Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 59 (14.2.1929)
- Date
- 1929-02-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorte f) BfE STIMME Nr. 59 sein machen and sie zu entsprechenden Maßnahmen veranlassen. Indem Ich der geehrten Redaktion fffr die VerÖÄehtlichung dieser Zeilen höwlchs» danke, verbietb< fch mit vorzüglicher Hochachtung und ZlonsgmB Or. N. M. Gelber/ Ver sacrum Cio Abschledsgruß an unsere Chafazim. Nach einer dumpfen Pause von zwei und einem halben Jahr gehen die Schranken, welche die jüdische Einwanderung nach Erez Israel sperrten, wieder hoch. Eine vorläufig noch sehr geringe Zahl Zertifikate wurde von der Palästina-Regierung auch den Chaluzim verstattet, von denen Tausende und aber Tausende in schier verzweifelter Ungeduld ihrer Befreiung aus der Oede des Galutfh harren. Für unsere Chaluzim, die Arbeitspioniere des jüdischen Volkes, arm am Beutel, doch reich an Herzen, die. angewiesen auf Schutz und HHfe der Zionistischen Organisation, ihr das redHch wiedererstattep durch die harte Arbeit, mit der sie unser Land hefrijchten und durch die Ehrenrettung, die sie dem geschändeten, geschmähten Namen des verbannten Volkes bringen helfen. Noch an nei Schwelle nach Altneuland macht Ihr Chaluzim Euch um den Zionismus verdient. Immer wieder war letzter Zeit das defaitlstisohe Geraunze malkontenter Gruppen zu hören, als wäre der zionistische Geist tief gesunken, als wäre die Ausführung ein Zerrbild der einstigen Pläne und das werdende Palästina ein Hohn auf das von Hera! gesteckte Ziel. Matten Seelen drohte die Gefahr, sieb durch solche Unheilspost hypnotisieren zu lassen. Nun, Ihr Chaluzim» im Galutb national gerüstet und als Vorkämpfer nach Erez vorausgesandt, Euch grüßen wir als lebendiges Dementi jener Afterlebren. Euer Wagemut möge als Weckruf wirken zum Selbstvertrauen und zum Vertrauen in die zionistische Idee und ihre Führung. Auch aus Oesterreich macht sich ein Häuf* lein Auserwäblter auf den Weg. Schon sind ihre Ranzen gepackt, schon greift ihre schwielige Faust nach dem Wanderstab. Ihr lieben, jungen Freunde, nehmt unsere herzlichen Segenswünsche mit auf die kühne Fahrt und ein paar gutgemeinte Worte der Warnung! Laßt es Euch nicht verdrießen, daß so viele Juden vor nicht langem, zur Zeit des Booms und seiner hoohflammenden Hoffnungen, Euren chaluiischen Brüdern drüben eine überirdische Gloriole flochten und sie hinwieder im Drang der Krisis für jede Enttäuschung des Palästina-Werkes mit unbilliger Leidenschaft haftbar machten. Erkennet und wisset, daß diese Uebertreibungen von Lob und Tadel Menschen ärt sind und packt das mit Geduld Eurer übrigen Last bei! Wir aber wollen der Wahiheit Ins Auge schauen. Sie soll uns dauernden Mut und unerschütterliche Kraft schenken. Und diese Wahrheit ist, daß Mir Chaluzim nichts vom jüdischen Volk Losgelöstes und Gesondertes seid, sondern die reine Inkarnation seines Ich«. Ihr seid der Frühling unseres Volkstums. Ihr verkörpert mit der resoluten Unbedingtbeit der Jugend den unbesiegbaren Willen unseres Volkes, zum Leben, seine Sehnsucht nach einem würdigen Dasein in Ehre und Schönheit, sein Ringen u>m das Vaterland. Ihr seid die Wegbahner für die breite Masse, für das jüdische Volk in all seinen Erscheinungsformen, all seinen Schichten, Berufen und «Klassen». Vergesset