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Die Stimme · 1929-02-07 · Heft 58 (7.2.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 58 (7.2.1929)
Date
1929-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sefte 6 DIB STIMME Nr. 58 Hechaluz österr. Landesverband Am Sonntag, den 10. Februar 1929 findet um * Uhr abends im ZENTRALKELLER Taborstraße 8 eine Kundgebung anläßlich der neuen ALIJAH statt Fraktionen. Es ist ungefähr so, wie wenn in Deutschland die verschiedenen politischen Fraktionen statt im Parlament für ihre Schul fordcrun gen zu kämpfen, ihre eigenen Schuten hätten: Schuten des Zentrums, Schulen der Sozialdemokratie usw. Wir müssen noch fragen: Ist es dem Misrachi gleichgültig, daß Kinder, welche nicht in seinen Schulen lernen, als Ignoranten aufwachsen? Warum macht er sein Lehrziel zum Privileg einer Partei und kämpft nicht für die Vermehrung von Tainmdtehrstunden in den allgemeinen Schulen? Und ebenso nach links: Die Arbeiterschaft hat zweifellos kein eigenes Schulprogramm, das sie zwingen würde, sich zu separieren. Sie hat gewisse pädagogische Forderungen, wie die Arbeitsschule, für die sie kämpfen — sollte. Tatsächlich aber kämpft sie nicht für die Durchsetzung ihrer pädagogischen Forderungen in den allgemeinen Schulen, sondern für ein Budget zur Erhaltung ihrer eigenen Schulen. Das Resultat ist natürlich ein bedauerliches Desinteressement der Arbeiterschaft an allgemeinen Schulfragen, und während z, B. in England die Arbeiterpartei ein äußerst wichtiger Faktor in der Beirufloissung der allgemeinen Schulpolitik des Landes wurde, schaltet sich die Arbeiterschaft bei uns selbst aus. Der Schuistreit in Sichton Jakob sollte Anlaß sein, das ganze Problem der Organisation unseres Schulwesens nochmals d/urcfozudenken. Die Exekutive hat in diesem FaUe eine Festigkeit gezeigt, die überaus anerkennenswert ist und d'ie auch zu einem guten Ende geführt hat: Die Kolonie erhielt religiös eingestellte Lehrer, die Exekutive aber wich nicht vor dem angedrohten Terror zurück und setzte durch, daß der Boykott ihrer Schule aufgehoben wurden Es wäre an der Zeit, daß alle diejenigen, welche um das Schicksal unseres Schulwesens besorgt sind, diesen Kampf für die Zentralisierung der Schulen weiterführen. Dies bedeutet nicht, daß ein Schuitypus herrschend wird. Allgemeine, religiöse und Arbeitsschulen sollen bleiben (obzwar sich die Typen an sich gar nicht widersprechen). Aber nicht die Fraktionen, sondern die Exekutive soid sie leiten. Die Fraktionen sollen um ihr Schulprogramm in der Organisation kämpfen. Das wird der zionistischen Organisation Leben und Inhalt geben, die Schule in den Mittelpunkt des Interesses stellen-. Die Vernünftigen in allen Lagern beginnen die Richtigkeit dieser Forderung eirczusehen. Nur das Prestige der Parteien steht einer gesunden Reform unseres Schulwesens hindernd im Wege. Adolf Pollak 50 Jahre alt "“ Am 29. Jänner feierte der Delegierte de* Hauptbureau* de* Jüdifchen Nationalfonds, Herr Adolf Pollak, feinen jo. Geburtstag. Pollak ift einer der älteften und wertvollften Propagatoren de* Zionismus. Au* Mähren flammend, hat fleh Pollak fchon in jungen Jahren Herzl angcfchloflcn, der ihn zum Adminiftrator der „Welt", des zioniflifchen Zcntralorgan*, beftelltc. An Herzl und die Frühzeit des Zionismus bewahrt Pollak einen koftbaren Schatz von Erinnerungen, diele wertvollen Anekdoten zur Gefchichte des Zionismus gedenkt Pollak, wie wir erfahren, zu veröffentlichen; in ihnen fleckt hochintereffantes hiflorifches Material. Seit der Gründung des Jüdifchen Nationalfonds (Keren Kajcmeth Lejisrael) ifl Pollak unermüdlich für den Bodenvoiksfehatz tätig; viele Jahre arbeitete er