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Die Stimme · 1929-03-21 · Heft 64 (21.3.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 64 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr/64 jüdisches Klnderfräulelii mit guten Zeugnissen, französische Sprache beherrschend, gesucht. Angebote unter Adresse S.Welndlino, Antwerpen, 27 Av. Plautin Moretu8. Photographie beischließen. .. 11 *1 ..1. i[ 1 Ottorpation von dort flüchteten und in ihrer heuen Heimat noch keinen Grundbesitz erwerben konnten.. Nach Verhandlungen mit der Regierung wurden sie zur ersten AnsiecHung zugelassen und in Sicdlungsgcsellsc haften organisiert, allerdings nicht in unserem Sinne, sondern in der im Orient üblichen Weise, daß ein Effendi oder Beg die Leute seiner Umgebung um sich gruppiert und im Namen der «SiedlimgsgesclJschaft» Iiandclt. Gesellschaften dieser Art sind bereits in A m m a n, Haifa und Jaffa gegründet worden, halben Traktoren erworben und mit den Vorbereitungen zur Bearbeitung des Bodens begonnen. Es ist kein Zweifel, daß die jüdischen Siedler in Palästina Großes schaffen würden, wenn sie unter solchen Bedingungen arbeiten könnten. Die Frage, ob das Srcdhiogswerik m Transjordanien in der Fdnm gelingen wird, wae es jetzt begonnen wurde, ist nicht leicht zu beantworten. Die Erschließung der Jahrhunderte brachgelegenen Ländereien erfordert die Investierung gewaltiger Mittel, die weder die Regierung, noch die Siedler selbst' auilbringe-n können. Man kann sich nur vorsteilen, daß die notwendigen Summen von den E f f e n d i s zur Verfügung gestellt würden, die sich diesen Dienst teuer genug bezahlen, lassen und schließlich diejenigen, die die Erschließungsarbeat geleistet hatten, von den Böden verdrängen würden. Das Endergebnis der Siedlung wird also nicht eine Erhöhung des Wohlstandes der transjordanischen Bevölkerung sein, sondern eine Verschwendung der großen Bodenreserve dieses Landes (4 Millionen Dunam) an einige wenige reiche Effendi s. Neben dieser Gefahr drohen für die jüdische Politik . m Polästfna mit der Verwirklichung dieser Siedlung in den angegebenen Formen noch andere: Transjordanien wi.rd von Siedlern aus Syrien und der arabischen Wüste überschwemmt werden und es muß befürchtet werden, daß man den Jnden Palästinas das Recht der Ansledlungln jenen Gebieten verweigert. Da auch «n Transjordanien nur eine Kolonisation jüdischer Siedler auf die Dauer etwas Segensreiches für das ganze Land zustande bringen, könnte, müßten die Leiter der zionistischen Politik rechtzeitig, im % ISnvernebmen mit der Mandatsregierung für die .Abwendung der geschilderten Gefahren sorgen. («Dawar») __ . v ' Die Erweiterung der jewish Agency Centralvereins- Präludien Am 23. und 24. März findet in Berlin eine Tagung des Hauptvorstandes des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, die sich unter anderem mit der Stellung des Zentralvereines zur Jewish Agency beschäftigen wird. Dazu , schreibt die «C. V.-Zeitung»: «Nach dem Völkerbundsmandat für Palästina ist die Exekutive der zionistischen Weltorganisation die unter der Mandatarmacht England stehende Verwalterin der durch die Balfour-Deklaration garantierten nationalen Heimstätte (national home), solange nicht für diesen Zweck eine besondere Jewish Agency geschaffen ist. Infolge einer zwischen Professor W e i z m a n n und Louis Marsha 11 (New York) getroffenen und von der Zionistischen Exekutive nach lebhaften Erörterungen, vorbehaltlich der Genehmigung des Zionisten-Kongresses, angenommmenen Vereinbarung soll nunmehr die Alleinverwaltung der Zionisten durch die Jewish Agency, d. i. eine Körperschaft, abgelöst werden, in der auch Nfchtzionisten 50 Prozent der Sitze nach dem Beschlüsse der Zionistenkongresse eingeräumt werden sollen. Zum ersten Mal ist also damit die Möglichkeit gegeben, daß Nichtzionisten gleichberechtigt mit Zionisten Palästina mitverwalten können. Der Vertrag Marshall-Weizmann stützt sich auf die Balfour-Deklaration. Aber keinem der nichtzionistischen deutschen Teilnehmer darf es verwehrt sein, seine Auffassung von der unerschütterlichen Bindung zwischen Judentum und Deutschtum, wie sie der Central-Verein vertritt, ohne jede Abschwächung aufrecht zu erhalten. Der Erörterung der Frage, inwieweit diese unsere Stellungnahme durch Beteiligung der deutschen Juden an der Agency gefährdet wird, wird