Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 60 (21.2.1929)
- Date
- 1929-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 60 PIE STIMME .i Seite 3 Interesses unter Nicft tztonlsten, die bereit sind, ein solches Programm zu unterschreiben und gleichzeitig die Verantwortung für die Ausführung zu teilen, und auf die Ausschaltung doktrinärer Differenzen, die zu Verdächtigungen und Mißtrauen Anlaß geben. Es waf unsere Ueberzeuguflg, daß gemeinsame Arbeit für Palästina ein Zuwachs an Kräften bedeutet, wahrend theoretische Diskussionen lediglich Uneinigkeit erzeugen. Wir glaubten, daß der Brandels-Ptan ün Jahre 1920 auf diesen Prinzipien awfgebaurt war. Wir sind der Ansicht, daß der Weizmann-Plau vom Jahre 1928 den Rahmen schafft, durch den in der Praxis das Wesentliche dieser Prinzipien verwirklicht werden kann.» Die Jewish Agency-Kommission der Tschechoslowakei Das Zentralkomitee des Zionistischen Landesverbandes der Tschechoslowakei hat eine Verhandlungskommission für die Herbeiführung einer Beteiligung der tschechoslowakischen Nichtzionisten an der Jewish Agency eingesetzt, der außer den beiden A. C.- Mitgliedern Dr. Hugo Hermann und Dr. J. Ruf eisen noch Norbert Adler-Prag, Doktor Arpad Kondor-Bratislava, Dr. Emil Margulies- Leitmeritz und je ein Vertreter der Sonderverb&ide Misrachi, Poale Zion und Hitachduth, die noch zu ernennen sind, angehören. Es wurde beschlossen, von der Exekutive ein weiteres Mandat anzufordern und für dasselbe Dr. Felix Weltsch-Prag vorzuschlagen. Dr. Emil Margulies, der bekanntlich Führer der Radikalen ist, gab die Erklärung ab, daß er die auf ihn entfallene Wahl für seine Person annehme, daß sich dadurch aber an der Haltung seiner Gruppe zur Agency-Frage nichts ändere. 100.000 Dollar für Palästina- Schulen Ein Nissim-Behar-Fonds. Aus New York wird berichtet: Ein anonymer Spender hat eine Stimme von 100.000 Dollar als Nissim-B eh ar-Fonds zur Erhaltung einer Kn ab entlad Mädchenschule i n P al äs t i n a "gestiftet und die erste Rate in Höhe von 10.000 Dollar bereits zu Händen von Nlssim Behar, dem zu Ehren der Fonds gestiftet wurde, erlegt.' das Scfcalwerfc der Alfittei Israelit« üatverselte im Orient begründet 1801 kam er nach New York and nimmt seither groflen Anted am öfflbd- Kcfoen jüdischen Leben der Vereinigten Staaten. Er begründete die liberale fmcnigratioiisliga and ist einer der Letter der Bewegung für humanitäre und liberale iwetnooen oer cmwancKningaponuc. Der XVI. Zlonistenkongreß Die Vorbereitungen In Zürich, Aus Zürich wird um berichtet: Die Vorbereitungen zur Durchführung des 16. Kongresses in Zürich sind bereits schon begonnen worden. Der Kongreß wird im großen Saale des Vereins hause 8 «Zur Kaufleuten» tagen; die Eröffnungssitzung wind am 28. Juli kn Stadttheater vor sich gehen, wo im Herbet v. J. die Schlußsitzung des «Council of Jewish rights der Minoritätenkonferenz» stattgefunden hat Der große Saal im Kaufleuten, wo die regulären Sitzungen stattfinden werden, bietet Raum für 7 00 bis 800 Personen. Da der Kongreß in die Ferienzeit der im gleichen Haus sich befindenden Handelsschule fällt, würden ca. 50 Schulzimoner übernommen werden, die als Bureaus für die Organisation, Fraktionszimaner, Presseräume leicht hergerichtet werden können. Der große Saal im Neubau, der etwa 300 bis 400 Personen fassen kann, wird als Vestibül dienen, wo Bankschalter, Reisebureau, hebräische Buchhandlung usw. installiert werden. Einer derHörsäle, sowie der vordere Saal werden als Konterenzs a a! für etwa je 100 Personen dienen. Die zionistischen Vereine von Zürich haben in einer kürzlich stattgefundenen Vorstandskonferenz eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die die Ausführung sämtlicher Aufgaben bezweckt, welche mit dem Kongreß in Zusammenhang stehen. Die nötigen Vorstudien und Pläne für Unterbringung und Verpflegung der Delegierten* Journalisten, Gäste usw. pflegung der Delegierten, Journalisten, Gäste usw., ungehinderte R e is e f r e i h> e i t und Verkehrsmöglichkeit usw, sind in Arbeit. * Während des Kongresses sind verschiedene große Veranstaltungen in Aussicht genommen, so eine Ausstellung jüdischer Kunst im Züricher Kunstbaus, voraussichtlich auch ein großes jüdisches Symphofilekonzert mit einem der größten jüdischen Komponisten der Gegenwart, dn Gastspiel einer berühmten