Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 58 (7.2.1929)
- Date
- 1929-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 58 DIE STIMME Seite 7 Der Reiehsbund jiidifdher Frontfoldaiea in Deutfchland, mit feinen in 14 Landesverbänden und 400 Ortsgruppen organisierten 35.000 Mitgliedern eine der größten jüdifdien Organifatienen in Deutfchland, begeht am 9. und 10. Februar das Jubiläum feines tojährigen Bestandes. ♦ Minirtcrprlffdent Maniu empfing eine Abordnung der jüdifdien Studcntenfchaft, die ihm die Forde* rang nach Gleichstellung der jüdifchen Studenten mit der übrigen Studentenfdiaft in allen rechtlichen und materiellen UniverSitätsangelegerheiten unterbreitete. Maniu verfpradh eine baldige wohlvollende Erledigung. Dr. Imanuel Löw, Oberrabbiner von Szegedin und Mit* glied des ungarifdien Oberhaufes, beging in diefen Tagen im eng/lcn Familienkreife feinen 75. Geburtstag. Imanuel Löw ifl ein über Ungarn hinaus bekannter Gelehrter. Viel Auffehen Der Versuch der Unlon-Agudaft-Kulfoisvofsteher, In der Wiener Jmdentgemeinde mit ungesetzlichen, terroristischen Mitteln ein Scheinregitment m führen, ist gescheitert Die Wiener Ju-densohaft wurde rech..eitig durch unser Blatt und von den zionistischen Mandataren davon in Kenntnis gesetzt, was die bei den Dezember-Wahlen durch die Stimmen der Wählerschaft minorisierte Bundesgenossenschaft der «Union» mit der Wiener Trennungsorthodoxie — gegen den Willen der Juden Wiens — im Schilde führt; da wurde es den Herren einigermaßen unheimlich zu Mute (sie ließen auch im Vereinsiblättchen der «Union» bewegliche Klagen darüber los, daß «Die Stimme» ihre Diktaturabsiohten durch Publizierung des Briefwechsels nach der illegalen Wahl des Präsidiums und Vertreterkollegiums enthüllt hat) und sie gaben ihre Ultimatum- Position auf. ln der letzten Sitzung des Kultusvorstandes hat das in ungesetzlicher, statutenwidriger Weise gewählte Präsidium und Vertreterkollegium demissioniert und es wurde eine Neuwahl nach dem rechtmäßigen Proporzsystem vorgenommen. Professor P i c k, welcher sich durch seine persönlichen Eigenschaften die Sympathien aller Parteien erworben hat, wurde einstimmig zum Präsidenten der Wiener Kultusgcmeinde wiedergewählt. Von den zwei Vizepräsidentenstellen hat jetzt eine der zionistische Kultusvorsteher Dr. Löwen'herz inne, der schon im früheren Kultusvorsiande in ausgezeichneter Weise das gleiche Amt versehen hat; die andere Vizepräsidentenstelle verblieb der «Union», lm neuen Vertreterkollegium haben von den 8 Mandaten die Z i 0 n i $ t e n 3, die Werktätigen Juden 1, die Union- Agudah-Gruppe 4 inne. Auch bei den demnächst vorzunchmenden Wahlen der Kommissionen wird der Grundsatz des Proporzes gewahrt werden. So ist denn zunächst das Prinzip legaler Geschäftsführung, dessen Bruch die Union-Agudah- Gruppe versucht hatte, durch die entschlossene Haltung der Opposition wiederhergestellt. Aber auch der Versuch, die Zionisten und die mit ihnen konform geltenden Gruppen des Kultusvorstandes zu programmatischen Konzessionen zu bringen, ist gründlich zu Ende. Die von der Union «ultimativ» verlangte Rückstellung der Wahlreformfrage ist ihr frommer Wunsch geblieben; lm Gegenteil — die eheste Durchführung der Wahlreform nach den Grundsätzen