Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 61 (28.2.1929)
- Date
- 1929-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. Öl DIE STIMME .. »a.. - oPfTC O besondere ihre Organisation- und Propaganda m e t*h o d e o ja diesem Zusammenhang gestaltet wenden? Eine schriftliche Umfrage erging an führende Zionisten in allen Teilen der Welt; eine mündliche Umfrage wurde zum ersten Male am 19. Februar! abends im Zentrafbweau der Zionistischen Organisation in London veranstaltet, bei der zunächst die Herren Leo Simon und P. Horowltz auf an sie seitens der aus allen Parteien sich zusammensetzenden Untersruchungsikon>nwssdon gestellte Fragen antworteten. Oie Zion. Exekutive war durch Dr. Felix Rosenblüth, die engl Zionistische Föderation durch Rev. J. K. Goldbloom, der Misrachi durch Herrn Schiff, die Revisionisten durch Melr Grossmann, die Arbeiterparteien durch Dov Hos, das Organisationsdepartement der Zionistischen Organisation durch Herrn Dr. Leo Lauterbach vertreten. Leo Simon äußerte sich dahin, daß der «osprüngiieh als Deklaration des Bekenntnisses zum Zionismus eingeführte Schekel nunmehr abgeschaff werde, da er einer großen Zahl.von Personen, döse in der Schekelzahlung nur eine kleine Ausgabe sehen, nichts bedeutet. Der Schekel sollte jedem Zionisten oder Nichtzionlsten, der au den Palästina- Fonds beiträgt, kostenlos als Legitimation für die Delegiertenwahllen zum Kongreß auf Wunsch ausgefolgt werden. Mag dies auch zur Folge haben, daß eine große Zahl von Agency-Nichtzionisten das Recht erwirbt, für den zionistischen Kongreß zu stimmen, so sei hierin dennoch keine Gefahr für die Organisation za erblicken. Wohl könnte dies im Laufe der Zeit zu einer Identifizierung derbe Iden Körperschaften, Zionistische Organisation und Jewish Agency, führen; eine solche Identifizierung könne aber nur w ü nsc he ns wer t sein. Er, Simon, sei gegen eine Scheidung der Palästina- Zahler in Schafe und Böcke. P. Horowltz führte aus, er sei der Meinung, daß die Schaffung einer erweiterten Jewish Agency die Zionistische Organisation keineswegs schwäche, sondern im Gegenteil eine Erweiterung und Intensivierung ihrer Interessensphäre bewirke. Die Partei werde sich gezwungen sehen, ihrer Erhaltung und Stärkung mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, turn in Fällen von Me imungsve rschiedenheiiten zwischen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency der zionistischen Seite mehr Rückgrat geben zu können. Er glaube nicht, daß eine Zeit kommen wird, wo Zionisten und Nichtzionlsten zu einer Körperschaft verschmelzen werden; er glaube ferner nicht, daß die Tatsache, daß dite Jewish Agency I aus verwaltenden Körperschaften ähnlich denen der [ Zionistischen Organisation bestehen wird, die Gefahr I LLOYD TRIESTIMO DIREKTE UNTB TRIEST-IAFFA UND RBTOUR Abfahrten Jeden zweiten Dop^erstag 8 Uhr abends. Fab’+dauer unter F^ührung von Brindisi bloß &J7, Tage Fahrpreise: I. KV Lsl 22. II. KL \ st. 15.-. III. Kl. 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Februar in Kowno stattgefundenen Kundgebung von mehr als 2000 Studenten der litauischen Staatsuniversität, darunter auch einigen j üdischen Hörern, für Gewährung einer Ermäßigung an Studenten beim Besuch von Theatern und Kinos veröffentlicht die Leitung der Staatspolizei eine offizielle Mitteilung, in dejc .es heißt: «Jüdische Studenten haben einen Putsch gegen die bestehende Ordnung vorbereitet.» Die Polizei war bei der Kundgebung besonders scharf gegen die teilnehmenden Jüdischen Studenten elngeschritten, hatten 10 von ihnen verhaftet und in strengste Isolierung gebracht Sie sollen nach den verschärften Gesetzen des Ausnahmezustandes abgeurteilt werden. So weit bis jetaf festgestellt werden konnte, befinden sich unter den veiv Hafteten jüdischen Studenten die Mitglieder der zionistischen Korporation Abrabamowtez und L2fflH bergee. Die Hungersnot unter den Juden NordHtauens