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Die Stimme · 1929-03-14 · Heft 63 (14.3.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 63 (14.3.1929)
Date
1929-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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P8B Nr, $tt Plukovnfk Svec Von Michael, Das Ensemble des Olroütaer tschechischen Sdwuapwb — von der Wiener Presse hochgerühmt —gastiert am Carltheater. Welche Karriere dieses Volkes von Bauern und Arbeitern auch auf den Gebieten der Literatur und Kunst! Als zu Anfang der zionistischen Bewegung ich naturgemäß mit den Tschechen sympathisierte, die sich in Auflehnung gegen den deutschen Druck emporrangen, suchte ich sie gern dort attf, wo sich ihre nationale Arbeit kundtat So kam ich, sogar von Freunden darob verlacht, auch öfters ins tschechische Theater meiner Vaterstadt OlmÜtz. Der Hintersaal des schäbigen Gasthauses im Vorort Neugasse war der Schauplatz; die Stücke, von Schmierenkomödianten aufgefflhrt, nichts als dilettantische Uebersetzungen deutscher Possen und bestenfalls Lustspiele, so recht dem Geschmack des Publikums angepaßt, das vorwiegend am Dienstmädchen, Lehrburschen und Mittelschülern bestand. Öud nun nach kaum drei Jahrzehnten dieser Aufstieg! Heute haben die Tschechen Ihre originellen Schriftsteller, wie jenen famosejL Franz Langet, dessen Prager Sittenstück «Peripherie* am Josefstädtertheater mit Recht Furore machte, denn diesem Stück Ist — ich wage das zu sagen — etwas von Shakespearescher Größe zu eigen. Uebrigens bringt die tüchtige Gasttruppe nun von Langer ein zweites Sittenstück heraus: «Die Bekehrung des Feri Plstora». Das Bühnenwerk aber, mit dem die Truppe sich in Wien einführte und mit dem sie auch scheiden will, ist das Kriegsdrama vom «Plukovnik Svec», vom Obersten Svec. Faktisch übt es auf das Wiener tschechische Publikum starke Zugkraft aus, doch auch mich hat es mächtig gepackt. Was da wirkt, scheint nicht so die dichterische Gestaltung zu sein, als Inhalt und Geist des Stückes. Die Handlung ist rasch erzählt. Durch den Sieg der boischewikischen Revolution in Rußland wird den tschechischen Legionären, welche sich dem Umsturz nicht anschließen wollen, der Weg nach Westen verlegt. Sie verzagen nicht Durch einmütigen Zuruf wählen sie einen beliebten und kampferprobten Mann aus ihrer Mitte, den schlicht-bürgerlichen Svec (auf Deutsch «Schuster»)?um Führer. Vergeblich sein Sträuben, vergeblich sein ahnungsvoller Vorwurf, sie würden ihn ja doch morgen verleugnen und verraten; der Appell an sein Pflichtgefühl zwingt ihm die Leitung auf. Svec tut Wunder. Durch eine Welt von Feinden führt er seine begeisterten Regimenter aus Zentralrußland ostwärts über den Ural, der Heimat entgegen. Ruhm und Ehre rauscht um die tschechische Fahne. Doch mit den gehäuften Strapazen und Schwierigkeiten wachsen Müdigkeit und Verdrossenheit der Legionäre. Wie stets und überall findet der Geist des Bösen auch hier rder Name tut nichts zur Sache — eine Zunge, die rocht müde wird, am Führer zu nörgeln, wider ihn zu hetzen. Der moderne Schlager der Demokratie das Material restlos auszuschöpfen. In elber glänzend geschriebenen Einleitung wurden die Daten zur Geschichte der Messe bearbeitet, der Anteil der Juden an dem Gedeihen des Marktes geschildert, ihre finanziellen Leistungen spezifiziert, die verschiedenen statistischen Daten aue den Zeitereignissen gedeutet, über den Stand der Wissenschaft