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Die Stimme · 1929-03-07 · Heft 62 (7.3.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 62 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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nn CTTIfllP U1B w » Seit« 3 Nr. 32 Di« Itbton Frühjahrsneuheiten fertlggMtelH! Oatall-V.rkauf zu En gro. l*r*lMn LISSIANSKY-SCH UH E Direkt in der Fabrik VII., Kaisers trabe 46 im Stock 44 Die zionistische Palästina- Anleihe Debatte kn britischen Unterhaus — Keine Oarantte der englischen Regierung Aus London wird berichtet: Colonel Wedgwood richtete im Unterhaus an den Koionienminister die Frage, ob die Regierung die Garantie einer Anleihe zu Zwecken der Entwicklung und Besiedlung von Palästina erwäge. Minister Amery erwiderte: Nein, Sir. Im Juni t$28 befaßte sich die Regierung mit einem ihr von der Zionistischen Organisation unterbreiteten Vorschlag, sich mit anderen Regierungen in Verbindung zu setzen, um gemeinsam mit ihnen die Garantie für eine Anleihe zu übernehmen, die die jüdische Ansiecfiung in Palästina fördern solle. Die Zionistische Organisation wurde dahin informiert, daß die Regierung — ohne freilich den Vorschlag als solchen zurückzuwe isen — derzeit dem Plane keine Förderung angedei'hcn lassen könne. Seit damals hat sich die Lage nicht in der Weise geändert, daß eine neuerliche Erwägung des Planes durch die Regierung gerechtfertigt sein würde. Colonel Wedgwood fragte weiter, ob angesichts der Tatsache, daß Sir John Chancellor von Rhodesien nach Palästina versetzt wurde, für die Regierung kein Grund besteht, ihre Ansichten betreffe dieser Frage zu ändern. Amery erwiderte: Siir John Chancellor wird <tie Gesamtlage einer sehr gründlichen Prüfung unterziehen; heute ist er noch nicht in der Lage, eine endgültige Schlußfolgerung zu ziehen. Wedgwood: WHl der Koionienminister die Regierung Palästinas neuerdings ersuchen, ihre Ansichten hierüber mitzuteilen? Amery: Es werden die ganze Zeit Erwägungen über den Gesamtkomplex der Siedlungsfragen angestellt Wedgwood: Die Frage einer solchen Anleihe ist aber für die Siedlung sehr wesentlich. Die jüdische Einwanderung nach Kanada Aus Montreal wird gemeldet: Der kanadische Minister für Einwanderung Robert Foge erklärte einer Delegation der Jüdischen Emigranten-Hilfsgesellschaft, er habe sich entschlossen, Einreisevisa für 2500 jüdische Einwandererpro 1929 außer der bereits bewilligten Verwandteneinwänderung zu gewähren. Die jüdische Einwanderungsgesellschaft wird demnach in diesem Jahre über 2500 Visa für Einwanderer, die in Kanada Familienangehörige besitzen, sowie ferner über 2500 Visa für jüdische Einwanderer, die keine Verwandten in Kanada haben, verfügen. Bedingung ist, daß für jeden neuen Ein- Stammutter des Herzogshauses von Infantado; besonderes Interesse bietet der Name Cuzman, Mit einer Guzman, der Sevillaner Jüdin Dona Leonör, «in Schönheit die hervorragendste Frau, die es ian Königreiche gab», hat Alfons XI. neun Kinder, darunter Enrique und Fadrique von Trastam ara. Die Mutter von Fadriques Sohn Alonso (nach seinem Onkel mit dem Beinamen Enriquez) war ebenfalls Jüdin und lebte in Guadalcanal. Auf den Thron von Kastilien und Aragon gelangt, führen diese beiden Nebenlinien zu Ferdinand und Isabella, dem «katholischen Königspaar», das die Juden aus Spanien vertrieb. Eine heikle Arbeit bedeutet die Feststellung jüdischer Abstammung