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Die Stimme · 1929-02-07 · Heft 58 (7.2.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 58 (7.2.1929)
Date
1929-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 68 Die Orgsmifieroftg «tiefes Unterrfcfeeei erfolgt «fardbduUBtar» richtiminifterium im Einvernehmen mit den religißien Autoritäten. Bis heute ift jedodh noch kein /ödifcher Religionsunterricht m den Staatifchulen eingeführt, und wir befinden uräf in einem bedauerlichen Chsoi. Es gibt jüdifche Schüler, die «n dem ehrifliichen Religionsunterricht teilnehmen, andere jüdifche Schüler Befüchen Privatkurfe für Religion, aber die erhaltenen Noten werden nicht in Betracht gezogen. Viele Schüler bleiben überhaupt ohne Religionsunterrieht. Unterriditsminifter Coftadiescu erwiderte, die Zeit fei zü kurz gewefen, um. das neue Gefetz ganz durchzuführen; er werde der Frage fein Augenmerk zuwenden und für die' Erfüllung der gerechten Forderung forgen. Ein neues Gesetz über die jüdische Konfession In Jugoslawien •, ' Unter .den Gefetzeoi. welche die neue jugollawifchc Regierung detnnächft verlautbaren wird, befindet fich auch das Gefetz ü be"rd iejüd i f che Konfeffion. Am 19. Jänner übergaben die Vertreter der Judcnheit dem Kultusminiftcr Dr. T. A1 a ü p o v i ä einen von jüdifchen Experten bearbeiteten Gefctzentwurf über die jüdifchc Konfeffion. Das. neue Gefetz foll die jüdifchkonfcffionellen Angelegenheiten, die jetzt in den einzelnen Landesteilcn nach vcrfchiedenartigen Gefetzen behandelt werden, e i n h e i 11 i ch regeln. Der Kultusminifler erklärte, er werde fich bemühen, den von jüdifcher Seite vorgefchlagenen Gefetzentwurf mit dem von einer Regierungskommiffion ausgearbeiteten.. in. Einklang zu bringen. Eine 125. Jahre alte jüdische Schule Das Erziehungswerk der Frankfurter Ifraelitifchen Gemeinde, das Rcalgymnafium „Philanthropin“, das weit über Frankfurt, hinaus bekannt ift, kann in diefen Tagen die Feier feines 125jährigen Bcftchens begehen. Die Gefchichte diefcs Schulwerks ift nicht ohne Intcrelfe. Im Jänner 1804 gründeten einige junge jüdifchc Kaufleut c eine „Schul- und Erziehungsanftalt für arme jüdifche Kinder“. Die Initiative ging von dem damals 28jährigen Sieground Geifcuh eimer aus, dem. Buchhalter und Vertrauten von Mayer Amfchel Rothfchild, der ihn audj ih feinem foziälen Schulwerk unterftützte. Während zu Anfang arme Kinder, in der Hatjptfachc heimatlofe Waifenknaben, nicht nur Schulunterricht, fondern audi Speife, Kleidung und Unterkunft erhielten, •ergab fich bald die Notwendigkeit einer, allgemein zugänglichen j ü d i f ch e n S di ül e, fo daß dann auch zahlende'Schüler aufgenörtimen wurden. Das Unterrichtswerk wurde aus den Beiträgen von Gemeindemitgliedern erhalten. Mit dem Einzug des 'Fürftprimas in Frankfurt nahm das „Philanthropin“, in dem •nadi den Grundfätzcn Peftalozzis unterrichtet wurde, und 'das in Bettina Brentano eine Förderin' fand, weiteren Auffdiwung. Um den weiteren Ausbau der Schule haben fich Vor allem deren■ Direktoren- Bacfwald und Adler verdient gemacht. Derzeit fleht fic unter der Leitung des Direktors;Doktor Otto D r i c f c n. An Unsere Leser! Wir bringen hiemät zur Kemntras, daß das bekannte Musikhaus Excelsior, Wien, I., AdJergasse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28, sein reichhaltiges Lager in jüdischen .und hebräischen Schallplatten durch die neuesten original amerikanischen Aufnahmen kantoraler und jüdischer Gesänge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wird eine große Serie von Schallplatte«! an diejenigen Leser unseres Blattes, die . sich auf diese Ankündigung berufen, zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben. Reichhaltiges Lager in liturgischen Gesängen und jüdischen Volksliedern des weltberühmten