des uneingeschränkten allgemeinen, gleichen Wahlrechtes ist der Angelpunkt der Arbeit für die Zionisten und die Gruppen, welche den gleichen Programmpunkt haben. Daher wird ein von allen Fraktionen nach dem Proporz beschickter Wahlreformausschuß eingesetzt, (in ihm wird auch die «Union» aktiv mitarbeiten), der mit tunlichster Beschleunigung ein neues Wahlstatut auszuarbeiten hat; es sind alle Garantien geschaffen, daß die Erledigung der Arbeit dieses Ausschusses noch im Laufe des Jahres 1929 erfolgt. Damit ist die Verwirklichung eines Hauptgrundsatzes des zionistischen Gemeindeprogrammes erfolgreich ln die Wege geleitet und daß die Wahlreform gemacht werden wird, dafür bürgt die Kraft und der Elan der zionistischen Mandatare lm Kultusvorstand, die wissen, was ihre Wählerschaft, was das ganze Jüdische Wien von Ihnen erwartet; denn ein ordentliches Wahlrecht für die Kultusgemelnde ist heute der Wunsch fast der gesamten Wiener Judenschaft. Keine reaktionäre Gruppe im Kultusvorstand wird sich diesem Willen widersetzen können; tut sie es, so wird sie weggefegt werden. Die Arbeit, die verantwortungsvolle, schwere Arbeit der Zionisten im Kultusvorstand wird bei der Festsetzung des Budgets beginnen. Da das noch vom vorigen Kuituovorstande beschlossene Budgetprovlsorlum am 31. Jänner abgelaufen war, wurde mit den Stimmen aller Parteien ein kurzfristiges Budgetprovisorium errege« feto mehrbändiges Werk JDte Flora der Bibel". In der Epoche des reaktionären Terrors in Ungarn war er haften Verfolgungen ausfefetz«. Die GefelUchaft „Ozet" bereitet in der Nähe der Kolonien der ksuktfifdien Bergjaden die Anfiedlung vöa st 8 nenen jüdifdien Familien von Bergjvden für den kommenden Frühling vor. « Lendgeridbtsdirekeor Hoffmann. der wegen feiner Rolle in der Magdeburger Affaire Leopold Haas vom höchften Difziplinargericht zur Strafverfetzung verurteilt worden war, weigert fidi, die ihm zugewiefenr Steile eines Oberlandgerichtsrates in Hamm anzunehmen und hat feine Entlaf* fung aus dem Staatsdienft beantragt. Der Juftizminiftcr hat dem Er.tlaffungsgefuch ftettgegeben. beschlossen, damit die Aufstellung des ordentlichen Budgets ermöglicht wende. Wir wissen heute noch nicht, wie dieses Budget aus«Chen wird, es wurde noch nicht einmal in der Finanzkommission verhandelt; aber heute schon läßt sich sagen; Die zionistische Fraktion in der Kultusgemelnde wird kein Budget bewilligen, das nicht Ihren Forderungen Rechnung trägt Unsere Bewilligung oder Ablehnung des Budgets bleibt diesen programmatischen Erwägungen Vorbehalten» Es muß schon jetzt mit aller Deutlichkeit gesagt werden: die zionistischen Mandatare in der Kultusgemeinde, die eben erst die Einhaltung eines Rechtsgrundsatzes, des Jüdische Kllnsflersplele Theater Reklame ll., PraterstraSe 84 Der Schlager der * jüdischen Theatersaison Gastspiel der Operettendiva Esther Porelmana Heute und täglich 1/*9 Uhr abends Dwolre von Odess Operette in 3 Akten mit Gesang und Tanz unter Mitwirkung v. Isaak Deutsch Proporzes, erfolgreich durchgesetzt haben, sind weit davon entfernt, sich damit zu begnügen; sie wissen, daß jetzt erst die eigentliche Arbeit beginnt, die Durchsetzung aller jener Forderungen, mit der das Vertrauen der Wählerschaft die zionistischen Vorsteher