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Die Stimme · 1929-01-31 · Heft 57 (31.1.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 57 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Se4te 6 *1 tu emnit UXc 91 IMMü Nr. 57 SALI DIAMANT DAWID HAGER wien n wien n empfehlen sich als Verlobte Wien, im Sch’wath 5689 Dem Oberrabbiner von Casablanca, Rabbi Ephraim E n k a o u a, wurde der Orden der Ehrenlegion verliehen. Nach einer Massenkundgebung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung im Börsensaal mit dem Thema «Juden und rhrc Gegner» wutden auf der Strafte dfe Versammlungsteilnehmer von Nationalsozialisten angegriffen. Die Potözd trieb die Tumultanten auseinander. An den Zusammenrottungen auf der Straße beteiligte sich auch eine Stahlhelm -Abteilung. Vier Demonstranten wurden arretiert. * Der jüdische Friedhof in Fo n te in der Nähe von A gad i r (Marokko) ist jetzt einem militärischen Straßenbau zum Oprfer gefallen. Die Straße führt quer durch das Friedhofsfeld. Zahlreiche Gräber wurden zerstört. Die jüdische Gemeinde von Agadir intervenierte bei der Regierung, daß wenigstens che Zerstörung des Grabes des berühmten Rabbi Khalifa Malca, weiches das Ziel vieler tausender Pilger ist, vermied*- «'erde. Oie Union will davonlaufen Das frivo 2 Spiel der Union mit Regierungskommissär und Neuwahlen Die Opposition um die Erhaltung der Kultt*sgemeinde bemüht — Die Aufklärung der Zionibien an die Wählet Schaft Die Union und die mit Ihr verbündete Trennungsorfchodoxie haben die Warnungen der letzten Zeit nicht beachtet; tum ihre unbeschränkte Herrschaft in der Kultusstube zu erhalten, fordern sie Unterwerfung der Opposition unter ihr Diktat. Da jedoch die Opposition selbstverständlich sich mur ihren Wählern, nicht aber einer bei den Wahlen minorisierten Gruppe von Vereins- Jeuten programmatische Rechenschaft schuldig ist, so ist a-uf dem Wege der Gewalt für die Union nichts zu erreichen. Sie sieht nun ein, daß es mit ihren Methoden des Regieren« nicht geht, und da greift sie zmm bequemsten Mittel: die Union will einfach davon laufen und droht mit der Niederlegung der Mandate. Sie treibt das frevle Spiei mit der jüdischen Gemeinde weiter, das wir schon in der vorigen Woche auf gedeckt haben, so peinlich es der Union war, daß ihre Machenschaften enthüllt wurden. Die Union-Agudah-C!\que glaubt, durch die Drohung mit dem Regierungskommissär von der Opposition Auff'-ben von programmatischen Grundsätzen erzwingen zu können, obwohl sie gut weiß, daß die Auflösung des Kultusvorstandes und die Einsetzung eines Regierungskommissärs die Autonomie der Gemeinde gefährden muß, daß die Durchführung von Neuwahlen in die ohnehin geschwächten Finanzen der Kultusgemeinde einen starken Riß machen würde. Vor all diesem Schaden will die Opposition die Judenschaft Wiens bewahren.