Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 60 (21.2.1929)
- Date
- 1929-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Stfe 4 PCB STIMME Nf, 60 je 1 MiWon Dollar, für <te nächsten zehn Jahne je 10 Millionen Dollar, zu geben sich verpflichten* Die «Ko>mzet*-Exekufcive erörterte in einer besonderen Sitzung ihren für 5 Jahre berechneten Kolonisationspian und beschloß, diesen Plan zunächst auf 6 Jahre auszudehnen und in dieser Periode 38.500 jüdische Familien auf dem Lande anzusiedrifl, davön 12.000 in Bjro-Bidschan, 15.000 in der Krim, 4000 in der Ukraine, 5000 in Weißrußland und 2500 in Usbeskistan, Daghes tan und Ascrbeidschan, Weitere 2500 jüdische Familien werden in der nächsten Umgebung der jüdischen Städte Weißrußlands und der Ukraine angesiedelt werden. Die Landansiedtung der Buchara-Juden ln Samarkand wurde eine Konferenz der jüdischen Kolonisten von Buchara abgehalten, in der berichtet wurde, daß in den letzten drei Jahren 27 landwirtschaftliche Kollektive o der Buchara-Juden mit insgesamt 356 Wirtschaften entstanden sind* Ferner existieren in Buchara 110 ‘mdivfdueHe jüdische Landwirtschaften. Ritualmordhetze in Sowjetrußland Das Organ des Verbandes der Jungkommuniften „Korafomblfkaja Prawda" beklagt es, daß die Ritaalmordbetze auch fchon bei der Arbciterfdiaft Eingang findet. Eia Mitglied der kommuniftifchen Partei, ein im Petroleumfyndikat befebaftigter Arbeiter namens Berfina, äußerte üefa gegenüber anderen Arbeitern diefes Syndikates dahin, daß die Juden vor dem Pefach-Feft zur Herftellung von Mazzoth C h r i ft e nb 1 u t benutzen. Auf einer Sitzung des Pärteikollektivs hierüber zur Rede geftellt, erklärte Berfina, cs {ei richtig, daß vor 200 oder 300 Jahren die Juden Chriftenblut gebrauchten. Das Parteikollektiv befdiloß, Berfina wegen feiner „unethifchen“ Aeußersog einen Tadel auszufprechen. Berfina erfchien der Tadel ungerechtfertigt, er appellierte gegen denfelben an den. übergeordneten Parteirat. Der Mord an dem Pogromgeneral. Aus Moskau wird berichtet: Der junge Jude Kollcnb e r g. der, wie gemeldet, vor kurzem den früheren Denikin- Gcneral Jakow Älcxandrowitfch Slatfchtfchew ermordet bat,,hl föeben aus der Haft entlafied worden. General Slatfchtfchew war wegen der Pogrome, die er in der Ukraine veranftaltet hat, berüchtigt. Später trat er in den Dienfl der S o wje t a r m e e. Man nimmt an, daß gegen Kollenberg keine Mordanklage erhoben werden wird, da die So* wjeder eile einem „zweiten Schwarzbart-Prozeß'* aus dem Wege gehen wollen. Es exiftieren Dokumente, die beweifen, daß Slatfchtfchew feinerzelt mehrere hundert j ü d i f ch e Bürger, darunter den Bruder Kollenbergs, unter der Befchuldigung, fie fympathifiercen mit den Bolfchewiften, hinrichten ließ. Die obdachlosen Juden von Saloniki Aus Saloniki wird berichtet: Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde von Saloniki begab sich vor kurzem nach Athen, um dem Ministerpräsidenten V e n i z e 10 s die traurige Wohnungslage der Judenschaft vonSaloniki darzulegen. Die Mitglieder der Abordnung erzählten Venizelos, daß viele hunderte armer jüdischer Familien in Höhlen, Kellern, Hausruinen und Baracken zusammengepfercht wohnen. Nunmehr gehen die Behörden daran, im sanitären und Sicherheitsinteresse alle diese Wohnungsschlupfwinkel wegzuräumen. Die Abordnung forderte von Venizelos, daß die Regierung für die Unterbringung der wohnungslos gewordenen Familien sorgen möge, da die jüdische Gemeindeverwaltungfinanziell völlig erschöpft sei und in dieser Beziehung nichts mehr leisten kann. - Ministerpräsident Venizelos erklärte der Abordnung, die Regierung habe genug damit zu tun, um die Flüchtlinge aus der Türkei unterzubringen, und sei darum materiell nich t in d er Lage, zur Lösung