im Wiener Bureau de* Keren Kajemcth, lange Zeit zufamraen mit dem ausgezeichneten, leider viel zu früh verdorbenen Nathan Groß; diele Jahre find den Wiener Zioniflen, welche den liebenswürdigen, witzigen, der Sache treu ergebenen Pollak von damals her kennen, in befler Erinnerung. Auch in feinem gegenwärtigen, fehr aujgebreiteten Wirkungskreis hat Pollak, ein wertvoller, anziehender Menfch, überall herzliche Sympathien gewonnen; fie kamen anläßlich feines jo. Geburtstages in zahlreichen Glückwünfdhen und Ehrungen zum Ausdruck, In der Vollkraft des Lebens flehend, dient der Jubilar in feiner ruhigen, unbeirrbaren Art durch fall 30 Jahre befler zioniflifcher Arbeit, die zu leiden nichts weniger als leicht id; es id eben weit mehr Dienfl am Werk, den er tut, als bloße Arbeit. Möge er noch oft, an vielen Abfchnitten von Leben und Arbeit, Gelegenheit haben, zu erkennen, wie hoch feine Lebensarbeit, fein Menfchcnwert gcfchätze wirdt Die Juden im Irak. In Jerufalem find zwei angefehene Juden aus dem Irak, der Leibarzt des Königs Feifal, Dr. M a k o w s k y, und der Direktor der königlichen Baumwollfelder, Ingenieur B e f ch k i n, eingetroffen. In einem Gefpräch mit Vertretern der p&läflinenfi- (dien Prelle machten fie Mitteilungen Uber die Lage der Juden im Königreich Irak, die fie als eine gute bezeichneten. so Prozent der Regierungsbeamten im Irak find Juden. Auch im Handel nehmen die Juden eine führende Stellung ein. Die Beziehungen zwifchen der erebifchen und der jüdifchen Bevölkerung find gute. Fall alle Juden des Irak haben fich jüdifches Willen angeeignet und bcherrfchen die hebrlifche Spreche. Sie hegen ftarke Sympathie für den jüdifchen Aufbau in Paläftina. Vorläufig eher befiehl bei ihnen keine Neigung, in größerer Zahl nach Paläftina suszuwandern, da fie im Irak materiell nicht fchlecht geftellt find und fie die heutige materielle Pofition in Paläftina als noch unlieber anfehen. Wie Jacob H. Schiff das zaristische Rußland schlug Soeben ift eine große Biographie von Jacob H. S ch i f f aus der Feder feines langjährigen Freundes Dr. Cyrus Adler erfchienen. Sie fchildert das Leben diefes aufrechten Juden, deffen vor acht Jahren erfolgtes Ableben die Judenfchaft Amerikas ihrer markanteften Perfönlidikeit beraubt hat. Es ift bekannt, daß Schiff aus feiner Vaterftadc Frankfurt a. M. als täjähriger Jüngling nach Amerika kam. Zehn Jahre fpäter heiratete er die Tochter des Salomon Loeb, Teilhabers des damals befdieidenen Bankhaufet Kuhn, Loeb & Co., trat in das Gefchäft des Schwiegervaters ein und übernahm ira Jahre 187$ die Leitung. Durch ihn erhielt die Firma Kuhn, Loeb & Co., an deren Spitze jetzt Schiffs Sohn Mortimer und fein Schwiegerfohn, Felix Warburg, flehen, Weltbedeutung. Daß Schiff nicht bloß kühl redinender Finanzmann war, fondern fich bei feinen Gefchäften von den — gewöhnlich als „Imponderabilien" bezeichneten — menfchlichen und feelifchen Regungen leiten ließ, zeigt am bellen fein Verhaften gegenüber dem Zarenregime in Rußland, das den Juden fo viel Unheil brachte. Während des alten Regimes in Rußland lehnte er es grundfätzlich ab, fich an Anleihen für Rußland zu beteiligen, mit der Begründung, er wolle *nit dem Zaren, der fo viel jüdifches Blut vergieße, nichts zu tun haben. Im Kriege dehnte er zuerft den Boykott auch auf England und Frankreich aus, weÜ fie mit Rußland einig gingen, obwohl damals die Anleihe ungeheure Chancen verfprach. Nur unter der Bedingung, daß von den Geldern kein Cent Rußland zugute komme, wollte er verhandeln. Nach dem erften Umflurze in Rußland änderte Schiff fofort feine Taktik. Er richtete ein Begrüßungsfehreiben au Kerenski Sonntag, 10. Februar 1929, pr“z»*se 11 Uhr vormittags FLIEGER-KINO WIEN, IX., LIECHTENSTEINSTRASSE NR. 37 „FRÜHLING IN PALÄSTINA“ Einleitende Worte: Frau AN1TTA MÜLLF.R-COHEN Aufführung der „Deborab“, Mädchengruppe d. „Wizo“ Kartonbezug Zionistisches Lan-ieskomitee, l. Kärntnerstraße 28 Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmstraße 22 Buchhandlung M. Rath, 11.