auf Grund des Typus. Der allgemeine Typus des Spaniers von heute, mit seiner Beimischung von maurischem Blut, ist dem des spanischen Juden ähnlich, ln den Dörfern trifft man tatsächlich auf Gesichtsbildungen, die nicht anders als jüdisch genannt werden können. Die Frauen sind rundlich, haben getragene Bewegungen, weiche Züge, mandelförmige Augen, die melancholisch und verträumt dreinblicken. Dl« Männer heben sich von ihrer Umgebung durch Gesichter von äußerst gütiger, geistreicher Klugheit und durch ein Gehaben von geradezu biblischer Bedächtigkeit ab. Ihnen selbst ist dieser Umstand nicht bewußt. Von den Juden haben sie nicht mehr Ahnung als ihre Umwelt, und wer vor ihnen von ihrer jüdischen Abstammung spräche, den würden sie für verrückt halten. Aber es sind in jenen Ortschaften S i 11 e n zu finden, die sich unschwer vom Judentum herleiten lassen. Da stehen an erster Stelle die G h u e t a s auf Mallorca, über die viel geschrieben worden ist. Wie bekannt, war der bedeutende spanische Staatsmann Maura ein Chueta. Ich persönlich habe oft das große Dorf Bargas in der Provinz Toledo besucht, ja wochenlang dort gewohnt. Abgesehen davon, daß ein großer Teil der Bevölkerung den jüdischen Typ in verblüffende» Welse bewahrt hat, wird die Annahme ihrer Abstammung von Juden durch allerlei Eigenheiten bestätigt. In diesem Dorf sorgen die Frauen für den Lebensunterbali Wanderer ein kanadischer Bürger die Bürgschaft übernimmt, daß er nicht der Oeffentlichkeit zur Last fällt. Meine Dominion-Idee Von Colonel Josiah C. Wedgwood (Mitglied cfcs britischen Unterhauses.) (Aus einem Interview.) In ernenn Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen Tdegraiphen-Agesitur erklärte der bekannte englische Politiker und Aibeiterführer Colone! Josiah Wedgwood, Mitglied des Unterhauses und Vorsitzender der Liga für Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion, n. a. folgendes: Der Traum gewisser arabischer Politiker von einem einigen arabischen Reich wird sich nicht erfüllen. Ein solches Gebilde würde gleich einem Kartenhaus noch vor der Fertigstellung zerfallen. Nie würde es Palästina als einem zivilisierten Lande gestattet werden, ta den Strudel dieser Torheit hineingezogen zu werden und in die Mittelalteriichkeit zciüokznfallen, in der dk: arabischen Länder heute noch leben. Die palästinensischen Araber ziehen den größten Nutzen aus dem Zivilisationsprozeß, den das Land jetzt durchmacht. Die Lage der arabischen Arbeiter in Palästina ist unvergleichlich besser als die in irgendeinem anderen arabischen Lande, Aegypten nicht ausgenommen. Sie genießen den Vorteil besserer Löhne, des k ö mforts und des Unterrichtes in einem Ausmaße, wie sie ihn ohne die jüdische Arbeit nie erreicht haben würden. Es liegt deshalb im ureigensten Interesse der palästinensischen Araber, sich dem Einfluß der Propaganda gewisser aus rein egoistischen Gründen handelnder Politiker zu entziehen und mit den Juden in Freundschaft zu leben. Augenscheinlich tun sie dies schon heute. Die sogenannten Freunde der palästinensischen Araber in England handeln nicht so sehr aus Liebe zu den Arabern, als vielmehr aus Haß zu den Juden! Und überdies ist der Einfluß dieser kleinen Gruppe in England gleich Null. * u Die palästinensische Verwaltung kommt jetzt den. Juden mehr entgegen als früher. Sir John C h a n c e 1- I o r ist meiner Meinung nach entschlossen, die jüdische Landansiedliung zu unterstützen und die jüdische Einwanderung zu erhöhen. Er kennt mein,.Werk «The Seventh Dominion» und steht den in dem Buch ent- , wickelten Ideen zwar kritisch, aber ..in vielem günstig gegenüber. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten Englands, die bisher Palästina und dem Zionismus fernstanden, haben sich der Liga für Umwandlung. Palä- D-ie Männer liegen zwar nun nicht dem Studium, der Lehre ob, aber man sieht sie in geradezu patriarchalischer Weise viele Stunden des Tages zusammensitzen und die Erfordernisse des Tages behandeln. Bei der Wahl des Schwiegersohns sehen die Schwiegereltern sehr wenig auf Geld oder gute Stellung; die Hauptsache ist, daß er einer guten Familie entstammt. In der Mit- Mitgift der Braut ist, neben den Betten und der Bettwäsche, als selbstverständlich eingeschlossen: ein großer und ein kleiner Tisch aus altem Nußbaumholz, Möbel, die auch die Jüdinnen Kastiliens mit in die Ehe brachten. Neben einer Ziernadel und einem Ring, schenkt die Braut dem Bräutigam zwei große gestreifte Halstücher, Stücke, deren Vorbild «Tallis» und «Arba kanfes» sein dürfte. Für sich selbst bringt sie, außer der Alltagskleidung drei Festgewänder für bestimmte Gelegenheiten mit; in eines davon, das völlig unverziert ist, wird sie nach dem Tode eingekleidet. Das Jahresfest dieses Dorfes wird im Herbst gefeiert und fällt merkwürdigerweise unabhängig vom Datum der eigentlichen «Kircbweihe». Ein Madrider Freund jüdischer Altertumswissenschaften behauptet, daß noch im vergangenen Jahrhundert dieses Fest beweglich gewesen und ungefähr gleichzeitig mit dem L a u b h ü 11 e n f e s t begangen worden sei. In Orense, in Teruel, in Trujillo und vielen anderen Ortschaften trifft man auf ähnliche bedeutsame Sitten. Kein Zufall dürfte es sein, daß A n d a 1 u s i e n mit seinen Hauptstädten: Sevilla, Cordoba, Granada Brennpunkte hebräischen Geisteslebens, in seiner Geistesrichtung mit der jüdischen eine tiefe Verwandtschaft aüfweist. Das geistreiche und tiefe talmüdische Gedank*n$piel hat sich in Andalusien als gewaltige Tradition erhalten. Das ganze Entzücken des Sevillaners gilt dem Wortspiel. Auch von der jüdischen Küche ist manches im heutigen Spanien zurückgeblieben. Der Spanier hat beispielsweise eine außerordentliche Vorliebe für das Gericht der «gesetzten Bohnen». Ein Beweis dafür, daß er dieses Gericht von der Jüdistinas in ein britisches Dominion abgeschlossen; es ist zu hoffen, daß mit der Zeit die ftesamte britische Jodenheit in der Liga vereinigt sein wird. Was z. B. dde amerikanischen Juden anbetrifft, so wäre es falsch, zu behaupten, daß sie gegen die Interessen ihres Landes handeln würden, wenn sie die Liga begünstigten. Amerika wird zu einer British . American League mehr Vertrauen haben, als z. B. zum Genfer Völkerbund, der der Macht ermangelt; sein lateinischer Anstrich ist ebenfalls nicht nach amerikanischem Geschmack. Amerikanische und englische Interessen im Nahen Osten könnten nie in Widerstreit miteinander geraten. Obwohl ich nicht glauoe, daß jetzt ein Zweig der Liga in Amerika geschaiffen werden könnte, möchte ich darauf hinweisen, daß meine Idee von Palästina als einem Siebenten Dominion in weitem Masse von den Palästina- Forderungen der amerikanischen Judenheit befruchtet worden ist. Erste Kundgebung der Seventh DominonLiga in London Am 27. Februar hielt die Seventh Dominion Leagtte, die sich zum