Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 61 (28.2.1929)
- Date
- 1929-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 01 DIE STIMME Interessante Palästina-Besucher Der Präsident der Zionistische« Weltorganisation Professor Werzmann hat Herrn und Frau Fefix M. Warburg eingeladen, in den kommenden Pessacb-Tagen Palästina zu besuchen. Das Ehepaar Warburg wird der Einladung Folge leisten und anfangs März an Bord geben, um zuerst Spanien und Italien, dann Palästina zu besuchen. Ihr Eintreffen in Palästina Ist für den 16. April an gekündigt Auch Dr. Cyrus Adler, der bekannte amerikanisch-jüdische Gelehrte, Präsident des Jewish TJieological Seminary of America und des Dnopsie College, wind mit Frau und Tochter auf Einladung Dr. Weizmaons in den Pe&saoh-Tagen in Palästina werten. Dr. Weidmann hat ferner den europäische« Direktor des American Joint Distribution Committee, Herrn Dr. Bernhard Kahn, und Gattin zu-m Besuch Palästinas eingeladen. Das Ehepaar Dr. Kahn tritt Ende März die Reise an und wird anfangs April in Palästina ein troffen. Bekanntlich haben Baron Edmond de Rothschild, der «Vater» der jüdischen Kolonisation in Palästina, und sein Sohn James de Rothschild ihren Besuch in Palästina für die Pessaohzeit amgckündigt. In der gleichen Zeit soll auch der greise amerikanische jüdische Philanthrop Nathan Straus im Zusammenhang mit der Eröffnung des von ihm gestifteten Gesundhd tshauses m Palästina ein treffen. Noch in der ersten Hälfte März wird der Administrator (Gouverneur) von Transvaal Mr. C. Hofmeyer mit seiner Mutter nach Palästina kommen und sich mehrere Tage Im Lande amfhalten. Mr. Hofmeyer ist der Verfasser der bekannten südafrikanischen Deklaration zu Gunsten des Zionismus, die von den bedeutendste« Persönlichkeiten des wissenschaftlichen und politischen Lebens ln Südafrika unterzeichnet war. Mr. Hofmeyer, der auch em naher Freund des britischen Staatssekretärs für die Kolonien, Amery, ist, wird seinen Aufenthalt kn Lande dazu benutzen, das jüdische Aufbauwerk kenenzulernen. Für einen Ginstein-Wald in Palästina Die zionistische Vereinigung für Deutschland veröffentlicht einen Aufruf zur Anlegung eines Einstein-Waldes in Palästina aus Anlaß des 50. Geburtstages des großen Gelehrten am 14. März 1929. Der Aufruf lautet: «Die zionistische Bewegung ist stolz darauf, Albert Einstein unter ihren Mitkämpfern zai wissen. Einstein hat durch den Zionismus den Weg zum jüdischen Volke gefunden. Den größten Teil seines Lebens hat er ohne Kenntnis der Judentfrage verbracht; er stand außerhalb unserer Probleme und Sorgen. Sein menschliches Empfinden führte ihn zu seinem Volke, als Vertreter des Zionismus im Namen des nationalen Judentums auf seine Mitartbeit Ansprüche erhoben. Wir Zionisten, die wir Einstein persönlich verbunden sind, lieben und verehren den großen, tapferen, treuen und sohliohten Menschen. Weil er echt ist, konnte er konfliktlos den Anschluß an die jüdische Volksbewegung finden. In der Persönlichkeit von Einstein findet unsere Bewegung eine erneute menschliche Bestätigung. Wenn wir Zionisten anläßlich seines 50. Geburtstages ihm danken und unserer Dankbarkeit einen sichtbaren Ausdruck verleihen, so fühlen wir uns gleichzeitig gestärkt in unserem Vertrauen zur Idee, der heute und immer die KralFt innewohnt, die besten Söhne des jüdischen Volkes,hi ihren Bann zu schlagen. ■ Professor Einstein hat persönliche Geschenke zu seinem Geburtstag ab gelehnt Aber es bat ihn gefreut, daß wir beschlossen haben, ihm als Ehrengabe einen Einstein- Wald in Palästina zu pflanzen. Wir hoffen, daß säe Zionisten freudig die Gelegenheit ergreifen werden, Bäume