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Die Stimme · 1929-02-28 · Heft 61 (28.2.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 61 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nr. Gl Maße, wie sich in unseren Reihen die geistige und kulturelle Position stärkt, so verstärken sich auch unsere materiellen Errungenschaften und Leistungen». Ueberall und zu jeder Zeit, wo jene schwächer werden, sind auch diese geschwächt. Und ich muß bemerken, daß die Vertreter der großen Völker dies sehr wohl verstanden, daß alle Teilnehmer der Friedenskonferenz meine hebräische Rede, die ins Französische und Englische übersetzt wurde, mit großer Aufmerksamkeit anhörten. Auf alle Versammelten wirkte die Macht des hebräischen Sprachklanges und es war ihnen auch, wie sie dann versicherten, eine große Freude, dieSprache desPropheten als lebendige Sprache Im Munde eines Vertreters des jüdischen Volkes zu hören Als am nächsten Tage in allen englischen und französischen Blättern genaue Berichte Ober die Sitzung erschienen, erwähnten diese auch die sprachliche Wiederbelebung als ganz besonderen, bedeutsamen Wert in der Geschichte der Wiederbelebung unseres Volkes. Als dann der britischen Regierung das Mandat übertragen wurde, Palästina im Sinne der Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk zv verwalten, da wurde in . einer besonderen Klausel ö; r hebräische Sprache als eine der drei offiziellen Sprachen des Landes a u f g fine m men, und dies zu einer Zeit, da unsere Zahl im Lande noch sehr klein war. Wer weiß, ob die hebräische Rede auf der Pariser Konferenz nicht Ihr Teil zu dieser .wertvollen Errungenschaft beigetragen hat Von meiner Rede auf der Friedenskonferenz, deren vollständigen Text ich nicht besitze, kenne ich heute nur mehr ungefähr den Inhalt. Sov'eit ich mich er innere, hat sie ungefähr eine Viertelstunde gedauert; Ich sprach im Namen der Ostjudenheit und beleuchtete die Geschichte unseres Volkes, welches sich durch alle Jahrhunderte der Zerstreuung als einziger, wahrhafter und getreuer Besitzer seines Landes fühlt, aus dem es mit Gewalt vertrieben wurde, welches nie Verzicht geleistet hat auf sein Recht, dieses Land zu besitzen und zu allen Zeiten der Hoffnung gelebt hat, in das Land seiner Ahnen zurüokzukehren, um dort sein Haus wieder aufzubauen; daß alle Völker sich im Verlaufe der Jahrhunderte gegen dieses Volk versündigt haben, gegen den ersten unter den Schöpfern der Kultur und Gesittung in der Weit, und daß es für alle Völker nur eine Sühne dieses Vergehens gebe: mitzuhelfen an der Wiedererrichtung seines Heims; daß in unserem Volke iricht die Spur eines Rachegedankens gegen alle jene lebe, welche ihm sein Leben so lange' Zeit verbittert haben; daß es sich nur in seinem Lande niederlassert wolle, um in Ruhe und Frieden, mit allen Nachbarn im Lande selbst und anderwärts, nach der Lehre seiner Vorfahren und den Idealen des Propheten zu leben, daß es hofft, seine alte Kultur im Verein mit den Errungenschaften der neuzeitlichen Kultur zu erneuern. Das waren die wesentlichen Richtlinien der Rede. Der vollständige Text befindet sich im stenographischen Protokoll der Konferenz. Das ist in Kürze alles, was ich über das geschichtfiche Ereignis erzählen kann, das sich am 2 7. Tage des ersten Adar 5679 (2 7. Februar 1919) im Palais des Ministeriums des Aeußeren in Paris vollzogen hat Ich bin stolz darauf, daß ich es war, dem das Los, diese ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen, zu fiel. Als ich am Tage vor der Konferenz mit meinen Freunden W e i z m a n n und Sokolow über die Rede auf der Konferenz und über die Sprache, in der ich sie halten sollte, beriet, bezweifelten sie, ob es unbedingt notwendig sei, hebräisch zu sprechen, aus der Erwägung heraus, es wäre nicht angebracht, zu den Teilnehmern der Konferenz ln einer Sprache zu sprechen, die sie nicht verstehen. Ich erwiderte darsuf: «Ich spreche hebräisch oder überhaupt nicht» Der arabische König Faisal hat arabisoh gesprocher - es hat ihm niciht geschadet; auch mir «chadet mein Hebräisch nicht.