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Die Stimme · 1929-03-21 · Heft 64 (21.3.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 64 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mf. 64 DIE STIMME Seite 3', CEllARSOFTHE CO10NIES OF THE BARÖN EDMONOE r;f ROTHSCHILD »fSHONlE IION; PALfSTINE ist derjenige Wein auf dessen Güte und Naturreinheit der Weltruf der Palästina-Weine beruht Vereinigte Jüdische Welnbauern-Genossenschaft RISCHON LE ZION (Propr. Baron Edmondo de Rotechlld) En gros Gustav Wilder, Wien, IV., Blechthurmgasse Nr. 12, Telephon Nr. U 43-8-19 Auslieferung ab Kellereien, Wien, V„ Stolberggasse Nr. 17 Leidenschaft, vorwärts zu kommen, besessen werden. Und sie lehnen sie wegen denselben Eigenschaften ab, die es ihnen ermöglicht haben, emporzutkommen, wegen ihres Wunsches, nicht nur ein Rad im Industriegetriebe zu sein. Es gibt noch einen Punkt, über den ich mH größtem Ernst sprechen muß, denn er ist von größter Wichtigkeit. Manche unter Ihnen, jüdische Unternehmer, lieben die jüdischen Angestellten deshalb nicht, weil sie zu rührig und ehrgeizig sind und weil sie stich organisieren. Nun erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen, daß nicht Sie mit Ihrem Reichtum das amerikanische Leben entscheidend und auf die Dauer bestimmen, sondern eben diese lächerlichen, unzufriedenen, ehrgeizigen, nervösen jüdischen Angestellten. Sie haben nicht immer recht; oft irren sie. Aber Sie, jüdische Unternehmer, können nicht immer einen Druck ausüben, ohne eine Reaktion bei den Unterdrückten zu provozieren. Werden Fehler begangen, so tragen Sie selbst die Schuld daran. Aber bei alledem Ist der klebte, laute, ehrgeizige Jude, der immer hoch hinaus will und sein Leben nicht in Monotonie und ökonomischer Abhängigkeit verbringen kann, der wichtigste Faktor ln der Entwicklung des amerikanischen Lebens. Sie mögen ihn hassen in dem Augenblick, wo er cf ne Gehaltserhöhung oder Herabsetzung der Arbeitszeit von Ihnen verlangt, aber man muß sich vergegenwärtigen, auch wenn es im Augenblick wenig angenehm ist, daß die Zukunft Amerikas in der Entwicklung der Wirtschaftsdemokratie liegt, und man muß vor allem die Gleichberechtigung und Freiheit der Menschen achten, wobei die anderen Faktoren, wie Besitz und Geschäft, nur als Mittel zur Bereicherung des Lebens zu gelten haben. Ich beschwöre Sie, die Sie Chefs aller Industriezweige sind, mich in dieser wichtigen Frage “zu hören und nicht die Kontrolle in Ihren Bureaus einigen Subalternen zu überlassen. Viel Unheil ist durch die Angestellten zweiten und. dritten Grades angerichtet worden, die Sie dem Personal gegenüber vertreten. Diese Subalternen haben nur ihr eigenes Interesse im Auge und entlassen, wo es nur geht, die jüdischen Angestelltem, Sekretäre und Buchhalter. Die Unfähigen können Sie aus Ihren Bureaus und Betrieben entlassen, aber entfernen Sie nicht die Fähigen und Qualifizierten, seien es Juden oder Christen. Es wäre falsch und unsinnig, Ihnen zu empfehlen, keine Nichtjuden anzustellen, so wie viele Nichtjuden Juden boykottieren. Ich habe das Recht, mich an Sie, meine jüdischen Brüder, zu wenden und zu sagen: Prüfen Sie Ihr eigenes Herz, und wenn Sie entdecken, daß dieses Vorurteil von Ihrem Geist-Besitz ergreift, so befreien Sie sich davon. Merken Sie nicht, daß der jüdische Antisemitismus eine vollkommene Rechtfertigung des nichtjüdischen Antisemitismus ist? verbreiten. Voll von Tragik und Absurditäten, hat es Künstler hervorgebraoht, welche dazu bestimmt erscheinen, die Menschheit zu rühren und zu bewegen. (Aus dem Französischen