Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 64 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 64 DTE STIMME JJGTO7 Advokat Marcel Mirtll, der Vorfitzende der Keren Kajemeth, wurde zum Präsidenten der Zioniftifcben Föderation Frankreichs gewählt. Der Ungarifche Zioniftenverband hält feinen diesjährigen Landeskongreß am a x. März und t. April in B u d a p e ft ab. Bei der feierlichen Eröffnungsfitzung, welche im Rahmn einer großzügigen Matinee ftattfindet, werden u. a. Sprechen: Vizcpräfidcnt der Wiener Kultusgemeinde Doktor Jnfef Löwenherz, Univerfitätsprof. Dr. Adolf Strauß, Dr. Leopold O s z t e r n und Dr. Jofef Schöafeld. Regierungsrat Dr. Bier ift zum Stellvertretenden Regierungspräsidenten von Köln ernannt worden. Dies dürfte wohl der erfte Fall fein, daß ein Jude in Deutschland in eine derartige Staatsstellung aufgerückt ift. * Xn Mainz verftarb diefer Tage der Mainzer Raw, Rabbiner Dr. Jonas B o n d i. Der Verstorbene Stand in ganz Deutfchland und über Deutschland hinaus wegen feiner großen Gelehrfamkeit und feiner vornehmen Persönlichkeit in hohem Anfehen. Kammergerichtsrat Leo W o 1 f f, früherer Präsident, jetzt erfter Stellvertretender Vizepräsident der Jüdifchen Gemeinde Berlin, Präsident des Preußifchcn Landesverbandes jüdifchcr Gemeinden und der Reichsarbeitsgemeinfchaft der Landesverbände, würde beim Ueberfchrciten der Charlottenburger Chaultee an der Siegesalle von einer Autodrofchke angefahren, zu Boden gefchleudert und So Schwer verletzt, daß er in bewußtlofem ZuSlande in die Charit^ überführt werden mußte. Sein Zuftand hat Sich erfreulicherweise foweit gebelfert, daß mit Seiner baldigen Genefung zu rechnen ift. * Die Berliner jüdische Volksbank clwrias» veröffentlicht ihren ersten Geschäftsbericht, der eine Tätigkeit von zirka neun Monaten umfaßt. Daraus ergibt sich am 31. Dezember 1928 ein Mitgliederstand von 276 mit 766 Anteilen. Die Bilanzsumme ergab RM. 267.232.26. 175 Mitglieder erhielten Kredite von RM. 100.— bis RM. 30.000.— im Einzelfalle. Die Summe der diskontierten Wechsel beträgt am Jahresultimo RM. 626.477.06. Am Eröffnungstage, 26. März 1928, betrugen die eingezahlten Geschäftsguthaben RM. 42.250.— und stiegen bis auf RM. 122.997.57 am Jahresultimo. Rechnet man hinzu die Haftsummen, RM. 108.000.—, und die ordentliche Reserve, RM. 855.—, so ergibt sich ein haftendes Kapital von RM. 231.852.57. Der Reingewinn des Jahres stellt sich auf RM. 4942.22. Trotz ermäßigten Reichsbankdiskonts wurde der Guthabenzinssatz von 5 Prozent beibehalten. * In der Sitzung der Zentralverwaltung von Ozet berichtete Golde über die Landfonds der Krim und teilte mit, daß der Gesellschaft Komzet weitere 95.000 Hektar Boden für Landansiedlung von Juden in dem Rayon von K e r t s c h (Krim) zur Verfügung gestellt worden sind. Delegiertentag der österreichischen Zionisten Am 20. und 21. April. — Wahlen am 11. April. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich teilt mit: Am 20. u n d 21. A p r i l 1929 findet der ordentliche Delegiertentag der Zionistischen Organisation Oesterreichs statt. Ort und Tagesordnung werden noch separat bekanntgegeben. Die Wahl der Delegierten für den Parteitag erfolgt in ganz Oesterreich am 11. A p r i 1 d. J. von 6 bis 10 Uhr abends. Die Einigungsaktion der zionistischen Studentenschaft Im Verlauf der vom Verband der zionistischen akademischen Verbindungen und Vereine eingeleiteten Verhandlungen fand eine zweite Sitzung statt. Diese behandelte die einzelnen Anträge, welche die Möglichkeit einer Wahlbeteiligung aller Gruppen beim Delegiertentag bieten sollten. An der Besprechung nahmen folgende Herren teil: Dr. Goldhammer, Dr. Tartakower (Landeskomitee), Dr. Finkeistein, Prof. Rath (Aufbau), Dr. Wieselberg (Verband demokratischer Zionisten), Dr. Landau (Revisionisten), D. Bukspann, J. Fränkel, W. Perl und Dr. P. Tislowitz (Verband, der zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereine). Bei den Verhandlungen zeigte sich der Wille aller Gruppen eine Einigung herbeizuführen; sie werden wahrscheinlich in den nächsten Tagen mit positivem Erfolge abgeschlossen werden. Landesschekelkommission Der Monat April wurde von der Zionistischen Exekutive ln London für die Schekel-Propaganda bestimmt. £Jm nun über die einzuleitenden Aktionen zu beraten, findet nunmehr allwöchentlich jedenDienstag, 7 Uhr abends, 5m Zionistischen Bureau, I. Kärntnerstraße 28, die Sitzung der Landes-Schekel-Kommission statt. Die Mitglieder werden ersucht, pünktlich und zuversichtlich zu erscheinen. Israelischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 23. März d. J., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die Israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Be- »rkssynagogen statt Der zweite Halsmann-Prozeß In Innsbrnck voraussichtlich Im Juni — Ergänzung der Voruntersuchung durch einen anderen Untersuchungsrichter — Neuer Senat, neue Geschworene In Ergänzung unserer Mitteilung in der vorigen Nummer, daß nunmehr nach der durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes erfolgten A u f h ebung des Innsbrucker Urteils gegen PhilippHalsmannder neue Prozeß Halsmann in der nächsten Session des Innsbrucker Schwurgerichtes, die im Mai beginnt, stattfinden wird, erhalten wir aus Innsbruck folgende Mitteilungen: Der neue Halsmann-Prozeß dürfte für Mitte Juni anberaumt werden. Da der Bezirksrichter Doktor Kasper, der seinerzeit die V o r u n t e r s uchung geführt hat, nicht mehr in Innsbruck weilt, wirb es notwendig sein, einen anderen Untersuch u n g s r i c ht er mit der Führung der umfangreichen Voruntersuchung, die in einigen Punkten bis zur nächsten Hauptverhandlung ergänzt werden dürfte, zu betrauen. Der Staatsanwalt Dr. Hohenleitner.und die Verteidigung Halsmanns werden die Möglichkeit haben, durch Stellung von Anträgen zur Ergänzung des Beweisverfahrens auf die Führung der Voruntersuchung einzuwirken. Die Schwurgerichtsverhandlung wird vor einem ganz neuen Senat und neuen Geschworn e n durchgeführt werden, da heuer eine andere Geschwornenliste die Grundlage der Auslosung bildet. Etwas schwieriger wird die Auswahl des Schwurgerichtsvorsitzenden sein, da bei der ersten Verhandlung neben dem Vorsitzenden Landesgerichtspräsidenten Dr. L a r c h e r noch zwei Schwurgerichtsvor- >.»* .b.'r: U1IIFN * Richard Herzog niUl ••.. K-.piwB.aa " Tal. A-41-8-24 .v / aliQ jüdischen und hebräischen Schallplatten Soeben ein getroffen die neuen Columbia Schlager: 35 cm ..... 