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Die Stimme · 1929-01-31 · Heft 57 (31.1.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 57 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 57 DIE STIMME säte 7 von den Mitgliedern der Union beabsichtigte Sprengung des Kultusvorstandes drohende Schädigung noch im letzten Angenblick vermieden wird. Wir haben bei der gestern, den 27. d. M., stattgefwfcten Aussprache der Vertreter der einzelnen Gruppan das äußerste Entgegenkommen bewiesen und wiederholen auch Ihnen hi-emit ausdrücklich, daß wirzarverantwortlichen Mitarbeit in der Gemeind-' in vollem Maße bereit sind. Wir glauben, wenigstens boi Ihnen dafür Verständnis m finden, daß die Ausschließung der einen Hälfte des Kultusvorstandes von der Leitung und Verwaltung der Gemeinde durch die andere Hälfte einen unerträglichen Zustand schafft und allen Grundsätzen der Gerechtigkeit and Billigkeit widerstreitet Wir glauben, bei ihrer Objektivität annehmen zu können, daß Sie es nicht für richtig finden, daß der einen Hälfte des KuÜusvorstandes das Recht zustehen soll, von der anderen Hälfte irgendwelche programmatische V e r z 1 c h 11 ° i stung*« unter sonstiger Androhung der Sprengung des Vorstandes zu verlangen. Wir geben Ihnen h'emit neuerlich bekannt, daß wir bereit st^d, ir j'g'icher Beziehung die Voraussetzungen für eine or'J*’,*ngsmäßige Erledigung der Geschäfte der Gemeinde zu schaffen und uns mitverantwortlich an. der Leitung der Gemeinde zu beteiligen. Wi halten es für f r i v o 1, wenn unter den gegebenen Umständen «s-ftens der Angehörigen der Union mit der Auflösung des Kultusvorstandes, ja sogar mit der Sprengung des 'lemeindeverbandes gedroht wird, ohne Bedaehtnahme darauf, daß das rechthaberische Festhalten an ihrem eigenwilligen Standpunkt die schwersten Schäden für die Gemeinde tmd ihre Angehörigen herbeizufÖhren geeigre* ist. Wir gehen zu bedenken, daß nicht nur die Beamten und Angestellten, sondern weite Kreise der jüdischen Bevölkerung in ihren lebenswichtigsten Interessen au das Schicksal der Gemeinde gebunden sind und daß der Gemeinde und ihren Institutionen durch ■ das Interregnum eines Regieru n gskomni i s s ä r s die schwersten Nachteile . drohen Ihnen als Präsidenten der Gemeinde, der das allseitige Vertrauen aller Gruppen1 des Kultusvorstandes genießt, obliegt nach unserer Ansicht in erster Lime die Verpflichtung, besänftigend einzugreifen, scharfmacherischen Tendenzen entgegenzutreten und jenen gegenüber, die unüberlegt die katastrophalen Folgen eines voreiligen Beschlusses anscheinend nicht mehr abzuwägen verstehen, mit dem ganzen Vollgewicht Ihrer Persönlichkeit den Standpunkt der Interessen der Gemeinde wahrzunehmen. Wir sind überzeugt, daß wir nicht vergeblich an Ihr Gewissen, Ihre Einsicht und Ihre Pflicht appelliert haben und bitten Sie, noch in letzter Stunde das Ihrige beizutragen, um unser Gemeinwesen vor dem ihm drohenden unermeßlichen Schaden au bewahren. Mit vorzüglicher Hochachtang: Für den Klub zionistischer Kultusvorsteher; DriLöwenherz m. p. Dr. Friedmann m.p. Für die Vereinigung werktätiger Juden; Dr. G1 a n z m. p. M o r i t z m. p. Dr. Leo Landau m. p. Diese Dokumente beweisen, wo die Verantwortlichkeit zu finden Ist und wo unverantwortlicher, frivoler Starrsinn sich auftut. Die Union hat ein Ultimatum gesteint; sie wird alle Konsequenzen dieses Ultimatums zu tragen, wenn sie nicht im allerletzten Augenblick zur Besinnung kommt. * Getreu seinem Versprechen, die