Oberkantors Josef Rosenblatt. E ^ähnliche Gedanken. In den siebziger Jahren hatten noch Reisende schöne silberne Leuchter und altes wertvolles Kirchengerät gesehen und in den Gewölben zeigte man ihnen alte Handschriften auf 'Leder, aber, nur noch wenige Zinn- und Silberkrüge waten übriggeblieben von einstigem Reichtum. Nach Süden zu, nicht weit von der Synagoge entfernt, stand eine verglaste Veranda> die vor Jahrzehnten für den Besuch des damaligen Zaren von den Karaimen aufgestellt worden war. Von dem Glashaus bot sich dem Auge des Beschauers allerdings eine fabelhaft schöne Fernsicht dar. Ich konnte mich lange nicht trennen von diesem wun- ' derbären. Ausblick. Hpch über der schwindelnden Tiefe, über den wilden, felsenbesäten Tälern und Halten ragte aus der Ferne der Zeltberg, der Tschatyr-Dag,. der höchste Berg der Krim, dessen Firnen meist in den Wolken stehen, sich mir aber damals schneeweiß glänzend boten, die leuchtende Sonne hatte die Kanten zartrosa besäumt; rings herum das Panorama der Gebirgszüge, und dazwischen, cioyt weit hinten nach Süden — das weite Schwärze Meer. Welch ein Farbenkonträst war das: unten die graubraune steinerne Einöde, die weißen Firnen hoe.h oben und weit und leuchtend das ewige Meer. So wie im Chanpalast von Baghtschi- Ssarai die Romantik zu ihrem Rechte kam, wo die Volkssage erzählte, daß die unglückliche Gräfin Maria Potocka in der Gefangenschaft des Chan Mengli Girgei ungerührt von seinem Liebeswerben an der Tränenfontäne ihr verlorenes Glück beweinte, so hatten die im blendenden Sonnenlicht weißgrau schimmernden Mauern von Tschufut-Kale auch ihre Sage. Die romantische Erzählung berichtete vom Schicksal der unglücklichen Tatarenprinzessin, an deren tragisches Ende ein großer Marmorsarkophäg erinnerte. Nenkedshan K h an i n, die Tochter des Chan Tochtamysh, solte sich hier, nicht weit von der alten Synagoge entfernt, wo heute in kleinem Rundbau der weiße, mit .Inr Schriften verzierte Marmorsarg steht, von jäh abfaj- OVE Zionistische, nicht Fraktionsschulen! Vm Dr. Hugo Bergmann (JetK»sffäW>V Die nachftehenden Ausführungen, welche eitlen wunden Punkt des zioniftifchen Schulfreien* in Paläftifia bloßlegen,“’ find — etwas gekürte — der foteben erfdiienen Nummer x des XIL Jahrganges der Zeiefebrift „Paläftina“ entnommen. Diefe vom Zionifti* feilen Landeskomitee ' herausgegebenc, von Adolf Böhm geleitete Monatsfdirife (C Barth Verlag, Wien, I., Feßgafle 7) hat im neuen Jahrgang den Umfang ihrer Einzelhefte vermehrt und ihnen ein neues, lehr gefälliges Gewand gegeben. Aus dem . reichen Inhalt der Jännernummer feien folgende Auffataje hervorgehoben: Dr. Walter P r e u ß : Das Problem des Arbeitslohnes in Paläftina. David Hofo-- w i t z; Die Steuerlaft auf den Konfum in Paläftina. S. H o o f i c n : Der erfte Bericht des Währungskomitees; ferner eine intereffante Unterfuchung von Schularzt Dr. B i n j a m i n i über die körperliche Entwicklung der jüdifchen Jugendlichen in Paläftina. Eine Fülle von Daten und Nachrichten fowie eine . Bücher- und Zeitfchriftcnfchau ergänzen das Heft ' *. aufs belle. Der Schu tstr ei-t in Sichron Jakob zu Beginn dieses Jahres, dessen prinzipielle Bedeutung außerhalb Palästinas wenig beachtet worden ist, hat die ganze Absurdität der in der Zionistischen Organisation zurzeit herrschenden Sohiuitverfassiu.ng — hie allgemeine zionistische Schulen,, hie Schulen der zionistischen Fraktionen — in ein heliles Licht gerückt. Der Aufbau unseres Schulsystems ist jetzt folgender: Sämtliche Schulen werden vcim Keren Hajessod unterhalten. Aber es gibt im Enziehungsdepartement der zionistischen Organisation Vertreter zweier Schultypen: «Allgemeine» und Drei wertuoiiE Publikationen ARNOLD ZWEIG Herkunft und Zukunft Zwei Essays zum Schicksal eines Volkes Mit Bildern von Max Liebermann. Marc Chagall u. a. Leinen S 9‘25 LUDWIG DATO Die Juden im affen Wien lllastriorte Ausgabe JÜDISCHE PRESSE, Wien: „Ein vortreffliches Buch, fo lebendiger Sprache wird hier, ohne das schwere Gerüst 1 des Wissenschaftlers, in großen Zügen die Geschichte der Jaden im alten Wien gegeben.