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Die Stimme · 1929-02-28 · Heft 61 (28.2.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 61 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 61 DIE STIMME Sette 7 Das „preisgegebene“ allgemeine Kultuswahlrecht Ans einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz. Die Nachricht der unionistischen Zeitschrift «Die Wahrheit», die auch von dem Blatte der demokratischen Zionisten W!ens ausgeschrotet wurde, wonach die zionistischen Mandatare die programmatische Forderung nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes zurückgestellt hätten, um eine Einigung mit der «Union» zu erzielen, entspricht durchaus nicht den Tatsachen. Gerade das Gegenteil ist richtig. Die «Union» mußte sich vielmehr der energischen Forderung der Zionisten und der mit ihr in dieser Frage konform v'orgehenden anderen oppositionellen Gruppen fügen und der sofortigenEinsetzungeinesWahlrechts-und Statute nänderungsausschusse zustimmen. Wir haben uns mit dieser Lösung einverstanden erklärt, weil es selbstverständlich ist, daß die Wahlreform nicht im Wege einer spontan zu beschliessenden Resolution im Plenum durchgeführt werden kann, sondern, daß alle mit der Aenderung der Wahl reform und der damit verbundenen Aenderung der Sta tuten zusammenhängenden Fragen in einer Kommission vorerst gründlich durchiberaten werden müssen. Im Falle der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes ist beispielsweise die Frage der Anlegung des Katasters, der alle Juden erlassen müßte, von eminenter Wichtigkeit Nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieser Walürefonn- und Statutenänderungsausschuß seine Arbeit unverzüglich gleich den anderen Kommissionen aufnimmt und fortaetzt, haben die Zionisten und Werktätigen Juden erklärt, daß sie cfic Frage der Wahlreform im Wege e*ne* Initiativantrages Im Plenum nicht zur Abstimmung bringen werden. Die Arbeit dieser Kommission dürfte ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen und während dieser Zeit Ist durch Vereinbarung die ruhige Arbeit dieser Kommission gewährleistet. Im Zuge der Verhandlungen verlangten die Unterhändler der «Union» die Verlängerung der konzedierten einjährigen Frist bis 30. Juni 1930. An dem energischen Widerstand der zionistischen Mandatare ist dieses Verlangen gescheitert. Die Herren der «Union» erklärten weiters, daß es ratsam wäre, falls es zu einer Einigung in der Wahlreformfrage nicht kommen und diese eine vorzeitige Auflösung des Kultusvorstandes nach sich ziehen sollte, das Budget für das Jahr 1930 sichersteilen zu wollen, um für den Fall eines Interregnums den Haushalt der Gemeinde gesichert zu haben. Die zionistischen Vertreter verlangten dagegen, daß mit den Budgeiberatungen für das Jahr 1930 schon im Herbst 1929 begonnen werde. Wir verlangten auch, daß im Jahre 1929 die Arbeiten für das Budget 1930 so zeitlich unternommen werden, daß aüfäilige Beschlüsse über das Budget.schon vor dem Dezember 1929 gefaßt werden können. Damit erklärten sich alle Gruppen einverstanden. Es ist daher irrig, zu behaupten, d^ß die Frage der Wahlreform auf zwei Jahre zurückgestellt wurde. Man kann, im Gegenteil, eher mit einer Abkürzung der einjährigen Frist rechnen, da die Verhandlungen zwischen den Parteien