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Die Stimme · 1929-02-28 · Heft 61 (28.2.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 61 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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SöWeö DIE STIMME Nr. CI RepräseiftiafionslMill Zionisten Oesterreichs tan Komerihau«, «. Nttn 1929. Betfinn 9 Ihr abends Kartenvormerkungen: Ballkomitee, I.. Kärntnerstr.28/2 Telephon Nr, R 27-4-85/86 abends: R 49-8-98 Probleme der jüdischen Studenschaft Bedeutsame Ansprachen beim Jubllfitnufkommers des Jüdisch-akademischen Philosophenvereines. Das 40semestrige Jubiläum des Jüdisch-akadeßfschen Philosophenvereines in Wien hat mit dem am 23. Februar im Festsaal des Hot*' de France abgehaltenen Festkommers, der einen glänzenden Verlauf genommen hatte, seinen schöner Abschluß gefunden. Der Obmann des Vereines, Cand. ing. et phil. Philipp Pickholz, konnte unter den Erschienenen begrüßen: den Dekan der philosophischen Fakultät Professor M e n g h i n, den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Professor Dr. P i c k, snvie ihre Vizepräsidenten Dr. Josef Löwenherz und Dr. Jakob 0 r n s t ei n und Amtsleiter Regierungsrat Fuchsgelb, den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees Dr. Leo Goldhammer, die Universitätsprofessoren Max Eisler, Hofrat Frankfurter und Geiger, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang sowie die Vertreter sämtlicher Wiener jüdischen akademischen Verbindungen und Vereine und die Vertreterin der jüdischen Studentenschaft in Graz. Hofrat Frankfurter übernahm den Ehrenvorsitz und erteilte den einzelnen Rednern das Wort. Der Dekan Professor M e n g h i n knüpfte an die Worte des vom Rektor der Wiener Universität in der Festversammlung gebrauchten Worte an, daß diejüdischeStudentenschaftander Wiener Aula jenes Element darstelle, welches die RuheundOrdnungan derselben gewährleiste, und forderte die jüdische Akademikerschaft auf, unter Wahrung ihrer nationalen Interessen sich mit Hingebung dem Studium zu widmen, denn nur ein ganzer Mensch könne dem eigenen Volke und dem Staate, in dessen Mitte er lebe, dienen. Professor Dr. Pick bezeichnete den jüdischen Phflosophenverein als seinen Liebling, weil dieser geeignet erscheine, infolge des Idealismus, der zur Ergreifung eines abstrakten wissenschaftlichen Be rufes notwendig ist, den jungen Menschen dazu zu bringen, die höchsten Stufen der Humanität zu erglimmen. Dr. Leo Goldhammer überbrachte dem jubilierenden Verein die Grüße jener Bewegung welche man, wenn auch manchmal spöttisch, als die Studentenbewegung zu bezeichnen sich gewöhnt hat. Die von Herrn Hofrat Frankfurter in der Festversammlung aufgeworfene Frage nach der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des gesonderten Zusammenschlusses jüdischer Studenten halte er derzeit nicht mehr für aktuell. Vor Jahrzehnten sei es notwendig gewesen, Beweise für eine solche Gründung zu erbringen, insbesondere mit Rücksicht darauf, daß die jüdische Studentenschaft der Vergangenheit, Gegenwart urtfc Zukunft des jüdischen Volkes gegenüber eine besondere Verantwortung zu tragen hatte, sie mußte die Spuren, die dem jungen jüdischen Menschen durch das Ghetto geprägt werden, abstreifen, der jüdischen Gegenwart eine Wendung zum Besseren geben und an der Zukunft des eigenen Volkes im eigenen Lande mitarbeiten. Die zionistische Idee sei es, die die gesamte jüdische Jugend und damit auch die Akademikerschaft in ihren Bann gezogen hat. Mit dei bloßen Begeisterung sei es jedoch nicht getan. Das Jubiläum, das der Verein begeht, soll nicht bloß zum Austausch alter Erinnerungen dienen, sondern den Anlaß bilden, von neuem zu geloben, mit starkem Willen zum Wohle des jüdischen Volkes und damit der gesamten Menschheit mitzuarbeiten. Prof. Eisler brachte in seiner geistreichen tmd schwungvollen Rede das Bedauern zum Ausdruck, daß mit dem Aufkommen des Nationalismus nicht nur zwischen jüdischer und nichtjüdischer Studentenschaft, sondern auch zwischen der jüdischen Studentenschaft selbst sich eine Wand aufgerichtet hat. Er fordert die Akademikerschaft auf, zum Abbau dieser Scheidewand sich die Hand zu reichen. Professor Geiger knüpfte an die Ausführungen des Herrn Professor Eisler an und legte dar, daß seine mehr als zwanzigjährige akademische