zionistische Wählerschaft über die Vorgänge in der Kultiusgemeinde auf dem taufenden zu halten, berief für Montag Abend der Klub der Zionistischen Mandatare eine Massenversammlung in den Großen Saal des Hotel Continental ein, um zu den jüngsten Vorkommnissen in der Kufltusgemeinde Stellung zu nehmen. Die in Massen erschienenen Versammlungsteilnehmer nahmen mit Spannung die Berichte der Referenten entgegen und billigten durch laude Kundgebungen des Beifalls die Haltung der Zionistischen Kultusvorsteher in der Krise, die durch den Machtdiümikel und den Starrsinn der unionlstlsch-agudistischen Koalition hervorgerufen wurde. Ate erster Rentner schilderte der KHubobmaen Dr. Friedmann <Üe Vorgänge, wie sie sioh bei der völlig u n g e s etzmäßigen Konstituierungdes Kultusvorst an des abgespielt haben (sie sind den Lesem der «Stimme» aus unseren ausführlichen Berichten bereits bekannt). Die Opposition wurde durch das völlig unparlamentarische Verhalten der Union von den Vorberatungen über die Verteilung d r Stellen einfach ausgeschlossen. An unsere Leser! Wir bringen hiernät zur Kenntnis, daß das bekannte Musikhaus Excelsior, Wien, I., Adlergasse 5, und II., Weine Pfarrgasse 28, sein reichhaltiges Lager in jüdischen und hebräischen Schallplatten durch die neuesten original amerikanischen Aufnahmen kantoraler und jüdischer Gesänge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wird eine große Serie von Schallplatten an diejenigen Leser unseres Blatte», die sich au» diese Ankündigung berufen, zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben. Reichhaltiges Lager in liturgischen Gesängen und jüdischen Volksliedern des weltberühmten Oberkailtors Josef Rosenblatt Die zionistische Bezirksektion X gratuliert ihrem Vorstandsmitglied Gesinnungsgenossen Herrn Siegfried Heller anläßlich seiner Vermählung mit Frau lizzi Kleppner auf das herzlichste Wien ixn Jänner 19 .9 Die beiden Vizepräsidenten Dr. Omstein und Dr. Ticho wurden, da für de nuar 18 Stimmen abgegeben wurden, und zu ihrer Wahl als absolute Majorität mindestens 19 Stimmen notwendig gewesen wären, völlig ungesetzmäßag gewählt. In dem Statut d.er Kultiusgemeinde findet sich keine Bestimmung, daß leere Stimmzettel ungültig sind, so daß die WahÜ völlig ungesetzimäßig vorgomorrumen wurde. Dieser ungesetzmäßige Vorgang wiederholte sich bei der Wahl des Vertreterkollegiums, so daß die Opposition die Wahl von vier ^gliedern in das Vetreterkollegium abgelehnt hat. Wir haben die weitere Erledigung der Tagesordnung durch Obstruktion verhindert, um der verbündeten Union Agiudah zu zeigen, daß man mit Hilfe eines gefügigen Alterspräsidenten wohl das Recht brechen, aber auf die Dauer die Leitung der Geschäfte nicht an sich reißen kann, Redner kam dann auf den letzten Briefwechsel des Zionistischen Klubs mit der Union zu sprechen, den wir im Wortlaut an anderer SteUe wiedergeben, und sagte: War fordern nichts als das gerechte Prinzip des Proporzes, das in jedem Gebirgsdorf bereits eine politische Selbstverständlichkeit geworden ist. Nur in der Kufltusge- Sonntag, 10. Februar 1929, präzise 11 Uhr vormittags FLIEGER-KINO WIEN, IX, LIECHTENSTEINSTRASSE NR. 37 „FRÜHLING IN PALÄSTINA“ DER NEUESTE PALÄSTINA-FILM Aufführung der „Deborah“, Mädchengruppe d. „Wizo“ Kartenbezug: Zionistisches Landeskomitee, I., Karotneratraße 28 Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmstraße 22 Buchhandlung M. Rath, II., Taborstraßa 20 a meinde in Wien soll diese politische Selbstverständlichkeit