anfangs Februar zu Ende gingen und die einjährige Frist erst im Februar 1930 abläuft. Im Falle einer ordnungsmäßigen Behandlung des Budgets im Plenum, wofür alle Parteien Sorge tragen werden, wird die Wahlreformfrage schon früher im Plenum zur Sprache kommen. Selbstredend haben sich alle Parteien ihre Stellungnahme zum Budget Vorbehalten. Die zionistische Gruppe hat mit Zustimmung der anderen oppositionellen Parteien im Bewußtsein ihrer vollen Verantwortung der jüdischen Gemeinde, den jüdischen Institutionen und der Angestelltenschaft der Gemeinde gegenüber gehandelt und glaubt die Zustimmung aller Anhänger der Wahlreform gefunden zu haben, wenn sie diesen Angelpunkt unseres Kultusgemeindeprogramnies nicht zum Gegenstand einer leeren Demonstration und einer Zufallsabstimmung, sondern zum Gegenstand einer ernsten, sachlichen Beratung einer gewählten Kommission macht, wie es in allen parlamentarischen Körperschaften üblich ist. Die Einsetzung einer derartigen Kommission bedeutet bereits einen ganz großen Erfolg, wenn man bedenkt, daß sich die «Union» zur Wahlreform immer ablehnend verhalten hat und über diese Frage früher überhaupt nicht debattieren wollte Es ist wohl überflüssig, zu betonen, daß die zionistischen Mandatare in dieser Kommission ihre Anträge auf Einführung des allgemeinen Wahlrechtes und nach Aenderung der bereits veralteten Statuten im Sinne der demokratischen Forderungen der Gegenwart mit allem Nachdruck vertreten werden. An den Beratungen dieser Kommission werden von zionistischer Seite neben dem Vizepräsidenten Dr. L ö w e n h e r z, der kraft seines Amtes an deren Arbeiten teilzunehmen berechtigt ist, noch die Kultusvorsteher Dr. Ehrlich, Dr. Friedmann, Dr. Goldhatitmer und Dt. Körner teiKnehmen. Die Zustimmungserldärungen, weiche der zionistische Khtb aus allen Kreisen der Wiener jüdfsohen Bevölkerung erhalten hat, beweisen, daß wir die richtige Politik eingeschlagen haben. Sohr bedauerlich ist es, daß ein zionistisches Organ seine Informationen aus jenem Blatte schöpft, weiches allerdings ihm den Gegendienst leistet die «Neue Weit» zu zitieren, weil es antizionistische Propaganda betreibt, und es nicht für notwendig erachtet, beim zionistischen Klub Erkundigungen Über den wahren Sachverhalt einzuziehen. So kann es kommen, daß in diesem Organ die unwahre Behauptung aufgestellt wird, daß von uns die Forderung nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes preisgegeben wurde. Wir haben nichts m verbergen und nichts abzuleugnen und müssen es als Unterstellung zurückweisen, wenn uns Mangel an Ehrlichkeit und Offenheit vorgeworfen wird. Die radikalen, oder wie sie jetzt heißen, demokratischen Zionisten haben vor dem Austritt der Herren Stricker und Dr. Plaschkes aus dem früheren Kultusvorstand erklärt, daß sie mit der Politik der übrigen zionistischen Kultusvorsteher nicht einverstanden sind. Sie haben sich ln Propheteungen ergangen, daß die Wählerschaft diese Politik nicht billigen und von den zionistischen Mandataren abfallen werde. Der Wahlausgang vom 2. Dezember 1928 hat bewiesen, daß die Politik der zionistischen Mandatare in der Kultusstube von der Wählerschaft gutgeheißen wurde und daß das Vertrauen der Wählerschaft zu diesen Mandataren wegen deren männlicher, sachlicher, «Alpha", nur