Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 62 (7.3.1929)
- Date
- 1929-03-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite Z OIE STIMME Nr. eS €afi Produktenbörse Wien,ll.,Taborstraße10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behaglioh durchwtrmtt Rauch* und dunstfrelt Ausgesslohnet ventiliert! Am Abend: Treffpunkt dar JOdlaohen Intel Igsns und der Zionisten aller RIohiungen sowie der JOdisoh-akademleohen Korporationen und Vereine Achtung I Zwei Prozent der gesamten Abendlosung werden allmonatlloh dem Keren Hajessod abgeführt zionistischen Weltbewegung zu bleiben haben. Je mehr es uns in enger Zusammenarbeit für Palästina gelingen wird, unsere Mitarbeiter aus dem anderen Lager zionistisch zu beeinflussen, desto besser — aber gerade dazu sowie überhaupt darum, weil wir es mit neuen Partnern zu tun bekommen, muß nicht Liquidierung der zionistischen Idee oder der zionistischen Institutionen die Parole werden, sondern umgekehrt: Vertiefung unserer Ideologie und Erhöhung unserer inneren organisatorischen Geschlossenheit Indessen hat innerhalb der verschiedenen nichtzionistischen Vereinigungen in den einzelnen Ländern die Diskussion über die Frage der Teilnahme an der Jewish Agency eingesetzt und während sich bereits bei wichtigen Körperschaften die Geneigtheit zeigt, in die Agency einzutreten, sind es die «liberalejüdischen Vereinigungen in England und Deutschland, die bisher diese Bereitschaft missen lassen. Dieses liberale Judentum ist ein geistiges Produkt der Assimilationsepoche; es stellt den Versuch dar, unter dem nicht immer bewußten Einfluß des liberalen Protestantismus ein jüdisches Gedankengebäude von nur-religiösem Charakter bei Ablehnung eines bindenden Zeremonialgesetzes zu konstruieren und das Judentum von seinen historischen und volklichen Wurzeln loszulösen, an die Stelle des jüdischen Gemeinschaftsgedankens, dieser unserer stärksten geschichtlichen Bindung, das dünne Gewebe einer blassen, blutleeren Ideenreligion zu setzen. Diesem religiösen Liberalismus bedeutet jüdische Geschichte nichts Lebendiges, die Verknüpfung des Judentums mit seinem Lande lediglich ein Stück Archäologie und die Frage nach der Zukunft des Judentums ist für diese Auffassung zu einer Frage nach der Erhaltung von ein paar theologischen Lehrsätzen zusammengeschrumpft, ein jüdisches Kulturproblem kennt sie nicht, weil es nach ihrer Meinung eine eigene jüdische Kultur nicht gibt und nicht zu Die Ueberreste des judentums in Spanien Von Medina Asara- Im Jahre 1492, unter Ferdinand und Isabella, wurden die Juden aus Spanien ausgestoßen. Die Juden, das heißt: diejenigen Anhänger des Judentums, die ihren Glauben nicht öffentlich abschwören wollten. Es blieben aber «Judalsferende» im Lande, die, unter dem Deckmantel des Katholizismus, die jüdische Sache förderten und die Gebote des alten Glaubens erfüllten. Unter ihnen räumte in den folgenden Jahrhunderten erbarmungslos die Inquisition auf. Trotz der systematischen Ausrottung scheint es aber nooh bis zum Ende des 17. Jahrhunderts geheime Anhänger des Judentums m Spanier gegeben zu haben. Und zwar vorzugsweise in den Klöstern unter den Mönchen, auf die naturgemäß am wenigsten der Verdacht des «Judaisierens» fiel. Bei dem Autodafe, das 1080 zur «Feier» der Vermählung Karls II. mit der Nichte Ludwigs XIV„ Maria Luise von Orleans, in Madrid veranstaltet wurde, fanden noch 18 Juden aus den Inquisitionskerkern von Toledo und anderen Orten den Tod auf dem Scheiterhaufen. Und Dubnow erzählt von dem Wilnae'r Arzt Aaron Qord o n, der um die Jahrhundertwende