleiche Vorstellung etwa wie vom Teufel: eine Dämonengestalt, halb Mensch, halb Tier, mit Hörnern und Klauen. Jüdische Hausierer, welche mit ihren Bündeln über Land wandern, hören oft, wie die Mütter zu den Kindern sagen: «Der Jude kommt! Wenn du nicht folgst, wird er dich auffressen!» Erst in den fetzten Jahren ist wieder eine größere jüdische Siedlung in Mexiko entstanden, die sich in viel schnellerem Tempo entwickelt, als wir ahnen. Jede Woche wandern fast 200 Juden aus verschiedenen Ländern nach Mexiko ein; wenn die revolutionären Wirren wieder aufhören, ist anzunehmen, daß in wenigen Jahren Mexiko eine jüdische Bevölkerung von mehreren zehntausend Seelen haben dürfte. Das Land nimmt die jüdischen Einwanderer freundlich auf und sieht sie als wichtigen Faktor in der Entwicklung von Handel und Industrie des Landes an. In Mexiko-City, der Hauptsadt der Republik, wohnen heute bereits zirka 7000 Juden. Sie sind zumeist Hausierer oder Handwerker, haben auch kleine Kaufläden. Jüdische Handwerker, besonders Tischler, Schneider und Schuster, können gewärtigen, stets ihren Erwerb im Lande zu finden. Allmählich gehen die neu eingewanderten Juden in Mexiko auch daran, für die Befriedigung ihrer geistigen Bedürfnisse zi) sorgen und ihr Gemeindeleben zu organisieren. Die wichtigste Institution der jüdischen Einwanderung ist die «Young mens Hebrew Association* (Verband der jüdischen Jugend), die über eine große Bibliothek und Lesehalle verfügt, Vorträge, Konzerte, Theateraufführungen u. dgl veranstaltet. Fast jeder neue Einwanderer wird bald Mitglied dieser Organisation, die ihm nicht nur Zerstreuung und geistige Nahrung nach der Arbeit bietet, sondern auch den Neuling berät, in der Berufswahl unterstützt u. dgl. Eine Talmud-Thora wurde in Mexiko-City errichtet, die bereits von der Regierung legalisiert ist; sie zählt gegenwärtig zirka 130 Schüler. Kleine Nachrichten Die Einwanderung nach Kanada. Die Nachricht, der jüdifche Immigrantenhilfsverein in Kanada hätte eine fpezieUe Quote für 5000 jüdifche Einwanderer nach Kanada für das Jahr 1929 erlangt, entfpricht nicht den Tatfachen. Es wurde bis jetzt eine fpezieUe Quote für jüdifche Einwanderer nicht bewilligt. *. Einer Feftveranftaltung aus Anlaß der Eröffnung einer Kampagne für den jüdifchen Nationalfonds in Jugoflawien wohnten Mitglieder des jugoflawifchen K8nigshaufes bei. Wochen-Kalender Marz 1929 Gedenktage ‘■HKl ö"DT)n 21 Donnerstag 1881 — der bekannte Geiger und Komponist Adolf Brodzky ln Taganrog geboren. 9 — a 22 Freitag 1889 — der Dramatiker Mlohael Beer, Bruder des Komponisten Meyerbeer, ln MttnQhen gestorben. 1888 — der bekannta Maler Isidor Kaufmann in Arad geboren. 10 SabkatMfMs ßühi 10 23 5amstag 1888 — Dr. Adolf Fischhot in Emmoradorf gestorben. ll -K> Weehsntb.oha. WaHkrek Eaftmht Keh «aer äsbbataesgaDg: 8 Uhr es 24 Sonntag 1648 — der große Gelehrte Leon Modena in Venedig gestorben. 1808 — der Orientalist und bebr, Dichter Dr. Salomon Mandelkorn in Wien gestorben. n 1 w 23 Montag 18 -a» Ftstez lither 2« Dienstag 14 — fuiin 3? Mittwoch 1980 — der berUbmtv Hechtsgelehrte und Parlamentarier Heinrich Bernhard Oppenheim ln Berlin gestorben. 15 —1B Scbzsobso-Parli»

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