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Die Stimme · 1929-02-14 · Heft 59 (14.2.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 59 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I Nr. 59 ME STIMME Seite 9 licWccRsattentatbn lm' jähpe 1927 zu verzefctiAeii. ünfef «M' gegenwärtig in Haft befindlichen 2478 Personen sind nur 81 J u d e n. 1927 2ählte 'man 1954 Haftgetengen«. Vom 12. bis 14. Mai wind in der Queens Haß *u London eine Palästina-Ausstellung samt Basar abgebalten werden. Präsidentin des veranstaltenden Komitees ist Lady Reading, die Gattin des früheren Vitekönig von Indien Marquis of Readitig, Vorsitzende des Executiv-Konritees Frau Dulde Sassoon. Auf der Ausstellung werden die führenden Industriellen und landwirtschaftlichen Institute Palästinas — auch der nicht indischen — vertreten sein* Die Erträgnisse werden dein Jüdischen Nailonlfönds tugeführt wenden. Die nächste Fahrt des «Zeppelin», die am 23. Februar beginnen soü, wird u. a. nach Aegypten und Palästina geben. Das Luftschiff wird nach den bisherigen Dispositionen auch Jerusalem besuchen* * Rabbi Sdilomo Sataian K o o Ir, der Vater des asefrkenasisehen Oberrabbiners von Palästina, Abraham Isaac Kook, ist in Jerusalem im Alter von 85 Jahren ver* storben. WISSEN / KUNST / LITERATUR fmmqmm—m* WH - — I ———— | lim m - ■ JL i-L. 20 Jahre Petersburger Gesellschaft iiir jüdische Volksmusik (Ein Beitrag zur Geschichte der Jüdischen Musik.) Von Salomon Rosowsky (Jerusalem). Zwanzig Jahre sind seit dem Tage vergangen, als der Gesangspädagoge Joseph Tomars (zurzeit Professor am-Lenrngrader Konservatorium), der Pianist N e s w i s c h s k y (unter dem Namen A b i l e a jetzt in Palästina sehr bekannt) und ich — die beiden letzten noch Konservatoriumsschüler — uns zum damaligen Gouverneur von Petersburg Dratschewsky begaben, um seine Einwilligung und Bestätigung des bereits konstituierten «Verein jüdischer Musik» zu erlangen. Unser Ansuchen rief großes Erstaunen hervor: «Was für eine jüdische Musik?» Wir wagten die Behauptung, daß eine jüdische Musik existierte, daß das jüdische Volk jetzt wie zu allen Zeiten Leid und Freud ln Liedern und Tänzen ausdrücke, daß jüdische Musik nicht nur die Juden Rubinstein* Halevy. Mendelssohn usw. schrieben, sondern,daß jüdische Motive auch von den nichtjüdischen Komponisten Glinka, Balakirew, Rimsky-Korsakow, Müssorgsky vielfach verwendet würden und daß auf dem Grabstein des Letzteren eine jüdische Melodie angebracht ist,, die Müssorgsky in der Zeit, da er Offizier war, in einem Weinen jüdischen Städtchen hörte. Diese Melodie diente ihm später als Häuptthema für seine. Kantate «Jesus Nawin».) «Ja,» erwiderte Dratschewsky, «ich selbst erinnere mich an, eine, jüdische Melodie, die ich auf einer jüdischen Hochzeit in Odessa hörte. Dies war jedoch eine Vpiksmelodie. Ich denke, ihr solltet eueren Verein «Gesellschaft für jüdische Volksmusik» nennen. Somit ist der Name unserer Gesellschaft, die sehr bald in den weitesten Schichten der Juden bekannt wurde, vom Petersburger Gouverneur geprägt worden- *' Seit der Gründung der Gesellschaft (Ende Dezember 1908) wurde die Sammlung und Pflege jüdischer Volksmusik viel systematischer und sorgfältiger betrieben und konnten langjährige Wünsche und Hoffnungen erfüllt werden. Schon 1902 hielt der-bekannte Sammler jüdischer Volkslieder Marek in Moskau unter musikalischer Assistenz von E n g e 1 einen Vortrag, bei dem er die poetischen Besonderheiten des jüdischen Volksliedes klarzulegen suchte. Das war der erste ernste Abend mit jüdischer Volksmusik in Rußland, dem bald weitere in Petersburg und anderwärts folgten. Unvergeßlich sind die Abende, die Joel E n g e 1 in