Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-03-07 · Heft 62 (7.3.1929) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 62 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053815--0912-3056223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 62 DIE STIMME Seile 9 giert werden. Sitzungen von Fabrikanten und Besuchern werden die Anbahnung von direkten Beziehungen ermöglichen. An diese Konferenz wird sich am 14. April eine Konferenz der palästinensischen Industrie anschließen. Die Plantagenwirtschaft in Palästina. Von O. Licht. Seit dem Jahre 1923 bat die Plantagenwirtschafi in Palästina einen glänzenden Aufschwung genommen. Der Einfluß dieser Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren, sobald die damals angelegten Pflanzungen ihre erste Frucht tragen, voll geltend machen. Besonders wertvoll werden wohl die Auswirkungen des Aufblühens dieses wichtigen Wirtschaftszweiges, für die bis heute stark passive Handelsbilanz Palästinas sein. Schon heute bildet der Orangenexport mehr als 30 Prozent des palästinensischen Exports überhaupt und bringt alljährlich mehrere hunderttausend Pfund ins Land. Der wirtschaftliche Erfolg der Pflanzungen hat eine große Antaiehurngskraf-t auf westeuropäisches und nordamerlkanisch-j üdisohes Kapital auseübt und -dieses zur Mitarbeit am Aufbau des Landes herangezogen. Die starke Kapitalisierung der Zitruspflanzungen hat eine ständige Steigerung des Orangenexportes zur Folge gehabt. Im Jahre 1922—23 wurden 1,563.531 Kisten Orangen und im Jahre 192b—27 2,213.983 Kisten exportiert. Laut Berechnungen des Herrn Prof. Clark Po well, die von der landwirtschaftlichen Abteilung der Regierung veröffentlicht wurden, dürfte der Export m Jahre 1929—30 die Zahl von 3,000.000 Kisten erreichen. $ Iner Ansicht nach sind außer den existierenden 4L .000 Dunam Plantagen weitere 2 6 4.0 0 0 Dun a m für Zitruskultu-ren geeignet. Die Aussichten der Erweiterung der bestehenden und des Eindringens in neue Märkte sind hervorragend gute. Es genügt, zu erwähnen, daß die palästinensischen Zitruspflanzungen bis jetzt nur 5 % der Weltproduktion art Orangen auf den Markt bringen und daß von je 70 Orangen, die pro Kopf der Bevölkerung in England konsumiert werden, 57 Spanien, 3 Südafrika und nur 7 Palästina entstammen. Wenn wir noch die Tatsachen im Betracht ziehen, daß der Konsum der Orangenfrucht im Steigen begriffen ist, daß die palästinensische Orange von besonders guter Qualität Ist und in einer Saison auf den Markt gebracht wird, in der die Konkurrenz der anderen Länder gering ist, und daß sie bisher fast ausschließlich auf dem englischen Markt amgebotem wurde, zweifellos aber auch in andere europäische Märkte eimdrimigen kann, werden wir uns ohne weiteres überzeugen, daß die an diesem Wirtschaftszweig geknüpften Hoffnungen berechtigt sind. Die schnelle, durch die gute Konjunktur beschleunigte Expansion der Plantagenwirtschaft kann bestens durch die Zahl der Arbeiter, die in den Kolonien beschäftigt sind, und die Fläche, die mit Orangen bepflanzt wurde, illustriert werden. Im Frühling dieses Jahres wurden in den Kolonien 63 04 Arbeiter im Vergleich zu 5313 im vorigen Jahre und 1929 im Jahre 1922 gezählt. Zur Zeit der sogenannten toten Saison erreichte dieses Jahr die Zahl der Arbeitslosen bloß 150, im Vergleich zu 700 im Jahre 1926. Auf Grund einer Kalkulation des der Arbeiterorganisation angeschlossenen Untennehmumigsamtes für, Anlage von Pflanzungen fordert die Arbeiterorganisation für den Winter dieses Jahres weitere 1500 Arbeiter für die Kolonien am. Die Kalkulation ist auf einer genauen Berechnung des prozentuellen Anteiles des Arbeitslohnes in den