Mehr MX) Vertreter von Handel1 und Industrie to Nordiitaveu. wo k a t * r o p h »I« Hungersnot -herrscht, traten zu e«o***' Konferenz »usarrnneif, um <*ber Maßn**4vm«o zur Besserung der Oberaus krltfr- »cfctn Lag* der K»«f<nanft«cHtft k» dem HwngergeWet* zu beraten. Es wurde mltgeteilt, daß 95 Prozent der jüdischen Ladenbesitzer I« Nordlitauen ■raMungwin-WHlg geworden sind; der Geselläftsumsatz hat ein nicht mehr zu unterbietendes Minimum erreicht. Dabei drücken die Steuerlasten suvermiudert a«f den geschwächten Wirtschaftskörper. Pie Mehrzahl der jüdischen Kaufleute und Harnt» werk*» hungert in einem nicht geringeren Maße als dte Bauernschaft und ist nicht ln der Lage, in diesem strengen Winter die Stuben zu heben. Die Konferenz beschloß, an Regierung und Cteftentiichkeit einen Appell zur Durchführung einer Rettungsaktion zu richten, Was sich ein Minister erlauben darf Atu W a r f ch a u wird berichtet! In der Sitzung der Bn^getkomrr>' ffi on des polnUcbea Senats krhifierte der Sprecher des jüdifchen Khibs, Senator Körner* die Politik des Innenminifteriums gegenüber den Juden. Innepmintfter Skladk o w f k i gab m, daß ein großer Teil der Ausführungen des jüdifchen Vertreters zutreffend und ein Teil der von ihm autgefprochenen Forderungen gerecht fei. „Mit einem Mann wie Senator Körner", fuhr der Minifter fort, „könnte die Regierung zufammenarbeiten, aber mit dem Abgeordneten Grünbaum ift eine Zufammenarbeit unmöglich, fchon deshalb, weil er Einzelfälle verallgemeinert, und z. B. mich als einen Minifter darftellt, deften Streben es fei, die Juden zu vernichten. Ich fehe in Dr. Grünbaum einen Schädling." Senator Körner fiel dem Minifter fofort ins Wort und fagte: „Ich folidarifiere midi vollkomfhen mit der Politik des Abgeordneten Grünbaum und billig« fein« Anfchauungen wie feine Taktik.“ Nachdem der Minifter feine Rede beendet hatte, nahm Senator Körner das Wort zu einer formellen Erklärung und {teilte feft, daß die Worte des Innenminifters mit Bezug auf die Juden von keinerlei pofitiven Taten zugunften der jücfrfdien Bevölkerung bekräftigt werden. „Ich proteftiere dagegen“, fdiloß Senator Körnet, „daß der Minifter meinen Kollegen Frühjahrsneuheiten LISSIANSKY-SCHUHE fertiggestellt! Detail-Verkauf zu En gros Preisen Direkt in der Fabrik VII., Kaiserstraße 46 ►► im Stock <4^ er besuchen kam, hatte an einem dritten Ort seine Heimat, aber sofort war klar geworden, daß sie gemeinsame Bekannte an allen Orten hatten und mm fragten sde sich gegenseitig über sie und Ihren Wohnort Ja, noch mehr, Leute an verschiedenen Enden der Welt waren scheinbar beiden bekannt und deren Taten spielten m ihrem Gespräch eine große Rolle. «Man sagt, daß X. nach Erez-Israel gefahren isst?» «Nein. Er ist noch in Paris. Er ist vor kurzem von seiner amerikanischen Reise zurückgekehrt» «Und wo ist N.? Wissen Sie es?» «Meine Kollegen haben mir geschrieben, daß er «ich jetzt in Wien befindet...» «Sie kennen N.?» «Freilich. Ich habe ihn getroffen, als ich vor zwei (Jahren auf dem Haager Kongreß war. Auch X. lernte ich dort kennen.» «Ah., ihn kenne ich giut. Er ist aus meiner Stadt...» Das schien mir wunderbar. Sitzen da vor mir zwei Leute, zwei einfache Leute, gewissermaßen, wie ich, die nicht wertvoller sind als irgend jemand und deren Namen niemand bekannt ist. Aber was haben sie mit jenen ziu tun, die in den Großstädten und fernen Ländern wohnen, über die sie sprechen wie über Freunde und Genossen? Was ist das, vor dem alle Grenzen und Schranken der Welt fallen und nichtig werden, und vor dem fremde Ferne sich wie mit einem unsichtbaren aber starken Bond verbunden fühlen? Denn in aU ihren Worten, im Tön ihres Gespräches schien es klar, daß das nicht irgend etwas Gleichgültiges war, sondern daß sie in der Tat mit diesen Fernen etwas Gemeinsames haben. Und der, der von Robruisk kam, wird vielleicht, wenn er nach Paris kommt, zu dem gehen, der dort wohnt und auch