Lehrtätigkeit ihm den Beweis erbracht hat, daß die Pflege der eigenen nationalen Werte niemals zu einem Gegensatz innerhalb der jüdischen Studentenschaft und noch viel weniger der nichtjüdischen Studentenschaft gegenüber geführt haben. Nicht nur im Fach gilt es sich auszubilden, sondern der Not des eigenen Volkes zu steuern. Nachdem noch Herr Rabbiner Feuchtwang dem jKbiliereuden Vetein herzliche Glückwünsche dargebracht hatte, schloß Hofrat Frankfurter den offiziellen Teil und alle Erschienenen verblieben noch lange während des inoffiziellen Teiles in bester Laune beisammen, zu der besonders Herr Dekan Menghin viel beitrug. In Oesterreich kann ein Jude nicht Nachtwächter werden Es wind viel zu wenig beachtet, daß Oesterreich der einzige Staat in Europa ist, dessen Regierung Parteien mit anttsemlti schein Programm bilden. Die? wirkt sich ««ich das wird zu oft öbersehen — vomchrnHc*» gegen V- -unbekannten Juden» aus, de« einen von vielen, den sogenannten kleinen Mann. Man weiß, daß ein Jwlt in Oesterreich heute nicht Spitalsarzt, Universitätsdozent, Richter, Mintetertalbeamter werden kann. Auch dies ist eine Erschwerung der Wirtschahs- und Lebeneposition der österreichischen Juden. Doch noch we.'t mehr fällt ine Gewicht, daß ein Jude in Oesterreich nicht einmal — Nachtwächter werden kann. Wer’s nicht glaubt, kann es Schwarz auf Weiß im Amtsblatt lesen. Im «Amtsblatt der Wiener Zeitung» vom 22. Febnur’ ist ein Hausdienerposten, zu dessen DienstW«** g die Ausübung des Nachtwächterdlenstes gehört, ausgeschrieben, und zwar so: «•An der B u nd es erzi e hun gsan s t al t für Knaben in Wien, XII!., Kendlergasse 1, gelangt sogleich die Stelle eines Hausdieners (Nachtwächters) zur Besetzung. Die nicht über 40 Jahre alten Bewerber, die österreichische Bundesbürger sind, haben ihre ordnungsgemäß gestempelten und mit Heimatschein, Taufschein, amtsärztlichem Zeugnis, Sittenzeugnis, allenfalls Trauungsschein und Tautschein der Kinder belegten Gesuche bis längstens 6. März 1929 bei dier Direktion der Anstalt eiiwiitmtrgen.» Genau die gleiche Art der Ausschreibung ist im selben Amtsblatt für die SteMe einer Hausdienerin in der Bundeserziehunigsanstalt für Knaben zu lesen. Wer keinen Taufschein hat, kann sich also um die mit e»iem Lohn von 170 Schilling dotierte Steife* als Nachtwäcnter oder als Haiuscfienerin nicht einmal bewerben (daß sie der «Nichtmhatoer eines Taufscheines, also ein Jude, nicht bekommen würde ist ein besonderes Kapitel). Diese amtliche Ausschreibung der Stelle in der zitierten Form widerspricht dem Usus, durch dem allen Kategorien von Staatsbürgern die Möglichkeit gegeben werden muß, sich um Stellen, die der Bund zu vergeben hat, zu bewerben. Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs ist in diesem von programmatischen Antisemiten regierten Staate von den Staatsstellen aufgeschlossen, die zum großen Teil mit ihren Steuergeldem (sie feisten mehr als das Vierfache, als ihrer Zahl entspricht) bezahlt werden. Und dieser Rechtsbruch wird mit zynischer Offenheit einbekannt, indem man schon In der amtlichen Ausschreibung Juden von der Bewerbung um Stellen ausschließt Das ist der Rechtsstaat Oesterreich. Repräsentationsball der Zionisten Oesterreichs Samstag, den 2. März 1929, findet in den Konzerthanssälen der erste Repräsentationsball der Zionisten Oesterreichs statt. SaalerÖffnung 8 Uhr abends, Beginn präzise 9 Uhr abends. Dieser BaU steht unter dem Protektorate eines aus den Spitzen der Wiener Gesellschaft bestehenden Elirenkomitees, dem folgende Damen und Herren angeboren: Dr. Ernst Benedikt, Ing. Josef Berger, Dr. Max Berliner, Adolf Böhm, Frau Anitta MüHer-Cohen, Dr. Jaikob Ehrlich, Prof. Jehudo Epstein, Dr. Erwin Felber, Rabbiner Dr. David Feuchtwang, Hofrat Dr. S. Frankfurter, Dr. Desider Frtedmann, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Geiger, Dr. Leo GoJdhammer, Arch, Dr. Ing. Baurat Prof. Clement Hotameister, Dr. Emil Junikar, a. o. Gesandter und bevollmächtigter Minister, Dr. Armand Kaminka, Baiurat Dr. Ing. Arnold Karplus, Dr. Viktor Kellner, Hugo Knepler, Dr. I. H. Körner, Lazar Krestin, Dr. Leo Landau, Dr. Fritz Löhner-Beda, Frau Sophie Löwemherz,, Dr. Josef Löwenherz, Eduard Ludwig, a. o. Gesandter und bevollmächtigter Minister, Univ.