jüdischen Theatertruppe, ein Sportmeeting usw. Niemand ist zufrieden Die Krimregierung Über die Fehler der jüdischen Kolonisation Wie schon öftere berichtet, kehren ln den Berichten der verschiedenen Kommissionen für die jüdische Kolonisation regetmäßig Klagen gegen die Regierungen wegen mangelhafter Unterstützung der Kolonisatloosaribeit wiedien Nun hat sich der Spieß umgedreht; Die Regierung der Sowjetrepublik a u f d e r K t i m hat einen Bericht über das jüdische Kolonisttäonswerik auf der Halbinsel hierausgegeben, in weichem festgesteilt wird, daß der Volkskommissär für Landwirtschaft der Krim-Regierung auf dem Gebiete der jüdischen Kolonisation Fehler begangen hat Auch an der Arbeit der Regierungskommission für jüdische Kolonisation «Komzet» wird Kritik geübt. Der Häuser bau, heißt es in dem Bericht, ist u nvollkommen und dabei kostspielig. Auch gegen Ozet, die private Kolonisationsgesellschaft, wird Kritik geübt und festgestelät, daß diese Gesellschaft im letzten Jahre bei der Einrichtung von Schafzucht einet?- V e r 1 u s t von 25.000 Rubel gehabt hat-Im besonderen wird die Tätigkeit des Hilfskommissäns für Landwirtschaft, Adler, und des Vertreters von Komzet, Friedmann, absprechend beurteilt Des weiteren wird in dem Bericht festgesteilt, daß von dem für jüdische Kolonisation verfügbaren Gebiet im Gesamtumfange von 135.609 Hektar bis August 1928 rund 100.000 Hektar besiedelt worden sind; der Rest wind im Verlauf von 1929 besiedelt werden. Ais SiedlungsanWärter auf dem neuen Boden seien bereits 4767 Familien registriert worden. Die neuen Kolonisationspläne Die Sowjetregierung hat das Abkommen, das in New York von dein Führern des Jodnit Distribution Committee und den Vertretern der Sowjetregierung in Amerika unterzeichnet worden ist, ohne jede Aenderung ratifiziert Es wurde vom Vizepräsidenten der Sowjetunion und Präsidenten des «Komzet», Peter S m i d o w i t s c h, im Namen des Rates und der Volkskommissare unterzeichnet Das Abkommen betrifft, wie gemeldet, einen für eine zehnjährige Dauer berechneten jüdischen K o 1 o n 1 s a t i o n s p I a n, der von der amerikanischen Gesellschaft für jüdische Kolonisation in Rußland und der Regierung der Sowjetunion gemeinsam zu verwirklichen ist und für den die amerikanische Gesellschaft und die Sowjetregierung jährlich Nissim Be har ist in Palästina geboren und hat sich bis Ende des vorigen Jahrhunderts sehr viel im Erzlehungstind sozialen Hüfswerk Palästinas hervorgetan; er hat u. a. äseifetfotfioifesball der lionisten Oestenreichs im KoBftKmrilftCHus, 2. Pliftrc 1929, Beginn 9 lihf abends Kartenvormerkungen: Ballkomitee, l.,Kärntnerstr.28/2 Telephon Nr. R 27-4-85/86 abends: R 49-8-98 Rußland, wo ein großzügiger Handel schon ziemlich früh sich ausgebildet hat, unter den großen Händlern keine Juden. Diejenigen Kaufman/nsfamllien, die sich zu politischer Macht aufigeschwungen haben, waren Nichtjuden: die Medici in Florenz ebenso, wie die Romanows in Rußland. Auch an der Entstehung des modernen Kolonial- und Ueberseehandels im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert haben die Juden nur einen spärlichen Anteil. Sie haben hie und da als F i n a nziers an der Entwicklung des Handels mitgeholfen, so besonders in Hamburg, wo zwölf portugiesische Juden als Geldgeber sich an der Gründung der wichtigen «Bank von Hamburg» beteiligen. Eis hat auch schon sehr früh jüdische Direktoren der Ostindischen Kompagnie und anderer Kolonralunternöhmungen gegeben, aber nur eine voreingenommene und gekünstelte Geschichtsschreibung kann aus ein paar EinzelfäHen dieser Art den Schluß ziehen, daß die Juden die eigentlichen Organisatoren der Kolonialwirtschaft gewesen seien, daß sie Indien und Australien, Südafrika und vor allem Amerika in das Netz der modernen kapitalistischen Wirtschaft miteinbezogen hätten. Auch heule noch, nachdem die gesetzlichen Beschränkungen allenthalben gefallen sind, hält sich der Anteil der J u d e’n andern Import- und Exporthandel ln dfin großen internationalen Ueberseez’entren in mäßigen Grenzen, in Hamburg und Bremen ebenso, wie in Rotterdam, ln Antwerpen oder in der Londoner City. Größer ist der Einfluß der Juden in denjenigen Wirtschaftszweigen, in denen sich ein b ö r s e n m ä ß iger Wärenhandel entwickelt hat, wo infolgedessen das Warengeschäft einen mehr