des Problems der unterstandslos gewordenen jüdischen Familien von Saloniki irgendetwas beizutragen. Die Antwort des Regierungschefs hat auf die Juden Salonikis einen niederschmetternden Eindruck gemacht Die Führer der jüdischen Gemeinde stehen dfem Wohnungsproblem ratlos gegenüber. Infolge täglich vorkommender Demolierungen baufälliger Häuser werden immer weitere jüdische Familien auf die Straße geworfen, ohne daß irgendeine Aussicht für deren Unterbringung besteht. Der wirtschaftliche Druck auf die Juden Polens Aus Warschau wird berichtet: Vor der Abstimmung über das Budget für 1929 hielt Abg. Farbstein im Namen des Jüdischen Klubs eine bedeutsame Parlamentsrede, in der er ausführte, die Umsatz- und Einkommen- und Vermögenssteuern lasten so ungeheuer schwer auf der jüdischen Bevölkerung der Städte, daß diese am Zusammenbrechen ist Die außergewöhnlich hohen Strafen und Zuschläge für Verzögerung bei der Steuerleistung tun ein übriges, um die Last unerträglich zu machen. Die Stadtbevölkerung leistet die Steuern nicht mehr aus dem Einkommen, sondern aus der Vermögenssubstanz, und dies führt zum vollständigen Ruin. In den Provinzen Posen und Pomerellen haben die jüdischen K a u f 1 e u t e unter der antisemitische« Hetze ungeheuer zu leiden, der jüdische Hausierer wird besonders schwer verfolgt. Abg. Heller forderte u. a. die Schaffung von Arbeitsmöglichkdten für die jüdischen Kriegsinvatlden und die Wiederanstellung der in den staatlichen Tabakfabriken entlassenen jüdischen Arbeiter. Bei den Abstimmungen über das Budget wurden sämtliche vom Jüdischen Klub gestellten Verbesserungsanträge sowie die von Grünbaum beantragte Erhöhung der Positionen für jüdische religiöse und erzieherische Bedürfnisse ab gelehnt Vor der Abstimmung über das Budget verlas Dep. Grünbaum im Namen des jüdischen Parlamentsklubs eine Deklaration, in der die Ablehnung des Budgets durch die jüdischen Vertreter begründet wird, n. a. heißt es in dieser Erklärung: «Aus den von den Juden getragenen Steuern werden alle anderen Religionen außer der jüdischen erhalten, die Bedürfnisse aller Bürger mit Ausnahme der Juden befriedigt noch mehr: Ae von den jüdischen Steuerzahlern geleisteten Summen werden zur Entnationalisierung der Juden mit Hilfe der Elementarschulen, die in keiner Weise die besonderen Bedürfnisse der jüdischen Schüler in Betracht ziehen, verwendet ‘ Die jüdischen Steuergelder werden auch zur Durchführung einer Wirtschaftspolitik benützt, deren Ziel es ist, die Juden aas der Wl r tschaft hin a uszudrän gen und die Nahroogsqurtten der Juden zu verschütten.» Wozu man die Zarengesetze braucht Abg. Hartglass interpellierte den Innenminister wegen des folgenden Falles: Im Dorfe Szenica (Kreis Novominsk) wurde der Jude Salomon Ho r 0 w i t z zum Gemeindevorsteher gewählt Der Kreischef hat aber auf Grund des in Polen noch; immer geltenden Zarengesetzes von) Jahre 1864, wonach ein Jude auf dem Lande kein Vorsteheramt bekleiden darf, die Wahl des H pro witzannulliert Der Minister wird aufgefordert, die Verordnung des Kreischefs auf Grund der Verfassung für ungültig zu erklären. Auch in der juristischen Kommission des Sejm wies Deputierter Dr. Hartglas auf die noch bestehendengesetzlichen Beschränkungen der Juden aus der Zarenzeit hin. Er stellte. fest,: daß trotz 'aller feierlichen Erklärungen der aufeinanderfolgenden Regierungen diese Gesetzescin- BUCH6RSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, IU TABORSTRSSE NR. 20 a TEL R-43-1-58 M. RATH’S NauarSHneteLeihhiblfofhek blatat Ihnen, eina reiche Auswahl von Büchern aller Ar», insbesondere von Neuerscheinungen Im Original, bzw. geschmackvollen Blbliothekseinbänd ♦ Außer den deutschen Büchern auch fraiizösivnhe, hebräische, jiddische