“ j Leinenansgabe S IO-— ] Dr. N. M. GELBER Vorgeschichte des Zionismus j Leinen: S 1450, brosch.; S 10'— P HAID ON-VERLAG — WIEN lenden Fe’Klippen hinabgestürzt haben, um einem yerabscheuungswürdigen Ehebunde zu entgehen, zu dem sie ihr grausamer Vater zwingen wollte. Nach einer anderen Lesart erschlug der erzürnte Chan seine Tochter, weil sie während einer Belagerung der Festung mit einem Geistlichen ein Liebesverhältnis angeknüpft hatte. Hier sei noch einer kleinen Stadt an der Westkünste der Halbinsel Krim Erwähnung getan, die m engster Beziehung zu den alten Karaimen hier oben auf der Felsenburg gestanden hat; das ist das Städtchen Eupatoria. In seinen Mauern hatten seit Jahrhunderten die Karaimen eine Hochburg ihrer Lehre, die als Hochschule der geistige Mittelpunkt dieser.ernsten Männer war.. In der Geschichte des Landes war dieses stillvergessene Städtchen sonst kaum in Erscheinung getreten, wenn man davon absehen will, daß zu Beginn jenes blutigen Ringens der Krimkriege 1854/55 hier bei Eupatoria die erste Landung der Verbündeten stattfand und daß wahrscheinlich auch an dieser günstigen Stelle der Küste die see- und kriegstüchtigen Handelsherren von Genua zuerst festen Fuß auf der Krim als ihres neuerschlosenen Landes gefaßt hatten. Still verträumt lag das Städtchen in seiner öden und sandigvertrockneten Umgebung. Der Strand selbst war flach und einsam, aber von einem selten schönen fein-weißen Sand bedeckt. Es war so still und verlassen hier, als ob die kleinen weißschimmernden, streichholzschachtelartigen Häuser ihre Bewohner in einem festen Dornröschenschlaf hielten. Aus den bunten Ziegeln der flachen Dächer ragte ein kleiner Turm spitz und schlank mit schmaler Galerie unter dem Dach hervor, das Minarett der alten Moschee aus der längst vergangenen Zeit der Tatarenfestung Gö&dawe. Nach den Angaben eines alten Mannes, den ich dort kennenlernt;e, sollen auch nach dem Abzug der allerletzten Karaimenfamilien aus Tschufut-Kale gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts die Lehrstühle von Eupatoria mehr und mehr verödet sein. In dem Hause dieses stillen Gelehrten habe ^sratfß^cfmteri», Die« Type» Habe* Ihre Lehre* Hw Budget, jeder für ach. Das Paradoxe ist min aber, daß däe.MiarachJ-Sohuleii nicht cur Schufen eines verschiedenen Typs sind mit einem Lehrprogramm, dardeft religiösen Forderungen des MiSrachi * entsprich' (wogegen selbstverständlich niemand etwas ein®uwendfen hätte, ja die jeder Pädagoge fordern müßte, a-uch wenn sie der Misrachi nicht forderte), sondern!, daß dir Mlsrachi-Schnlen.organisatorisch mit. demMisrach i alsParteif r akt Ion ve rbun-. den sind. Noch absurder ist der Zustand hi den Schiiten der Arbeiterorganisation, die ebenfalls vom Keren Hajessod ein Budget erhalten, mit dam Erziehunigsdepartement der Zionistischen Organe sation nur in einem, sehr losen Zusammenhang stehen, deren imspektiotnsorgane nicht, vom Enzieh-ungsdepartement der Exekutive, sondern vorn Kulturausschuß der Arbeiterschaft entsendet werden undauf da're* Füfrriung die Exeku t iye praiktisch k eInen Einf111 ß hat - . Die Entscheidung darüber, wachen Schultyp«« eth Qrt erhält, liegt in den Händen der-Eitern. Auf Wunsch der Eltern veranlaßt die Exekutive eine Abstimmung unter den Eiltem der derzeit scfrulbesuchenden Kinder (nicht den Ortsbewohnern — auch dies ist eine Absurdität für sich; es kann jemand noch so isehr.an pädagogischen Fragen interessiert sein, so hat er doch keinen Einfluß auf