beauftragt hat. Konzessionen — das sei ein für alle Mal festgeiegt — sind nicht zu haben; daß die Zionisten von ihren programmatischen Grundsätzen nicht abgehen, das haben sie eben erst mit aller Entschiedenheit bewiesen. So wird und muß es auch weiter sein. Der neue Kultu&vorstand der Wiener Judenschaft ist jetzt, nach schweren Auseinandersetzungen, zur Ausübung seiner Funktionen gelangt. Die Durchführung von Neuwahlen, welche eine schwere finanzielle Belastung der Gemeinde bedeutet hätte, die Möglichkeit einer zeitweiligen Führung der Gemeindegeschäfte durch einen Reglernngskowmlssär, wodurch in die Autonomie der Kultusgemeinde zum ersten Male ein Eingriff von außen erfolgt wäre, ist vermieden worden. Mit beiden Möglichkeiten, der Schwächung der Gemeinde und ihrer Autonomie spielte die Union-Agudah- Gruppe, da sie glaubte, so ihre ungesetzlichen Forderungen durchsetzen zu können. Sie hat eingesehen, daß ihr unverantwortliches Spiel verderblich werden kann, für die Gemeinde und — für die, weiche cs treiben Aber es gibt immer Unverantwortliche, denen kein Spiel des anderen zu hoch ist; mitten in dem Kampf der Meinungen ließ sich eine sotohe Kiebitzstimme vernehmen: eine Gruppe, welche noch vor wenigen Wochen sich als nicht interessiert an dem schweren zionistischen KuituswaWkampf erklärt und eine Mitarbeit an ihm abgelehnt hatte, i6t jetzt mit allen Tönen des sittlichen Pathos für Neuwahlen eingetreten; diese Nichtinteressenten erklärten sich auf einmal bereit, das schwere Opfer der M i t a r b e i t, das 1 Herren* und Dameii-lf leider M€h floß E*M« Zahl«** aaeb ü**»r*to .«man. Je»B*«anm ■.«seinem T/fea, ▼!,, Msrlahliferatraße 107, Tel. B 37-2-88 noch schwerere Opfer — einer Kandidatur auf sich zu nehmen; sie gaben auch zu verstehen, daß ein Regierungskommissär gar keine so schlimme Sache sei. Warum wohl in den vor kurzem noch Desinteressierten auf einmal da« «heilige Feuer des Dienstes arn Werk» so mächtig auflodert? Wir wollen keine Preisfrage stellen, sondern nur eines feststellen: da« so gern in Anspruch genommene «Gewissen» wird, wie sioh’s zeigt, recht gern für unverantwortliche Geltn-ngsfiiache herangezogen. Für die ist aber die zionistische Sache zu gut und die zionistische Gameindepoiitik wird, ohne sich um die Zaungäste und ihre Ratschläge zu kümmern, den Weg verfolgen, den ihr die Wähler vorgeschriebe« haben. Nachstehend der Bericht Über die Sitzung des Kultusvorstandes vom 31. Jänner: Zu Beginn der nicht öffentlichen Plenarsitzung dfes Vorstandes gab Präsident Pick bekannt, daß die am 3. Jänner 1929 nach der Ansicht der zionistischen Fraktion illegal gewählten Vizepräsidenten und Mitglieder des Vertreterkollegiums ihre Mandate zurückgelegt haben, so daß eine Neuwahl notwendig erscheint. Bei den sofort vorgenommenen Wahlen wurden die Herren Dr. Josef Löwenherz und Dr. Jakob Ornstelnzu Vizepräsidenten, die Herren Doktor Desider Fried mann, Dr. Jakob Ehrlich, Kommerzialrat Max M a r k u s, Dr. Rudolf Glanz, Wolf Pappenheim, Regierungsrat Dr. Oppenheim, Ing. K e m p 1 e r und Dr. Josef T i c h o ins Vertreterkoflegium gewählt Hierauf erklärte der Präsident, Herr Dr. AloTs Pick, daß auch er sein Mandat zurücklege und daß somit die Neuwahl eines Präsidenten notwendig erscheint. Bei dieser erhielt Herr Prof. Dr. Pick sämtliche Stimmen der anwesenden Vorstandsmitglieder, so daß er einstimmig zum Präsidenten der Kultusgemeinde gewählt erscheint Die Wahl wurde mit lebhaftem Beifall aufgenemmerrt. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurde das Budgetprovisorium verabschiedet Die Wahlen in die einzelnen Kommissionen sowie die Ergänzung der Bezirksvertretungen werden Gegenstand der nächsten Plenarsitzungen sein. Austritte aus dem Judentum Alice K o h n, 24. Okt. 1907, Wien, 1., XVIII., Ladenburggaffe 28. Berthold Jokl, 15. Jänner 1900, Wien, I., II.,Stuwcrftraße Nr. 1. Bernard Markevicz, 14, Oktober 1887, Oswicfim, 1., II., Volkertplatz 7. Marcell Gold* fcheider, 28. Mai 1887, Wien, verh., XIX., Haufcnauerftraße x8. Marie Friedrich, 7. Jänner 1900, Kloborck, 1., IX., Bolzmanngaffe 22. Hedwig Selldorf, 18, Juli 1892, Vöilau, 1., IX., Währingerftraße 15. Maximilian Sp ekel es, t8. Mai 1902, Wien, verh., XX., Vorgartenftraße 69. Edmund Spekeles, xi. April 1924, Wien, feibe Adreffe. Rudolf Huppert, 10. September 1881, Pahlom, getr., IX., Grüne Torgaffe 4. Anna K rief er, 17. November 1905, Wien, 1., XX., Strcffleurgaffe 14. Klothilde Berger, 19. Jänner 1906, Budapeft, 1., XX., Wallenfteinftraße 36. David Zaiemano, ix. März 1906, Wien, 1., XX., Wintergaffe 37. Anna Rybar, geb. Lichtendem, 31. Juli 1891, Wien, XX., Wallenfteinftraße Nr. 59. Walter Rybar, 13. Mai 1914, ^icn, 1., feibe Adrcffe. Rudolf Ocftcrreicher, 12. März 1884, Wien, 1., XVII., Haürfchgaffe 20. Siegmund St ekel, 9. Februar 1891, Biclitz, verh., V., Siebenbrunnengaffe j. Ignaz Weiß, 8. September 1898, Wien, verh., Handelsangeft., XVII., KainzgaiTe ij. Ernfl Weiß, 5. April 1924, Wien, 1., feibe Adreffe. Friedrich Glück, 24. Mai 1884, Wien, L, Monteur, XVII., Hern. Hauptftr. 16. Anna Z e i s 1 e r, geb. Janofchek, 29. Febr. 1904, Wien, ger. getr., XVI., Habicherg. 30. Samuel Dub's, 17. Aug. 1898, Wien, 1., II., Schwcidlg. 7. Emanuel Graf, r^. Jänner 1879, Goltfch Jenikau, verh., XIV., Beckmannftr. 6z. Predigten in den ifraelitifdien Gemeindetempeln. Freitag, den 8. Februar 1929, werden bei dem um j Uhr beginnenden Abendgottesdienfte in folgenden Gemcindetempeln Predigten abgehaltcn, und zwar: 2. Bezirk, Tcmpelgaffe 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); iS. Bezirk, Schopenhaucrftraße 39 (Rabbiner Dr. Feuchtwang). Im Gemeindetempcl, 21. Bezirk, Holzmciftcrgiiffe 12 (Rabbiner Dr. M. Rofenmann) findet Samstag, den 9. Februar 1929, beim Morgcngottesdienftc (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) ein exegctifcher Vortrag ftatt. Ifraefitifcher Jugendgottesdicnft. Samstag, den 9. Februar, um 3 Uhr nachmittags findet der Jugendgottesdicnft für die ifraelitifdie Schuljugend in den Gemeinde* und Bczivksfynagogcn ftatt 5IEBM. HORHMEHL..I Zentrale IX, Bergrasse 19, Tel. A17-3-99 n. A 16.9.34 I Lieferant für Heilanstalten« I Abteilungen für *"itt?3-Fleiech I nnter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der tsrae- I Wüschen Kultusgemeinde Wien I IX» Bervgasss 1s XVUI, WShriueerstraß© 97 I Der Rechtszustand in der Wiener Kultusgemeinde wiederhergestellt Neuwahl des Präsidiums und des VertreterkoHeglums gemäß dem Proporz — Die Wahlreform wird beschleunigt 9894174817