* Meine Freunde stimmten zu. Und dar Ansehen der hebräische» Sprach« ward in der ganzen Welt erhöht. Präsident Welzmanns Gesundheitszustand Der Gesundheitszustand der Presidenten der zionistischen Weltorgan'eation Prof. Or. W e« z tr? n n ist, wie uns aus London berichtet w»rd, nach wie vor z ufriedenstellend. Dr. Weizmann befindet sich ln einem Sanatorium fr der Nähe von London, wo er sich einer leichten Halsoperation unterziehen wird. Ein ''olksgesciienk an Prof. Wefzmann In de? französischen Zeitschrift «Menorah» gab der bekannte Rechtsanwalt Dr. Ferdmand Corcos die Anregung zur Sammlung von Spenden in aller Welt | zweck? Ueberreichung eines Volksgeschenkes an Prot Weizmann, m Anerkennung seiner Verdienste für die zionistisch« Idee und das Judentum. Die Form des Geschenkes soll in einem späteren Zeitpunkt bestimmt werden. Die Zeitschrift hat bereits die Sammlung eröffnet, für d5e in Frankreich ein Minimum von fünf Francs angesetzt wurde. Sokolow nach Amerika abgereist Am 20. F e b i u a r hat der Präsident der Zionistischem Exekutive, Nabum Sokolow, der erst vor wenigen Tagen aus Berlin in London eintraf, seine Reise nach New York angetreten.. Er wird einige Monate in den Vereinigten Staaten verbleiben u*nd sich an der Kampagne des United Palestina Appeal führend beteiligen. Die Lage des Zionismus in Polen Wie das Zionistische Zentralbureau in London meidet, wurde die geplante Besprechung der Exekutive mit den Führern des polnischen Zionismus wegen der Erkrankung des Präsidenten der Organisation, Dr. Weizmann, b i s auf weiteres abgesagt Ifraelitffdier Jugendgottesdienft. Samstag, den 2. März 1929, um 3 Uhr nachmittags findet der Jugendgottesdienft für die iiraelitifche Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirksiynagogcn ftatt. Wie ich den Zionismus kennen lernte Von Eliscbewa. Die hebräische Dichterin EHschewa, <ße jetzt in Palästina lebt, ist eine russische Christin, die durch Verkehr mit Juden bi den Bann der jüdischen Idee gezogen wurde und schließlich Jüdin und Zionisttn wurde. Sie erlernte in reifem Alter die hebräische Sprache, ki der sie es zu beachtenswertem lyrischen Ausdruck brachte Die folgende, aus dem liebrä:schui Original übersetzte autobiographische Erinnerung zeichnet in charakteristischer Weise den psychologischen Hintergrund von Etischewas spaterer Bekehrung. iW«r kennt di« Vereinsamung der Jugend? Nicht jene Vereinsamung aus Zwang und Resignation, die mit den Jahrein kommt, die sebbstgenügsam«, sich zufriedengebende, nein — die Einsamkeit aus Durst und unaufhörlichem Verlangen und Sehnen, mit der sich der bittere Geschmack brennenden Neides so gerne paart Jenen Neides, mit dem du in deiner Phantasie alle Güter aufzählst, die deiner Meinung nach andere besitzen. Und du quälet dich mit der stflndlgien unnützen Frage: «Und was habe ich?» Diese Einsamkeit begleitete mich stets in jenen fjtrgendjahiren. Es war ein Winterabend. Die Straßen versanken ln weißgrauer Finsternis, aus der die Feuer der Laternen verschwommen und neblig erscheinen. Eki kalter, verwaister Wind blies draußen und