^ Sie hat den Herren von der Union in letzter Stunde Vorschläge mr Vermeidung einer schweren Krise gemacht Darüber unterrichten die nachfolgend publizierten Schriftstücke: I. Abschrift Dr. Jo?ef Ticho. Wien, am 22. Jänner 1928. Herrn Rechtsanwalt Dr. Desider Friedmann, Wien, I. In meinem Schreiben vom 15. Jänner 1929 ersuchte ich Dich, mir in der allerkürzesten Zeit bekanntgeben zu wollen, ob Deine Partei gewillt ist, die in diesem Schreiben im Interesse der Gemeinde begehrten Garantien zu leisten. Auf dieses Schreiben habe ich bis heute gar keine Antwort erhalten; dagegen wurde zwischenzeitig von Deiner Partei eine Reihe von Anträgen wegen Aenderung der Geschäftsordnung, de facto wegen Statutenänderung, eingebracht, was der sofortigen Ermöglichung der von meiner Partei im Interesse der Gemeinde gewünschten ungestörten Geschäftsführung nicht dienlich sein kann, sondern die gegenteilige Absicht vermuten läßt Mit Rücksicht auf die Unterlassung jeder Beantwortung meines Schreibens vom 15. Jänner 1929 bin Ich bemüßigt, Dir in Deiner Eigenschaft als Obmann Deines Klubs folgendes mitzuteilen: Die dem Klub der unionistischen Vertreter angehörenden Mitglieder des Vorstandes haben beschlossen, ihre Mandate spätestens am 2 7. Jänner 1929 zurückzulegen undausdemVorstande auszuscheiden, desgleichen werden die auf unserer Liste befindlichen Nachmänner auf die Uebernahme derihnen hiedurch anfallenden Mandate verzichten, so daß die Hälfte der Mitglieder des Vorstandes ausscheiden wird (§ 7 der Statuten), sofer'e nicht bis längstens Sonntag, den 27. Jänner 1929 eine befriedigende Antwort auf mein Schreiben vom 15. Jänner 1929 eingelangt sein sollte. Dieser äußerste Termin wurde gewählt, weil am 31. Jänner 1929 das Budgetprovisorium abläuft, und aus der bisherigen Unterlassung der Beantwortung meines Schreibens vom 15. Jänner 1929 klar hervorgeht, daß der von Dir bei der letzten Obmännerkonferenz vom 13. Jänner 1929 mitgeteilte Standpunkt, die Wahlreformfrage nicht zurückzustellen und ein weiteres Budgetprovisorium nicht zu bewilligen, von Deiner Partei nufrechterhalten wird. Hievon ergeht an Dich die Mitteilung, um Deiner Partei die Konsequenz ihres Verhaltens ausdrücklich und rechtzeitig vorher bekanntzugeben. Daß nacli Schaffung der in meinem Briefe vom t5. Jänner 1929 begehrten Garantien der Anwendung de? Proporzes zugestimmt werden wird, wurde bereits hervorgehoben und wird hier mit dem Hinweis darauf wiederholt, daß das Einlangen einer befriedigenden Antwort aus den obenangeführten Gründe» bis längstens Sonntag, den 27. Jänner 1929 befristet werden mußte. Dr. T i c h o m. p. Rekommandiert. il. Wien, am 26. Jänner 1929. An den KBtfb der Unionistischen Kultusvorsteher Wien. Wir erhielten das Schreiben Ihres Obmannes vom 22. 1. M., welches sich mit unserem Schreiben vom gleiten Natum gekreuzt bat und steilen hiermit fest, daß vom Präsidenten bisher eine Sitzung des Vorstandes zur Verabschiedung des Budget-Provisoriums für Februar 1929 nicht einberufen wurde. Entgegen Ihren Vermutungen hat unser Klub zur Frage des Bwdget-Provisoriums in keiner Weise Stellung genommen.. Um in unseren Verhandlungen einen Schritt nach vorwärts zu kommen, schlagen wir Ihnen die Einberufung einer Plenarsitzung vor Ablauf dieses Monats mit folgender Tagesordnung vor: 1. Neuwahl des Präsidiums und des Vertretcrkollegiums; 2. Budget-Provisorium für Februar 1929. Bei dieser Anregung gehen wir von der Ihnen wiederholt bekanntgegebenen Anschauung aus, daß die Anwendung des Proporzgrundsatzes in der Leitung der Gemeinde und die dadurch hert>e!geführte Mitarbeit aller BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S ffgßförSffneffi Leihbibliothek bi