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Die Stimme · 1929-03-14 · Heft 63 (14.3.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 63 (14.3.1929)
Date
1929-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1*. 6S DTE STIMME Säte 7 «Ind, treten Immer wieder jene Ergensdiaften des Forschers Einsteins hervor, weiche jede einzelne seiner Arbeiten bedeutend machen: Die außerordentliche Gäbe, gerade in jenen Punkten die Probleme anzugreifen, welche eben Im gegebenen Augenblicke eins besondere Förderung der Forschung versprechen, eine Eignschaft also, die sein Denken aufs engste mit {Tradition und mit gleichzeitiger Forschung verknüpft zeigt; anderseits aber die Vorurteilslosigkeit, mit der er an seine Probleme herantritt, und welche die außerordentliche Originalität seiner Gedanken bewirkt Schließlich eine Eigenschaft, die einem Theoretiker gar nicht hoch genug an gerechnet werden kann: Verständnis und Interesse für das Experiment, engstes Verbundensein mit der Wirklichkeit In diesen Eigenschaften kommt noch strengste Gewissenhaftigkeit und schärfste Selbstkritik. Aber es ist ja doch nicht möglich, durch noch so gründliche Analyse seiner Art das einzigartige Genie dieses Mannes zu schildern. So gerne man nun auch durch überschwenglichste Worte das Erlebnis seiner Größe anderen übermitteln möchte — statt aller Superlative ist es, wenn wir nicht mehr von seinem Werk, sondern von seiner Persönlichkeit, von seinem Geist reden, am angemessensten, vor solcher Tiefe und solcher Fülle in Ehrfurcht zu verstummen. Dr. F. U. Der preußische Staat stellt eine Einstein- Büste auf Der preußische Staat hat die von dem Bildhauer K. H. Isenstein geschaffene Einstein-Büste erworben, um sie am 50. Geburtstag des Gelehrten (14 März 1920) hn Einstein-Turm bei Potsdam aufzusteilen. Gleichzeitig hat das Provinziatmuseum hi Hannover ein Exemplar dieser Büste erworben. Auch in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird die Einstein-Büste in den nächsten Tagen zw Aufstellung getan gen. Nach Chedera — Tel Chai Efai neuer Bodenstreit zwischen Beduinen und Kolonisten. Aus Jerusalem wird gemeldet: Aehnllch wie vor kurzem in Chedera haben nun auch Beduinen ln der Nähe der jüdischen Kolonien T e 1 C h a i (bei deren Verteidigung bekanntlich Trumpeldor und seine Kameraden seinerzeit gefallen sind, Die Red.), versucht, die jüdischen Kolonisten, die mit der Bearbeitung des Bodens beschäftigt waren, von diesem Boden zu vertreiben. Es handelt sioh um die Beduinen des Dorfes, Hals eh, denen erlaubt worden war, ihre Schafe auf* einem Teil des Tel Chal-Bodens zu weiden, und die nun behaupten, ein D o k u m e n t zu besitzen, das ihnen erlaubt, überall in diesem ganzen Gebiete Ihre Schafherden weiden zu lassen. Die Palästina-Regierung hat nun, ähnlich wie beim Ohedera-Konfli'kt, Order gegeben, daß beide Parteien, Juden wie Araber es solange unterlassen sollen, den strittigen Boden zu be b a u en, bis die Besitzverhältnisse zweifelsfrei festgesetzt worden sind. Ein Schiedsgericht im Chedera-Streit Aus Jerusalem wird gemeldet: Jediaschiua Ch a n k i n wird auf die Bitte der Beduinen von Infi*at als Schiedsrichter in dem Streitfall zwischen ihnen und den Landwirten von Chederah fungieren- Die Beduinen haben sich bereit erklärt, seinen Schiedssptutclt vorbehaltlos anzue-rkennen. Familien-Visa nach Amerika Ein Antrag im Senat der Vereinigten Staaten Aus New York wird gemeldet: Der Senat der bereinigten Staaten hat eine vom Senator Stephens eingebrachte Bill angenommen, welche die Ausgabe von Familien-Visa für Einwanderer vonsieht, demgemäß