drinnen, jenseits der beleuchteten Scheiben und her ab gelassenen Vorhänge schien das Leben der anderen so warm, angenehm und liohtüberflutet Ich bog in das Haus meiner einzigen Freundin, eines jüdischen Mädchens ein. Ich wollte ein — zwei Stunden neben dem dampfenden Samowar im großen Eßzimmer sitzen, die Zeit mit Kurzweil und Plauderei au/bringen, um durch sde mich selbst zu vergessen. Mich rmt meiner Freundin in den dunklen Salon zurückziehen, batte ich heißem Wunsch. Dort waren wir gewöhnt, ln den Abenstiuuden zu plaudern: dort teilte sie mir den Eindruck mit aus den letzten Rendezvous mit ihren beiden Verehrern, von denen einer ein heiratsfähiger junger jüdischer Kaufmann, der andere ein Christ war. — Dort pflegte sie mir auch Briefe zu zeigen, die sie von ihrem zweiten russischen Verehrer erhielt, von jenem, der es Im Vorjahre war und der die Stadt verlassen hatte. Aber nach solchen Stunden trug ich gerade jetzt kein Verlangen, Des nutzlosen Neides war ich müde. Im Eßzimmer fand Ich die ganze Familie und audh einen ständigen Gast, den Hebräischlelirer, der die Brüder meiner Freundin unterrichtete, ein junger Mann aus dem Ansiedlungsrayon. Dieser zählte nicht zu Ihren Verehrern, und auch mir war er fremd und fern, wie ein Geschöpf au« einer äderen Welt. Manchmal verstand Ich auch nicht, was er zu mir sagte, ich konnte mach nicht an seine komische russische Aussprach« gewöhnen. Ee gab noch einen, den ich ln letzter Zeit an ihrem Tische zu sehen gewöhnt war: ein Student, der ln ihrer Wohnung ein Zimmer gemietet hatte. In jenem Winter konnte ich noch nicht erkennen und fühlen, daß sich bereits Irgend etwas zwischen ihm und meiner Freundin ansptoint. Die Sache wurde mir erst nach einiger Zeit bekannt, als sie sich verlobte. Dieser junge Mann setzte mich ln nicht geringes Erstaunen: lässig in seinen Bewegungen und seiner Sprache, etwas trocken, den zukünftigen «Baal Bajith* bereits verratend. Er gefiel mir nicht; jedoch begleitete er mich oft nach Hause — aus reiner Höflichkeit und da ein anderer Begleiter fehlte. Ihm fand ich nicht an Jenem Abend. Er war noch nicht von seiner Arbeit in der Universität zurückgekcbrt Der Abend schleppt« sich langsam dahin wie alle unsere müßigen Abende, und tief im Innern des Herzens, in einer verhüllten Ecke, brannte leise die Einsamkeit und das ständige Sehnen, jener Durst nach jemand, nach der Gesellschaft naher Menschen, aber Die Erweiterung der Jewish Agency Der Board of Deputies beruft ei*e Agency-Konferenz der englischen Juden ein Aus London wird berichtet: In seiner letzten Sitzung hat der Jewish Board of Deputies beschlossen, der (von uns in der vorigen Nummer besprochenen. — Di« Red.) Einladung der Zionistischen Exekutive Folge zu leisten und die Initiativ* zur Einberufung einer Konferenz' ripr englischen Juden zur Teil>- rsjime an derjewish Agency zu ergreifen. Präsident d'Avigdor G 01 d 8 m > d leitete die Sitzung. Es wurde der folgende Bericht des Recflts- und Parlame-ntsikomitee? verlesen: «Das Komitee hat sich am 13. Februar mit dem Schreiben der Zionistischen Organisation befaßt, in dem der Board eingeladen wird, die Initiative zur Einberufung einer repräsentativen Konferenz aller englischen Juden zu ergreifen, um den Wunsch der jüdischen - Bevölkerung Englands zu demonstrieren, an der Durchführung des britischen Mandats in Palästina mitzuwlrken und sich mit anderen jüdischen Gemeinschaften in der Jewish Agency zu vereinigen sowie Arrangements für eine Vertretung der englischen Juden in den Verwaltungskörperschaften der Jewish Agency zu treffen. Das Komitee