nie, was Ihr diesem Volke schuldet, das Euch als die Essenz ungezählter Generationen gebar, das Euch mit seinen besten Säften nährte und großzog und das Euch nun seine Sturmfahne in die Hand drückt. Möge diese unverbrüchliche Einheit zwischen uns und Euch nie verdunkelt werden! Wir— das jüdische Volk in aller Welt —• wollen uns einprägen, daß in Eurem Leben drüben, in Euren Leiden und Triumphen unser ureigenstes Geschick beschlossen ist. Dpch auch Ihr, junge Freunde, bleibt der Verpflichtung gegen das Volksganze eingedenk. Laßt Euch nicht in Sondermeinungen einkapseln; gebt Euch nicht der Hoffart preis, an Verstand und Charakter die anderen turmhoch zu überragen. Und wenn sich drüben Not und Plagen bitter häufen, wenn das Werkzeug Eurer müden Hand und der Mut dem ernüchterten Herzen zu entsinken droht und wenn schließlich ln Euch Neid und Haß gegen jene zagen Brüder aufschießen will, die noch bei den Fleischtöpfen Aegyptens zurückbMeben, hütet Euch, das Band zu lockern, mit dem Ihr für ewig — zu Gedeiih und Verderb — an Euer Volk geknüpft seid! Chaluzim, wenn Ihr von Bord des Schiffes, das Euch heimwärts trägt, im Früh rotschein den Saum des heiligen Landes erblickt, dann hisset Eure Fahne hoch, die auch die unsere ist. Ihr möget sie getrost mit rotem Bändchen zieren, wenn Euch das paßt. Genug, daß die Fahne unseres Volkes Farben trägt und stolz im Morgenwinde flattern läßt, die jüdischen Farben: Blau-Weiß. M i c h a e L Der österreichische Landesvetband Hechaluz feierte Sonntag abends in einer großen im Zentralkeller abgehaltenen Versammlung den Abschied von Ufa! Chatuilm, die inläßlich der neuen AtQafi nach Erez Israel «breiten. Der Saal war dicht gefüllt von begeisterter zionistischer Jugend, die ihren Freunden bei hebräischen Liedern und Tänzen einen würdigen Abschied bereitete* Im Namen der Kttlhmgemelndc öberbraebb* Kmtneftialfat M a r k u « den jüdischen Pionieren <Fe herzlichsten Glückwünsche und forderte die Versammelten auf, un gleichen Sinne an der Verwirklichung des idealen Zieles weiterzuarbeiten. D*\ Chalm T a r t a k ow e r v’ürdigte in hebräischer Sprache die Bedeutung der Chaluzim für den Aufbau unserer neuen Heörnat und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die verschiedenen Spaltungen im Zionismus bald beseitigt sein mögen, um den Anhängern aller Richtungen ein breites Tor zum Eintritt nach Erez Israel zu öffnen. Herr Silberherz (Hitachduth) besprach die Bedeutung der n*uen Alijah, Rabbiner Dr. K a m i n k n forderte die jüdische Jugend auf, nicht durch kleinliche Parteiinteressen das große ideal des jüdischen Volkes aus dem Auge zu verlieren und ermahnte sie der Religiosität, die mit unserem Volkstum innig verbunden ist, nicht zu entraten. Der Direktor des österreichischen Nationalfonds, Adolf Böhm, gab einen historischen Ueberblick über die vier vorausgegangenen Einwanderungsperioden und führte aus, daß gerade der jetzt beginnenden, fünften Atfjafi deshalb so große Bedeutung zukomme, weil sie die Starre löst, die durch mehr als zwei Jahre auf dem Lande gelastet hat und neues Leben nach Erez Israel bringt. Die neuen Einwanderer müssen bestrebt sein, den Kontakt mit der Galutb aufrecht zu erhalten. Diese neue Alijah ist der stärkste Ausdruck unserer Lebenstüchtigkeit, denn sie beweist, daß wir imstaride