3 Staus „Friederike“? O MÄdchen, mein M&ilcben. Liebe seliger Traum. Er Ist nur Barspieler. Radetzky-Fox. Kennst du das kleine Haus am Michigansee? Wenn der welfle Flieder bltlht. Trink, trink, Brtlderleln trink. Mascha (Bubllcxkt). Aus „Hoohzeit in Hollywood4': Im Sohönbrunnerpark. Sei lieb zu mir. sei nett zu mir. In Paria, bei der Uhr der Madelaine. Casanova, loh Hobe dich. Mein Engel (Angela Mia). Maseba (Bubllczkl). 35 cm ..... 8 7.58 Eine neue Whltemann-Platte: Roses of Testerday. Get out and get under tbe Moon. Jeannlne, I dre&m of Lllae Time. Grißving. Layton und Johtutone. In the Evening. Chlqults. Tbe Toy Town Artillery. In old Vienna. Mississippi Melody. Angela Mia (Mein Engel). Dolores. AussehlteRlioh elektrische Aufnahmen, vollendet ln der Wiedergabe! «Jüdische Kredithilfe Am 13. März 1. J. fand die 6. ordentliche Generalversammlung der Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien, H., Praterstraße 9, statt, der der Obmann des Vorstandes, Börserat Ignatz Glück, präsidierte. Nach Verlesung des behördlichen Revissionsberichtes für das Geschäftsjahr 1927 und 1928, der das Ergebnis der Prüfung als «ein vollkommen befriedigendes» bezeichnet, erstattete Herr Direktor M. H e n i s c h den Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. In der Berichtsperiode wurden 915 Darlehen bewilligt, von denen 767 Darlehen mit einer Gesamtdarlehenssumme von 385.700 S zur Auszahlung gelangten (gegenüber 793 Darlehen mit 393.340 S im Vorjahre). Der Monatsdurchschnitt von 64 Darlehen mit 32.140 S ist kein unbedeutender, wenn man berücksichtigt, daß die Kreditnehmer sich aus den wirtschaftlich schwachen Kreisen rekrutieren und die Darlehen durchwegs kleine waren. In 82 Prozent der Fälle betrug nämlich die Höhe des Einzeldarlehens 500 S; es wurden jedoch auch kleinere Darlehen beansprucht und bewilligt. Nach Berufskategorien geordnet, entfallen auf Kleinhändler 516 Darlehen (67 Prozent), auf Handwerker 160 (21 Prozent), auf Kleinindustrie 67 (9 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 24 Darlehen (3 Prozent). Die Gesamtsumme der Rückzahlungen im Jahre 1928 beträgt 391.287 S. Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf zirka 189.000 S. Auch in diesem Jahre erfolgte die Rückzahlung der Darlehen im allgemeinen pünktlich, wenn sitzende, Oberlandesgerichtsrat Dr. Köllensp e r g e r und Oberlandesgerichtsrat G r e i n z, dem Senat angehörten. Es kommen daher als Vorsitzende für die zweite Verhandlung in erster Linie Landesgerichtspräsident Dr. Rat z, Hofrat H a u p t und Oberlandesgerichtsrat Dr. Ziegler in Betracht. Als Beisitzer kann jeder Richter des Innsbrucker Landesgerichtes fungieren. Wahrscheinlich dürfte ein Wechsel in der Verteidigung eintreten, da man hier wissen will, daß sich Dr. P r e ß b u rg e r dahin geäußert haben soll, daß er den Fall nicht zum zweiten Male vor den Innsbrucker Geschwornen zu vertreten wünsche. Es soll in Aussicht genommen sein, diesmal einen Innsbrucker Advokaten mit der Verteidigung Halsmanns zu betrauen. In der zweiten Verhandlung wird allen jenen Anträgen, deren Ablehnung in erster Instanz als Grund für die Nichtigkeit geltend gemacht wurde, Folge gegeben werden; es wird also nicht nur zur Einvernahme der in der ersten Instanz .angebotenen