jeder Einwanderer seine Frau und seine unverheirateten Kinder unter 21 Jahren mit ins Land bringen kann- Die BiU soll auch auf bereite Eingewanderte Anwendung finden, wodurch eine Trennung von Familien v t r h i n d e r t und eine Wiedervereinigung getrennter FamiliengHeder erleichtert wird. Die Bfil ging dem Repräsentantenhaus zu, wo sie — da das Haus vor der Vertagung stöbt — erst ln der kommenden Session zur Behandlung gelangen wird. Sprachenstreit In der Prager Jüdischen Gemeinde In dort letzten Tagen wandte sich dis politische Landetiverwöltung für Böhmen an die Repräsentanz der Prager jüdischen Gemeinde mit einer befristeten Forderung in Bezug auf die Spreohetipraxls m dieser autonomen Körperschaft. Wie die JTA erfährt, fordert die politische Landesverwaltung die Geschäftsführung in tschechischer Sprache. Dieser Eingriff in die Autonomie der Prager Kultusgemelnde, ekie Folge der von tsoheoholüdlscher Seite geleiteten Kampagne zur Tschochlsierung des jüdischen Rathauses, bat ln der breiten jüdischen Oeffentliohikeit lebhaften Widerspruch gefunden. Die Tragödie einer jüdischen Arbeiterin 47 erfolglose Gcrichtsklagen. Das «nicht arbeitende Element», Die Moskauer Zeitungen schildern ausführlich die Erlebnisse der jüdischen Arbeiterin Turawskaja in K i e w, die durch eine Reihe von Jahren Opfer antisemitischer Verfolgungen gewesen war. Siebetiundvierzigmal wandte sie sich erfolglos an das Gericht, erst beim 48. Fall hatte sie das Glück, gehört zu werden. Die Turawskaja besaß in Kiew eine Mietwohnung, in die durch das Wohnungsamt die Kommunisten Lazanow, Piatygorow und Bogotow eingewiesen wurden. Die drei Kommunisten veranstalteten in der Wohnung Orgien der Liederlichkeit und versuchten, die Turawskaja dazu zu bewegen, aus der Wohnung ein Bordeil zu machen. Als sie diesem Wunsche nicht nach kommen wollte, setzten es die drei durch, daß das Hauskomit&e die «Jüdin» aus der Wohnung wies. Die Sache kam vor das Gericht, welches entschied, daß die Turawskaja, die sich als Näherin mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdiente, als «nicht arbeitendes Element» die Wohnung zu verlassen habe. Als dann das Berufungsgericht das Exmiss Ion surt eil aufhob, begann ein grausames Verfolgungssystem gegen die Turawskaja, die unablässig als «Jüdin» beschimpift und körperlich schwer mißhandelt wurde. Um sie am Schreien zu verhindern, wurde ihr ein schmutziges Tuch in den I ■ " h » b « r: tlflCH »-'«?•«• » Richard Herzog WlLll n., k<. pr.rrg, as 9 Toi. A-41-8-24 alle jQdischen und hebräischen Schallplatten Soeben eingetroffen die neuen Columbia Schlager: 2s ..8 8.— Ans „Friederike“! 0 Mädchen, mein Mädchen. Liehe seliger Traum. Sr ist nur Barspieler. Radctsky-Fox. Kennst du daB kleine Haus am Mtchlgaoseef L t Wenn der weide Flieder blüht. Trink, trink, Brlldefietn trink. Mascha (Bubllcekl). Aue „Hochselt in Hollywood“: Im Schönbrunuerparlc. Sol lieb su mir, sei nett *u mir. In Parle, bei der ühr der Madelaihe. Casanova, ick liehe dt4h. Mein Kugel (Angela Mia). Mascha (Bublioaki). 85 cm.S ISO Eine neue Whltemann-Platte: Roses ot Yeiterday. Gel out. and get under the Moon. Jean hin«, 1 dream of LUac Time. Qriovlng. Layton und Johngtone. . In the Evehing. Chlqults. The Toy Töwn Artillery. In old Vienna. Mississippi Molody. Angela Mia (Mein Engel). Dolores. Ausschließlich elektrische Aufnahmen, vollendet ln der Wiedergobol Mund gestopft Infolge der unablässigen Verfolgungen wurde die Turawskaja schwer krank und konnte keine Arbeit mehr finden. Schließlich verließ sie freiwillig die Wohnung und fand bet Bekannten Unterschlupf. Wie