für den Einstein-Wald zu stiften und so den Namen Einsteins für äße Zeiten mit einem der Kultur wiedergewonnenen Stück Bodens in Erez Israel zu verbinden.» Miszellen Die Kercn-Hajcffod-Eingängc im Jänner. Im Verlauf des Jänner 1929 find beim Hauptbureau des Keren Hajcffod in Jcrufalem an Spenden 30.990 Pfund eingegangen. (Ira Dezember v. J. waren 34.100 Pfund eingegangen. Im November betrugen die Eingänge 27.68a, im Oktober 21.661, ira September 31.239, im Auguß 16.372 Pfund. In den vorangegangenen Monaten des Jahres 1928 betrug der Mon&AIurch{d*nitt der Eingänge rund 40.000 Pfund. — Die Red.) * Das Budget der Palaftina-Regicrung. Die PaläftimvRcgicrung veröffentlicht foeben ihr Budget für das Jahr 1929. Der Gefamtvoranfchlag enthält u. a. folgende Pollen: 103.000 Pfund für das Gefundheitswcfen, 144.000 Pfund für öffentlichen Unterrkht, 69.000 Pfund für die Förderung der Landwirtfchaft, 368.000 Pfund für Polizei und Gefängniswefen, 145.000 Pfund zur Erhaltung der transjordanifdien Grenztruppe, 31.000 Pfund zur Erhaltung anderer Verteidigungsformationen, 182.000 Pfund zur Durchführung der ordentlichen öffentlichen Arbeiten, 32 8.0 00 Pfund zur Durchführung de» außerordentlichen öffentlichen Arbeiten, »ao.ooo Pfund zur Zahlung der öffentlichen Schuld. * Die Melle in Tcl-Aviv. Die Abteilung für Ucberfce-Handel (er britifdien Regierung weiß in einer Bekanntmachung bezüglich llcr 4. Paläßina-undOrientmeffe, die im April d. J. fa Tcl-Aviv ßattfindet, darauf hin, daß deutfehe, italienifche and ruraönifche Firmen ein großes Interelle für die Melle an den Tag legen und daß die Schiffahrtsgefellfdnfccn Lloyd rrießino, Deut!die Levante-Linie und der Rumänifchc See- Dienß eine Verbilligung der Paßagier- und Frachttarife um bk jo°/o »n Meßcbeluchcr gewähren. Ferner wird die Ienglifche Indußrie aufgefordert, (ich an der diesjährigen Melle entfprediend zu beteiligen. — Die Paläßioa-Regierung hat dem britifchen Luftverkehrsamt vorgefchlagcn, im Monat April die Orient-Luftvtrkehrsf ahrzeuge in Tel-Aviv landen zu lallen, damit die Meffe-Befucher Gelegenheit erhalten, Tel-Aviv auch auf dem Luftwege zu erreichen. * Frankreichs angebliche Tote-Meer-Konzeffion. Die franzöfifche Regierung bcharrt, wie „Morning Poß" mitteilt, auf der von England wiederholt beßrittenen G ül t i g k e i t der Konzeffion für die Ausbeutung der Mineralfchätzc des Toten Meeres, die die türkifche Regierung im Jahre 1910 einer Gruppe Franzofen erteilt haben foll, und fdilägt vor, die Angelegenheit dem Internationalen Gerichtshof im Haag zur Entfcheidung vorzulegen. * Der oltefte j&difchc Kolonllationsverein, der Berliner Verein „Efra" (Verein zur Unterßützung Ackerbau treibender Juden in Paläßina und Syrien), hat nach Ucberwindung der fchweren Kriegs- und Inflationsjahre feine Tätigkeit wieder aufgenommen. An der Spitze des Vereines ßehc Herr Siegfried Hirfch aus der Firma Hirfdi-Kupfcr. Der „Efra" will eine Plattform für alle Paläßina-InterclTen fein. * In Tel-Aviv traf Oberß Patterfon ein, der im Weltkriege die jüdifebe Legion, die in Galipoli auf der Seite der Engländer kämpfte, befehligte. Ihm zu Ehren veranßaltctc der Stadtrat von Tel-Aviv einen Empfang im Stadthaufe. * Die Gefcllfchaften „T e 1 C h a f* und „S e ch u t c n u“ find in diefen Tagen in London amtlich regiftriert worden. Ziel der Gefcllfchaft „Sechutenu" (Unfer Recht) iß es, die R e ch t e und InterelTen der jüdifchen Bevölkerung in Paläßina wahrzunehmen. Die Gcfellfchaft „Tel Chaj“ hat das Ziel, die jüdifche Sportbewegung zu fördern, Sportklubs in der ganzen Welt zu begründen, Propaganda für verfchiedene Sportzweige und für die allgemeine phyfifche