den Hau’ptvorstand beschäftigen. Maßgebende nichtzionistische amerikanische Juden unter Führung von Louis Marshall und Felix M. Warburg haben sich für den Eintritt in die Jewish Agency ausgesprochen. Die englische Judenheit, an der Spitze der Jewish Board of Deputies, wird ebenfalls der Agency beitreten. In Deutschland hat bisher die Jüdisch-liberale Vereinigung den Eintritt abgelehnt. Referate von Professor Georg Bernhard (Berlin) und Rechtsanwalt Alfred Lichtenberg (Hannover), sowie rechtzeitig verschickte Materialunterlagen werden den Mitgliedern des Hauptvorstandes Gelegenheit geben, eine leidenschaftslose sachliche Prüfung vorzunehmen.» Die Vorbereitungen für den Eintritt der deutschen Nichtzionisten Am 10. März fand unter dem Vorsitze von Oskar W a s s e r m a n n die Landesversammlung des Keren Hajessod in Deutschland statt, der auch Professor Albert Einstein beiwohnte; er wurde aus Anlaß seines 50. Geburtstages herzlichst beglückwünscht. Die Tagung nahm mit Akklamation folgende Resolution an: Die Landesversammlung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) begrüßt mit Freude und Genugtuung alle Schritte zur Vereinigung der gesamten Judenheit zur Mitarbeit ander Au frichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Die Erweiterung der Jewish Agency durch den Eintritt von Repräsentanten der Judenheiten in der Welt bedeutet den wahren Sieg der Gedanken, von denen die Arbeit des Keren Hajessod von ihren ersten Anfängen an erfüllt war. Der Wiederaufbau Palästinas ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur. Das Palästinawerk gibt der Judenheit einen neuen Mittelpunkt, gibt jedem Juden neue Hoffnung für eine von schöpferischen jüdischen Leistungen erfüllte jüdische Zukunft und stärkt das jüdische Selbstbewußtsein und die jüdische Zuversicht. Es dient der Freiheitdes jüdischenLebens und der Ehre des jüdischen Namens. Die Landesversammlung des Keren Hajessod begrüßt die Beschlüsse der überparteilichen Konferenz der anierikanischenjudenheit vom 20. und 21. Oktober 1928. Sie spricht ihre Genug- Oer Zionistischen Frauengruppe IX, sowie der Zionistischen Bezirkssoktion Leopoldstadt, dem Jugondverein Erez Israel dankt die Familie Miller für das entg's nnebrachte Mitgefühl anläßlich das Hinscheidens ihres Innigsipeliebten Gatten und Bruders;-- tuung darüber aus, daß die amerikanischen Juden unter Führung von Louis M a r s h a 11 und Felix M. Warburg als ers'te ihre Bereitschaft erklärt haben, in die Jewish Agency einzutreten. Die Landesversammlung billigt das zwischen der Zionistischen Organisation und der amerikanischen Judenheit geschlossene Abkommen und erblickt in diesem Abkommen die Grundlage für den Eintritt der jüdischen Gemeinschaften der anderen Länder in die Jewish Agency. „ Die Landesversammlung spricht die Erwartung aus, daß es auch in Deutschland gelingen wird, der deutschen Judenheit, soweit sie mit den zwischen der Zionistischen Organisation und der amerikanischen überparteilichen Konferenz getroffenen Abmachungen einverstanden ist, e i n e g e e i g n e t e Vertretung i.n (ld e r Jewish Agency zusichern. Die Landesversammlung bevollmächtigt das Präsidium, als Initiativkomitee für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland tätig zu sein und im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee des. Keren Hajessod die für den Eintritt deutscher Juden in die Jewish Agency erforderlichen Schritte zu ergreifen. Das Präsidium hat in seiner Eigenschaft als Initiativkomitee das Recht der Kooptation. Sokolow in N$w York elngetroffien Aus N e w Y o r k wird gemeldet: Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Exekutive, wurde bei der Ankunft in New York voniiber 2000 Personen enthusiastisch begrüßt. An der anschließenden Veranstaltung des Palestine- Drives wurden 35.000 Dollar gezeichnet. Der Kongreß der Agudah Nach längeren Beratungen zwifchcn dem Gcfchäftsführcnden Ausfchuß, dem Zcntralrat und dem Rabbinifchen Rat der Agudas Jifrocl wurde befchloffen, die zweite Kneffio Gedauloh (Weltkonfcrcnz) der Agudah für den 5. Elul 5689 (10. September 1929) nach Wien einzuberufen. Die Agudah- Zentralen in Wien und in Frankfurt haben bereits mit den Vorbereitungen für die Weltkonfcrcnz begonnen. Ziir Behandlung der wichtigften politifchcn und organifatorifdicn Probleme der Kneffio Gedauloh tritt am 4. Ijar (14. Mai) der Rabbinifchc Rat der Agudah, wahrfcheinlich in Prcßburg oder in Breslau, zufammen. Zur Behandlung kommen Fragen der Beteiligung an der Jcwifh Agency, des Fraucnwahlrcchts u. a. m.’ </-■ „PAIÄSTI NA“ Monatsschrift för den Anfban Palästinas I Her.: Zionistisches Landeskomitee Vien, - Red.; ADOLF BÖHM I l Heft 2/3 eben erschienen. I Aus dem Inhalt: H Dr. Karl Schwager: Die Rinderzucht, Dr. S. Peiler: I Versorgung der Juden mit Spitälern: Dr. Zagorodaky t I Bilanz einer.ackerbautreibendsn Kolonie, Dir. H. Viteles: I Die Traubenkultur, A. Ben Ischai: Die hebräische Presse : I Rundschau:- Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft. Niwh- I richten und Daten, Bücherbesprechungen etc. I Ab Ö esterreich S 12.—, Deutschland RM 8.40, übriges I Ausland S 2.—. I Administration und Verlag: C. Barth, Wicfl, I. Hefigasse7. I Einsteins 50. Geburtstag Der Glückwunsch des deutschen Reichskanzlers Der Reichskanzler hat an Professor Albert Einstein folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: «Zur Vollendung des 50. Lebensjahres sende ich Ihnen, auch namens der Reichsregierung, die besten Glückwünsche. Mit Stolz blickt Deutschland auf seinen großen Gelehrten, de rfürdiedeutscheWissenschaft unvergänglichen Ruhm erwarb. Möge Ihnen Ihre Schaffensfreudigkeit zur Mehrung menschlicher Erkenntnis noch lange erhalten bleiben.» Die ganze ^deutsche Presse brachte eingehende Würdigungen Albert Einsteins aus Anlaß seines 50. Geburtstages. Unter anderen widmet im «Berliner Tagblatt» Emil Ludwig der Persönlichkeit Einsteins einen großangelegten Aufsatz. Darin Erzählt er: «Ueberhaupt gilt seine Toleranz den Unterdrückten. Rathenau erzähltej wie Einstein, ermüdet von endlosen Gesprächen über Entente- und FriedensprobleHie, ihm auf die Frage, was ihn denn in der Welt draußen besonders interessierte, mit einem Lächeln erwidert habe: «Die Jude n.» Die hat er in Palästina besucht. Seine pazifistische Gesinnung, ganz auf Vereinigung der Völker und gar nicht auf die altertümliche «Vormacht» eines einzelnen Volkes' gerichtet, befremdete unsere Nationa- 1 listen so sehr, 1 daß sie einen eigenen Verein gründeten, um Einstein zu «entlarven». Sternbahnen, die eine Beugung rfiachen, anstatt geradeaus gerichtet zu parieren, passen nicht ins Weltbild eines strammen Preußen, und daß ein J u d e Deutschlands Namen weiter tragen sollte als ihre Könige und Generale, machte sie wüiend. In einer Versammlung in Berlin, wo 1920 Pröfessoren auftraten um Einstein zu widerlegen, und er Selber in einer Loge zuhörte, drangen antisemitische Studenten zu ihm vor und drohten ihm mit den Fäusten. So schändeten freche. Jungen den deutschen Nartien, während zu gleicher Zeit der Erdball von Eiilsteins Ruhm wiclerhallce, und er die alte Glorie des deutschen Geistes gleich. 11a,ch der Niederlage des'deutschen Militarismus so bewies, Wie Pasteur die des französischen Geistes im Jahre 1873.» Berlin schenkt Einstein eine Wohnung Professor'Einstein hat sich an seinem 50. Geburtstage, um allen Ovationen zu entgehen, in die Einsamkeit der Mark zurückgezogen. Seit Tagen laufen ununterbrochen Telegramme und Glückwunschschreiben in der Wohnung Einsteins ein. Es (gibt wohl keine Universität und keine Akademie der .Welt, die nich’t des großen Gelehrten gedacht hätte. Die Naturwissenschaftliche Fakultät der Pariser Universität hat Einstein zu ihrem Ehrendoktor ernannt. Auch dieri S t a d t Berlin fehlt nicht in der Reihe der Gratulanten. Mit ihrem Glückwunsch übermittelte sie Professor Einstein gleichzeitig eine Gebürtstagsgabe, die den Zweck haben soll, den Gelehrten an die Reichshauptstadt zu fesseln. Der Magistrat hat Einstein in dem Einfamilienhause, das im neuerworbenen Park von Neu-Gladow an der Havel liegt, ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt. Das Haus liegt in einem der schönsten Teile dieses Havelufers zwischen dem Großen Breithorn und dem Ort Gladow gegenüber der Kolonie Schwanenwerder. Der erste Eins^n-Hain zustande gebracht Bei dem Berliner Komitee für Schaffung eines Einstein -W a 1 d e s in Palästina sind bereits Die liönlsfisdie Ortsgruppe llnzo.d.D. und ihre Institütionen gratulieren ihrem bewährten Freund ©l\ tillSUlV ftoräensiem ZU seiner Vermählung mit Frau Therese Edelstein-Spitzer auf das herzlichste.

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