Ziel gesetzt hat, für die Umwandlung Palästinas in ein (siebentes) britisches Dominion zu wirken, in der Central Hall zu Westminster ihre erste öffentliche Kundgebung ab. Der verhältnismäßig kleine Saal war überfüllt, die große Mehrheit der Versammlungsteilnehmer bestand aus Juden, die Zahl der Nichfjuden war nicht sehr hoch. Das Mitglied des Unterhauses, Sir Martin C o nwa y, der den Vorsitz führte, betonte, daß die Versammlung sowohl das britische als auch das zionistische Interesse im Auge habe. Palästina sei ein Glied zwischen Ost und West; seine Bevölkerung sei nie völlig orientalisch gewesen. Die Ansiedlung von Juden i'H Palästina werde die Route vom Levantmischen Meer zum Persischen Golf sichern. Er hoffe, daß sich die jüdische Siedlung auch a u f Trans jo rdanien und den Irak ausdeh.nen werde*Die Dominion-Bewegung sei nicht araberfelnd- 1 i c h,im Gegenteil, sie hoffe auf die Unterstützung der Araber, v . Es sprachen noch Colonel Josiah W e d g w Q o & Oberst Ken w o r th y, Joseph G o w e tt und Robert. Hamilton. Joseph C o w e n sprach die Befürchtung, aus, daß durch die Dominion-Frage die Zionisten a n de rer L ä n d e r i n e i n e s ch w ie rige Position geraten könnten. Kenworthy erwiderte, die amerikanischen Juden und die Juden anderer Länder, die ja Großbritannien als Mandatar Palästinas anerkennen, müßten sich den Notwendigkeiten, die sich, auf dem Wege zur Erreichung des Zieles ergeben, nicht verschließen. sehen Speisekarte genommen hat, ist die Tatsache, daß Bohnen auf Spanisch: «Judias» heißen, das ist: «Jüdinnen». Erstaunlich ist d!e Abneigung des Spaniers gegen Schweinefleisch. Es gilt als eine verächtliche, geringwertige Fleischsorte. In dem' ehemals jüdischen Ort Yepes kennt man eine Backiware aus Mandelbiskuit «Melindres», die auch von den Sephardim im Orient hergestellt wird, und diese versichern, daß diese Leckereien zu den Feiertagen von ihren Vorfahren augefertigt wurden. Uebrigens hat sich auch in jenen Dörfern der Aufwärmeofen für die Sabbathspeisen erhalten. Von allen Schätzen, die die Juden in Spanien besaßen, blieb die M e 1 o d i e n - R h y t h m i k, auf der. sich die alte Synagogenmusik aufbaut, als einzige unangetastet. Das was den alten jüdischen Melodien in Spanien entspricht, ist der «C a n t e Flamenco» oder, wie er mit seinem ursprünglichen Namen heißt: «Cante Jondo». Ueber die Bedeutung des Wortes «Cante Flamenco» ist viel gestritten worden; die modernste Erklärung sagt, daß diese Musik von den spanischen Marranen mit dem Decknamen «Flämischer Gesang» belegt worden sei, um damit jene Melodien zu bezeichnen, die ihr$ nach Holland ausgewanderten Brüder offen singen durften. Für den Ausdruck «Cante Jondo» scheint mir die Auslegung die treffende, die die Worte als eine Verstümmelung von «Cante Jomtov» (Festtagsgesang) nimmt. Das Erlebnis für den ausländischen Juden, der zum ersten Male in Spanien «Flamenco»' hört, ist ungeheuerlich. Er hört den Kantor seiner Synagoge und sieht . . . einen spanischen Arbeiter. Es gibt nichts Aufwühlenderes für das Gemüt des Juden, als den Tränenreigen des «Cante Jondo». Seine Melodie muß die der Israeliten bei ihren Klagegesängen nach der Zerstörung des Tempels gewesen sein, wie sie die des jungen Spaniers ist, wenn er sieb, unbewußt nach der Liebe seiner erniedrigten und verstoßenen hebräischen Schwester sehnt..

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