Wien, V« Adtareassa Nr. 8 wahrhaft demokratischer und ehrlicher Politik sich überaus verstärkt hat. Die Herren der radikalen Gruppe haben es für gut befunden, Im Augenblick der höchsten Gefahr — und diese ist natürlicherweise immer mit einem Wahlkampf verbunden — abseits zu stehen, obzwar wir sie zur Mitarbeit eingeladen haben. Die 6000 Wähler und Wählerinnen, welche am 2. Dezember für die zionistische Liste gestimmt haben, haben uns ihr Vertrauen ausgedrückt und wir sind nur unserer Wählerschaft für unsere Tätigkeit verantwortlich. In zahlreichen, in allen Wiener Bezirken abgehaltenen massenhaft besuchten Versammlungen hat uns die Wählerschaft auch nach den Wahlen ihres Vertrauens versichert und unsere Politik gutgeheißen. Wir hoffen, daß sich die Zahl unserer Anhängerschaft noch weiter vergrößern wird, ohne Rücksicht darauf, ob die «radikalen» Zionisten uns gute oder schlechte Zensuren zu erteilen belieben. bei & II. Volkertplatx, F schhalle (Tel. R 40-2-38) VI.!*i srram»»rücke» Fischhalle (Tel. B 24 4-23 X. Del LIchtenstet'straße 112, FlecMialle (Tel. A 11-2 59) X. Co? um hupp late, Fischhalle (.Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag ln feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische Austritte aus dem Judentum Dr. Richard Biencnfeld, 12. September 1900, Wien, 1., V., Rechte Wienzcilc 73. Dr. Anna Angel, geb. Rotenberg, 1. Mai 1898, ger. getr., I., Wollzcile 3. Klothilde Bifenz, 20. November 1900, Wien, 1., IV., Wiedner Hauptftraße to. Kurt Riten*, 1. Auguft 1923, Wien, felbe Adreffe. Dr. Marianne Klein, 14. November 1904, Wien, i, XIX. Kreindlg. 8. UUi Mandl, geb. Krau», 2. März 1890, Wien, verw, 1., Beethovenplatz 2. Upe Menka, 28. Auguft 190$, Alkufch, 1., XX., Wailenfteinplatz 38. Franz W i 111 e r, 14. September 1884, Prag, ger. getr., L, Gonzagag. 9. Nelly TauIIig, 20. Oktober 1883, Prag, 1., 1., Johanncsg. 14. Alois Licht ende in, 6. September 1905, Konflantinopel, i, VI. Maximilian Sperber, 30. Auguft 1898, Wien, gefch., V., Margarctengiirtel 80. Fritz Sperber, 22. November 1923, Wien, felbe Adreffe. Julie Landau, geb, Lipfchütz, Wien, verh., II, Gr. Mohreng. 14. Eifa Wailak, 7. Jänner 1909, Wien, XVI., Stöberplatz 2. Rudolf Poch, 9. Auguft 1897, Wien, l.f XII., Arndtftr. 56. Walter Schüller, 6. Februar 1899, Wien, I., VI, Webg. 4. Samuel Ojwald Korn, 27. April 1990, Lemberg, 1, II., Schmelzg. 12. Lisbeth Weiß, 6, Jänner 1899., Wien, L, £X., Serviceng. y. Amalia Mayer, 14. Februar 1876, Wien, 1„ IX, Luftkandlg. to. Gerda Morbcrgcr, 2. Mai 1910, Reichenberg, 1., IX,, Uechtenfteinftf. 80. Anna Cxcczowitzka, geb. Guittncr, 4. November i88y, Iglau, verw, IX, Porzellan» gaffe 19. Nr. 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach), fen Gemeindetempel XVill, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) findet Samstag, den 2. März 1929, beim Morgengottesdienst (Beginn 8 Uhr 30 Min.) ein exegetischer Vortrag statt Veranstaltung zugunsten der Mensa academica jttdafca. Da Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica Judaica veranstaltet Samstag, den 16. März d. Jin!