dRabotscbaja Öazeta» mi {teilt, begab sich eine Sonder-Untersuchungskommisslon zur Prüfung des Faltes Turawskaja von Moskau nach Kiew. Der Prozeß gegen die Peiniger der Turawskaja wird demnnäcbst stattfinden. Petljura-Pogromisten als Sowjetbeamte Die kommunistische Presse teilt mehrere Fälle mit, wo antisemitische Sowjetbeamte jüdischen Handwerkern und Ladenbesitzern das Leben unerträglich machen: Die Moskauer «Nascha Gareta» berichtet, daß die jüdischen Händler ln Pros ku r o w durch zwei Sowjetbeamte den Inspektor der Finanzabteilung Scharopatow und den Inspektor des Zentral-Spiritus-Amtes Zschatös, zugrunde gerichtet worden sind. Diese Beamten haben sich ein ebenso ungesetzliches wie raffiniertes Strafsystem ausgedacht, durch das sie die Kaufmannschaft materiell schwer schädigen, außerdem drohten sie der Judenschaft bei jeder Gelegenheit, daß man sie ln kurzer Zelt abschlachten wird. Die jüdischen Händler wagten nicht Beschwerde zu führen. Bel Gelegenheit eines Streites zwischen Scharopatow und einem jüdischen Kommunisten, wobei Schlropatow seinen jüdischen Genossen antisemitisch unflätig beschimpfte, kam es zu einer Untersuchung gegen den Beleidiger, wobei heräuskam, daß Seharapatow an den Petljura- Pogromen aktiven Anteil genommen hat Jüdische Farmer in Südafrika Nach Südafrika wandern — fo berichtet De. Hellmut Bp- (l e i n im Hamburger Ifr. Familienblatt — Joden zumeift aas den kleinen Städten Litauern aus; fte find xumeift Handwerker. In Südafrika angelangt, geht jedoch der judilche Einwanderer in der Regel fürs erfte nicht in die teure Stadt, wo die Erwerbsmöglichkeiten zu gering find für einen, der keine der beiden Landesfprachen bcherrfcht. Hat er ein wenig Geld, dann macht er einen kleinen Laden in einem Farmerdiftrikt auf, hat er das nicht, dann verdient er fich in den erften Jahren als Angeftellter eines folchen Gefchäftes ein paar Pfund, um fich dann felbftändig zu machen. Daa jahre- und jahrzehntelange Leben auf dem Lande bringt es in der Folge ganz von felbft mit fich, daß die Freude am Landleben erwacht. Es ift daher gar nicht erftaunlich, dafi heute hunderte und taufende Juden Südafrikas Farmer find und dafi ihre Zahl dauernd wächft. Es muß allerdings bemerkt werden, dafi m dem induftrielofeh Südafrika die Inveftierungsmöglichkcitcn des erarbeiteten Vermögens äufierft gering find. So bleibt dem ftadtifchen Juden wenig mehr übrig, als fein Geld in Haufern anzulegen und dem ländlichen Juden in Landgütern. Ferner fpielt die Inderfrage in diefem Zufammenhang eine gewifTc Rolle. Die Inder find unvergleichlich anfprudislofer als die jüdifchen Einwanderer. Sie legen z. B. auf eine gute Erziehung ihrer Kinder im Gegenlatz zam Jaden überhaupt, keinen Wert. Der wohlhabend werdende Jude ift daher um fo weniger den Indern gegenüber konkurrenzfähig, je mehr feine Anfprüche wadifen. Ift er bereits der Befitzer einer Farm, fo gibt er häufig fein Gefchäft auf, das dann m die Hände eines Inders oder eines neu zugewanderten Juden gelangt und widmet fich ausfchließlich feiner Farm. Der jüdifche Farmer Südafrikas genießt als Farmer einen {ehr guten Ruf. Wiederholt wurde felbft von Buren erklärt, dafi Juden, Engländer und Deutfche die heften und vor allem die fortfchrittlichften Farmer Südafrikas find, und dafi der Bure viefach infolge feines geringen Untcrnehmungsgeiftes zurückfteht. Schwerlich wird man in Südafrika ein Dorf Enden ohne jüdifchen Farmer. Im Oranjc-Freiftaat ift die Tendenz der Juden, Landwirte zu werden, befonders bemerkbar; . ein ganzer Diftrikt dort ift de facto heute fchon eine jüdifche Kolonie. Der „Kartoffclkönig“ Südafrikas ift Jude, der „Maiskönig“ ebenfalls. Diefer ift einer der erfolgreichften Farmer Südafrikas. Seine Ernten find drei- bis viermal fo hoch als die feiner Nachbarn. Einen Begriff von der Größe feines Befitzes kann man fich ungefähr aus der Zahl feiner Pflugochfen machen, die annähernd 1000 beträgt. Im Ausfuhrhandel Südafrikas fpielt neben dem Mais Obft eine große Rolle und erobert fich von Jahr zu Jahr mehr den europäifchen Markt, da die Ernte hier in eine Zeit fällt, in der Europa und die Vereinigten Staaten nichts produzieren. Auch in diefem Falle. find es jüdifche Farmer, die fich um den guten Ruf der „Kap-Früchte" durch den Anbau der auserelefenfteil Aepfcl, Apfelfinen, Birnen, Pfirfichc und Pflaumen ein großes Verdienft erworben haben. Der Anbau von Tabak hat in der Landwirtfchaft Südafrikas eine bedeutende Stellung, und dies ift zu einem guten Teil den Anflrengungen des Juden Pevsner zu verdanken, eines der größter Farmer in Rhodefia. Er fing ganz klein an und hielt durch, als die anderen Farmer infolge zeitweifer fchlechter Konjunktur den Anbau von Tabak aufgaben. Heute verarbeitet er feinen Tabck felbft, und feine Marken gehören zu den bekannteften in Südafrika. Es ift eigenartig, daß (ich die jüdifchen Farmer Südafrikas verhältnismäßig wenig mit V i e h z u ch t befaßen. Sie Enden fich weit mehr in den Verwertungsgewerben. In der Kap-Provinz Z. B. find fall alle Großfdilächter Juden und auch der Wollhandel ift großenteils ein jüdifches Gefchäft. Aehnlich wie in der Viehzucht liegen die Verhältniffe im Weinbau, der ausfchließlich in den Händen der alten Burenfamilien der Kap-Provinz ruht. Der Vertrieb des Weines gefchieht aber größtenteils durch Juden. Man darf nicht glauben, daß der füdafrikanlfche Farmer eia leichte« Leben führt. Es gehören viel Willenskraft und Optimismus dazu, um trotz der zahllofen Viehfeuchcn, der Trockenzeiten, in denen das Vieh zu Hunderttaufenden verhungert, trotz der Heufchreckcnplagen und anderer ungünftigef Umftände durchzuhalten. Befonders in Rhodefia, dem fÜdafrikamfchen Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, ift der jüdifche Farmer nicht nur Farmer allein, fondem mehr noch Pionier. Ein „heimlicher“ Zaddlk Die ganze Umgegend des galizifdien Städtchens Mikulince ift feit einiger Zeit in gewaltiger Erregung infolge des plötzlichen und geheimnisvollen Hinfcheidcns eines armen Juden, der dort bekannt war als Mikuüncer „Laraedwownik“, das heißt einer der 36 heimlichen Zaddikim, derentwillen nach den „Sprüchen der Väter“ die Welt erhalten bleibt. Vor fünf Jahren kam nach Mikulince ein .hochgewachfener, ftarker Jude im rüftigften Alter, der Tag und Nacht im Beth Haroidrafch in den heiligen Büchern ftudierte. Er war fehr fchweigfam; wenn man ihn fragte, woher er fei und wie er heiße, pflegte er nur kurz zu erwidern, er heiße Gabriel. Die Leute gewöhnten fich bald an ihn und niemand kümmerte fich um feinen Namen und feine Herkunft. Das einzige, über das fich Gabriel unterhielt, war die Thora, wobei « ein erftaunlichcs Wißen an den Tag legte. Der Rabbiner gab ihm nach einiger Zeit das Amt eine« Auffchers im ftadtifchen Schächthaus, wo er einen fchr bofeheidenen Lohn bezog. Gabriel pflegte aber felbft diefc geringe Einnahme mit den Aermftcn zu teilen, und oft fah man Ihn in den dunkelften, ftürmifchen Winternichten mit einem Hol», bündel dahineilen, um bei einem Armen Feuer anzumachen« Nicht (eiten gab er die Hälfte feines Monatsgehalts an bo* dürftige Familien ab und lebte felbft in großer Not.

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