u. Deutech- Judaica In reicher Auswahl ♦ Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 6 bis 6 Uhr geöffnet Monategebühr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr schränk uragien noch immer von den Gerichten und Behörden an gewendet werden, und belegte diese Mitteilung mit zahlreichen offiziellen Dokumenten. U. a. dürfen Juden auch heute keine Kohlengruben oder andere Bergindustrieanlagen erwerben, auch nicht'Grund' u n dB öden in Grenzgebieten besitzen, ferner nicht ein Vorsteheramt auf dem Lande bekleiden. Nach längerer Debatte wurde der Antrag des jüdischen Klubs auf Aufhebung dieser Rechtsbeschränkungen aus der Zarenzeit auf unbestimmte Zeit vertagt, also abgetan. Jüdischer Handwerkerkongreß in Polen Aus Warschau wird berichtet: In Anwesenheit von mehr als 300 Delegierten aus ganz Polen fand hier am 14. und 15. Februar im Saale des Stadthauses der zweite Kongreß der jüdischen Handwerkerorganisationen Polens statt Unter, den zahlreichen Gästen befand sich auch der jüdische Dichter Schalom Asch. Den dem Kongreß vorgelegten Berichten ist zu entnehmen, daß in den 3% Jahren seit dem ersten. Kongreß sich die beiden in Polen bestandenen jüdischen Harvdwerkerveirbände zu einer Gesamtorganisation vereinigt haben, die heute 560 Ortsgruppen zählt. Der Handwerkerverband üfbt seinen Einfluß bei den Wahlen aus, interveniert in Steuerangelegenheiten und befaßt sich eingehend mit Kreditgenossenschaftswesen; auf seine Initiative wurden mehr als 200 Volksbanken gegründet ln seinen Verhandlungen befaßte sich der Kongreß u. a. mit der Lage des von unberechtigten behördlichen Maßnahmen bedrohten jüdischen Bäckergewerbes. 220 jiidischc Bäckereien in Warschau und mehrere hundert jüdische Bäckereien in der Provinz sollen als angeblich den Gewerbevorschriften nicht entsprechend geschlossen werden. Es wurde beschlossen, daß der Kongreß beim Industrieamt wegen Revision dieser Vorschriften intervenieren soll Unter den Referaten ist hervorzuheben das Referat des Deputierten Rassef über die Schaffung einer ZentralbankfürHandwerk, die sich auch mit der Beschaffung mechanischer Werkstätteneinrichtnug befassen soil. Es sei zu hoffen,. daß Joint, Foundation, Ica und Bank Polskie eine solche Bank stützen werden. Es wurde eine 15gliedrige Exekutive und ein Zentralkomitee aus etwa 50 Personen gewählt. Mit einer Schlußrede von Abg. Rassner, ging die. Tagung zu Ende. Der erneuerte Kirchenstaat und die Juden Italiens Rer. Wilfred Par Ions, Herausgeber des New Yorker „American Cathölic Weekly", gab einem Vertreter der Jüdifcfaen Telegraphen-Agentur ein ron autoritativer katholifdier Seite gebilligtes Kommunique des Inhalts, daß durch.das neue Abkommenzwifdien Vatikan und dem Königr c i ch Italien, dufdi welches die künftigen Beziehungen der Kirche . und dem italienifchen Staat geregelt und der römifche Kirchcnftaat wieder errichtet wird, der Status.der. jüdif.Aen Bevölkerung Italiens nicht berührt wird. Auf die Frage, ob, wie aus katholifchen Kreifen mitgeteil« wurde, das Konkordat die Wiedereinführung des Canon in Italien vorfieht (das kanonifche Gefetz enthält Ausnahmsv er fügungengegen die Juden), erklärte Rev. Wilfred Parfons, daß nur wenige Bellimmungen des alten kanonifchen Gefetzes jetzt wieder in Geltung kommen. Diefe Bellimmungen betreffen nur Angelegenheiten des Unterrichtes, der Ehe und der kirchlichen Befitztiimer. Laut dem Abkommen iil der katholifche Religionsunterricht in den italienifchen Staatsfchulen obligatorifch, dies war aber in Italien auch vor Abfchluß des Konkordates,der Fall. Jüdifdie Eltern habcp aber das Recht, die Befreiung ihrer Kinder vom katholifchen fltcIigipnSunterricht zu fordern. , Eine Million Dollar für den Frieden unter den Menschen Aus New-York wird