Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 61 (28.2.1929)
- Date
- 1929-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053814--0895-3056205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. W PIE STIMME Seite 5 Swaß« eine Frag »trf midi xa, antra* nridb «Ml ME« aridl ab. leb bin glücklich, fagtt üe dabei, daß d« da jfctifdMN Mädchen Hfl, du, die fchönft* Freu von Earope. Du rthrt» mich tief. Ich leugne roch nie meine Abdämmung, dock jetat wird foviel davon gefprochen, daß et mich fall bedrückt..J ich weiß nicht, wie man mich in U n g a r a empfangen wird...“ „Haben Sie keine Sorge, Fräulein! Nur noch eine Frage: Was für Zukunftspläne haben Sie? Theater oder Filmkarriere?** „O nein! Mein einziger Wunldi ift bald zu heiraten!" „Wirklich, dar ift Ihr einziger Wunlch?" «Ja, ich will einen Mann!“ „Einen Juden?“ „Nur einen Juden! Schon und reich foll er roch fein...“ — Das Gefpräch war zu Ende. Die jüdische Ehenot Von Max Stern (Niederstetten). Die nachstehenden Ausführungen basieren wohl vorwiegend auf den Verhältnissen in Deutschland, sind aber auch für Oesterreich und andere Länder mit ähnlicher Struktur des jüdischen Leben« zum größten Teil zutreffend und rollen eh? wichtiges bevöHcenmgspoiitisches Problem der Judenheit aut Die Red. Schon vor dem Kriege war die Versorgung unserer jüdischen Töchter außerordentlich schwer. Seit dem Kriegsende wäre es falsch, nur von einer jüdischen Ehenot zu sprechen. Auch anderwärts finden die Mädchen nur schwer eine Versorgung. Aber unter uns Juden ist die Ehenot katastrophal geworden. Es ist gar nicht erst nötig, eine Statistik aufzustellen. Wer in Stadt und Land in seinem Kreise um sich sieht, findet diese Tatsache bewahrheitet. Freilich ist das Land noch weit schlimmer daran. Denn dort fehlt es an jüdischen heiratsfähigen Männern überhaupt. Die Ursachen der jüdischen Ehenot liegen Idar zutage. Der stärkste Feind der jüdischen Ehen ist die in wachsendem Maße Platz greifende Mischehe. Viele unserer jungen Männer sind so dem Judentum verloren gegangen. Aber der schlimmste Feind ist die Not des Mittelstandes. Es ist meistens die Furcht, finanziell nioht den Erfordernissen der Ehe gewachsen zu sein, welche viele Jünglinge der Ehe fernhält. Die Struktur des jüdischen Berufslebens ist dadurch gekennzeichnet, daß fast alle Juden dem Kaufmannsstand angehören. Und zwar dem freien Kaufmannsstande. Ihr Bemühen, in anderen Berufen unterzukommen, ist bis jetzt an der Phalanx antisemitischer Verwaltungen unserer größten Industriewerke gescheitert. Auch als kaufmännische Beamte finden sie in der Industrie den gleichen Widerstand und leider sehen unsere in der Wirtschaft führenden Juden diesem Unheil tatenlos zu. Der freie Kaufmann braucht aber zur Selbständigmachung ein gewisses Kapital; die Kapitalbildung ist schwer und die Zeit seit dem Kriege auch zu kurz, um dem Mittelstand eine nennenswerte Kapitalsbildung ermöglicht zu haben. So stehen hier die Jungfrauen, dort die Jünglinge — und beide können nicht Zusammenkommen. Es ist, um neue Heiratsmöglichkeiten zu schaffen, also nötig, die Berufsstruktur zu ändern. Nach der landwirtschaftlichen Seite hin sind mit wechselndem Erfolge Versuche gemacht