sind, junge, frische Kräfte zum Aufbau unserer neuen Heimat beizustellen. Nicht auf das Geld kommt es an. Diese, mit Idealen erfüllte Jugend, die wir ständig nach Palästina bringen können, ist es, die uns mit Zuversicht in die Zukunft bücken läßt. Es sprachen noch für die Poale Zion Dr. Ginsberg, sowie im Namen der nach Palästina wandernden Chaluzim Mosche Landau, der den Gesinnungsgenossen für den warmen Abschied dankte. Mit einem nochmaligen Glückwunsch an die Palästina-Fahrer schloß - der Vorsitzende, Herr Jakob Singer, die würdige Versammlung. 'Cafö (Rebfame WIEN, »I., PRÄTERSTRASSE NR. 34 angehlieftcnc) dia „Jüdischen Künstlerspiele". — Inhaber: Jakob Goidfliefi. — Vorzügliche Getränke und Kalte Speisen za billigen Preisen. — Kummy-Spieltische. — Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Der Wahlreformausschuß der Kulfusgemeinde konstituiert Die Arbeitskommissionen des Kultus* Vorstandes In der am 11. Februar stattgefundenen Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes fand die W a h 1 der Mitglieder in die einzelnen Kommissionen statt. Außer den regulär bestehenden Kommissionen wurde eine llgliedrige Kommission für Wahlrechtsreform und Statutenänderung eingesetzt; ihr gehören 6 Mandatare der Union-Agudah- Gruppe, 4 zionistische Mandatare (Dr. Ehrlich, Dr. Friedmann, Dr. Goldhammer, Dr, Körner) und 1 Mandatar der Werktätigen Juden (Dr. Glanz) an; Obmann dieser Kommission ist Dr. T i c h o (Union), Obmannstellvertreter Dr.'Friedmann (Zionist). Die Übrigen 10 Kommissionen (Schule, Kultur, Fürsorge, Spital, Versorgungshaus, Finanzen, Technik, Schätzung, Paritätische Kommission) sind ebenfalls llglledr.g und nach demselben Schlüssel (6 Union-Agudah, 4 zionistische Mandatare und 1 Werktätiger) beschickt. bi 3 Kommissionen haben die Zionisten die Obmannstette, u. zw, ist Obmann der Fürsorgekommission Dr. K1 aber, der Kultuskommission Vorsteher Bau m i nge r, der Versorgungskommission Kommerzialrat Markus. In der paritätischen Kommission wurde Dr. Desider Friedmann zum Obmann gewählt, hat jedoch zugunsten des Vorstehers Gustav Moriz (Werktätige Juden) auf die Obmannsteile verzichtet. In den übrigen Kommissionen sind die Obmannstellvertreter zionistische Mandatare. Ferner nahm der Kultusvorstand in seiner letzten Sitzung statutengemäß die Ergänzung der gewählten Öezirksvertretungen durch 120 Vertrauensmänner vor. Von jeder Partei wurde die gleiche Zahl von Vertrauensmännern ernannt, wie sie die Wahl am 2. Dezember 1928 ergeben hatte. Die Wahlreform Wir erhalten vom Klub der zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde folgende Zuschrift: Wochett-Kalender Februar 1029 Gedenktage 1 o Bin 14 Honnefstag r! i; -0» 19 Freitag 1885 — der Staatsmann und Historiker Emil Morpurgo in Padua gestorben.' 5.— n 16 5amstag 1855 — Raphael FUrstenthal, bekannter Ucberaetzer heb falscher Liturgie, in Breslau gestorben. 6-1 Hart zith Wa adonoj ni San chorhmoh ii-Schlomoh 17 Sonntag 1185 — Nathan Krochmal, einer der bedeutendsten Vertreter der oetjUdlechen Aufklärung (Hnskalah), ln Brody geboren. 186« — Heinrich Heine In Pari* gestorben. 7 - r 18 Montag 1861 — der borflhmte Math«, mstlker Prof. Karl Gustav Jacobs In Borlln gestorben. 