berichtet*- Der jüdische Industrielle Lucius Nathan L fi 11 a u e r, welcher ßchon vor einigen Jahren durch eine MilÜanen-Spende zur Bekämpfung des Krebses bekannt wurde, hat jetzt anläßlich seines 70. Geburtstages am 20. Jänner eine Mil Hon Dollar zur Förderung des sozialen Friedens und zur Besserung der Beziehungen unter den Menschen gespendet. Die Bekanntgabe dieser Spende erfolgte durch das Sekretariat der «Permanent Condssion on Better UnderStanding amortg Crieds and Peoples». Diesem «Komitee für die bessere Verständigung unter den Religionen und Nationen» gehören führende Persönlichkeiten der amerikanischen Oeffentlicbkeit, sowohl Protestanten als auch Katholiken und Juden an. Der Fonds wird als «Littauer-Fond» den Namen des Stifters tragen. Nach Littauers Namen Ist auch. die L chr.ka wz e 1 für jüdische Literatur und Philosophie au der H a r v a r d - U n i v e r s i t ä t . benannt, welche Littaiuer vor mehreren Jahren gestiftet .bat. Wenn man an einer studentischen Verständigungskonferenz teilnimmt Bekanntlich hat vor seettis', Wochen r In Biervflle. bei Paris über Einladung des, Weltstuderitenwcrkes (International Student Service) eine Konferenz von Juden und Nichtjuden ’stattgefunden', die zar Aufgabe hatte, über die Möglichkeiten des Abbaues des Antiseinitismus an den H0chschu 1 en zu .verhandeln. Von nichtjüdischer Seite waren drei rumänische Studenten, zwei deutsche Studenten aus Wien, ein Pole, der Vorsitzende der gesamten deutschen Studentenschaft Herr S c h m a d e 1, ein sozialdemokratischer Student aus Deutschland und die Vertreter des Weltstudenteuwenkes erschienen. Es wurden keinerlei Beschlüsse und auch keine Resolutionen gefaßt. Der Vorsitzende der Konferenz, . Jahres Parkes, und der Generalsekretär Dr. Kot-, sehnig haben in Vorschlag gebracht, daß für die: eveu-. tuelle zukünftige Arbeit eine Unterkommission, bestehend ans drei Juden, und drei Nichtjuden, . gebildet werde: Weiters war man der Ansicht, daß an den Hochschulen, au welchen rm Zusammenhang mit der Judenfrage Schwierigkeiten entstehen, dieselben durch Förderung der studentischen Selbsthilfeorganisation, deren Tätigkeit ausgleichend wirkt, gelöst weiden könnten. Diese Tätigkeit hätte sich im Rahmen der bewährten Arbeit des Weltstudentenwerkes und des von diesem gegründeten «Internationalen Instituts für studentische Selbsthilfe» in Dresden zu halten. Wie wir nun erfahren, hat die Stadenteiivertretung der allgemeinen deutschen Studentenschaft in ihrer letzten Sitzung Beschlüsse gefaßt, die die Teilnhirw * des* ersten Vorsitzenden der gesamten . deutschen Studentenschaft, Schmadel, an der Konferenz in BJerville mißbilligen und aussprechen, daß Schmadel nicht das Vertrauen der allgemeinen Studentenschaft besitze, weshalb ein'Rücktritt verlangt werden soll. Da auch sonst das Verhältnis des Vorstandes der deutschen Studentenschaft zu der «Confederatiom Internationale des Etudjants" von der Sbuderatenvcrtreturag mißbilligt wurde. Ist eine Krise im Vors trade der deutschen Studentenschaft entstanden. Das ist also der geistige Zustand der deutschen Studentenschaft! .Antisemitismus um Jeden Preis, denn die «Blüte des deutschen Volkes» weiß, diaß der Judenhaß später Früchte tragen wird. Wie wir weiters erfahren, wird der Gesamtkongroß ' des Wei ts tuden tcn Werkes in diesem Jahre zum ersten Miale. in Oesterreich stattfinden; er ist für Ende Juli du Aussicht genommen. . Kein ifraelitifdier Jugcndgottcsdicnll infolge,der Kälteferien.; Mit Rücklicht auf die vom Stadtfchulrate angeordneten Kälteferien entfällt der Jugcndgottcsdicnll für die ifraelitifche Schuljugend zunächft am Samstag, den 23. d. M. Nach Aufnahme des normalen Schulbetriebes findet auch der Jugcndgotteadjuaft wieder wie gewöhnlich ftatt.