Petersburg veranstaltete und die nachhaltigen Eindruck auf die jüdische musikalische Jugend hinterließen. An den Abenden Engels glühte in uns jene Begeisterung auf, die alle Hindernisse überwindet. Nach kurzer Zeit schlossen sich uns an: Gnessin, Achron, Milncr, Cetlin, Scbitomirski, Schtreicher, Krein, Ssaminski, Kopit, der Sammler jüdischer Volkslieder Kisselgof, die inzwischen verstorbenen Schalit und Lwow und eine Reihe ansehnlicher Persönlichkeiten Petersburgs; — Mandel, der Musikkritiker Knorosowski, die Schriftsteller Tschernichowsky, Riwesmon und Ingenieur Okun, der die ganze schwere Organisatiohsarbeit auf sich genommen hat. Später schlossen sich uns bedeutende Künstler wie: Jascha Cheifez, Anna Mejtschek, Josef Preß, Wengerowa u. a. an. Vom Anfang an hatte unsere Gesellschaft einen hartnäckigen K a m p f zu führen, insbesondere mit den Kreisen der assimilierten Intelligenz. Wir wurden aüsgelacht und verspottet. Scharfe Kritik erfuhren wir von den orthodoxen Kreisen. Nicht nur, weil wir uns viel zu wenig mit religiösen Gesängen abgaben und hauptsächlich die Volkslieder — die nach ihrer Meinung diese besondere Aufmerksamkeit kaum verdienten — bearbeiteten, sondern auch weii wir mit unseren «russischen» Bearbeitungen die Lieder «verdarben». Als Vorbild-wurden uns die alteh Gesänge Kaddisch, Schma-Jisroel, Kol-Nldrel u. a. vorgehalten, gerade in den deutschen Fassungen assimilierter Kantören in Europa, die deutliche Spuren des protestantischen Chörales aufweisen, Die musikalischen Akademiker wiederum kritisierten das ganze System unserer Arbeit. Sie wollten uns zu einer rein wissenschaftlichen, ethnographischen Tätigkeit bewegen, während es hier eine kleine Gruppe begabter Musiker drängte, die alten, von Kindheit an vertrauten Lieder und Tänze in neuer, eigenschöpferischer Form zu gestalten, eigene Wege der Musikäußerung zu suchen und zu finden. Doch dafür gab es noch wenig Verständnis. «Jüdische Musik in Petersburg?» so ironisierte der verstorbene Dichter Petez, «Wollt Ihr eine jüdische Kunst schaffen, so kommet zu uns,— hierher (d. h. nach Polen), stellet Euch an die W i eg e der jüdischen. Musik und schaffet» Ais wir ihm erklärten, daß wir ja gerade zu der «Wiege» pilgern und Un Streben, die Quellen des jüdischen Melos zu erforschen, in die verstecktesten Städtchen und Eschiboths reisen, um dort die Melodien festzuhalten, antwortete er: «Ja, ja, das stimmt; aber unterwegs bis Petersburg frieren unsere Liedchen ein wenig ein.» — Gerechterweise muß , festgestellt werden, daß Perez zu einem späteren Zeitpunkt unsere Arbeit doch noch als einen Kulturfaktor einschätzte; er , wirkte dann wiederholt in Konzerten der Gesellschaft mit und forderte die Musiker und Vereine in Polen auf, sich uns anzuschließen. Unsere einzige Freude war das Echo, das unser Werk in den jüdischen Masse n erweckte. Dort, im Herzen des Landes, kannte das Volk seine Lieder und nahm mit Dank und Begeisterung unsere Bearbeit tungen auf. Diese Anerkennung und Zustimmung gab uns Kraft und Befriedigung, so daß unsere Gesellschaft nicht schon zu Beginn ihres Bestandes einging (wie so' viele andere jüdische Gesellschaften), sondern sich1 Mr.lpha«'s nur Ullsn. I., JMUnr*assu Nr weiter entwickelte und ausbreitete. Im Laufe des ersten Jahrzehntes konnten wir zahlreiche Aufführungen der Werke, die unsere Gesellschaft veröffentlichte, veranstalten: es waren mehr als 100 0 Konzerte, und dies gerade in der Zeit ärgster Reaktion, den Tagen der Verfolgungen und Anfeindungen seitens zaristischer Beamten. Heute ist uns klar: Die «Gesellschaft für. jüdische Volksmusik» ist den richtigen Weg gegangen. Zeugnis dafür ist ihre Leistung: die gesammelte ,und bearbeitete