Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 64 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 64 DIE STIMME Steife 5 tWH u n □ c: c*u a;n:aa auanu AdltfUfitf f Palästin^MazzotJ^au^^J^viv AkcliillVig f Jeder Jude, der Palästina fördern wMI, kauft Palflstf«« ■ Wttigoffli aus der unter strengster Aufsicht des Oberrabbinates (Sr. Ehrwürden Ob. Rabb. Kook) stehenden ältesten Mazzoth-Fabrik Palästinas in Tel- Aviv, gegr. 1889. Die Mazzoth sind bereits eingetroffen und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein. Alleinvertretung: N. Spindel, I., lüurcnicrDcra Nr. 3, Tel R 291-34 in Achtet auf die Marke: Weißer Hirsch im Mögen David 1 SS Ein Teil des Reingewinnes fließt dem Keren Kajemeth le Israel zul m iwüiiiiiaiiiB*;; □!□!□□ □]□!□□ UP in eh r aI s 1000 Baumspenden eingelaufen, so daß die Anlegung des ersten Hains (1000 Bäume) bereits gesichert ist. Die Urkunde über diesen ersten Einstein-Hain wurde dem Gelehrten an seinem 50. Geburtstag übermittelt. Der Einstein-Wald wird aus 10 Ha i n e n (10.000 Bäumen) bestehen. Als Anpflanzungsort für den Einstein-Wald wird Kirjath Anawim in Aussicht genommen. Kirjath Anawim (das ehemalige Dilb), ist eine Siedlung des Keren Kajemeth von 4025 Dunam in Judäa, die 1920 gekauft wurden. Auf 110 Dunam sind hier bis Herbst 1922 zirka 29.000 Waldbäume gepflanzt worden. Die Kolonie, die unter besonders schwierigen Bedingungen arbeitet, ist durch ihre Versuche im Terrasse.nbau, welche die Eignung des Berglandes für Kulturen erweisen sollen, bekannt geworden. Außer der Adresse, welche die Glückwünsche und Namen der Stifter des ersten Hains im Einstein- Wald enthält, wurde Einstein ein K o r b m i t Fruchten aus Palästina übersandt, Jaffa- Apfelsinen, Zitronen, Mandeln, Feigen, Datteln enthaltend, dazu Wein aus Rischon le Zion und Orangenhonig von Rechoboth. Blumen des Landes, Anemonen und Pfefferblüten, schmückten den Bienenkorb, an dem auf einem Spruchband aus Pergament der Glückwunsch Erez-Israels an den großen Gelehrten zu lesen war. Die Exekutive der Zionistischen Organisation sandte Einstein folgendes Telegramm: «Die Exekutive sendet Ihnen tiefempfundene Glückwünsche zu Ihrem 50. Geburtstag und hofft, daß Sie noch viele Jahre in Gesundheit Ihre hervorragende Tätigkeit im Dienste der Judenheit und der menschlichen Erkenntnis fortführen werden.» Reminiszenz an Einsteins Besuch in Erez Israel In der «Jüdischen Rundschau» schreibt Simon Ernst (Tel-Aviv): Albert Einsteins Liebe zur historischen Heimat seines Volkes kam in seinen beiden Besuchen in Erez-Israel in eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. Vor sechs Jahren war es, im Winter 1923. Das Publikum bereitete dem Gaste einen beispiellos begeisterten Empfang. Getrost darf behauptet werden, daß vielleicht nur Baron Rothschild, der Achtzigjährige, bei seinem letzten Besuche hier mit ähnlicher Wärme empfangen wurde. Man huldigte dem wissenschaftlichen Genie der Gegenwart, dem U s s i s c h k i n damals in seiner impulsiven Ausdrucksweise zurief: «Steige auf den Scopus-Berg, wo man äüf dich zwei Jahrtausende wartet!» Aber wenn nur sehr wenige Auserwählte die neue umstürzlerische Lehre begreifen konnten, — so drängten sich die Massen doch, dem Menschen und