schiffbrüchig nach Cadiz verschlagen wurde und dort, am Rüsttag zu Pessach, einen Granden von Spanien in seiner Karosse zu Markte fahren sah, wo sein Diener an einem Gemüsestand den «Maror» einkaufte. Als Gordon den Spanier in seinem Palast aufsuchte, leugnete dieser anfangs entschieden seine Zugehörigkeit zum Judentum; erst nachdem er sich von Gordons friedlicher Absicht überzeugt hatte, führte er den Arzt in einen geheimen Keller, wo aln prächtig hergerichteter Sedertisch stand , . . Ein englischer Reisender will sogar noch um 1730 «Marranen» in Toledo gefunden haben; aber diese Nachricht ist unverbürgt geblieben. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts reißt jedenfalls der dünn gewordene Faden jüdischen Lebens auf spanischem Boden völlig ab. Die katholische Kirche sorgte dafür, daß im Geist ihrer Schützlinge keine Erinnerung mehr an die Anhängtbtn hat. Von der westeuropäischen Aufklärung eeinflußt, hatte diese Strömung ein gewissermaßen denaturiertes Judentum zum Ziele, ein Reformkompromiß, bei dem nicht der jüdische, sondern der nichtjüdische Faktor bestimmend war. So versteht man die Stellungnahme des Vorstandes der deutschen Vereinigung für das liberale Judentum, dessen Resolution wir an anderer Stelle veröffentlichen und ähnlich klingende Aeußerungen von liberaler Seite, wie man sie bereits früher 2ur Kentnis genommen hat. Aber will man der Wahrheit die Ehre geben, so ist zu sagen, daß auch innerhalb des jüdischen Liberalismus seit Jahr und Tag eine Revision der Anschauungen eingesetzt hat, und es gibt in jenem Lager geistig wertvolle Kräfte, welchen jüdischer Liberalismus einen Gegensatz mr religiösen Orthodoxie bedeutet, aber nichts anderes, und welche mit aller Deutlichkeit den historischen Gemeinschaftscharakter des Judentums hervorheben. Wenn liberales Judentum eine Zukunft haben soll, so kann sie nur dann zu erwarten sein, wenn diese positive Richtung sich durchsetzt und es will uns scheinen, daß sie auf dem allerdings langsamen W*ge dazu ist. In den Vorstehungen mag man noch nichts davon merken, aber das ist kein Beweis, höchstens einer für die Kraft des Trägheitsgesetzes. Die ablehnende Haltung gewisser, keineswegs führender Gruppen zur Agency-Frage ist eine kennzeichnende Erscheinung und verdient darum als Symptom eine gewisse Beachtung. Die aJljüdische Jewish Agency ist, richtig verstanden, eine große und neue Konzeption, und man muß nicht erwarten, daß sie sich sogleich restlos verwirkliche. Aber schon heute kann man beobachten, daß allen positiv gerichteten Kräften im Judentum, die nunmehr vor ein «Schibboleth» gestellt werden, keine andere Waid bleibt, als den Weg mitzugehen, den der Zionismus gebahnt hat. I w r i. Die Verewigung für dtas liberale Judentum lehnt ab Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland hat in seiner am 24. Februar stattgefundenen Sitzung folgende Resolution angenommen: Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. billigt die vom Arbeitsausschuß in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency bisher unternommenen Schritte. Er lehnt eine Beteiligung der Vereinigung für das liberale Judentum an der Jewish Agency ab. Für die Stellungnahme der Vereinigung für das liberale Judentum zur Jewish Agency sind folgende Erwägungen entscheidend: 1. Nach den Bestimmungen des Paflästmamandates ist es Zweck der Jewish Agency, Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung des jüdischen nationalen Heimes. Im Palästinamandat ist ausdrücklich bestimmt, daß durch die «Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina* «die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und