Volksmusik, die den Uebergang zum freien Schaffen bildete, und das Wachsen und Herauskristallisieren der Fähigkeiten vieler Komponisten während des Werdeganges der Gesellschaft. Die Bestrebungen der Gesellschaft haben auch außerhalb Rußlands Wurzel gefaxt um! eine Reibe jünger Talente der jüdischen Musik zugeführt. Die Ergebnisse der Arbeit unserer Gesellschaft sehe ich jedoch nur als Beginn einer großen Zukunft an, als Vorspiel zu einer erhabenen Symphonie, däe — wie ich glaube — nur in Erez Israel geschaffen und erklingen wird. Unsere Aufgabe ist es, den geheimnisvollen Schleier zu lüften, der die palästinensische Musik noch verhüllt, ins Innere dieser Musik zu dringen, ihren Sinn und Ihre Tendenz zu ermitteln und zu erfassen. Eine «Gesellschaft zur Erforschung der p a 1 ä s t i n e n s i s c h e n M u s’i k».® das Erbe der Petersburger Gesellschaft anzutretdlyufre Arbeit fortzusetzen und zu vertiefen hätte, wäre dringend notwendig. Alle zukünftigen Gesellschaften und Komponisten; werden auf dem Felde ernten, das die Pioniere wr Petersburger Gesellschaft ln zwanzigjährigem,;uttermüdlichem Schaffen urbar gemacht, geackert und-gepflügt haben. (Aus den? Russischen v. J. Stutschewsky.) Mapu’s Wette Abraham Mapu, der berühmte hcbräifche'Romanfdiriftftciler in der. erften Haskalapcriode, hatte 1848 vom ruffifchcn Bildungsminiilcr die Etlaubim bekommen, eine Staatsich ule für jüdifche Kinder in Ko w not zu errichten und erfreute (ich der Freundfchaft des Gouverneurs. Dort kam . er mit einem. katholifchen Geldlichen zulammen, der des öfteren mit ihm religiöfe Diskuffioncn führte. „Die Juden," tagte der Geldliche, „dienen heute noch Jem goldenen Kalbe. Für Geld, werden fie allcfamt ihren Glauben verkaufen, auch den Sabbat hergobrn." „Verzeiht, Höcflwürden,*' fagte Mapu, „ich ftehe den Juden näher und kenne fie beiTer. Ich wette, daß kein Jude in Köwno de* Geldes wegen {den Sabbat zu entweihen fähig wäre." „Dann wetten wir und lallen es auf die Probe ankommen,** meinte der Geldliche. Am nächden .Sabbat, mittags um zwei Uhr, es war ein klarer Winternachmittag, fah man zwei würdige Männer die Schloßftraße hinaufgehen. Die Straße wimmelte von Juden, Knaben und Mädchen, die nach dem SabbateiTen lieh in der Winterfonne ergingen und herumturamelten. Die Kinder ließen (ich aber in ihrem. Spie! nicht Hören. Bald trat der katholifche Geldliche in die Mtite der Jungen, nahm mehrere Silbermünzen aus der' Tafche und warf fie in den Schnee. Die Kinder Iahen verwundert nach dtn blinkenden Münzen. Die Gier regte (ich in ihnen, aber keines wagte es, eine Münze aufzuheben. Zwei vorwitzige Burfchea verfuchten, einige Münzen mit den Füßen in den Schnee zu verfcharren, um fie nach Sabbatausgang zu holen. Aber fie wurden von den anderen angefallen und daran verhindert. . So blieben die verwaiften Münzen im Schnee liegen. Mapu hatte die Wette gewonnen. Zur Verbreitung des hebräischen Buches Der Keren Käjemeth hat inzwischen die vom Verlag «Omanuth» herausgegebenen Bände erhalten, die die Abonnenten nach Maßgabe ihrer Zahlungen erhalten werden. Seit dem Jahre 5686 gibt der genannte Verlag monatlich einen Abonnementband heraus. Von den bisher erschienenen 24 Bänden sind die ersten 4 (Jules Verne: Die Reise des Kapitän Hatteras) vollständig vergriffen. Die übrigen umfassen: A. M. Goldschmiedt: Der Jude (Roman); Thomson: Die Helden der Prärien; Jules Verne: Schule der Robinsone; A. Neubürger: Erfiftder und Erfindungen; Mader: Zu den Bergen der Sahara; Ä» Mader: Ofir; Sch. Ben Zion: Der Auszug der Juden aus Aegypten; R. Kipling: Das Dschungelbuch; Graustrem: Meine' Reise nach Tibet; Mark Twain: Pin; Bonseis: Die Biene Maja. Die Bücher gehören zu den klassischen Volks- und Jugendbüchern der Weltliteratur. Die Uebersetzungen selbst sind durch ihre Form und Sorgfalt in der hebräischen Literatur glänzend (beinahe als klassisch) bekannt. Die Ausgaben des «Dwir» (des von Bielik geleiteten Verlages) sind avisiert: Ab0nn e mö-ntbedingungen: für. monatlich.je S 6.