in all diesen Fragen1 berichtet und zum Schluß eine statistische Uebersioht gegeben. Das Werk selbst enthält ein Verzeichnis der Messebesuoher nach ihren 844 H« r kunf tsor te n in alphabetischer Reihe angeordnet. Bei der Feststellung der letzteren gab es viele Schwierigkeiten zu überwinden. Die Schreiber in Leipzig waren gerade keine Geographen vom Fach und notierten die Namen nach ihrem Gehör. Wenn das eine oder das andere noch fraglich bleibt — uaroeatdoh gilt das bei Homonymen — so schmälert cs nicht den Gesamtwert und die Brauchbarkeit des Werkes. Auf die Identifizierung der Namen hat der Autor auch da verzichtet, wo es Ihm auf Grund seiner früheren Forschungen ein leichtes gewesen wäre, diese zu bieten. Ich kann ihm in dieser Beziehung nur zustImmen, da ja ein solcher Zweck außerhalb des Rahmen« dieser Arbeit liegt. Wohl aber wurde in der Einleitung auf einige markante Persönlichkeiten hmgewtesen. Es wird Sache der Personal- und lokaigeschichte sein, diesen Stoff int Zusammenhang mit anderen Quellen auszuwerten. Namentlich gilt dies von einer Reihe von Orten, wo ein reichlicher Stoff geboten wird, so Amsterdam, Berite, Breslau, Brody, Dessau, Frankfurt a, M., Frankfurt «. 0., Fürth, Gtegau, Haiberstadt, Nikolsburg, Posen, Prag, Wien u. a. Jeder wissenschaftlich Interessierte, der au die Bearbeitung dieser Orte gehen .wild, wird Wer outen sauber gearbeiteten Stoff finden, für den ec dem Urheber immer Dank wissen wird. Abbreviaturen als jüdische Familiennamen Die Neigung aus Abbreviaturen Awtorennamen und Böcbcrtitel m bilden, hat schon im Mittelalter bestanden, so sp. B. R stscbi ■= Rabbi Schlotno beit JIz- DingKTB LIMB will? net <ar » m m ■ KIB9I—JAI'r/l WO RBTOtta* Abfahrten jeden zweiten Donnerstag 8 Uhr abends. Fahftdaner unter Berührung von Brindisi bloß 5*/, Tage Fahrpreise: I. Kl. Lat. 83.-.-, II Kl, Lst 18.-.-, IB, KJ. Let 6.—.— inklusive Kabine und Verpflegung. Eine Fahrt Triest—Jaffa—Haifa und aurflek kostet In der III. Klasse Inklnelve Kabine und Verpflegung bloß österr, geh. 34&—. Für Gesellschaftsreisen besonder* Ermäßigung 1 Auskünfte; Lloyd Triestlno, Wien, L Kßrntnerring 6 Telephon U 46448, U 46444, U 46446. wird gegen die Befehlsgewalt der Offiziere ausgespielt und triumphiert, in der schließlich erzwungenen «Generalversammlung» der Soldaten stellt Oberst Svec die Vertrauensfrage. Sie wird verneint. Voll Scham über den moralischen Verfall seiner Volks- und Kriegsgenossen und um sie noch in letzter Stunde zur Besinnung herumzureißen, erschießt sich Svec, Die Wirkung ist hinreißend. Inmitten der Nacht laufen die Meuterer verstört herbei, fallen in Reih und Glied, bekennen zerknirsch^ ihre Schuld und unterstellen sich, wieder Krieger von Kopf zu Fuß, dem Befehl des Majors, den der sterbende Führer zum Nachfolger bestimmt. Mit dem Feldruf «Svecl* setzen dte Legionäre ihre Heerfahrt fort, der Heimat zu. 1 Die Zuhörer im CarKheater, fast durchwegs tschechische Landsleute, waren tief ergriffen, waren enthusiasmiert. Sie alle, Männer und Frauen, ersichtlich kleine Leute, doch von gesundem Nationalgefühl durchglüht, verstanden genau, worum es ging. Nur Eintracht durch Selbstzucht und Unterordnung unter die gewählte Führung macht stark und sichert Sieg und Ruhm. Welchem Zionisten gäbe dieses Stück nicht auch zu denken! «Menschen, Menschen, sind wir alle!» Was das Kriegsdrama da von den Krisen um Oberst Svec erzählt, gilt sicher in Varianten von jedem um