Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 58 (7.2.1929)
- Date
- 1929-02-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DTE STIMME Nr. 58 Repräsentatfonsball Zionisten Oesterreichs im Konzerlhaus, ». I*lttrz 1929, Benimm 9 Uhr abends Kartenvormerkungen: eallkomltee,l.,K8mtnerstr.28/2 Telephon Nr. ß 27-4-85/86 abends: R 49-8-98 Der Schekel Das Zionistische Landeskamitee für Oesterreich teüt mit: Wie aus der weiter unten folgenden Zusammenstellung hervorgeiht, haben eine Reihe von dem Landesverband abgeschlossenen Korporationen die übernommenen Schekalim noch nicht verrechnet undzurückgestetliDic Ausgabe der Schekalim für das laufende Jahr kann jedoch insolange nicht erfolgen, als die vorjährigen Blocks nicht zur Gänze zurückgesteüt resp. bezahlt werden. Wir machen insbesondere jene Korporationen, die zugleich mit den Mltgliedsbeiträgen den Betrag für den Schekel eintheben, darauf aufmerksam, daß sie diese eingehobenen Beträge bis längstens 20. Februar abzuftihren haben, weil sie sonst ihre Mitglieder des Wahlrechtes für den bevorstehenden Delegiertentag berauben. Doch auch aus einem anderen Grunde ist es notwendig, daß eine unverzügliche Verrechnung der Schekalim vorgenommen wird: in diesem Jahre werden die Wahlen für den 16. Zionistenkongreß, der am 28. Juli 1. J. eröffnet wird, stattfinden; Wir können daher unter gar keiner Bedingung ein Einreißen . des Mißstandes zulassen, daß durch Verwendung der Schekelgelder für die Bedürfnisse der Bezirks- oder sonstigen Korporationen die Mitglieder der zionistischen Organisation vom Wahlrecht für den Kongreß ausgeschlossen werden. Die Schekel-Eingänge. ' a Name der Körperschaft |§S S11 ■8 C ü SS* lll Cionrstiscfier Landesverband . .; •. 2 is C3 fl!/) N •5140 Jz JZ je fc « £</> N > 982 Frauenorganisation ....... 500 120 Jugendverband . , .. . . . . .. ß50 — Haboneh . 200 . — Hakoah.. 40 — Verband der akademischen VeiAhndungen und Vereine ....... 1050 147 Radikale Zionisten . .. 1000 — Zionisten-Revision is ten . . . . . . 700 — Hechaiuz. . . . . ..... . 50 — Hidachduüh . . . *. 300 5 Misrachi .. 30 — Poale Zion. 100 — Bis 31. Jänner 1929 verrechnete Schekalim . 1252 009909090* 999999j999??99999Q9999 9999999 Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto beiliegt, werden nicht zurückgesendet Die tote Stadt Von P. R. Forschner Ich kam damals aus dem blumenreichen Tal des Baches Tschukuksu, von Baghtschi-Ssarai, dem Schloß der Gärten — wie der Volksmund dort sagt — wo um den alten Sultanspaiast in rosenverträumter Stille der Zauber der Märchen von 1001 Nacht mich umfing, und ich suchte nach einer altehrwürdigen Kulturstätte, wo in felseneinsamem Steinmeer Jahrhunderte zu Grabe gegangen waren, wo eine hohe Kultur'bestanden und ein Volk, die Kar a i m e n, gelebt haben sollten, dessen Ursprung einzelne Geschichtsquellen auf die Zeit des ersten Tempels von Jerusalem zurückführen. Die Stadt, die ich suchte, war Tschufut-Kale, die altehr w ü rdige hebräische Feste. Wenig Werst nur von Baghtschi-Ssarai entfernt erhob sich diese merkwürdige Stadt hoch oben auf weißem Felsplateau. Man könnte Tschufut-Kale auch ebensogut eine verwunschene Stadt nennen, die Versuchung lag sehr nahe, denn die weite große Stadt lag leer und menscheneinsam da oben mit ihren Toren und Mauern, ihren Gassen und Häusern, von ihren Bewohnern längst verlassen: Aber das ist gerade das Sonderbare an dieser alten Stadt gewesen, sie war nicht etwa ein wüster Trümmerhaufen, an dem man nur notdürftig das ehemalige Stadtbild wieder hätte erkennen können, sondern Häuser und Straßen standen da, als ob sie erst vor kurzem von ihren Bewohnern verlassen worden wären, dabei wanderten die letzten Karaimen schon vor langer, langer Zeit aus. Diese Felsenhäuser mit ihren Gelassen und Zimmern, mit ihren. Höfen und Kellern, mit ihren Gassen und Plätzen sind voretwalOOJahrenverlassen worden, aber sie konnten nicht vergehen, sie stehen npeh immer und werden noch lange so bleiben, denn die Straßenzüge sind in die Felsen eingehauen. Die Wohnungen der Häuser standen halb unterirdisch in dem großen Felsenkegel, der sich an drei Die Lage