empfiehlt dem Board, der Einladung Folge zu le’sten und das Präsidium zu beauftragen, all« notwendigen Arrangements zur Einberufung der Konferenz zu treffen. Auf eine Anfrage von Herrn Herwald, umschrieb der Präsident d’vigdor Goldsmid die folgenden zwei Hauptziele der Konferenz: 1. Der ganzen Welt zu zeigen, daß die gesamte englisch jüdische Gemeinde einträchtig in dem Wunsche ist, an der Agency tellzunehmen; 2. festzustellen, welche Körperschaft oder welche Körperschaften die englisch-jüdischen Vertreter In die Agency zu ernennen hätten. Es entspann sich eine Aussprache, an deren Schlüsse der politische Sekretär der Zionistischen Organisation Mr. Leonard Stein eine Erklärung über die Aufgaben der Agency abgab. Er erläuterte die Position der Agency gemäß dem Mandate. Heute repräsentiert die Zionistische Organisation allein die Agency; von jetzt ab wird sie die Verantwortung mit den übrigen Körperschaften teilen. Die Konferenz der englischen Juden müsse schon bald, noch vor dem zionistischen Kongreß, einberufen werden. Der Antrag des Rechts- und Parlamentskomitees wurde einstimmig angenommen. Zionistische Jewish Agency-Diskussion Wie schon 'Ungeteilt, wurde untef den Mitgliedern der Zionistischen Organisation eine Umfrage folgenden Inhalts veranstaltet: Wie wird sich die Erweiterung der J e w i e h Agency auf die T ä t i g k e i t der Zionistischen Organisation auswirken, welches sollen die Funktionen der Zionistischen Organisation in der Zukunft sein und wie sollten inswirklich naher, die einem wirklich gehören. Wer sind sie und wo sind sie? ich wußte es m-chrt. Klingeln. Irgend jemand tritt in den Korridor Es ist nicht der Student, wie wir vermutet hatten. Die Hauefrau gellt dem Kommenden entgegen und nach einem Augenblick führt sie ihn zu uns herein. Auch er ist dn jtideicher Student, den wir nie zuvor gesehen hatten, ein Kollege jenes Zimmerherrn. Da er Ihn nicht zu Hause antraf, hatte ihm die Wirtin vongeschilagen, auf Ihn zu warten und ihn ins Zimmer eingeladen. Der unerwartete Gast setzte sich an den Tisch, nahm da« Teeglas, das Ihm dile Wirtin eingegossen hatte, und begann mit ihr einige nichtssagend« Worte zu sprechen, dl« gewöhnlich aus Höflichkeit zwischen fremden Menschen, wenn sie sich zufällig begegnen, gewechselt werden. Allmählich mischte sich auch der junge Lehrer ins Gespräch und nach kunzer Zelt blieb die ganze Unterhaltung nur in den Händen der beiden: des Lehrers und des Gastes. Ich saß am Ende des Tisches und aus Besch äftigungslosigketi hört« Ich 50 nebenbei a&f ihre Worte. Sie begannen natürlich mit der traditionellen Frage: «Woher kommen Sie, Jude?» — jener Frage, die dem Nichtjuden, wenn er sie in den Schriften SchaJom Alechems trifft, so lächerlich erscheint. Aber im Munde lebender Juden ist sie scheinbar keineswegs sonderbar und lächerlich. In wenigen Minuten unterhielten sich beide interessiert und freundschaftlich, als ob sie einander schon lange kannten. Anfangs hörte ich nur oberflächlich hin. Ich war sicher, daß der Inhalt des Gespräche« mir völlig fernelag. Auch später zog es mich nicht an; aber etwas setzte mich in Erstaunen und zog meine Aufmerksamkeit sonderbar an, wobei sich auch wieder ein Tröpfchen meines ständigen Neides einmisclite — aber in anderer Form, Der Lehrer war, wie ich wußte, aua einer kleinen Stadt Im Ansiedilungsrayon, deren Namen wir Großstädter niemals gehört hatten und deren Lage wir auch nicht wissen konnten. Der Student war, wie au6 seinen Worten hervorgang, aus Bobruisk; sein Kollege, den

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