die Scfruligestaltung, wenn er z-ufälHg zurzeit keine schulpflichtigen Kinder hat) und je nach dem Ausfall der Abstimmung wird der Schultypus bestimmt. Eis ist das gute Recht des Misrachi, unter der Bevölkerung dafür Propaganda zu machen, daß religiöse Schulen gefordert werden. Allein der Schulstreit in Sichren Jakob hat die merkwürdige Tatsache gezeigt, daß die Forderung nach Misrachi-Schulen aus Gründen erhoben wird, die mit Religion nicht das geringste; zu tun haben. Die Ortsbefrörden hoffen — ob mit-Recht oder . Unrecht — daß . der Misrachi ihnen geringere finanzielle Lasten auf erlegen wird als die Zionistische Exekutive. Dazu vereinigten sich in dem Kampfe gegen die «allgemeine» Schule mit den religiös gesinnten Ortsbewohnern auch solche, welche am Kampf für die Mi«- racfri-Schule die Zionistische Exekutive zu ■•schi.agen hofften, die in ihren Augen, Repräsentantin jenes «neuen Geistes» sei, welcher Beschäftigung jüdischer Arbeiter in den, Kolonien verlangt, Vertretung der Arbeiterschaft im Ortsausschuß usw., alles Dinge;, welche gewissen Kreisen unangenehm sind'. Selbstverständlich - ist jdte Hoffnung, daß der Misirachi weniger demokratisch und weniger national sein wird, unsinnig. Aber genug, daß sich in den Kreisen des Jischuw weithin-das Gefühl-vdij., breiten konnte, daß die Fraktionen nacht* TeTle^)äef Organisation, sondern Konkurr,en-tohsahd^üiifd daß wir das Schauspiel erleben - kioininteh, däß:- im Namen e i n e r z i 0 n i s tischen F r, a k 11 ö h d i ß v o n d e r Zion i s t i ® c -h >e m E x e k n t i v ege ise-tzm ä ß i g e i n g e r i c h t ,e t e S c h, u: 1 e b o y k ö 11 i e ri wirdi.. “ y All dies zeigt die große JJnsinhrgikeit^des ^gegenwärtigen Systems: Wir haben nicht zionistische Sehüie« verschiedenen Schultyps, sondern Schul<en, d.er ich eine ausgesuchte, kleine deutsche Bibliothek gefunden. Ich danke ihr viel Interessantes über die früheren Schicksale eines vergangenen Volkes. 6000 Menschen etwa sollen nach einer alten Quelle, wie Salomön B ä i n berichtet, aus ihrer Heimajt fortgezogen sein, um sich in Konstahtinopel, Eupatoria, Odessa und Polen eine neue Heimat zu suchen. Die früher so reichsprudelnden Quellen von Tschufut- Kale seien nach dem Abzug der alten Karaimen versandet und versiegt, wohl mit Absicht, um Andersgläubige von der heiligen Stätte abzuhalten. Immer und immer wieder mußte ich beim Abstieg in die Tiefe den Blick zurückwenden, zurück nach der steilen Felsenburg inmitten ihrer Triinimer. Die Nachmittagssonne hatte die scharfzackigen Grate der umliegenden Berge erreicht, glutgoldig verbrämt brannten die Steinzinken wie in innerem Feuer, schwarzgraue Schatten lagen schon in den Steinfalten der Hänge ringsum. An der Felsenburg der alten Karaimen hatten sich Nebelschleier. emporgezogen, umwanden in ihren duftigen Geweben Mauern und Zinnen und krochen an Eckpfeilern untf Häusern durch gähnende Fensterluken, es war, aJs ob dort oben Herdrauch auf steige, als seien <äre Höhlenhäuser wieder bewohnt Tiefer und tiefer’ führte der steinige Weg; in dämmeriger Weite ragten gespenstig aus den Feldern des Josaphattales die, unzähligen Grabstätten von tausenden vergangener* Geschlechter. Enger und enger wurde die Sicht! felseneinsamer und öder. Der Weg in die. Tiefe führte durch Geröll zwischen Felswänden und Tälern, alles war stumpf, grau und kalt in diesem ewigen steinernen Einerlei. Und in der Einsamkeit stand ringsum ein Schweigen, so ernst und gebietend, daß ich mir vorkam, als ob ich in einem verfemten Lande reiste, in dem ein schwerer Fluch für alle Ewigkeit jedes Leben, alles Werden vergiftet, und darüber aus dämmeriger, gewaltiger Höhe, wie drohend allen Lebenden, auf ihrem mächtigen Felsen einsam die tote Stadt.

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