Kosten der Bearbeitung der alten und Anlage der neuen Pflanzungen aufgebaut. Noch anschaulicher und lehrreicher sind die, die heubepflanzte Fläche betreffenden Zahlen: Nach dem Krieeg betrug die Fläche der jüdischen Pflanzungen 9600 Dunam; in der Periode vom Jahre 1923 bis 1927—28, in die das Aufblühen der Plan tagen Wirtschaft fällt, wurden weitere 11.000 Dunam bepflanzt. Im Jahre 1927—28 wurden 9000 Dunam neuer Pflanzungen angelegt, und diese Zahl wird laut Nachrichten aus besten Quellen im' Jahre 1928—29 mindestens um weitere 10.000 Dunam vergrößert werden. Durch diese Entwicklung wird die Frage aufgeworfen,. ob der wichtigste Arbeitszweig des Landes dem freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte überlassen weiden soll oder einer gewissen Kontrolle und Einflußnahme durch die nationalen Institutionen und Mittel bedarf. Es kann mit Rieoht behauptet werden, daß die P'lantagenWirtschaft auf keine finanzielle Hülfe angewiesen ist. Nichtsdestoweniger stellte die Entwicklung der piwatwirtschafttichen Kolonien den nationalen Institutionen und Fonds neue wichtige Aufgaben, die sie schon in der Vergangenheit teilweise erfüllt haben und die auch heute ihre aktive Tätigkeit erfordern. Wenn der privatwirtschaftliehe Erfolg dieses wichtigen Wirtschaftszweiges volkswirtschaftlich ausgewertet werden soll, muß Hand in Hand mit der E rweiterung der Plantagen durch das Privatkap ital die auf die Verwurzelung der Arbeiter in den Kolonien gerichtete Tätigkeit des Keren Hajessod vor sich gehen. Es ist sonst die Möglichkeit vorhanden, daß die Produktion im Lande. gesteigert‘ wird, ohne die ArbeitsmögHchkeiten für den jüdischen Arbeiter zu mehren und die Aufnahmefähigkeit des Landes für die jüdische Einwanderung zu vergrößern. Der dreifachen Gefahr: des Verlasssens der Kolonien durch die Arbeiter, der Verelendung der Arbeiter durch schlechte Leberasbedingungen, der Schwächung der At-traktlon»kraft der Kolonien für die Einwanderung muß vorgebeugt werden. Allerdings liefert die Erweiterung der Fläche der Plantagen allein dafür keinerlei Gewähr. Die bisherige Tätigkeit in den Kolonien muß also quantitativ gestärkt werden. Diese Vergrößerung des Umfanges der Arbeit genügt aber nicht, diese muß auch .in ihrem System den neuen Bedingungen angepaßt werden. Jetzt geht es nicht nur um das Eindringen der jüdischen Arbeit dm den Kolonien, sondern auch um ihre Verwurzelung daselbst. Für diese Aufgabe ist die An Siedlung der Arbeiter und die Hebung ihresReallohneis ausschlaggebend. Diese Ziele können durch den Bau billiger Wohnungen und den Ausbau der Hilfswirtschaften erreicht werden. Durch den Ausfall des Wohn Zinses und das Nebeneimkommen aus der Kleinen Hilfswirtschaft wird die Lebenshaltung des Arbeiters verbilligt, sein Real lohn gehoben, di e Gefahr der Arbeitslosigkeit beseitigt und die Verwurzelung des Arbeiters in den Kolonien erreicht. Ein Gürtel solcher Hilfswirtschaften rings um die Kolonien, das heißt die Ansiedlung einer bedeutenden Anzahl jüdischr Arbeiter in dern Nähe, wird den positiven Wert des Aufschwunges der Plantagen Wirtschaft auch in der Zukunft sichern. Die in dieser Richtung bisher geleistete Arbeit steckt erst in den Anfängen und diese mit dem Aufbau der privaten Wirtschaft kombinierte Tätigkeit des Keren Hajessod erfordert große Mittel und entsprechende Methoden. Davon, ob diese Mittel aufgebracht und die entsprechenden Methoden gefunden werden, hängt die nationale Bedeutung des Aufblühens der Planitagenwirtschaft ab. Miszellen Palästina-Ein- und Auswanderung im Jahre 1928. Nach der soeben veröffentlichten offiziellen Statistik betrag im Jahre 1928 