im polnischen Zionismus Ein Kommunique des zionistischen Zentralkomitees Aus Warschau wird berichtet: Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens veröffentlicht ein Kommunique, in welchem d^n Pressestimme^. die von einer «katastrophalen Lage im polnischen Zionismus» reden, scharf entgegengetreten wird. Das Zentralkomitee stellt fest, daß trotz der Kämpfe der Minderheit gegen die M e h r z a h I die z i o n i s t i s c h e A r b e i t in der { von der Mehrheit vorgezeichneten Richtung n o rmal geführt wird. Das Zentralkomitee wird den Beschluß des Aktionskomitees über die E r w e i t erungderJewishAgency und den Zusammenschluß der zionistischen Landesorganisationen Polens zu einer Gesamtorganisation zwecks Schaffung einer alle polnischen Zionisten verpflichtenden autoritativen Instanz verwirklichen In einer Sitzung des Präsidiums des Oberrates der zionistischen Organisationen'Polens wurde beschlossen, die a 11 p o l n i s c h e zionistisch e Konferenz f ür den 31. Märzund I. A p r i I d. J. nach Warschau einzuberufen. Man erwartet die Teilnahme von ungefähr 300 Delegierten. Jüdische Kulturforderungen werden abgelehnt! Die B u d g e t kommi s s i on d<?s polnischen Sejm hai auch in der dritten Lesung sämtliche vom jüdischen Parlamentskhib vorgescIUageneu Posten, bezw. Posten.er h öh ungen für jüdische Kulturtmd Unterrichtszwecke ab g e 1 eh nt. Abg. G r ü nbauan hatte - vorgesohlagen, die Position «Befriedigung der jüdischen religiösen Bedürfnisse» von 120.000 Zloty auf 1 Million zu erhöhen und wies BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S ffeu®rBffiiete Loifilslbllofltelc bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband # Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddlsche u. Deutsph- Ju dal ca in reicher Auswahl * Täglicher Umtausch Dan ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr ge5ffn~* McnatsgebOhr nur S 3*—• ♦ Keine Bandgebühr darauf' bin, daß die Ausgaben der jüdischen Gemeinden für Religionszwecke mehr als 15 Millionen Zloty betragen. Demnach helfen die Juden mit ihren exorbitant hohen Steuerleistumgen die anderen Religionen erhalten und müssen dabei für?h*e eigenen religiösen Bedürfnisse ganz allein sorgen. Abg. Grün-bäum stellte wefters dem Antrag, eine Million Zloty für dne jüdischen Schulen und Kinderheime in das Budget einzustellen. Auch dieser, sowie alle anderen Vorschläge Grünbaumrs, die sich auf dae Subventionierung von jüdischen Lehrerseminaren und anderen KulturinsL’ituIhnen bezogen, wurden atogetehmt. * Antisemitischer Exzeß in Köln? Zwei jüdische Bewohner schwer verletzt Die Hitler-Leute in Deutschland entfalten in der letzten Zelt eine sehr rege Tätigkeit in verschiedenen Teilen des Reiches. Ihre Auftraggeber (die ja, wie bekannt, nicht bloß in Deutschland, sondern auch jenseits des Rheines sitzen) scheinen den deutschen Hakenkreuzlern Auftrag gegeben zu haben, sich scharf ins Zeug zu legen. So veranstalten denn die Hitler- Buben, wo es geht, StraßenkrawaHe. In Berlin, Essen und anderen Städten haben sich derlei Vorfälle in den letzten Tagen serienmäßig ereignet. Wie einer Pressemeldung zu entnehmen ist, haben sich in Köln auch solche Straßendemonstrationen der Nationalsozialisten ereignet, welche aber auf die «populäre» Note, den antisemitischen Prügelradau, abgestimimt waren. Während einer am 27. Jänner begonnenen Tagung von Hitler-Verbänden in Köln kam es zu Straß endemonstr a t i o n e n. Die hal^enkreuzleri&chen Demonstranten zogen unter Schmährufen gegen die Juden durch die Straßen, überfielen jüdische Passanten und verprügelten sie. Zwei der überfallenen Juden mußten mit ernst cn V e r 1 e t z u n g e n in Spitalspflege geibracht werden. Die Polizei ging gegen die Hakenkreuzler ' energisch vor, zerstreute sie und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Der jüdische Religionsunterricht an den rumänischen Schulen In der letzten Sitzung des rumänifchen Senats richtete Landesrabbiner' Senator Dr. Niemirower. an den Unterrichtsmimfter die Frage, welche Maßnahmen er in bezug auf den jüdifchen Religionsunterricht an den Staatlich ulen getroffen habe. Das