keime Geltung haben. ( Die Union will durch Ihr Verhalten uns programmatische Forderungen abtrotzen und will uns dazu zwingen, unseren Programmpunkt nach Einführung des allgemeinen Wahlrechtes aufzugeben. Die Herren sind alt und bequem und gehen »Leiht gern zu Sitzungen und da befürchten sie, daß es Vorkommen könnte, wenn sie nicht voilzähfllg erscheinen, daß die Opposition ihre Forderung einfach beschließt. Davor wollen sie gesichert sein und deshalb verlangen sie immer ihre «Ruh«» in der Kultusgemeinde. Das ist der wahre Hintergrund der jetzigen Kämpfe in der Kultusstube. Die Union hat uns auch gedroht, daß i b r e Mandat a r e die Mandate z u r ü c k 1 e g e n werden, wenn wir nicht auf ihre Forderungen eingehen. Sie wissen ganz genau, daß wir alles daransetzen, um einen solchen Zustand zu verhindern, der gleichbedeutend wäre mit der Preisgabe der Autonomie der Kultusgemelnde, da in einem solchen Falle für die Zeit, bis N e u w a h- I e n durclige führt sind, ein Regierungskommiss ä r eingesetzt werden muß. Wir lieben diese Gemeinde viel zu sehr, als. daß wir nicht alle'Mittel versuchen würden, um dieses Unheil zu verhüten. Wir sind aber auch gegen die Ausschreibung von Neuwahlen, nicht aus dem Grunde, weil wir Neuwahlen zu fürchten hätten — wir sind gerüstet und könnten bei einem abermaligen Appell an die Wählerschaft nur an Stimmen gewinnen, wenn wir die WiÜMcürherrschaft der Union aufeeigen würden — wir sind aber dennoch gegen die Durchführung von Neuwahlen, well wir der Kultusgemeinde die abermalige finanzielle und moralische Bürde von Neuwahlen nicht auflasten wollen, well wir dies vor der jüdischen OÖffentlichkeit nicht verantworten können. Nur deshalb versuchen wir noch zu einer Lösung der Frage zu kommen und beweisen unsere Verhandlungsbereitschaft immer wieder aufs neue. Die Union hat es aber nicht nur autf die Sprengung dieses Kultusvorstandes abgesehen, sie wiM auch eine Sprengung der ganzen Wiener Judengemeftnde herbei führen. Einer ihrer Führer, Regierungsrat Doktor Oppenheim, gab auf den Vorhalt, daß die Union Herren' und Domen-wetder nach Mao Bileh« ^terr.mwth' SUhiint c»cb Cekereia.emmtB. lolmiiii loclnq Wien, TI., MarUhllferstrafie 107, Tel. B 27.2-88 von Neuwahlen noch weniger zu erwarten habe, ate von den Wahlen am 2. Dezember, zur Antwort: «Es ist In Deutschland möglich, aus der Judengemeinde auszutreten und man kann doch Jude bleiben. Was in Deutschland möglich ist, muß auch in Oesterreich möglich sein.» Die Herrendrohenganzoffen mit derSprcngung des Gemeindeverbandes und nur deshalb, weil sie nicht mehr unbeschränkt in dieser Gemeinde ysvalten und walten können. Wir haben noch einen letzten Schritt zur Lösung der Krise getan«. Wir sind heute beim Präsidenten der Kultusgemeinde erschienen und haben ihn um seine autoritative Intervention gebeten, um die Kultusgemelnde vor weiterem Schaden zu bewahren, der ihr durch den Eigendünkel und den Machtwahm der Union droht Wir setzen alles daran, um der Kultusgemeinde keinen Schaden zuzufiigcn, weil sie unsere Gemeinde ist, die uns allen ohne Unterschied dcr'Parteir i c h t u n. g gleich am Herzen liegen muß*. (Stürmischer Beifall.) Kultusvorsteher Dr, Jakob Ehrlich besprach einleitend das Ultimatum der Union an den Zionistischen Klub und führte im wesentlichen aus: «Es ist ein Ultimatum, wie man es stellt wenn man durchaus den Krieg 'haben will. Beim Lesen dieses Ultimatums ha* uns tiefste Erbitterung und Empörung erfaßt. W;r haben aber dieses Gefühl in uns