die Grundlage Wir die Wiedererrichtung seines nationalen Heimes in diesem Lande anerkannt sind*. ger aer aiten Lehre blieb, und das spanische Volk von heute hat phantastische Vorstellungen von dem, was ein Jude ist. Dennoch konnten die Spuren des Judentums in Spanien nicht verwischt werden. Die spanischen Juden waren ein intelligentes, gebildetes, fleißiges, körperlich schönes Volk, ein Volk von hoher Kultur. Kraftvoll war der Einfluß dieser Kultur auf die durch Kriege geschwächte des christlichen Spaniens. Wissenschaft, Handel und Industrie wurden vorzugsweise von Juden betrieben, ihr Reichtum war der Glänz der spanischen Höfe .. . Dieser Reichtum, der wohl die Schuld an dem bilieren Schicksal trug, das ihnen bereitet wurde, ist in alle Winde zerstreut. Aber die Stätten, an denen er erworben wurde, werden ewig mit dem Andenken an di* Juden verbunden bleiben. Da sind ln erster Linie: Toleao, Cordoba, Tortosa, Elvira, Adra, Merlda, die man bereits fünf Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung als jüdische Siedlungen ansprechen darf und die jüdische Bevölkerung beherbergt haben mögen. Da Ist die lange Reiht von Ortschaften, deren Namen von denen biblischer Orte abgenommen sind und die fast.ausschließlich von Juden bewohnt wurden. Manche Städte verweisen in ihrer Namensbedeutung ausdrücklich auf die jüdische Bevölkerung; so: C a 1 a t a y u d, was Burg der Judeu heißt. Bleiben die Orte, die uns als Hochburg jüdischer Wissenschaften und Sitze bedeutender Gemeinden bekannt sind: Sevilla, Granada, Lucena, Barcelona. ln allen diesen Orten haben sich architektonische Reste aus der jüdischen Epoche erhalten. T o l e d o hat drei alte Synagogen: eine aus dem 12., eine aus dem 14., eine (unterirdische) aus dem 16. Jahrhundert. Die Synagoge von C o r d o b a ist weniger gut erhalten, aber die Anlage des Bauwerks läßt sich deutlich erkennen. Die jüdischen Gotteshäuser von Sevilla und anderen Städten sind teilweise zu Kirchen umgebaut worden; aber die ursprüngliche Gestalt Ist unschwer au* den Anbauten herauszuschälen. Außer den Synagogen smd manche jüdische Gassen stehen geblieben mit Gebäuden, in denen Persönlichkeiten der spanisch-jüdischen Geschichte wohnten. In Cordoba sieht man die Häuser von M a i m o n i d e s und Samuel L e v i. In Der Vorstand betont gegenüber der in diesen Formulierungen niedergelegten Auffassung wiederholt, daß die Vereinigung für das liberale Judentum im Judentum eine religiöse Gemeinschaft sieht, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören. 2. Hieraus folgt, daß dem Land Palästina in der Zukunftsgestaltung des Judentums nach Hberater Auffassung keine Sonderstellung eingeräumt werden kann. Die Palästinasiedlung kann einen Teil der zur Behebung der Judennot erforderlichen Maßnahmen bilden; sie muß sich jedoch dem kolonisatorischen Gesamtplan einordnen. 3. Die Besiedlung eines Landes kann In der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden. Eine Besiedlung Palästinas darf in der Gegenwart nur Im Einvernehmen mit der Bevölkerung des Landes durch geführt werden. Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum muß es der Zinnfischen Organisation überlassen, die zurzeit bstehenden Hindernisse für die Mitarbeit der Vereinigung zu bärtigen. Er f überzeugt, der Befriedung des Judentums am besten zu dienen, wenn er unter den jetzigen Umständen die Zionisten den von Urnen beschrittenen Weg allein gehen läßt DJe Jewish Agency und die Österreich!