mit ihm sprechen wie mit einem guten alten Bekannten. Und ich? Wer kennt mich auf der ganzen Welt und wen kenne ich? Auch in meiner engen Ecke stehe ich wie allein, fremde Scheidewände sind zwischen mir und denen, die mich umgeben, aufgerichtet und um wieviel mehr noch jedem gegenüber, der von außen kommt Werde ich bei meiner ersten Begegnung mit ihm auch nur ein Wort in meinem Munde haben? Mein Neid nahm eine andere Gestalt an, etwas wurde mir klar daran. Nicht nur meine Einsamkeit und die Unbefriedigtfheit meines persönlichen Lebens und der Mangel jener «Liebe», deren Wesen ich noch nicht einmal kannte, lastete auf mir. Nicht nur danach sehnte ich mich; ich hatte Verlangen nach jenem wunderbaren Rand, das die Menschen aus allen Winkeln der Welt zusammenfübrt und verbindet und das die Welt ganz zu der ihren macht, zu einer großen und wunderbaren geistigen Heimat... Nach einigen Stunden verließ ich das Haas, und der Student der Zimmerherr, begleitete mich nach Hause. Ich erinnere mich nicht, warum meine Freundin sich damals uns nicht anschloß. Wir gingen die Straße entlang, auf der es wenig Passanten gab und die nebligen Punkte der Laterne blinkten durch das dünne und weiße Netz des Schnees, der zu fallen begann. Die stumme, gleich mir trauernde Straße — so sah ich sie ln jener Stunde —, war mir Heb und noch Heber waren mir die einander fernen Lichter, die steh gegenseitig durch die Finsternis zuwinkten. Wie diese Lichter schienen mir auch jene überallhin Zerstreuten, dte sich einander erinnern und sich von ferne zuw-inken. Beinahe hatte ich vergessen, daß sie in meinem eigenen Leben noch nicht sind, diese Lichter, und meine Sehnsucht war süß. Mit meinem Begleiter sprach ich, wie immer, wenig. Wir sprachen über Weine bedeutungslose Dinge, wie man mW einem spricht, der einem nicht nahe ist Und plötzlich erinnerte Ich mich und fragte ihn: «Sagen Sie mir doch: ist das nicht sonderbar? Heute begegneten steh diese beiden zum ersten Male in ihrem Leben, und wie konnten sie sofort so viele gemeinsame Dinge finden, und auch jene, deren Namen sie erwähnten, haben so viele Bekannte an allen Enden der Erde?» «Kein Wunder» antwortete dieser leichthin und, wie mir achten, tnU einem Ausdruck leichten Spottes. «Beide sind ja Zionisten...» und er setzte hinzu: «Ste wissen wohl nichts über diese Dinge?» Ich wußte nichts. Das Wort «Zionisten» klang in meinen Obren fremd und unverständlich und beinahe neu, obwohl ich es zufällig auch zuvor im Hause meiner Freundin gehört batte. Es war in mein Hesrz noch nicht eingegangen und erregte in mir nicht den Wunsch, seine Erklärung zu wissen. Aut die Worte des Studenten antwortete ich nicht Ich schaute dlie Lateraenireiihe an, die sich am Ende der langen Straße allmählich verlor, und dachte: «Zionisten» werden die genannt, die ihre Seele' vor dem Fluche der Vereinsamung retteten, indem sic etwas Einendes und Näherndes fanden, ein Wunderwort vor dem Fernen nahekommen und Scheidewände stürzen. Das Wesen der Sache freiihiteh kenne ich nicht und werde es sicherlich nicht kennemternen und möglicherweise ist seine Bedeutung gering und wenig wert; aber wie dem auch sein mag: heil ihnen, den, «Zionisten». Menschen Schicksal im Ghetto «Ton In des Töpfers Hand» in der RenafB9aacCb&!ü& Theodor Dreiser, Amerikaner deutscher Hea* kunft, hat sich in Europa durch einen wertvollen psychologischen Roman «Amerikanische Tragödie» bekannt gemacht, der, ziemlich abseits von der heute beliebten Knalligkeit der amerikanischen Romanschriftstellerei, an Hand der Indizien eines ungeklärten Mordfatles das Problem der Schuld unerbittlich aufrollt, der individuellen sowohl wie der der menschlichen Gesellschaft, welche zum Verbrechen geradezu zwingt Es ist Josef Jarnos Verdienst, ein dramatisches Werk Dreisens, daß in Berlin starken Erfolg hatte, dem Wiener Publikum /ermittelt zu haben. «Ton in de« Töpfers Hand», eine Tragödie In vies Akten*