übersetzt von K. B.) Purim am 17. Schewat Von Johanna Bach (Mühringen). Beim Lesen .dieser Ueberschrift ward wohl mancher iveser lächelnd das Haupt schütteln und am Ende denken, dieses Fest sei ein Produkt des Druckfehlerteufels. Dem Ist aber nicht so. In vielen jüdischen Gemeinden der Türkei wird am Abend des 16. Schewat, der dort ein Fasttag ist, die Megi 11 ah vorgelesen und der folgende Tag wird als Freudenfest gefeiert. Der Grund dieser Feier ist folgende legendenhaft ausgeschmückte Begebenheit: Im 15. Jahrhundert herrschte in der jüdischen Gemeinde zu Saragoss,a die Sitte, daß die Gemeinde den Geburtstag des Königs feierte, indem die Gemeindeältesten mit den Thorarollen vor dem Palaste erschienen und an dessen Pforte von dem Landesvater empfangen wurden. Der Oberrabbinet sprach den Segen beim Anblick von gekrönten Häuptern. Die Thora war zu jener Zeit nicht um hölzerne Rollen gelegt, sondern in Futterale gesteckt worden, auf deren Spitze eine silberne Krone ruhte. Bei diesem Huldigungszuge wurden nun stets nur die Filternde genommen; die Thora selbst dagegen ließ man im Gotteshause. Wieder einmal — es war im Jahre 1420 — nahte da*s Geburtsfest des Königs. Einige Tage vorher war ein Festbankett, und der Landesfürst sprach sich bei dieser. Gelegenheit in anerkennender Weise über seine jüdischen Untertanen aus, die es nie versäumten, ihm ihre Liebe und Verehrung zu zollen. Ein getaufter Jude, namens Hayim S c i a m i, der zu den Ratgebern des Königs zählte, war Zeuge der huldvollen Aeußerungen des Königs über die Juden, und es schmerzte den Renegaten, die Träger der Religion, die er verlassen, geehrt zu wissen. Er entgegnete dem König, daß Jener sieh täusche, alle Liebe und Verehrung der Juden sei nur Heuchelei, und er könne seiner Majestät auch den Beweis dafür geben. Am Geburtstagsfest solle der Landesherr die ThoraroHen besichtigen, und dann werde er sich überzeugen, daß die Juden nur die Fu- Wetnn wir unseren Brüdern gegenüber keine Toleranz aufbringen können, weil wir an verschiedenen Ufern des Rheines oder der Donau geboren wurden, was sollen erst diie Nichtjuden sagen und tun? Seien Sie ehrlich und achtungsvoll gegen Ih-re Brüder. Denken Sie an sie, wenn Sie diesem extremen «Goismus» bei sich Einlaß gewähren, dieser feigen terale trügen, die eigentliche Ttföra aber im Gotteshaus lassen, um sie nicht durch den Anblick eines christlichen Fürsten zu entweihen. Wie oft haben Verleumdungen schon willige Ohren gefunden — so auch hier. Der König beschloß, an seinem Geburtstage sämtliche Juden des Reiches töten zu lassen. In der Nacht vor dem Geburtstage des Königs erschien dein damaligen Gemeindediener Ephraim Baruch der Prophet Elia im Traume und teilte ihm das traurige Schicksal mit, das den Juden bevorstand, und das nur dadurch abzuwehden wäre, wenn die Thorarollen in die Futterale gesteckt würden. Er solle dies unverzüglich tun. Baruch schenkte dem Traume keine Beachtung und schlief ruhig weiter. Da erschien ihm der Prophet zum zweiten Male und ermahnte ihn dringend, seinen Auftrag sofort auszuführen und gegen jedermann tiefstes Stillschweigen zu bewahren. Nunmehr stand Baruch auf und führte den Befehl des Göttesboten aus. r Am anderen Tage, als die jüdische Gemeinde, an der Spitze der Rabbiner und die Gemeindevorsteher, mit den Thorairotllen, vor dem Landesfürsten erschienen, wurden sie sehr ungnädig empfangen, und es wurde ihnen eröffnet, der König habe Kenntnis erhalten von dem heuchlerischen Treiben der Juden, die mit leeren Futteralen vor ihm erschienen, um ihn zu verhöhnen. Zur