worden. Aber so erfreulich es is, daß junge Leute sich diesem Berufe gewidmet haben, so sehr steht auch hier der Kapitalsmangel der Gründung eines eigenen Heimes im Wege. Einen Weg hat der deutsche Jude bei seiner Berufswahl bis heute jedoch nicht beschritton, welcher einzig und allein der Ehenot Abhilfe schaffen kann: im mittleren Beamtenstand, in Post und Eisenbahn, im Finanzwesen, in der Verwaltungskarriere sind bis heute gar keine Juden vertreten. Nicht darum muß es uns zu tun sein, daß einige Juden in hohe Stellungen einrücken, sondern darum, daß die Juden . in großer Anzahl in mittlere Beamtenstellen einrücken. Dann genügen einige tausend Mark Mitgift für die Einrichtung; ein fester Grund für eine anständige Lebenshaltung ist erworben und für das Alter ist gesorgt, ohne daß es nötig ist, große Kapitalien zurückzulegen. Wenn die großen jüdischen Organisationen nicht diesen Weg zur Beruf sumschichtung beschreiten, bleibt alles, was sie sonst unternehmen, Theorie. Unser kaufmännischer Mittelstand wird, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse sich nicht bessern — Aussichten dazu sind gar keine vorhanden — immer mehr verarmen, immer mehr zum Proletariat herabsinken. Nur durch Herausnahme eines Teiles des Nachwuchses und dessen Unterbringung in einfachen Beamtenberufen kann der Not gesteuert werden. Es wird immer gesagt, eine jüdische Haushaltung sei viel kostspieliger als eine nicht jüdische. Daran sind wohl die Juden selbst schuld. Selbst streng rituelle Haushaltsführung wird nur geringe Mehrausgaben bedingen. Die Ausgaben für Zedokoh, für jüdische Vereine kann jeder nach seinen Einnahmen beschränken. Die Teuerung liegt nicht sum wenigsten in der gesteigerten Lebenshaltung, in den Ansprüchen an Luxus und gesellschaftliches Leben. Niemand wird behaupten können, daß unsere Vorfahren in ihrer bekannten Anspruchslosigkeit und Einfachheit und in ihrer dabei doch durchaus anständigen Lebenshaltung teurere Haushaltungen gehabt hätten als ihre Umwelt. In den Städten muß die HeiratsmKgJichkeit durch vermehrte Gelegenheit zum Bekanntwerden der jungen freute erhöht werden. Dazu gehört größere Geselligkeit in der Familie, in Vereinen und Klubs. Die heutige Weltliteratur propagiert ©ine neue Moral, welch© im jüdischen Sinne eine Unmoral ist. Mit allen Mitteln muß daran gearbeitet werden, daß die jüdischen jungen Leute dieser Moral ferngehalten werden. Stichwörter, wie Kameradschaftsehe, freie Liebe usw.. mögen im Chaos einer angebr lieh neuen Kultur schön klingen. Sie passen , nicht in den Rahmen des jüdischen Kulturlebens. welches seit 2000 Jahren alle Kulturen des Morgen- und Abendlandes überdauert hat. Denn j tt d i s c h e K n 11 u r 181 k e i n e technisch« und keine erotische Kultur. Jüdische Kultur der Seele und des Körpere, ist kristallklare Ethik. Erotik kennt sie nur im Rahmen der reinen Ehe, kennt sie nur als Mittel zum Zweck der Selbsterhaltung. Wir haben eine tatkräftigere jüdische Press als je. Zahlreiche Organisitionen und Vereine tun ihr Bestes, um das Judentum zu heben. Mögen sie gemeinsam den bezeiebueteen Weg gehen, und wenigstens ein Teil der jüdischen Ehenot wird in absehbarer Zeit durch manches jüdische Eheglück abgelöst werden. , n h a b e r: Richard Herzog l„ Adlergas»« 9 Tal. R-23-4-90 Ifl., K'. Pfarrg. 