Juden Einstein zuzujubeln. Beim großen Volksempfang in Jerusalem begrüßte ihn David Y e 11 i n im Namen der Stadt: «Du hast den Namen ,Gaon’ verdient, den das jüdische Volk seinen erwählten geistigen Führern gibt — dies aber nicht nur wegen deiner genialen Leistungen in der Wissenschaft, wiewohl wir sie recht zu schätzen wissen — noch mehr aber bist du uns ein ,Gaon\ weil du die Fahne der nationalen Wiedergeburt hoch in der Hand hältst und die Hebräische Universität in Jerusalem gefordert hast.» Es war eine neue seelische Einstellung zu Einstein, die er nirgend sonst hatte verspüren können: . Und nun seine Antwort aufdie Ansprache Yellins: «Der heutige Tag ist der größte meines Lebens. Heute ist das wichtigste Ereignis in meiner Lebensgeschichte geschehen. Im Laufe meines Lebens lernte ich die Verirrung der jüdischen Seele — die Sünde der Selbstverleugnung des Volks-Jüdischen. Und so freue ich mich, daß Israel seine Bedeutung in der Welt wieder zu erkennen beginnt. Diese Tat, die Befreiung der jüdischen Seele, wurde von der zionistischen Bewegung vollbracht. Ja, noch mehr. Diese Bewegung schuf bleibende Wehrte, die keipe Macht auf dieser Welt jemals zerstören kann. Und dies verstärkt meinen Glauben und meine Hoffnung, daß euch das Glück beschieden sein wird.» Die Palästinafahrt des „Grafen Zeppelin" Dr. Hugo Eckener hat sich in Friedrichshafen gegenüber Journalisten über seine nächsten Flugpläne ausgesprochen. Die P a 1 ä s t i n a - F a h r t, welche Gegenstand von Erörterungen im britischen Unterhause war, soll bestimmt am 25. März um Mitternacht angetreten werden, soll über Frankreich hinweg dem Rhonetale entlang nach Marseille gehen, dann an der Riviera entlang zur italienischen Küste führen, um gegebenenfalls Rom und Neapel einen Besuch abzustatten. Kreuzfahrten über dem Mittelländischen Meer bringen das Schiff dann allmählich nach Kreta und von dort soll dann der Abstecher nach Palästina gemacht werden, um nach Jerusalem zu kommen, wo Eckener seinen Gästen das Heilige Grab und die Klagemauer zeigen In der Liste der Passagiere steht obenan Reichstagspräsident L o e b e. Preußens Ministerpräsident Otto B r a u n ist ebenso gemeldet wie der Württembergische Staatspräsident Bolz. Aus dem Reiche fahren bestimmt die Ministerialdirektoren B a d t und K ü s g e n, vielleicht der Reichspostminister selber oder sein Staatssekretär mit. Mit der Besatzung werden rund 75 Personen nach Jerusalem reisen. Die neue Purimkönigin von Tel-Aviv Auf dem diesjährigen Rail am Chamifcho-Oßor-Bcfchwat in Tel-Aviv wurde als Schönheitskönigin für die Purim- Feftzüge Frau Chana Mejuchcs-Polani, die Tochter des Gemeindcratspräfidenten von Jcrufalem, gewählt. Die neue Königin flammt aus jüdifchem Gelehrtcnadel und ifl; Bürgerin von Tel-Aviv, deflen. Schönheits-Synhedrion ihr eine Vizekönigin beigab. (Die letztjährige Königin, die Jemenitin Zippora Zabbarit, wurde unlängfi von einer großen Berliner Filmgefellfchaft engagiert. — Die Red.) Wie die Missionäre den „Judenstaat" sehen; . In .der letzten Niirprncr. dcr Mitteilungen aus der Evangclifchen Karmel-Miffion findet fich ein kurzer Bericht von P. S ch 1 u n d über den „Judenfiaat“ in Paläflina. Unter Mifradiiften verlieht er die