8 - n 19 Dienstag 1885 — der Bakteriologe Alexander Marmorek, in seiner Wissenschaft und als zionistischer Ftihror sehr bekannt, in Mlelnlca (Galizien) geboren. »-85 30 1 W<tvwh 10 — * «In der „Jüdischen Rundschau” vom '8. Februar 1929 findet sich in dem Berichte ihres st.-Korrespondenten „Friede in der Wiener Kultusstube” folgende Bemerkung: «Ferner halben die Zionisten zqgestcmmt, ihre Vorlage betretend Einfühlung des allgemeinen Wahlrechtes aw ein Jahr zwrtick2ustefoen; bi der Zwischenzeit soll eh» von allen Parteien beschickter Ausschuft die Frage nochmals gründlich durchberaten.» Diese Darstellung entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr hat die zionistische Fraktion einvemehmlich mit den anderen Gruppen des Kultusvorstandes, welche auf das Programm des allgemeinen Wahlrechtes gewählt wurden, die Einsetzung eines Wahlreform- und Statutenausschusses verlangt, welcher nach Abschluß seiner Beratungen dem Plenum seine V ö r l ä g e zu ’ erstatten haben wird. Dieser nach den Grundsätzen des Proporzes zusammengesetzte Ausschuß wurde in Ausführung der getroffenen Vereinbarungen bei der am 11. Februar 1929 stattgehabten Plenarsitzung des Kultusvorstandes gewählt und wird bereits in nächster'Zeit seine Tätigkeit aufnehmen. Der Klub der unionistischen Kultusvorsteher hat die bindende Zusicherung erteilt, sich an den Arbeiten des Ausschusses aktiv zu beteiligen. Daß die Beratungen einer Wahlreform und der im Zusammenhang damit notwendigen Statutenänderungen entsprechende Zeit in Anspruch nehmen, ist selbstverständlich und verweisen wir in diesem Zusammenhang insbesondere darauf, daß sowohl der Wahlreform des Jahres 192 0, als auch derjenigen des Jahres 1924 Vorarbeiten von längerer Diuec vorangegangen sind.» „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!* Aus Wr.-Neustadt wird uns geschrieben; Die Helden von Wr.iNeustadt haben einen neuen Sieg errungen und zwar, obwohl ihnen kein Gegner gegenüberstand. Und das kam so: Sonntag, den 2. Februar 1929 fanden die Wahlen Inden Kultusausschuß statt. Die steh .«konservativ» nennende Partei, welche auch zuletzt am Ruder war, hatte ihre durch einige farblose Kandidaten aulgeputzte Liste aufgestellt, und um diese durchzubringen, wie sie auch sonst in Ihren Mitteln nicht wählerisch Ist, einen ganz sonderbaren Weg ausgesucht; sie hatte Vor einigen Monaten das Wahlstatut sozusagen in aller Stille dabin abgeändert, daß allen Mitgliedern der Gemeinde, welche ihren Knltusbeitraag nicht bis zur Wahl restlos geleistet haben, das Wahlrecht genommen wurde, So sank die Zahl der Wahlberechtigten von über 300 der vorigen Periode jetzt auf nicht ganz 200. Hievon waren 132 zur Wahl erschienen und hievon waren lediglich 95 Stimmen geschlossen für die einzige Liste abgegeben worden- Ein Beweis dafür, daß die Anhänger dieser Partei, welche sich die Herrschaft atumßt, nur 30% der Wähler ausmachen- Uefoer diese kuriose Statutenänderung, welche unertlndllcherwelse von den Regierungsstellen in einer demokratischen Republik genehmigt wurde, herrschte selbst* verständlich allgemeine Entrüstung. Als Protest dagegen, hatten die oppositionellen Parteien Wahlenthaltung proklamiert, weiche auch allenthalben befolgt wurde. Der «Sieg» wäre aber nicht vollständig geworden, hätte nicht auch der «Seelen* hirte» seinen Segen dazugegeben. Uebrlgens (st die Wahl wegen zahlreicher krasser Gesetzesverletzungen ang-eUehten.