« Taborstraße 20 a und bot ihm feine Unterftützung an. Er erwartete vom neuen Rußland das Belle für die Juden. Schiff erkannte fehr wohl, daß Rußlands Krieg gegen J a p a n ein verzweifeltes Mittel des Zarismus fei, um fich an der Macht zu erhalten. Diefer Gedankengang mag wohl für ihn beflimmend gewefen fein, fich während des japanifchen Krieges auf Seite des unbekannten Japan zu Hellen, obwohl das großmächtige Rußland ganz andere Gewinne in Ausficht flelltc. In London und Paris fanden die Japaner bei der Weltfinanz gefchlofTene Türen, Jacob Schiff reichte ihnen die helfende Hand. Anfchaulich wird in Adlers Buche erzählt, wie Schiff zu diefem Zwecke ein Bankett in London vcranflaltete, auf dem er dem Japaner Bankier T a k a r a f ch i näher trat. Schiff leitete die Aktion, zur Ueberrafchung der gefamten Finanzwelt Europas, ein und brachte in Amerika allein zj Millionen Dollar auf. Damals hielt dies aber die Welt für einen Wahnlinn. Schiff aber behielt recht. Seine finanzielle Hilfe ermöglichte den Sieg Japans und erfl als diefer offenbar war, erfchiofien fich Japan die anderen Finanzqucllen Amerikas und Europas. Der verlorene Krieg gegen Japan aber war der Anfang vom Ende des Zarismus . Schiff führte dann weiter feinen hartnäckigen Kampf um die Gleichberechtigung der Juden in Rußland und hatte mit dem ruffifchen Minifterpräfidenten Graf Witte bei der Konferenz in Portsmouth, wo der Friedensvertrag zwifchen Rußland und Japan unterzeichnet wurde, einen (charfen Zufammenftoß. Selbft gegen den amerfleanifenen Präfidenten Taft wandte er fich, als er diefen nicht zu einer offiziellen Aktion gegen Rußland veranlaßen konnte und brachte ihm durch die Annahme einer entfprechendcn Refolution im Parlament eine f ch w e r e parla* mentarifche Niederlage bei. Nach dem Pogrom in Kifdun e w, der Schiffs parlamentarifche Aktion gegen Taft veranlaßt hatte, wurde fein Haß gegen das blutbefleckte Zarenregime noch tiefer. Er ftand an der Spitze der Aktion, welche Millionen für die Opfer aufbrachte. Für eine finanzielle Transaktion zugunften des Zarenrußiand war Schiff nicht zu bewegen; dies blieb den Bankiers Vorbehalten, welche, wie z. B. der damalige Gouverneur der Oefterreiehifchen Bodenkreditanftalt, Tauffig, Vorfteher der Wiener Judengemeinde, dem Gefchäft ihr menfehliches Gefühl hintanfetzten und durch Anleihen da» Zarenregime in den Stand fetzten, knapp zehn Jahre fpäter einen neuen „Erhaltungskrieg" zu führen . . . Vortragsabende de« Zionistischen Landeskomitees. Der Vortragsabend des ZionlsMschn Landoskonritee« findet ausnahmsweise nicht am Donnerstag, sondern Wochen-Kalender Februar 198« Oedenktage | »"Din 1 Donnerstag j *»-» Jom Kippur Koten 8 Freitag 1668 — Lord UoMi Rothschild. d«r Adressat der BaUoni-Deklaration, ln London gestorben. 1682 — Bectliokl Atterboch, der Dichter der „8chvsri*Md«i Dorfgeschichten“, tn Oantves gestorben. es-na 9 Samstag 1873 — Prot. Julias Fürst, Heran»- gehör der Zeitschrift ..Orient“ und Verfasser eines bekannten hebrMs'-'hen-chftV.älechen Wörterbuches, in Leipzig gestorben. waiorasr Io JeaoaoDoa 10 Sonntag 1831 — Rebbfoet Dr. J. Ralf tu Rautech-Hohhaueen (Heesen) geboren. 1880 — Adolph« Crfoitoux, der Begründer der Alliance IsrooUte Unbvereelle, io Poris gestorben. 30 - 1. Tag Boaoh-cbeaesch 11 Montag 1842 — der berühmt« Schauspieler Ludwig Barnay in Budapest geboren. 