fozialiflifdien, gemäßigten Kommunillen; er meint, daß Angehörige verfchiedencr jüdifcher „Sekten" (er hält jemcnitifche, bucharifche etc. Juden für Angehörige vermiedener Sekten, wie etwa die der chrifilichcn Gläubigen!) nicht in die Synagogen der anderen gehen dürfen. Ucber die Tatfache, daß es Bürgerliche und Sozialillen unter der Juden gibt, lagt er: „Auch in der gegenwärtigen Einflellung bezüglich der Probleme der Sozialpolitik und der Wirtfchaftsfyfieme fcheinen nur Schwierigkeiten zu liegen, die einem jüdifchen Staate kaum eine gedeihliche Entwicklung möglich machen würden. Die Unterfchiede find zu grundfätzlich.“ Alfo ein' Staat kann nicht bellchen, wenn er -verfchiedene Parteien beherbergt, deren Programme, man denke nur, prinzipielle Untprfdiiede aufweifen. Dann fchreibt der Verfafler fcharf gegen das Prinzip der nationalen Arbeit und * lobt die Pflanzungskolonien fowie die Templer, die mufiergültig arbeiten, u. zw. unter Heranziehung eingeborener arabjfcher Arbeitskräfte auf einer, foweit es im Orient überhaupt möglich ill, „kapitalifiifchen Grundlage“. Die jüdifchen Arbeiter bemühen fich dagegen, mit „Harrern Eigenfinn und Fanatismus" fozialiflifche und kcmmunillifche Theorien durchzuführen. Sie machen „die Mitverwendung der wirtfdiaftlich in Paläflina aüein tragbaren billigen arabifdien Arbeitskräfte unmöglich“. Man braucht nur zu zitieren, um zu erkennen, wie falfch gefehen das alles ill und wie von einem durchaus fchiefen Standpunkt aus alles mißverfianden wird. Was sich ein Minister in Polen erlauben darf Aus Warf di au wird gemeldet: In der letzten Sitzung des polnifchen Senats brandmarkte Senator Rabbiner Rubin- Hein die Politik des KultusminiHcriums gegenüber der jüdifchen Minderheit; obwohl die Juden die Haupt- Heuerträger find, iH in das Budget eine lädierlidi geringe Summe für die BedürfnifTc der jüdifchen Bevölkerung eingeHellt. Während Zloty pro Kopf jedes Katholiken, 70 Grofchen pro Kopf jedes Gricdiifdi-Oricntalen, 33 Grofdien pro Kopf jedes Evangelifchen in den Budgetteil für Religion eingeHellt find, werden für Angehörige der jüdifchen Religion nur 4 Grofchen pro Kopf geleiHet. Es fei ein großes Unrecht, die jüdifchen Gemeinden zu zwingen, die jüdifchc Bevölkerung, die unter der Haatlichen SteucrlaH zufammenbricht, auch noch zugunfien der religiöfen und ErziehungsinHitutionen zu bc- Heuern. Senator RubinHein appellierte auch an das KultusminiHeriufn, endlich die Frage der j ü d i f ch c 11 S ch u 1 e in ein richtiges Gclcifc zu bringen. Kultusminifier S z w i t a 1 s k i befaßte lieh mit den Darlegungen der Deutfchen, ‘Ukrainer und Weißruflen und Tagte zum Schluß: „Auf die Darlegungen von Senator RubinHein zu antworten, finde ich nicht für not w endig; ich habe ja auch auf die Rede von Dr. Wygodski im Sejm keine Antwort erteilt! Pilsudski „hat" zu viele Juden Die bekannte dänifchc Schriftficllcrin Karin M i ch a e 1 i s veröffentlicht im „Prager Tagblatt“ ein Gefpräch, das fie mit Marfdiall Pilfudski während ihres Bcfuchcs in Warfchau im Frühjahr 1927 gehabt hat. Pilfudski fagte darin u. a., er hege aufrichtige Sympathie für die Juden, er zähle wundervolle jüdifchc Perfonen zu feinen engfien Freunden, auch war feine verfiorbene erfic Frau Jüdin. Aber, fügte