*%mtücheti Säten des Kursakxvs, L, Stadtpark, einen Tanzabend, dessen Reinertr&gnis zur Gänze der Mensa academica judaica zarfkeßt. Die Musikkapelle «The Midiüghf Gn’lbri Amateurs» hat sich in liebenswürdiger Weise der kiimanitären Sache zur Verfügung gestellt. Karten au S 6<-~ sind im Vorverkauf erhättüdv. Im Sekretariat des Vereines, IX, Zimmermannplatz 8, Tel A 25-2-28, und bei den israelitischen Hinrwmitätsvereinen B’nai B’rith, IX, Universität^ strafte 4, TeL A 20*5-42. AmtlicheVerlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Mannigfachen Wünschen aus dem Kreise der Gemeind emi t gl ied er entsprechend, sieht sich der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde veranlaßt, die nachstehenden statistischen Ergebnisse des Friedhofs- und Beerdigungswesens m verlautbaren: hri Jahre 1 9 28 wurden von der Israelitischen Kultusgemeinde vollzogen: 2548 Beerdigungen gegen 2632 Lm Jahre 1927 66 Ueberführungen » 59 n 91 1927 170 Kremationen M 171 n « 1927 19 Exhumierungen m 16 >9 *» 1927 2803 gegen 2878 im Jahre 1927 Von den 2548 Beerdigungen entfallen auf: Zentralfriedhof L Tor . , * HL Tor . * Floridsdorf. Interkonfessionelle Friedhöfe Beefditfuagen . 751 . 1752 12 33 BiSumtettmyan 14 £ 2548 Nach Massen geordnet verteilen gangen wie folgt: Beerdigungen 42 L Klasse gegen 19 sich die Beeftß- 46 kn Jahre 1927, 86 H 155 ,, M »t 524 IJL * 548 „ m 714 IV. * voll bezi. gegen 815 * W 375 IV. „ ermäßigt f» 300 » 0 M 35 Kinder, bezahlte M 35 „ m ]» 12 Türk. Abt M 23 * 0 *r 4 Ehrenklassen n 13 „ 0 m 629 Erwachsene gratis M 569 * 0 H 127 Kinder gratis m 128 „ » N 2548 gegen 2632 im Jahre 1927 Im Jahre 1928 wurden 3560 Bewilligungen ausgefertigt, und zwar: Zentr&lfriodhof Neuer Friedhof zusammen Grabsteinsteilungen . 183 1014 1197 Namenstafeln . 68 145 213 Einfassungen Gitter . . und 58' 273 331 Deckplatten . 21 65 86 Hügelgitter < 59 119 178 Nachschriften 431 117 548 Fundamente . — 1007 1007 820 2740 3560 hn Jahre 1928 wurden weiters 23 definitive Grabstätten-Reservierungen durchgeführt Die Aufforderung an die Gruftstelienbesitzer des Zentralfriedhofes zur Bezahlung eines freiwilligen Friedhof-Erhaltungsbeitrages hatte folgendes Ergebnis: Von den 1177 h. a. vorgemerkten Gruftstellen am Zentralfriedhofe I. Tor haben im Jahre 1928 171 Parteien gegen 200 Im Vorjahre einen Erhaltungsbeitrag entrichtet. Die Summe des Einganges hiefür beträgi S 11.006.— gegen S 12.783.— im Jahre 1927. Das prozentuelle Verhältnis der Einäscherungen von Juden im Vergleiche zur Gesamtzahl der im Krematorium der Stadt Wien vorigenoanmenen Ein* äscherungen stellt sich wie folgt: Jahr 1924 insgesamt 1417, hievon mosaisch 182 SS 12.8 % 1925 1880 * M 161 8.6 % 1926 2384 M 216 SS 9 % 1927 2915 W » 237 SS 8.12 % 1928 3130 ff W 252 SS 8.05 % Predigten In den Israelitischen Geineindetempeki. Freitag, den l. März 1929, werden bei dem um 5 Uhr 40 Mia. beginn edesi Abendgottesdienst in folgenden Gemeindetempelti Predigten abgehalten, und zwar: I, Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. GruuwaM); XV, Tumergasee Hilfsaktionen anläßlich der Kältekatastrophe Sofort nach Einbnuch der großen Kälte» bevor sich noch der Kohtenmaniged allgemein fühlbar machte, wunde von der Isr. Kultusgemeinde Wien an Hand ihres Anmenkatasters eine Kohlenverteilung an arme Familien vorgenommen. Bieber konnten fast 2000 bedürftige Familien mit ein bis zwei Sack Kohle beliefert weiden,. Die infolge de® Veilkefhns-

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