seine Befreiung ringenden Volke. Die zionistische Bewegung ist zwar — dies eine Variante — kein Kriegszug im eigentlichen Sinn und verlangt drum auch nicht blinden soldatischen Gehorsam; unsere Bewegung i s t ja demokratisch organisiert; die Versammlungen der zionistischen Delegierten und die oberste Versammlung unseres Kongresses entscheiden, so daß der Führer nur die Kongreßbeschlüsse vollstrecken kann und braucht und Gehormmmmmmmmmmmsmmeäsmmmmmmama ohak; Semaig — Sefer Mizwot Godaui; R&scbfoam Rabbi Schrouel ben Mete; Ra mb am — Rabbi Mosche ben Malmön; Rascthla Rabbi Schiotmoh ben Aderet; Ralhag Rabbi Levi ben Gersoit. Aus .Titulaturen1 entstanden Abbreviaturen wie sJ oder sgl segan iewojoji Fürst der Leviten'; daraus wurden die Familiennamen; Sega!, Segalia, Sigaü, Sigl, Siegler, Segaler, Skalier. Aus der Zusammenziehung Kz c; Koben Zedek gerechter Priester worden die Familiennamen Katz, Kaatz, Catz, Katemann. Aus Abbreviaturen wurden auch1 selbständige Worte gebildet. Ans solchen entstanden später auch Familiennamen. Aus dem Brauchendem eigenen Namen den Namen des Vaters aiwufügen und an den Namen des noch lebenden Vaters einbfn Segenswunsch zu knüpfen, so z. B, aus sditjt schejidrjah teameh jomim tauwim — er lebe m langen guten Tagen wurde der Familienname Schallt. Aus der Euphemte für Märtyrer tojd h äschern jirrkaum domau wurden die Familiennamen Heid, Haid, Halt, (Hält, Heit zuweilen auch aus dem hebräischen Ohajit Schneider 5= Hajit ss Halt). Aus Städten amen entstanden durch Zusammenziehungen folgende Familiennamen: Eisenstadt AS Famäienname Asch, Ascher (Ascher auch aus Vornamen entstandener Familienname). Abbreviaturen aus Becufsnanten; Babd — ben aw bet din Sohn des Gerichtsvorsitzenden, Vater des Gerichtes, [Titel des Oberrabbiners, daraus Familienname Babad, Babat, Schz schliach zibur - Abgesandter der Gemeinde, Vorbeter, daraus entstanden die FamiWerniamen Scbaz, Schatz. bch ben Ghajten cs Familienname Bach; b-rb ben reb barock Barb, Barbar, Barbar; brdch ss ben reb David chasan — Bardach, Berel ach; btsetok ben reb Sohlomoh Kazew (-— Fleischtoauer) Barschaft; brik — ben reb Jakob Kopl; Briefe, Brück, Brock; ehrt » chasan reb fTobia Charwat; rt « reb Todros ss Rat. Heitwtch aaro nicht für steh, sondern für die demokratisch gefaßten Volksbeschlüsw heischt. Ueberaü aber moß die hehre Idee sich mühsam durchsetzen gegen die — nobel gesagt — Unzulänglichkeit der Menschen und Über sie hinaus. Der Geltungsdrang, die Ehrsucht, die gekränkte Eitelkeit de^ einzelnen, seine Unverträglichkeit und trotzige Rechthaberei, lauter üble Eigenschaften, denen es jedoch nie am pftlflkeuden Mäntelchen schöner Schlagworte fehlt, suchen die Idee in ihrem Aufstieg zu hemmen. Da ist es oft das gute Beispiel von eben und, der Opfertod des Führers, welche die Masse zur Selbstbesinnung rufen und schließlich den Triumph der Idee entscheiden. Ala der neue Kommandant der zur Disziplin rückgekehrten tschechischen Legionäre ihnen in die Zähne schmeißt, daß sie den eigenen Führer verrieten, bekennt der Sprecher der Soldaten; «Nicht ihn, u.n«selbst verrieten wirl* GoJdne Worte! Herzl litt den Opfertod für seine Juden, die auch zu meutern pflegen, Wer muß noch sterben, ehe wir Zionisten die primitive Pflicht jeder auf ein hohes Ziel gerichteten Organisation erlernen: Selbstzucht und freudigen Dienst unter der frejgewähtten Führung! Friede In der zionistischen Organisation Polens Der