1876 — die Dichterin Qm Lseker- Sdhttter geboren. *HR t-K 2. Tan Bosch* choaotcb 12 Dienstag 2-n 13 Mittwoch n 1 08 Diene tag, den 12. Februar, am 8 Uhr abends, im Cafd S-Üler statt* Es spricht Here Dr. Israel Taubers über «Das Arbeitspragramm der zionistischen Sektionen und des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich. Kleine Nachrichten Ritiulmordpropaganda in Bulgarien. Das Konfiftorium der jüdifchen Gemeinden Bulgariens crfuchte das Kultusminiftcrium, der von der antifemitifchen ..Rodna Zaditita" im Zufammcnhang mit einem in Hascova vorgekommenen Ritualmordtumult eingeleitctcn antijüdifdicn Hetze autoritativ entgegenzutreten und Schritte zu ergreifen, die geeignet wären, den Mafien die Abfurdität ähnlicher Legenden ein für allemal darzutun. (In Hascova war, wie berichtet, ein Ritualmordtumult dadurch entftanden, daß eine chriftlichc Frau die Behauptung aufftelltc, eine jüdifche Frau hatte ihr S ch o k o I a d e (!) in den Mund geftepft, um fie wehrlos zu machen und ihren Körper den Juden zu ftituaizweckcn auszuiiefern. Die Red.) «• Der nette amerikanische Botschafter in der Türkei ein Jude. Herr Louis B. Mayer, der bekannte Führer der amerw kanischen Filmindustrie, ein J u d e, wurde, einer inoffiziellen Mitteilung zufolge, zum Botschafter der Vereinigten Staaten in derTürkei ernannt. Louis B. Mayer ist ein persönlicher Freund des neugewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover„ Er wäre der vierte Jude, der den Botschafterposten der Vereinigten Staaten ia der Türkei bekleidet. Seine jüdischen Vorgänger waren Abraham Elkus, Henri Morgenthau und der verstorbene Oskar Straus. ** Immigrationsein fchränkung in Auftralien. Die von den auftralifchen Behörden in der letzten Zeit mit befonderer Schärfe gehandhabte Norm bei derZulafiung neuer Einwanderer hat fich befonders gegen die Einwanderung von Juden ausgewirkt. In den Monaten Oktober und November 1928 find in Auftralien im ganzen 33 Juden eingewandert. In Auftralien hat fich die Zahl der jüdifchen Arbcitslofen in der letzten Zeit ftark vermindert. « Frau Henriette I r w e 11, Mitglied des Präfidiums der Exekutive der „Wizo" (Weltorganifation zioniflifcher Frauen) feierte am ay. Jänner d. J. ihren <Jo. Geburtstag. Frau Irwell ift auch auf dem Gebiete der Säuglings/ürforge und des jüdifchen Mutterfchutze* in London hervorragend tätig und nimmt an vielen anderen erzieherifchen und philanchropifchen Inflitutionen Englands aktiven Anteil. * In Hamburg ift im Alter von 79 Jahren der weltberühmte Dermatologe Paul Gcrfon Unna geftorben. Als Jude ganz auf fich geftellt, ohne Anfchtuß an irgend eine größere Anftalt, hat Unna in zäher wifienfchaftlicher Arbeit eine eigene Forfchungsanftalt aufgebaut, von der aus in großer Zahl neue Erkcnntniffc und widitige Anregungen in die Welt gegangen find. Von ihm find eine große Zahl von Arbeiten und Lehrbüchern über die Anatomie und Phyfiologio der Haut erfchienen, von ihm flammen mehrere Atlanten übe» Hautkrankheiten und eine Reihe anderer vielbändiger Werke. Er war aber nicht nur Forfcher, fondern auch ein glänzender Diagnoftiker und Therapeut, und viele wichtige, zum Allgemeingut der Acrztefchaft gewordene Behandlungsmethoden find feinem Genio zu danken. * Wie erft jetzt bekannt wird, find im Dezember v. J. dite Gittertüren an der Synagoge in Braunfdiweig befchädigt worden. Offenbar von denfelbcn Tätern wurde an einer der Eingangstüren zur Synagoge Holzwollfeuer gelegt, das aber zum Glück nicht fing, fo daß kein Schaden entftanden ift, — Die Gladbeck er Friedhoffchändcr wurden ermittelt} es find zwei 17jährige Hitlerbub**

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