Ertüchtigung der jüdifchen Jugend zu betreiben fowie cfic jätfif&e JMgead för die Arbeit in der Landwirtfchaft votaubertsten. L eb eiMlängliche Mitglieder der fiebengliedrigen Exekutiv-« find u. a.: Wladimir J a b o t i n sk y, Oberft Pu t tee f o«, Mdr G r o ß m a n n. * Paläßina ift von einer neuen Heufdtreckeninrvafion bedroht. Aus Transjordanien find einige Schwärme über B#erfcheba in den äußerften Süden Paläftinas eingedrungen, die (ich in die Richtung nach Hebron bewegen. Anhaltender Regen, der cfic Wege überflutet, geftaltet die Abwehrarbeit fdiwierig. * Wie durch die Untcrfudiung feßgeftellt wurde, iß der Nachtwächter der jüdifdien Kolonie Rechowoth, Jofeph Nincw i t f ch, der crfchollen aufgefunden wurde, nicht einem Morde, fondern einem tötlichcn Unfall zum Opfer gefallen. Die tötliche Kugel ßammtc aus feinem eigenen Revolver, der fich anfeheinend durch ein Vcrfehen entlud. * Das deutfdie Komitee Pro-Paläßina veranßaltet am 28. Februar zum crßenmal eine Kundgebung in Leipzig. Den Vorfitz wird Präfidcnt Graf Bernßorff führen; Anfprachcn werden u. a. Regicrungsprsfidcnt Dr. Haußmann (Stralfund), Kreishauptmann Buck (Dresden), Prof. Dr. Wiedcnfcld (Leipzig halten. * Wie das britifchc Kolonialamt mitteilt, find gegenwärtig in den drei Städten Jerufalem, Jaffa, Haifa rund 14.000 jüdifche Arbeiter befchäftigt und nur 1500 Juden arbeitslos. #■ Alle fechzclin von der Bevölkerung zu wählenden Mitglieder des transjordanifchen Gefetzgebcnden Rates (Legislative Council), unter ihnen zwei Beduinen, find bereits gewählt worden. Der Gcfetzgebcnde Rat wird nach dem Ramadan-Fcß zufammentreten. Bis dahin werden die Regicrungsvertreter für das transjordanifche Parlament ernannt worden fein. WISSEN / KUNST / zmssssmsm. Das Erwachen der Filmindustrie in Palästina Ein Gespräch mit J. Ben-Dow. Von Max HaspeL Filmindustrie in Palästina? Was wußten wir bisher von ihr? Nicht allzu viel. Es kamen wohl hie und da sogenannte Kultur- und Reisefilme zu uns, Filme, die fast immer auf ihrer propagandistischen Idee basierten, die mehr oder weniger gute Aufnahmen vom Aufbau, von der Entwicklung unserer alten Heimat Wiedergaben. Diese Filme waren jedoch hei ihrer Verwertung im kommerziellen Sinne fast ausschließlich für jüdisch-zionistische Kreise berechnet. Filme, die man in normalen Abendvorstellungen auch vor nichtzionistischem Publikum hätte vorführen können, bekam man bisher nicht zu sehen, aus dem einfachen Grunde, weil — sie nicht hergestellt wurden. Nun hat es sich ein palästinensischer Regisseur, J. Ben-Dow, zum Ziel gesetzt, eine Filmproduktion nicht nur in Palästina, sondern auch in Arabien zu schaffen. Herr Ben-Dow beabsichtigt, nicht nur in tendenziösen Aufhaufilmen für Palästina und Arabien überhaupt zu werben, sondern er will vorläufig, und dies ist auch gleichzeitig das Produktionsprogramm seiner zu diesem Behufe gegründeten Filmgesellschaft, der „The Orient Reel Corp“, zehn Kurzfilme zu je ein oder zwei Akten herstellen, die das Land, die Sitten und Gebräuche seiner Einwohner zeigen sollen und auch, was ja der springende Punkt ist, in Europa als Vorprogramm zu einem Großfilm gezeigt und dadurch auch den anderen Kreisen zugänglich gemacht werden. Regisser Ben-Dow will aber noch weiter gehen: Diese Kurzfilme sollen ihm nur Bahnbrecher sein für eine Idee, die sich durch ihre Originalität auszeichnet und bei der ihm der berühmte Bibelmaler Abel P a n n Helfer und künstlerischer Oberleiter sein soll. Er will Teile aus der Bibel verfilmen, und zwar an den historischen Orten, an denen sie sich zugetragen. Er will z. B. die Geschichte der drei Erzväter Abraham, Isaak und Jakob