bankmäßigen Charakter trägt und häufig unmittelbar mit einem Bankgeschäft verbunden ist. Das gilt insbesondere vom Getreidegroßhandel, in dem, wenigstens auf dem europäischen Kontinent, jüdische Häuser, wie die Pariser Firma Dreyfus, dominieren. Auch an der börsenmäßigen Ausbildung des Metallhand eis haben die Juden hervorragenden Anteil. Die führenden Häuser in Amerika (Guiggqnheimer) befinden sich in jüdischen Händen, auch in Deutschland sind die Juden (Beer- Sondiheimer, Aron Hirsch) im Metaillhandel führend. Auf den neuen Robstoffimärkten, insbesondere auf dem immer wichtiger werdenden Kautsohukmarkt, spielen die Juden dagegen eine untergeordnete Rohe. Dazu kommt, daß ebenso wie der internationale auch der nationale Großhandel als selbständiger Wirtschaftszweig immer mehr eingeengt wird. Auf der einen Seite schließen sich die RoJwtoffiproduzenten, so die kanadischen Getreidefarmer, zu kafteliarilgen Vereinigungen zusammen, um den Verkauf ihrer Ware in eigene Regle zu übernehmen; auf der anderen Seite sucht die verarbeitende Industrie die Rohstoffe, die sie braucht, unter Ausschaltung des Handel« selbst in die Hand zu bekommen — der englische Seifeukönlg Levenhulme unterhält Oeäpalmenplantagen am Kongo, Henry Foird hat sich am Ämazonenstrom eigene Gurnmiplantagen angelegt. In dem Maße aber, ln dem der Handel von der Industrie zurückgedrängt wird, wird auch der jüdische Einfluß Im Wirtschaftsleben vermindert, da die Juden nun einmal Im Handel starker vertreten sind als in der Industrie. Die Ausbildung der Vertriebeorganisation durch die Industrie selbst, das Entstehen des unselbständigen «Werkftandels», macht sich besonders in der deutschen Schwerindustrie bemerkbar. Die straffe Ausbildung von Kartellen und Verkaufskon toren läßt dem Eisen- und Kohlengroßhandel nur noch einen geringen Spielraum, Die Juden, die namentlich an dem Aufbau des obenschlesischen Kohlenhandels führend beteiligt waren, sind in diesen Handelszweigen heute weitgehend ausgeschaltet. Die bekanntesten Wirtschaftler und Konzerngründer der rbeinisch-westfäiIschen Schwerindustrie, die aus dem Handel hervorgegangen sind, der Kohlenhändler Hugo Stinnes und der Etsenhändler Otto Wolff, sind Nichtjuden. Die Vorstellung, daß die Juden, und nur die Juden, den Handel beherrschen, rührt denn auch weniger; vom Großhandel her, der sich ja ziemlich unbemerkt für das Publikum in Bureaus und Konferenzräumen abspielt, als vielmehr von dem für jedermann sichtbaren E i nzelhandel. Insbesondere konzentriert sich das Interesse auf die großen Warenhäuser. Aber auch die sind weder eine jüdische Erfindung, noch werden 6ic überwiegend von Juden beherrscht. Das erste W a r e n h a u 6 im modernen Sinn, das für alle anderen Gründungen vorbildlich geworden ist, das Kaufhaus «Au Bon Marche» in Paris, ist in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von den strenggläubigen Katholiken Aristide Boucle.aut begründet worden. Auch die nächstfolgenden Warenhausgründunigen in dein Ursprungsland deT Warenhäuser, die Magazins «Louvre» und «Samaritaine» sind von Niohtjuden ins Leben gerufen worden. Erst mit den Galeries Lafayette, deren Gründer elsässische Juden waren, kommt der «jüdische Einschlag» in das französische Warenhaus wesen. Aehniich ist es in England, wo der Niohtjude Whifeley, und ln Amerika, wo der Niohtjude Marsihall Field die ersten Warenhäuser errichten. Erst eine Generation später, in den achtziger Jahren, kommen in Deutschland die ersten Warenhäuser huf, Hier sind es die beiden jüdischen Familien Tietz und Wertheim, auf die die Entwicklung des Warenhauswesens in erster Linie zurückgeht. Die vorherrschende Stellung der Juden in den deutschen Warenhauskonzernen bildet aber, international gesehen, wie gesagt, eine Ausnahme und nicht dfe Regel. Daneben haben jüdische Kaufleute in Deutschland stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern, den Ausbau des modernen Spezialgeschäfts gefördert In fast allen Teilen der Bekleidungsbranche sind jüdische Kaufleute außerordentlich vertreten. Aber dieser Erscheinung steht wieder der geringe Anteil der Juden an anderen, noch ausgedehnteren Gebieten des Einzelhandels gegenüber, insbesondere am Lebensmittellhandel. Der Einzelhandel afc Ganzes wird also ebensowenig von Juden konfcrottfert und beherrscht wie der Großhandel. f i /