28 Tal. A-41-e.24 «IIjüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager in reichster Auswahl auf Lager! Auch Teilzahlungen! Provlnzversandl Soeben neue orfgtnal.amerikanlaeha Lieferanten eingelanrt Kleine Nachrichten Absetzung eines antifcmitifchen Richters, Vor kurzem hat tr jüdifche Nationalrat in Polen beim Juftizminifter eine rfchwerde gegen den Friedensrichter von Baranowicz, j rierzkow$ki, erhoben, der in einem Streitfall zwifchen nero chriftüchen und einem jüdifchen Fuhrmann zugunften a Chriften entfehied und in der Begründung bemerkte, daß ie Juden immer nur den Schaden der Chriften ollen. Nunmehr teilte der Juftizminifter dem Nationalrate it, daß Wicrzkowski aus feinem Amte befeicigt wurde. Der PräGdent der Moskauer Jüdifchen Gemeinde Fudis, er vor kurzem im Zufammenhang mit Unregelmäßigkeiten ei der Arbeiter-Kredit-Inftitution, der er nahe ftcht, verhaftet worden war, ift foeben freigelaffen worden, ichdem Geh hcrausgcftellt hat, daß die gegen ihn erhobenen efdiuldigungen vollkommen grundlos feien. Die Verhaftung and in keiner Weife in Zufammenhang mit feiner Tätigkeit ei der Jüdifchen Gemeinde. * Die Gemeinde der berühmten Baptsft-Kirche zu ’ c w York, deren Mitglied John Rockefeiler ift, hält ährend der Reftauricrung des durch Feuer zerftörten Kirchen- :bäudcs ihre GottesdienfteimTerapelEmanuelab,;ren PräGdent Louis Marfhall ift. In Berlin wurde ein Verein „Menfa academica judaica“ gegründet, der den jüdifchen Studierenden aller Berliner Hochfchulcn einen rituellen Mittagstifch gewähren will. Die Menfa wird in den Räumen Hackefcher Hof, Rofenthalcrftraße 40-41 bei genügender Beteiligung bereits im M ä r z, fonft zu Beginn des Sommerfemefters 1929 eröffnet werden. Für die Mahlzeit ift ein Preis von 7 5 bis 80 Pfennig in Ausficht genommen. Die Menfa Acht unter AufGdit des Rabbinats der Kafchruth- Kommißioo der Berliner Jüdifchen Gemeinde. Das Denkmal-Komitee des Repräl’cntationshaufes der Vereinigten Staaten faßte auf Antrag des Kongreßmitgliedes Emanucl Geller eine Refolution, daß dem im Jahre i$i6 verftorbenen Staatsmann Oskar 5. 51 r a u j, einft in drei Perioden Botfchafter der Vereinigten Staaten in Konftancinopel und fplter Mitglied des amerikanifdien Kabinetts (der einzige Jude, der in Amerika einem Kabinett angehörte) in der Hauptftadt der Vereinigten Staaten, Wafhiagton, ein Denkmal gefetzt werde. Da» brhifehe Unterhaus bewilligte in Ergänzung zum Haushaltsvoranfchlag für 1919 eine Summe von 6000 Pfund als Entfdiädigung für die 18jährige Zuchthausftrafe, die Oskar Slater unfchuldig verbüßen mußte, * Das jüdifdie Altersheim in Jaffy wurde vollftändig durch Feuer 2 e r ft ö r t. Während des Brandes (pieltcn Geh unter den Infaßen, darunter Greifen von über fo und über 90 Jahren, furchtbare Panikfzenen ab. Etwa 60 obdachlofe Greif« mußten fchr notdürftig untergebracht werden. Rekhsprafident v. Hindenburg bat die Ehrenpatcn- (chaft für die Tochter Sarab des Oberrabbiners von Altona, Dr. Jofeph Carlebadi, übernommen. Es ift dies das neunt« Kind des Oberrabbiner«. * In Jaffy verftarb vor kurzem Generaldirektor Moritz W a ch t e 1, ein Pionier der zioniftifdien Bewegung in Rumänien, der Geh feit ihren Anfängen mit großer Hingabe in den Dienft der zioniftifeben Seche geftellt hat. Auch viele andere gemeinnützige Inftituronen Rumänien« betrauern mit feinem Hinfdheiden den Verluft ihres treuen Förderers. Delegiertentag der österreichischen Zionisten Frist für Zahlung der Parteisteuer und des Sehekels Ms 12. März. — Der Delegiertentag am 20. und 21. ApriL — Wahlen am 11. April. Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich teilt mit: Der ordentliche Delegiertentag der österreichischen Organisation wird nunmehr endgültig für den 20. und 21. April 1929 einberufen. Die Tagesordnung, welche noch separat bekanntgegeben wird, stellt eine Reihe von wichtigen Fragen zur Behandlung, deren Lösung unbedingt nötig ist, damit die aus hartem Boden in mühevoller Arbeit hervorgebrachten Ansätze einer gesunden Partei sich weiter entwickeln können. Der Weg zu dieser Lösung wird gefunden werden, wann alle Kräfte der Organisation in allen ihren Richtungen beim Delegiertentag in voller Stärke zura Ausdruck kommen. Dazu ist notwendig, daß sämtliche Grupen die Parteisteuer und den Schekel längstens bis zum 12. März L J. abf&hren und verrechnen, um die Wahl ihrer Delegierten in solcher Zahl, daß sie der vollen Stärke der einzelnen Organisationen und Gruppen entspricht, zu ermöglichen. Der Termin für die Einzahlung der Parteisteuer und des Schekels kann über das angegebene Datum hinaus nicht erstreckt werden. Am 11. April d. J. von 6 bis 10 Uhr abends findet} die Wahlen der Delegierten für den Parteitag in ganz Oesterreich statt. Die Reklamationsfrist dauert vom 13. bis inklusive 20. März. Zionisten! Ihr müsset Euren Delegiertentag so stark beschicken, daß schon daraus Euer fester Wille offenbar wird, die von Euch begonnene Arbeit der Festigung und Ausbreitung der, österreichischen Organisation fortzuführen! Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Neue Tabakfabrikate! Mit 25. Februar l J. bringt die Tabakregie eine besonders edle, gehaltvolle, hocharomatische Luxuszigarette mit Echtgoldbelag «Hellane» zu 14 g, heraus. Mit ihrer hochfeinen Qualität und eleganten Ausstattung — mattgoldrfarbige Kappenschachtel mit Rotdruck, Viste: ein mehrfarbiger Offsetdruck «Aus Hinterstoder» nach einem Entwürfe des Wiener Malers F. A. Harta, goldfarbige Aluroinlumfolie —■ ist diese neue Zigarette für den verwöhnten Genießer und Kenner bestimmt Gleichzeitig bringt die Tabakregie vier Sorten Rauchtabake für kurze Pfeife eigener Erzeugung in Vertrieb, und zwar: Nach englischer Art «My Friend» (sprich: mai frend), hochfein, leicht, sehr mild, in buntfarbigen Blechdosen ä 50 Gramm zu S 2.40 und «Bobby1« Dream» (bobbis drihm), sehr fein, süßlich, in buntfarbigen Papieimanschetten ä 50 Gramm zu S 1.60, ferner nach amerikanischer Art «American Bland» (A-m$r-i-kn blend), hochfein, ziemlich leicht, granuliert, ln braunroten Blechbüchsen ä 50 Gramm zu S 2.40 und «Blue Bhd* (blu börd), «ehr fein, süßlich, granuliert, ln blauen Papiermanschetten ä 50 Gramm zu S 1.60. Alle vier Sorten eignen sich auch zur Mischung mit den Regiesorten, insbesondere Latakia, Caballero, Rio. E.