Strafe sollten an diesem Tage alle Juden seines Reiches getötet werden. Die Juden waren starr vor Schrecken. Der König rief seine Diener, um die Futterale gewaltsam zu öffnen: doch wer beschreibt die alliseitdge Ueberraschung, als beim Oeffnen der Futterale die ThoraroHen sichtbar wurden! Heiße Dankgetoete stiegen aus den angsterfüllten Herzen' der Juden zum Allmächtigen empor. Nacfi diesem Beweis nahm der Könlr seinen Blutbefehl zurück und ließ statt der Juden seinen Minister sofort enthaupten. Da diese Begebenheit sich am 18. Schewat zugetragen hatte, so bestimmten der Rabbiner und die Weisen von Saragossa, daß dieser Tag als Gedenktag der Rettung der Juden stets in der Gemeinde gefeiert werden solle und der Tag vorher als Fast- und Bußtag zu begehen sei. Nach der Vertreibung aus Spanien haben dann die Juden Saragossas diesen Brauch in ihre neue Wohnsitze bis «hinten, weit in der Türkei» mitgenommen und jahrhundertelang getreulich bewahrt. «H. J. Fbl.» Angst vor der Unsicherheit, vor dem Aufstieg Ihrer, jüdischen Brüder. Sie begehen da Dinge, die des Judentumsnichtwürdig sind, wenn Sie Juden aus Ihrer Nähe entfernen, weil Sie sie für geringer halten und indem Säe sich von Menschen absondern, die wertvoll und jüdisch sind. Ein Siediüngswerk in Transjordanien Von Levl Wolf (Tel. Aviv). Die finanzielle und wirtschaftliche Läge Trans-. Jordaniens ist so prekär, daß es nicht imstande ist, die elementarsten Regierungsaufgaben zu erfüllen, da die Mittel .dazu fehlen. Um diese Lage zu ändern, hat die Regierung von Transjordanien beschlossen, neue Siedler zur Kolonisation der großen seit Jahrhunderten brachliegenden Gebiete des Landes heranzuziehen. Man darf diese Aktion der Regierung keineswegs unterschätzen, mögen auch noch’ andere Motive für ihren Beginn gerade Jetzt (vor den Wahlen!) mitgespielt haben. Zunächst werden die söge-, nannten F i d i n - B ö d e n an der Bahnstrecke Deraa-Amraan zur Besiedlung bestimmt. Diese Böden waren, obwohl sie seit langen Zeiten nur mehr als Weiden für die Herden der Ibn-Sachar-Beduinen gedient hatten, in früheren Zeiten sehr fruchtbar, wie die vielen Siedlungsruinen auf diesem Gebiete beweisen. Bei der Vermessung des Gebietes, das in den türkischen Grundbüchern mit 60.000 Dunam eingeschätzt war, hat sich herausgcstellt, daß seine Fläche in Wirklichkeit nicht weniger als 3 0 0-000 Dunam betrage. Die Bedingungen für die neuen Ansiedler sind sehr leicht: Jeder Bewohner Transjordaniens oder der Nachbarländer, der nachweist, daß er an keinem anderen Orte Grundbesitz hat, kann soviel Boden erhalten, als er zu bearbeiten imstande ist- Der Maßstab ist dabei nicht das physische Arbeitsvermögen, sondern die finanzielle L e i s t u n g s f ä h i g k c i t des Siedlers. Ein Verkaufsrecht steht dem Siedler erst zu, wenn er seinen Boden 10 Jahre lang in Besitz hatte. Dagegen erhält er sofort ohne jede Zahlung einen Kuschan. Er verliert sein Eigentumsrecht an den Böden, wenn er sic 3 Jahre lang nicht bearbeitet hat. Die Regierung hat sich ferner verpflichtet, den Siedler während der ersten drei Jahre von jeder Steuer zu befreien, einen besonderen Schutz der neuen Siedlungen vor Beduinen etc. zu organisieren und überall Wasserversorgung (durch’ Renovierung der alten, noch vorhandenen Brunenanlagen) einzurichten. Die ersten Siedler rekrutieren sich aus den sogenannte» Mugrabis, den in Transjordanien, Syrien und Palästina verstreut lebenden Emigranten aus den ehemals türkischen Provinzen Tripolis und Bengasi, die nach der italienische»

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