die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina 2178, die der Auswanderer ebenfalls 217 8. — (ln den drei Krisenjahren, 1926-1927-1928, wanderten in Palästina 17.971 Juden ein, 14.614 Juden wunderten aus; der Uebersehuß der Einüber die Auswanderer betrug in dieser Periode 3357. Die Red-) * Die Frage der Klagemauer steht wiederum tm Zentrum der Diskussionen in Palästina. Die Moslemiten haben einen* Teil der Mauer, die an die Klagemauer links angrenzt, zerstört und damit einen neuen Verstoß gegen den S t a t if s quo an der Klagemauer, der seit Jahrhunderten gilt und neuerdings von der Palästina-Regierung bekräftigt worden ist, begangen. Die jüdische Gemeinde von Jerusalem hat gegen die neuerliche Verletzung des Status quo an der Klagtmaucr einen formellen Protest bei der Regierung eingetbracht. * Die Autonomisten von Tel Aviv. Die Palästina-Regierung hat Di z eng off zum Bürgermeister und Rökach zum Vizebürgermeister von Tel Aviv ernannt, obwohl beide bereits im Dezemibr durch den Stadtrat von Tel Aviv für diese Aernter gewählt worden waren, und um eine Ernennung nicht nadigesucht wurde. Der Stadtrat steht weiter auf dem Standpunkt, daß die Bürgermeister -nicht durch die Regierung zu ernennen, sondern durch den aus Urwählen hervorgehenden Stadtrat zu wählen sind. * Die Zukunft der Palästina-Orange. Bei der Eröffnung der Jaffaer Orangenausstellung hielt der Oberkommissär von Palästina Sir John Chancellor eine Ansprache, in der er sagte: Ich habe die Citrusproduktion in vielen Ländern studiert, und ich habe gefunden, daß inkeinemLandedie Citrusfrucht eine so glänzende Zukunft hat wie in Palästina. Der Oberkommissar betonte die Notwendigkeit einer arabisch-jüdischenZusammena r b e i t beim Citrushandel und -transport, damit die Palästina-Orangen auf dem Weltmarkt die wünschenswerten hohen Preise behalten können. Mehreren Orangenzüchtern wurden vom Aussteliungskomitee Preise zuerkannt; die wichtigsten Preise erhielten Jüdische Züchter.. # Im Zusammenhang mit dem vor einigen Tagen vor sich gegangenen Sturm von Arbeitslosen auf das Bürgermeisteramt von Tel Aviv wurden vier Arbeitslose zu je sieben Tagen Gefängnis bei einjährigem Strafaufschub gegen Stellung einer Bürgschaft von 10 Pfund verurteilt. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen. * Auf die Vorstellungen jüdischer Arbeitervertreter bei der Jerusalem Electric Company, bei den Arbeiten der Gesellschaft auch jüdische Arbeiter zu beschäftigen, erwiderte der Leiter des Büros, daß die Ge* Seilschaft einen arabischen Unternehmer heranziehen werde, da die Unterschiede in den Löhnen jüdischer und arabischer Arbeiter zu hoch seien. Nur für Facharbeiter könne er versprechen, daß der Unternehmer jüdische Kräfte beschäftigen werde. ' Die palästinensische Eisenbaimverwaittrog geht daran, die Eisen bahnen des Landes w elektrifizieren. Mehrere für elektrische Züge bestimmte Wagen sind bereits im Verkehr. * Vor dem Jerusalemer Obersten Gericht wurde Über dir Klage eins Einwohners von Tel Aviv gegen den G e n e r a 1postmeister von Palästina verhandelt, der entschieden hat, daß Telegramme in h e b r äi s c h en L e 11 er n innerhalb Palästinas an den Postschaltern nicht entgegengenommen werden sollen. Das Gericht beschloß, den Generalpostmeister aufzuforderp, seine Haltung in dieser Frage zu begründen. * Wie das Moskauer jüdisch-kommunistische Tagblatt «Emess» mitteilt, ist eine Gruppe Juden, die aus Rußland nach Palästina ausgewandert waren, nach Rußland zurück g e k e h rt und befindet sich gegenwärtig hn Hafen von Odessa. Sie’ wollen in der Nähe des Distrikts Upatoria, wo jüdische Kolonien bestehen, auf dem Lande atigesiedeft werden. * Das deutsche Komitee P r o - P a i äs t i n a hat kürzlich in Berlin seine diesjährige Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz seines Präsidenten Minister a. D. Graf Bernstorff abgehalten. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß im Vorjahr drei öffentliche Kundgebungen des Komitee? (mit Vanderveldc, Wedgwood und Nalium Sokolow) veranstaltet wurden..* Das bisherige Präsidium wurde wiedergewählt. » Am Haifaolier Teclmikum wurden in diesem Jahre zum ersten Male Diplome an Ingenieure und Architekten, die ihre Ausbildung an diesem Institut erhielten, verteilt. Aus diesem Anlaß fand im Gebäude des. Instituts ein Festakt statt. Diplome erhielten 17 Graduierte des Haifacr Technikums, darunter eine Frau- Drei der ersten Graduierten haben bereits Stellungen im Regierungsdienst inne. AmtlicheVerlautbarungen der Israelitischen Kultusgetneinde Wien Lieferungs-Vergebung Seitens de.r Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt im Laufe der nächsten Zeit die Auswechslung, der gemauerten Kanäle des Tempels IL, T e m p e I g'ä s s e 5 und der bei4en Amtshäuser II., Tentpe 1gasse 3 ui]d II., F e r d i n a n d s t r a ß e 23 durch solche aus Tonrohre zur Vergebung. Jene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen,, dies bis 1 ä n g s t e n s , 15. März 1929 dem Technischen Amte der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2,. IV. Stock, bei welchem während der gewöhnlichen Amtsstunden (Samstage ausgenommen) auch alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekänntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks'Heranziehung zur Offertstellung für die einzelnen Arbeiten behält der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde seinem alleinigen Ermessen vor. Austritte aus dem Judentum Einerich M a.r k u s z, 18. Juaii 1896, Pusztamonstor, Jig, XIX., Weilgasse 1* Gabor Reiner, 18. November 1913, Budapest, ledig, Student, IV-, Favoritenstraße 15. Lola H a mm c r,. 23. Dezember 1907, Wien, ledig, XI-, Simmeriager Hauptstraße 96. Rosa Pollaczek, 6. Oktober 1903, II., Blutnauergasse 23. Dr. Sigismund Luka, 17. Oktober 1894, Chlebowice Wielki, ledig, II-, Vcuedigerau 2. Elisa Wicshofer geb. Krolin, 22- Oktober 1896, Brünn, gerichtlich geschieden, XVII., HasHngergasse 3. Arnold Schottenfeld, 25. Jänner 1909, Wien, 11., Scholzgasse S. Sigismund St ekel, 9. Februar 1891, Bielitz, verheiratet, V,. Brunnenfeldgassc 5. Dr. Felix Li c;h t en s t er n, 4- März 1893, Wien, III., Custozzagasse 6. Emil Reich, 11. September 1909, Zalacgoriczek, ledig, III., Kegelgasse 6. Hedwig J a h o d a, 27. Juni 1873, Wien, verwitwet, 111., Hintere Zollamtsstraßc 8. Senta Kurz, 11. Juni 1906, Baden, ledig, VI-, Tbeoöaldgasse 20. Marie Ordner geb. Beckmann, 17- September 1899, Wien, getrennt, VI., Wallgasse 28. Friedrich Lotz, 1. Juli 1908, ledig, VII., MariaKilfrstraße 103. Kurt Hans Reis, 26. November 1909, Wien, ledig, I., Fichtegasse 2. Otto Ignaz Hornig, 9. Jänner 1899, Wien, ledgi, VI., Theobaldgasse 8. Helene Groß mann, 30. Juni 1900, Wien, verheiratet, VI., Mariahilferstraße 71. Anton H o n s k a, 28. November 1904, Wien, ledig, XVII., Hornekgasse IS. Müritz Glaser, 23. November 1900, Wurmlaa, ledig, VI. Webgasse 2». Frieda Steiner 8- Oktober 1901, Wiener-Neustadt, ledig, Verkäuferin, IX., Althanpiatz 25. Raohele Berger, 18. August 1908, Cieszauow, ledig, XVIII., Antonigassc 50. Margarethe Stricker, 10. November 1900, Wien, gerichtlich geschieden, VI-, Kopernikusgasse 12. LUi Ilott Sz6kelyi, 23. September 1904, Großwardein, ledig, VÄ, Bliudengasse 46. Karl Graf, 12- September 1906, WtNfc XIV., Beckmanngasse 62.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.