— monatlich 1 Buch (najeh 12:Zahlungen noch ein Band gratis); für monatlichje S 3.— ein Buch jeden zweiten. Monat; .für monatlich Je S 1.50 ein Buch jeden dritten Monat Auf je zwei Halbabonnements, resp. 4 Viertelabonnements nach der letzten Zahlung noch ein Band gratis. Abonne?; mentsannahme beim Keren Käjemeth, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-8$, R 27-4-86. Von Büchern Felix Salten: , Simfon. (Das Schickfal eines Erwählten, Roman. 1. bis io. Taufend. 1918. Paul Zfolnay-Verlag, Berlin- Wien-Leipzig.) Vor einigen Monaten erfdiien von Wladimir Jabotinfky —• unter dem Pfeudonym Altalena — ein Simfon- Roman; wenn man'*von der da und dort durdifdieinenden, nicht allzu diditerifchcn Tendenz: Simfon als Vorläufer des jüdifdien. Legionsgedankens abfieht, bleibt etwas übrig, was das Büch für lange im Gedächtnis des Lefers haften läßt: eine ' ohne jede ardiäologtch-hiftorifchen oder gar modern-pfydiolögifdien Hilfsmittel arbeitende Schilderung, die geradezu hinreißend ift, in atemlofer Spannung hält und als rückgewandte Reportage bellen Stils bezeichnet werden könnte. Felix Saltens Simfon- Roman verrät nicht den Publiziften (Ul eher bemüht, ihn' zu verbergen), hat keine aktuelle, fidi über die poetifdie Forderung hinwegfetzende £ Tendenz (eher das Gegenteil) und ift rein auf pfydiologifche Deutung gelleilt. Saltens Simfon trägt das — nicht unbedingt evidente — Kainszeichen der Erwähltheit, mit dem die auf den Eftay berechnete moderne Pfychologie fich fo gerne bei’ außerordentlichen Menfdien befchäftigt, durch fein kurzes Leben. 1(1 nur die Frage! war Simfon etwa ein Mofes, ein - Sokrates oder ein Michelangelo? Die Anwendung des Er- , wählthcitsfluches auf ihn fcheint einigermaßen überfluftig, Ueber diefe fatale Erwägung hilft auch die gutgekonnte Darftellung nicht hinweg, die bemüht ifl, den Stoff aus den Denk- und Vorftcllungshorizonten up to date vom Lefer erfaften zu Jaft^i. ^iHtrtierte. üpd Invertierte Inftinkte, n^pefätoe GräübeKideütungen u. dgl.‘laftin jedem Gcfchraack fein Reiht; Mirih — ^fer ''vieles bringt, wird jedem etwas bringen, auch aus ‘IKfi.‘Äöfch. k.'cs.'F. ■yWf^Sr herausgegeben V6n 'fbllL ^'e^^ard ^ohn JJ^tecbpr Verlsi.g, Berlin). Wir greifen so-* fort ‘.lÄIJt j&teresse Jiacb fe$fm jugendbuch, weil wir. noch Sit Jioiftiurtgsral c<htfS’üf garten, daß es das Kinder- *Ws wfr hiifngenxl brauchen. Wir nähtllch iRUipdehi ‘Gebiete Mer Kinderliteratur noch immer nlöht Mä? ersten Anfjjitige hinausgekommen, Auch die* j$rf(v$5b Mfcfti1 b^rtÄten; Dichter Emtl Bernhard1 heraus* gfffÄiwe ki'ndefkjMejider Ist noch nicht die Erfüllung un« serer würische, jwfenfalls aber ein gewaltiger Schritt nach Am gelungen ist wohl das reizend Mutjtrfe^e "JCafend^fvjun), d^m eine Anzahl guter ErzäMithgen, Fesispiele und Rätsel folgen, die jedem etwas Unterbauendes und Beehrendes bieten werden. Die Anleitungen zum Basteln, Malen, Sticken und Spielen werden Knaben und Mädchen Gelegenheit geben, ihre Geschicklich^tt äus£jl* probieren. Wir hoffen, daß die jüdischen Eitern, die durch Anschaffung des Kdlpders ihren Kindern sicher eine'große Freude bereiten, dem Herausgeber und Verleger die Möglichkeit geben werden, durch Ausgestaltung und Verbesse* rang den KAnderkalender zu einer ständigen; jährlich Ute* derkehrenden Erschei/King zu machen. »«# D^$38C

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