nochmals bildhaft gestalten. Abel Pann will die Darsteller aus der Masse nehmen, er beabsichtigt, die Typen herauszugreifen, die zu solcher Wiedergabe notwendig sind, er wird die Schauplätze bestimmen usw. Diesem großen Programm stellen sich natürlich gewaltige Hindernisse entgegen und bisher hat noch jeder Regisseur daran verzweifelt und resigniert. Nicht so Herr Ben-Dow; er will der Filmproduktion in Palästina und Arabien eine freie Bahn schaffen und ich bin überzeugt, er wird es auch durchsetzen. Herr Ben-Dow ist nach Europa gekommen, um hier an die Verwirklichung seiner Pläne zu schreiten. Er weilt gegenwärtig in Wien, um hier die Verhältnisse zu studieren, und fahrt von da nach Berlin. Er will auch Verbindungen suchen, um einem eventuellen späteren Verkauf seiner Filme vorzuarbeiten. Ben-Dow hat schon viele sogenannte Kultur- und Reisefilme hergestellt, ist also kein Neuling auf diesem Gebiete. Er war bisher noch sein eigener Kameramann. Er zeigt mir Photographien von Gebäuden aus Jerusalem, von alten biblisch geschichtlichen Orten,1 die wahre Kunstwerke sind. E« ist oki ne-mi'srarec Arbeitsfeld, dos sich Ilcir Ben-Dow hui: hoffen wir, daß o> £Cin Ziel recht bald erreicht... Theater bei den buehariscit&i Juden Ueber die Theater der buoharischen Juden berichtet Boris Pestowskij in dem in Moskau erscheinenden dreisprachigen «Wochenbericht der Gesellschaft für kalturelle Verbindung der Sowjetunion mit dem Auslände»-' «Die tracharischen Juden, oder wie sie sich jetzt nennen, die eingeborenen Juden, leiben zumeist in den Städten und beschäftigen sich vorwiegend mit dein Handwerfe, teilweise auch mit dem Handel. Ihre Ansiedhing in Mittelasien soll der Ueberlleferumg nach noch zu Zeiten des Perserkönags Darias erfolgt sein. Wie bei dcn Muselmanen war auch bei den hncÜarischen Juden die -Theaterkunst verpönt. Erst die durch die Revolution nach Turtkestan gelangte europäische Kultur hat die Theateriflunst bei ihnen zum Leben erweckt Ia Taschkent und in einigen anderen Städten Usbekistans finden jetzt häufig mehr oder wenige Liebhaberaufführungen in hobrälsch-pharsiseher, oder richtiger gesagt, bebräi'sch-tadshiikischer Sprache statt* Der Verfasser dieser Zeilen sah das Mysterium «Der schöne Josef» in hebräisch-tadshikischer Sprache. Da dio bucharischen Juden «und Jüdinnen noch bis jetzt ihren orientalischen, vielleicht sogar al (hebräischen Typ beibehalten habe«, ward der europäische Zuschauer unfreiwillig sofort ln die bäbKsche Welt versetzt. Die Dekorationen waren -— Himmel urad Ende. Viele Stellen des Stückes wunden jkou Musik begleitet. '! I Größere Popularität besitzen jetzt drei DraanalSicr^ die in hebräisch-tadshikischer Sprache* schreiben; cs sind dies Rafael Awes0w aus Kokand, Faradsh e w aus Nimangan und Jachiel Akylow aus Taschkent Rafael Awesow schrieb das Schauspiel «Die Macht der Finster-. nis>, worin er gegen die Unwissenheit and das Krämertuan, die die bucharischen Juden bedrücken, ankämpft. Faradsbew hat zwei Schauspiele geschrieben: «Die Macht der Eltern über die Tochter» und «Die Macht der Po&zei». Im ersten Schauspiel schildert der Autor die grausamen patriarchalischen Sitten, durch die die bucharischen Juden bedrückt werden; in der Handlung begeht eine junge Jüdin, die wider ihren Willen von ihrem Vater verheiratet wird, Selbstmord. «Die Macht der Polizei» schildert das Lebe« der Juden unter dem zaristischen Regime. Das Schauspiel des jüngsten Dramaturgen Jachiel Akylow (1900 geboren) trägt den Titel «Der Schwiegervater», und behandelt die Befreiung der Frau. Neben diesen Originalwerken in hcbräisdi-taicbhätlscher Sprache werden auch Uebersetzuugea «ns