niedergerungen und haben uns im Interesse des Gemeirdewohles gesagt, daß wir kaltes Blut bewahren müssen. Wir waren nicht stolz und haben uns angesichts der ungeheuerlichen Provokationen, Kränkungen und Rechtsbrüche geradezu gedemütigt, weil wir uns sagten, es sei kein persönliches Opfer groß genug, tuenn es uim dien Bestand der Gemeinde geht. Es ist in jedem Vertretungskörper selbstverständlich, daß diejenige Partei, welche den Präsidenten stellt, dies den anderen Parteien bekanntgibt. Die Union hat dies jedoch nicht bloß nicht getan, sondern geradezu beschlossen, ein Geheimnis daraus zu machen, wen sic als Präsidenten wählen will. Sie war aber umsomehr verpflichtet, an die anderen Parteien henanzutreten, als der Präsident doch nicht bloß Parteimann sein, sondern durch seine Charaktereigenschaften die Gewähr für die objektive Geschäftsführung bieten soll. Die Koalition der Union-Agudah hat jedoch ein hinterlistiges Ueberrumplungsmanöver beschlossen. Die drei Präsidentenstellen besetzte sie durch eine gewalttätige und rabulistische Auslegung des Statuts, die Aufteilung des Vertreter kollegiu ms wollte sid aufbauen auf einem Kauf der Stimmen der Werktätigen, indem sie ihnen zuerst ein Mandat und dann zwei Mandate für das Vertreterkollegium anbot Nur wer bar ist jedes Gefühles für politischen Anstand, konnte! annehmen, daß die Werktätigen auf diesen schmählichen Handel eingehen werden. Es ist nur selbstverständlich, daß sie sich geweigert haben, ein solche« Gnadengeschenk auf Grund dieses unsauberen Geschäftes anzunehmen. Wir wollen nichf alle Brücken abbrechen und haben nach dem Ultimatum neue Verhandlungen vorgeschlagen. Sie haben gestern stattgefunden und ich! habe leider die Ueberzeugung gewonnen, daß die Union zur zwangsweisen Auflösung des Vorstandes fest entschlossen ist Wir haben den Herren goldene Brücken gebaut Als der Obmann der Werktätigen vorgestern mit dem Unionkiub-Obmann Dr. Ticho verhandelte, erklärte dieser, die Union wolle die Gewißheit, daß vor Ablauf eines Jahres die Wahlreform Vorlage den Kultusvorstao * nicht sprengt. Wir haben gestern diesem Verlangen Rechnung getragen. Wir sagten, wir wollen einen Wahlreformausschuß wählen und dieser soll beraten und das Material vorbereiten. Wenn der Ausschuß ernstlich arbeiten wird, wollen wtr drei und sechs Monate warten, Herr M o r i z sagte sogar, es könne ein Jahr dauern. Was hat aber Dr. Ticho erwidert? «Was wird nach einem Jahre sein?» Die Sicherheit können wir Herrn Dr. Ticho nicht schon heute geben, daß auch nach einem Jahre nichts die Ruhe seiner Nächte stören wind, und deshalb muß nach seiner Auffassung der Kultusvorstand schon heute aufgelöst werden. Schmackhaft und nahrhaft Es gibt keine Speise, für welche die Bezeichnung «Schmackhaft und nahmaft» so zutreffen würde, wie für gut zu'beritete Fische. Leicht bekömmlich, fett- und eiweißhaltig, sind Fische ein wertvolles Nahrungsmittel. Dabei kommt cs sehr stark auf die Zubereitung an; der rasch gebackene Fisch behält seine wichtigen nährenden Bestandteile am besten und ist auch der schmackhafteste. In einem reizlosen Fett, wie e&Olivenöl ist, gebacken, ist er Mn kulinarischer Hochgenuß. Davon haben alle, die den Wohlgeschmack und die Bekömmlichkeit frisch in Oel gebackener Fische noch nicht kennen, die beste Möglichkeit, sich zu überzeugen: Denn in den Fischhallen vm Pfitzner & Hatzi gibt es den ganzen Tag in Olfcwntt heißgebackene frische Hsche. gl

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