er hinzu, Polen hat zuviel Juden, zuviel arme, kranke, p h yfifch degenerierte Juden, die für Landarbeit nicht taugen und darum in den großen Städten konzentriert leben. Die Städte wehren fich gegen denallzu großen Zufirom von Juden, befonders folcher, die in den benachbarten Ländern verfolgt werden und in Polen Zuflucht Tuchen. Es leiden darunter fowohl Juden wie Polen. Auf den Hinweis von Karin Michaelis, daß die in Dänemark eingewanderten ruffifch-jüdifchen Flüchtlinge fich dort dank ihrer Tüchtigkeit (fie find meifi Handwerker) verwurzelt haben, erwiderte Pilfudski, ein Zufammenlebcn mit den Juden fei leicht, wenn fie klein an Zahl find, aber fchr fchwex, wenn cs ihrer zu viele find. Er fche in der allzu großen Fr uditbarkeit der Juden einen großen nationalen Fehler. * Diefc jetzt erfi bekannt gewordenen Aeußerungen des polnifchen Diktators haben unter den Juden Polens fchärffie Entrüfiung erregt. Die Klage darüber, daß die Juden Polens zur Landarbeit nicht taugen, während fie*in Wirklichkeit überall außerhalb Polens, wo fie zur Bodenarbeit kamen, fich bewährt haben, ifi ebenfo gehirnweich wie jefuitifdi, umfomehr, als die Juden in Polen fyficmatifch vom Bodenerwerb und der Bodenbearbeitung ausgefcbloffen werden. Die fogenanntc phyfifchc Degeneration aber ifi eine Folge der ungefunden Wirtfdiaftsverhältniffc, kn welche die Juden durch den wirtfchaftlichcn Antifemitismus der polnifchen Machthaber gedrängt werden. Und der „nationale Fehler der Fruchtbarkeit“, den Herr Pilfudski tadelt, ifi das alte Klagelied des — Pharao. Für Handwerk und Landarbeit der Juden Polens In W a r f ch’ a u fand die dritte Konferenz der Gcfellfchaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtfchaft unter den Juden „ORT“, Abteilung Polen, Hatt. Dem Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees ifi zu entnehmen, daß feit der letzten Konferenz fowohl die Zahl der Fachfchulcn, als auch die Zahl der Schüler in jeder Schule fich vergrößert haben. Die Schulen Hchcn auf fefier Grundlage, aber es fehlt an Inventar. Die ORT-Leitung wird von der Bevölkerung geradezu gezwungen, neue Schulen zu errichten; fo werden demnächfi in Dubno, Lublin und in Warfchau Schulen modernen Typs, fo u. a. Baufchulen, errichtet. Neben Handwerkerausbildung geht die Vorbildung der jüdifchen Arbeiterfchaft für die Induftrie von ftatten. In Bialyfiok wird eine Trikotagcnfdiule errichtet. Die Fortbildungskurfc fchaffen ein qualifiziertes jüdifches Ha ndwerkertu m. Auf dem Gebiete der Landwirtfchaft werden 14 Produktionsgcnoffcnfchaften fubventioniert. Das Werk der Verforgung der Handwerker mit M a f ch i n e n entwickelt fich gut. Die Konferenz faßte u. a. folgende Refolutioncn: Die Aufgabe, die jüdifchen Mafien der Produktion zuzuführen, Kl Aufgabe des Staates; die jüdifchen Mafien haben vollfies Recht, auf dlefem Gebiete die Mittätigkeit der Regierung und der fiädtifchen Sclbfivcrwaltungcn zu fordern. D i c jüdifchen landwirtfchaftlichen Kooperativen bekommen von den Staatsbanken keine Kredite; das Zentralkomitee wird aufgefordert, die Kooperativen in der Krediterlangung zu unterfiützen. Die Konferenz fordert das Zentralkomitee auf, die jüdifchen Intcrcffen bei der Durchführung der Agrarreform zu vertreten.