-Prof. HoJrat Dr. Eugen Oberirummer, Dr. Bruno Pollak-Parnau, Dr. David Rothbluon, Felix Saiten, Dr. Isidor SohaHt, Dr. A. Sega!!, Dozent Dr. Friedrich Schreyvogel, Frau Dora Schwarz, Karl Schwarz, Dr. Benno Schwoner, Dr. Robert Sonnenwald.. Dr. Max Sternschuß, Prof. Dr. Oskar Strnad, Prim. Dr. Kurt Tschiaßny, Wühebn Wachtel, Prof. Arthur WoH, Prof. Juliuez Wolfsohn sowie das Präsidium der Zionistischen Akademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs. Die Musik für den Ball besorgt das Ballorcbester Mi sc ha aus dem MouHn Rouge. Das Tanzarrangemom hat in liebenswürdiger Weise Herr Tanz meist er Fred Erdstein übernommen. Zwecks Aufstellung der Paare für den Einzug trifft sich das Jung-Damen- und Herrenkotnitee zwischen i/38 und 8 Uhr abends im Kleinen Saal des Konzerthauses. Nach den bis heute durchgefUhrten Voraitowten verspricht dieser BaH einen glänzenden Verlauf zu nehmen und ein gesellschaftliches Ereignis Im jüdischen Leben Wiens* zu werden. Nach dem bisherigen Kartenverkauf ist zu schließen, Wochen-Kalender Februar 1929 Gedenktage TIR ttmn 28 Donnerstag 189? — Aohad Haam in Tol-Ariv gestorben. iS-n* Mftrs 1 Freitag 1885 — Prot. Wilhelm Winter» nits, der wissenschaftliche Begründer der Hydrotherapie, in Josefstadt (Böhmen) geboren. 19 — 2 Samstag 20 — 3 n»(tu»h wujisch ach Acbow 3 Sonntag 1846 — Georg Cantor, dor Bogrlinder der Qunntontheorlo, eluor der größten Mathematiker des 19. Jahrhunderts, ln Petersburg geboren. 21-JO 4 Montag 22-33 5 Dienstag 1863 — der SohrifteteUcr Max Kempner-Hochstädt ln Breslau geboren. 28 - o 6 Mittwoch 1873 — der Sanskritforsohor Prüf. Theodor GoldetUcker in Breelau geboren. 1876 — der Maler und Eadiorer Hermann Struok ln Berlin geboren. 24 —-O daß der Abend einen sehr stanken Besuch wind aufzuweieen haben. Die österreichische Provinz wind zahlreich vertreten sein. Restliche Logen und Karten sind im B-allkomitee, I., Kürntnerstraße 28, Telephon R 27-4-85/86, und II., Zirkusgasse 33, Telephon R 49-8-98, bis längstens Freitag, den 1. März 1929, 4 Uhr nachmittags, erhältlich. Auf Vorweisung der Legitimation erhalten Studenten auf Namen lautende Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen* und zwar am Donnerstag, den 28. d. M., im Bnilkontitee, II., Zirkusgasse 33 (zwischen 8 bis 10 Uhr abends), und Freitag zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags im Zionistischen Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28. An der Abendkasse werden keine Studentenkarten ausgegebem. Der Vorsitz in der Berliner jüdischen Gemiende-Repräsentantenversammlung Kein Liberaler im Präsidium —- Die Gemeinde für das jüdische Buch Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde nahm in ihrer letzten Sitzung die Wahl des Präsidiums für die diesjährige Sitzungsperiode vor. Nachdem 10 Stimmen für den bisherigen Vorsitzenden Geheimrat Julius Stern (Religiöse Mittelpartei) und 10 Stimmen für den vormaligen Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich Stern (liberal) abgegeben worden waren (ein Repräsentant enthielt sich der Stimme), entschied das Los für Geheimrat Dr. Julius Stern. Dr. Klee stellte den Antrag, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Heinrich Stern zu wählen; Professor Türk erklärte aber namens der liberalen Fraktion, daß sich diese, wie schon in der vorjährigen Periode, an der Wahl des Bureau« nicht mehr beteiligen wolle, nachdem Ihr al« der größten Fraktion die Stelle des ersten Vorsitzenden nicht eingeräumt wurde. Daraufhin wurde Rechtsanwalt Dr. Klee zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Wahl des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wird in der nächsten Sitzung vorgenommen werden. In der Angelegenheit der Errichtung eines Lehrstuhls der Berliner Jüdischen Gemeinde an der hebräischen Universität in Jerusalem wurde eine Kommission gewählt, die aus der Gemeindeverwaltung durch die Herren Dr. Klee, Dr. Kollenscher und Professor Türk besetzt wurde, und zu der außerdem noch die Herren Dr. Baeck und Prof. Elbogen zugewählt würden. Das Komitee soll das Recht der Kooptation erhalten. Der Antrag der Volkspartei, den 22. August, an dem in Deutschland ein allgemeiner, von dem Reiohsminister Severing angeordreter «Tag des Buches» stattfinden soll, auch für das jüdische Buch nutzbar zu machen, fand einstimmig Annahme,

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