Jewtoh-Ageocy-Katttpf ruht Aus iWa<rschau wiad gemeldet? Die von der Gruppe der «unabhängigen Zionisten» edngeteitefc Aktion zur Hersteßhmg des Friedens in der polnischen zionisüschon Organisation war von Erfolg. Bei Gelegenheit des zu Ehren des Direktors des Kenern Hajeesod in Jerusalem, Leib Jaf fe, gegebenen Banketts wogte ein Friedemsabkommen von dem Fftbner der. radikalen Opposition, Abg. Grünbatun, tmd den Vertretern dies Zentral-Komltees, Le vlfce, Rooeobäatt und Hlndes, tmterzefchoet, das u. a, folgwstte Punkte enthält: Das Z e n t r a 1- K omi tee wted «ve«i Jcc^BHsrtütu ic r t in der Weise, daß neben den nenn MHgTtedem, die durch dem Parteirat gewählt, weitete neun MUgiteder von der Opposition gestellt wenden, und der. Vorsitzende emer neutralen Gruppe auengdbäten hUL Beide Parteien verpfSithiten sich, in prinzipieüeö Fragen ei n ander nicht zu majoristenem Das Präskömn des Zentral-Konritees besteht aus sieben Personen, npd zwar aus dem netitralen Präsidenten, die! bisherigen Mitgliedern des Zentral-Komitees, zwei Angehörigen der radikalen Gruppe «AI Hamischmar* und einem Revisionisten. An die Stelle des zurüdetretenden Präsidenten der Landeso nganisation, Leon Le vite, wted wafinschelnlich Rechtsanwalt Borys Sta wsky treten. Dte Opposition gib t den Kampf ge giftet (Tie Erweiterung den Jewish Agency bhfi zum Zusammentrerte»« dte« Kongresses attt Die Vereinigung alfcoir zd^OfisftriWte'b®ten Landesorganisationen Polens nr einer. Eiirhei tsorganisation soü an einem noch zu besföggK&T den, aber ntefet zn fernen Zeitponkt eriolgein, Das neue Zentralkomitee Aus Warschau wird gemeldet: Am HX Mäcz hat der zionistische Partekat in feterüoher Bltetypg den Friedenspakt mit der Opposition eins timmi g ratifiziert Sodann wurde die Wahl des neuen ZeuteaÄkomitees votgenommetx das nunmehr aus den bisherigem 11 Mitgliedern und aus 11 Mitgßedenn der oppositioflcllen Gruppen (Al Hamischmar und Revt^onteten) besteht Das Zemtraikomitee wählte ein steohsg!!«»- driges Präsidium, bestehend aus dem Hemue Dep, Grünbaxtm, Dqx Hartgfes, Gemrtndemat fündes, Dr, Jakob Koffn, L. Levfte und De. Roseribfott (Steg* vertreten Dr. BychowsW, A. PodCschewsld, Doktor Wdowinski)- Zron Präsidenten des ZentaaSfcomitoes wunde einsrinunig der bisherige Vorsitzende des Parteigerichtet Advokat Borts Stawski, gewählt Deputierter Dr. Thon über (He Einigung unter den polnischen Zionisten Eimer unserer Mitarbeiter hatte vor doigeo Tagen Gelegenheit, den für kutze Zeit in Wien wettenden Sejuidepu&tarten Rabbiner Dr. Osias [Thon (Krakau) zu sprechen; über die damals eben erfolgte Einigung zwischen den beiden zionistischen Gruppen Fotons befragt, erklärte Dr. Thon folgendes: «Es wa* höchste Zelt zu einer Bwigung •m komm, denn infolge der immerwährenden Konäfkte, <üe, »nspfü^JJch Ideologischer Natur, später stark lue persönliche Gebiet spielten, war die Zionistische Organisation Polens von einem Mtigßederstaud vhmi 300,000 auf 4000 gesunken. Dte Grünbawm- Gruppe war um so mehr m einem Friedensoehkiß bereli da der Präsident des Zionistischen Zentralkomitees Polens Leon Levite auch auf politischem Gebiete, auf dem die Richtung CteUnbunms bisher maßgebend war, eine Koalition mM Ae* Reich-Gruppe angehahnt hatte. Um dte Einigung halben sich die sogenannten «Unabhängigen Zionisten», eine Gruppe, welche stob um den Herausgeber des Warschauer zionistischen Tag-

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