* sehen Juden Die 1. T. A. verbreitet ein Wiener Meldung, welche über die Vertretung der nichtzionistischen Juden Oesterreichs >n der jewish Agency Angaben enthält und auch Namen nennt. Wir sind vom Komitee, das die Zionistische F.xekutivp für die Erweiterung der Jewish Agency ebenso wie in allen anderen Ländern auch in Oesterreich eingesetzt hat, zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Angaben der I. T. A. vollständig ans der Luft gegriffen 'sind. Die Kommission hat sich bisher mit Personenfragen überhaupt nicht beschäftigt; auch der Modus, wie die nichtzionistischen Vertreter der österie:chischen Juden in der Jewish Agency gewählt werden sollen, stehi noch nicht fest; wahrscheinlich dürften, wie in den anderen Ländern, die Kultusgemeinde bezw. ihre Verbände diese Wahl durchführen; die Personen, die auf diese Weise gewählt werden, können selbstverständlich heute noch nicht bekannt sein. Nahum Sokolow iti Amerika eingeiroffen Aus New York wird gemeldet: Der Präsident der Zionistischen Weltexekutive Nahum Sokolow Ist tfi New York eingetroffen, um an der Kampagne fifr'den diesjährigen United Palestlne Appeal in den Vereinigten Staaten, dem wegen der Beteiligung der nichtzionistischen Kreise eine besondere Bedeutung beizumessen ist, führend teilzunehmen. Nach seiner Ankunft erklärte Herr Sokolow den Vertretern der Presse: Die amerikanischen Juden, die als die ersten sich der Jewish Agency angeschlossen haben, haben sich durch diesen Schritt eine führende Position innerhalb der Weltj u d e n h e i t erworben. Sevilla hat ein Teil des jüdischen Stadtviertels seinen Charakter ungemein treu bewahrt. Fast unangetastet steht das Haus des Suson und der schönen Suscna. In Toledo blieben mehrere Wohnhäuser und Paläste aus dem Judenvisrtel unzerstört; es haben sich Keiler jüdischer Metzgereien erhalten. In Teru el wurde erst vor zwei Jahren ein jüdischer Friedhof ausgegraben. Die archäologischen Museen von Madrid, Gerona und Toledo bewahren mehrere Grabsteine mit hebräischen Inschriften. Selbst in der Tradition der katholischen Landbevölkerung haben sich Erinnerungen an die Juden zu bewahren gewußt. In vielen kleinen Städten und Dörfern, in denen es nachweisbar jüdische Gemeinden gab und ln denen besonders alte Häuser Eigennamen führen, finden wir Bezeichnungen wie: «Das Haus der jüdischen Königin», des «weisen Hebräers», der «schönen Jüdin». So zeigt man In T r u j U1 o, einer einst reichen und prunkvollen Stadt, heute ein Dorf, ein herrliches Gebäude als: «Palast des Rabbi» und tiv unansehnliches Bauwerk als: «Judeaschule». Diese Sehenswürdigkeiten werden dem Besucher ohne besondere Anteilnahme gezeigt. Kein Spanier — mit Ausnahme einiger junger Intellektuellen, die ein modisches Vergnügen darin finden, ihre jüdische Abstammung nachzuweisen — denkt daran, daß jüdisches Blut ln seinen Adern fließen könnte. Wenn man dagegen bedenkt, wie viele große jüdische Familienzweige Im Mittelalter zum Christentum übertraten und sich weiterhin untereinander fortpflanzten, und wieviele Ortschaften vorwiegend jüdischer Bevölkerung im Jahre 1492 geschlossen die Taufe nahmen und sich in der Zukunft sehr wenig vermischten, so wird man erkennen, daß in Spanien — wenn auch die jüdische Religionspflege — so doch keineswegs das jüdische Blut ausgestorben ist. Das Mosaikbild spanischer Familiennamen Ist durchsetzt von Teilchen jüdischen Ursprungs. Viele der Namen, die heute vom höchsten spanischen Ade! getragen werden, finden sich unter den Sephardim in Holland und im Orient. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen: Die Benjumeas sind Granden von Spanien; eine Piment el ist die