K u 11 u s g e f e t z, fuhr Dr. Niemirower fort, gibt den einzelnen Kulten das Recht, für die Schüler ihres Glaubens deA Religionsunterricht an den öffentlidien Schulen cinzufüh'rcn. Seiten sien aus ciem Tal erhob und nach Südosten nur durch einen schmalen Grad mit dem umliegenden Gebirge verbunden war. Am Hang nach Süden lag die Begräbnisstätte der alten Stadt in den Geröllfalten des Josaphat-Tales, die viele Tausende von Gräbern mit alten Inschriften barg. Der Name Karaimen bedeutet in der Sprache der alten Hebräer «Schriftgetreue» oder «Jünger der Schriftforschung«. In ihren religiösen Anschauungen erkannten die Karaimen nur allein die fünf Bücher Moses an. Sie waren ein achtbares Volk, schlichte und arbeitsame Menschen von anerkannter Redlichkeit. Die jüdischen Gemeinden in der Krim sind uralt und besaßen immer in der Geschichte ein hohes Ansehen. Ueberlieferungen behaupten, daß die Gemeinde von Tschufut-Kale ein I Alter von über 2000 Jahren haben. Genau wird « das wohl nicht ganz stimmen. Denn die letzten ausgewanderten Karaimen waren in ihren Organisationen eine verhältnismäßig junge Sekte, als Karaimengemeinde ist also Tschufut-Kale nicht gar so alt. Es dürfte wohl nicht bekannt sein, daß bisher in der Geschichte die Krim das einzige Land der Erde gewesen ist, wo da$ Judentum, und zwar dieses Judentum der Karaimen, nach Christi Geburt Staatsreligion war. Im 8. Jahrhundert trat ein Fürst der Chasaren, ein türkisches Volk, das damals die Herrschaft über die taurische Halbinsel inne hatte, mit all seinen Untertanen in aller Form zu diesem alten Judentum der Karaimen über und erst nach 500 Jahren setzte die Tartarenherrschaft den Islam als Staätsreligion ein. Bergan zur Höhe des gewaltigen Felsens verlor sich der Pfad fast zwischen Gestrüpp und Trümmern, steil strebte das äußere Tor der Stadt aus Geröll und mächtigen Granitblöcken. Hinter einem Felsenvorsprung lag das Haupttor, noch so wuchtig und mächtig, wie drohend, als ob es den Fremden mahnen wollte, die erhabene Ruhe dieser Stätte, wo Jahrhunderte zu Grabe gegangen, nicht zu stören. Der Torweg gähnte kalt, feucht und düster. Kaum drei Meter breit zog sich die steinerne Gasse, vielfach noch zur Seite die ausgetretenen Fußsteige zeigend, durch die Ruin«nstadt, sich nach allen Richtungen immer wieder verzweigend. Die Straßen waren eng, fensterlos die Mauern; runde Türme, da und dort noch Uebefreste offenbar einst großer Schlösser und Riegel. Flache Dächer, kleine Höfe voller Trümmer, alles mutete trostlos und wehmütig an. Nirgends Grün, selten eine kalte Staude; die gespenstigen Arme eines .verkrüppelten Baumes ragten und griffen sehnsüchtig durch eine Mäueröffnung nach den hellen Sonnenstrahlen. Das innere der Häuser, der Gelasse, der Zimmer ist mit großem Fleiß und vieler Mühe hergerichtet worden, Wände und Decken Waren geglättet. Man mußte staunen Über die Arbeitsleistung, ette vergangene Geschlechter hier vollbrachten.' Da waren Räume von vier lind sechs Meter Länge und Breite und erstaunlicher Hohe. Steinstufen führten oft vom Unterstock in höher gelegene kleinere Gelasse, die vielleicht als Schlafgemächer dienten, in deren Wände Nischen eingehauen waren, die wahrscheinlich Teppiche und Kissen aufzunehmen hatten. An Fensteröffnungen sah man Löcher und Rillen für Läden oder Rahmen. Gänge und Treppen verbanden oftmals Zimmer und Wohnungen wohl für mehrere Familien. Und überall diese glatte, saubere Arbeit. Nicht weit vom Abgrund an der gähnenden Tiefe standen die noch einzigen bewohnten Häuset, wo ein alter Mann als letzter seines Volkes mit zwei seiner Stammesgenossen lebte und der als letzter Rabbiner hier auf geheiligtem Boden den Dienst versah für seinen alten Gott. Die Synägage selbst war ein ehrwürdig schöner Bau. Man konnte faSt glauben, in eine Moschee einzu treten anstatt in ein jüdisches Heiligtum: teppichbelegt, von einem Säijlengang umgeben, im Hintergrund ein Holzgitter; der Platz für die Frauen. Aber auch gerade wie der Rabbi selbst in seiner Lanimfellmütze eher den Eindruck machte, als sei er ein Anhänger des Islam, so weckte auch sein Gotteshaus bei dem Besucher