und nicht gehörten Zeugen, sondern auch zur Verlesung der Korrespondenzen Halsmanns und zur Erweiterung der Sachverständigenbefragung und zur Vornahme eines Lokalaugenscheines am Tatorte kommen. In der vergangenen Woche mußte über Halsmann wegen einer Uebertretung der Gefangenenhausordnung eine kleine Disziplinarstrafe verhängt werden. auch in kleineren Teilzahlungen als früher. Erfreulich ist auch der Umstand der Abnahme der Klagefälle im Berichtsjahre gegenüber dem Vorjahre. Namens des Ausschusses zur Ueberprüfung der Jahresschlußrechnung erstattete Herr Oberrechnungsrat M. Weine r den Revisionsbericht, worauf über seinen Antrag dem Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig das Absolutorium erteilt wurde. Der Vorsitzende sprach auch der Beamtenschaft Dank und Anerkennung aus. Die vorgenommenen Ergänzungswahlen in den Vorstand und Aufsichtsrat ergaben die einstimmigeWiederwahl der bisherigen Funktionäre, so daß die personelle Zusammensetzung dieser Körperschaften, ebenso wie die des Revisionsausschusses, keine Aenderung erfahren hat. Schließlich regte Herr Sch. Ho r o w i t z an, im Hinblick auf die nächstfälligen größeren Darlehensraten des Joint Committees (23.500 S wurden dem Joint bereits zurückgezahlt) für die Beschaffung von neuen Mitteln rechtzeitig vorzusorgen, um die Kreditkassa vor einer Einschränkung ihrer Tätigkeit zu bewahren. Der Vorsitzende teilte hierauf mit, daß diese Frage den Vorstand ernstlich beschäftige und daß nach dieser Richtung hin das nötige veranlaßt werden wird. Die Palästina- Mazzoth aus Tel Aviv sind eingetroffen! Die erfolgreiche Aktion zur Einführung palästinensischer Produkte in Oesterreich hat bereits ein erfreuliches Resultat gezeitigt. Die seit 1889 bestehende älteste Mazzothfabrik Palästinas hat in der aufblühenden einzigen jüdischen Stadt T e 1 - A v i v ihren Betrieb wiedereröffnet, u. zw. im Hinblick darauf, daß für sie die Ausfuhrmöglichkeit nach Oesterreich durch die Aktion des Landeskomitees geschaffen wurde. Dadurch ist einer großen Anzahl von jüdischen Arbeitern Erwerbsmöglichkeit geboten worden, und ist hervorzuheben, daß diese Fabrik, die unter der strengsten Aufsicht des Oberrabbinats, u. zw. unter der persönlichen Leitung seiner Ehrwürden, des Oberrabbiners Kook, steht, misrachistiscb gesinnte Arbeiter eingestellt hat. Dadurch ist auch die peinlichste Beobachtung der einschlägigen rituellen Vorschriften über die Erzeugung von Schmire-Mazzes gewährleistet. Das zionistische Landeskomitee verzeichnet mit besonderer Genugtuung diesen Erfolg und erwartet von den Gesinnungsgenossen Oesterreichs, sowie auch von allen Juden, die darauf Wert legen, das Aufbauwerk in Erez Israel zu fördern, daß sie die von Herrn N. Spindel in Wien, I., Laurenzerberg 3, vertriebenen Mazzoth aus der ältesten palästinensischen Fabrik mit der Marke „Weißer Hirsch im Mögen David“ kaufen werden. Diese Mazzoth sind in den besseren Lebensmittelgeschäften zu haben. Ein Teil des Erträgnisses fließt dem Kerem Kajemeth Lejisrael zu. Bestellungen nimmt auch das Zionistische Landeskomitee, Wien, I., Kärntnerstraße 28 (Tel. R 27-4-85 und R 27-4-86) entgegen. Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto beüiegt, werden nicht zurückgesendet.