stet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- Judaica in reicher Auswahl » Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— '♦ Keine Bandgebflhi* Gruppen des Vorsandes die im Interesse der Gemeinde gelegene ungestörte Geschäftsführung ermöglicht. Zu der uns bekamntgegebenen Absicht, durch die Niederlegung Ihrer Mandate die vorzeitige Auflösung des Vorstandes zu erzwingen, fühlen wir uns verpflichtet, Ihnen folgendes entgegemziuhalten: Die Auflösung des Vorstandes hat notwendigerweise das Eingreifen der politischen Behörden in das Seibstbestimmungsrecht der Gemeinde zur Folge, führt zur Bestellung eines Regierungskommissärs und gefährdet das kostbare Gut der Gemeindeautonomie, das ungeschmälert zu erhalten die oberste Pflicht aller Kultusvorsteher, ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung, sein sollte. Obgleich wir eine neuerliche Befragung der Wählerschaft nicht zu scheuen hoben, halten wir es für u n v e rantwortlich, imsotange nicht alle Mittel zur Herbeiführung der Arbeitsfähigkeit des Vorstandes erschöpft sind, aus vollständig unzureichenden Gründen einen neuerlichen Wahlkampf heraufzubeschwören und dem Gemcindehaushalt die hohen Wahl kosten aufzubürden, deren Verausgabung bei der finanziellen Lage der Gemeinde, dem schweren Notsamd der auf die Hilfe der Gemeinde angewiesenen zahlreichen Institutionen, vor der jüdischen Öffentlichkeit nicht gerechtfertigt werden könnte. Wir geben Ihnen auch zu bedenken, daß die Unterbrechung der normalen Funktionen der Gemeinde bis zur Neuwahl des Vorstandes mit einer schweren mul uneinbringlichen Schädigung der auf die Tätigkeit der Gemeinde angewiesenen breiten Bevöikeriingsschichten verbunden wäre, ihre in der Androhung der Mandatsniederlegung zum Ausdruck gebrachte Weigerung, aie Verantwortung für die Leitung der Gemeinde zu tragen, ist nach unserer Ansicht kein hinreichender Grund für die vorzeitige Auflösung des Wochen-Kalender Jänner 1929 Gedenktage 31 Donnerstag 19ö0 — der jüdische Historiker Gott/harri Deutsch, Mitherausgeber der ..Jewlsh Encyclopedla“, io K«nitz geboren. I?l8 — Dr. Jechiel Techlenow ln London gestorben. 20- “D Februar 1 Freitag 1872 — d«r große Schauspieler Boguroil Da-wison ln Dresden gestOTben. 18S5 — Perez Sifolonsky in Mopau gestorben. 1SÖ2 — der Komponist Salamon JaLiseohn in Loipzig gestorben. su-to 3 Samstag 1836 — <lor Htetoriker Jo6ef Caro geboren. 32-M Haftstal) bleeh'ntS-meß bknieieeli 3 Sonntag 1810 — der Dichter Ludwig August Frankl geboren. 1891 — der bekannte «yuagogale Komponist Prof. Louis Le- •wattdoweki in Berlin gestorben. 23 - .ns 4 Montag 1810 — der Opern- und Oratorienkomponlet Sir Michael Costa in Neapel geboren 1942 — der Literarhistoriker u. Kritiker Georg Brande» in Kopenhagen geboren. 2t —-o 5 Dienstag 25 - nn 6 Mittwoch 1867 — der große Semitologe Prof. Salomon Munk ln Paris gestorben. 26 - -ID Kultusvorstandes. Wir erachten vielmehr, daß es zunächst Ihre Pflicht wäre, die andere Hälfte des Knltusvonstandes einzuladen, die Führung der Geschäfte zu übernehmen. Wir sind von dem Klub der werktätigen Juden und Herrn Dr. Leo Landau ermächtigt, Ihnen zu erklären, daß die Genannten beneit sind, gemeinsam mit uns die Verantwortung für die Geschäftsführung der Gemeinde zu übernehmen, um dadurch zu verhindern, daß die Gemeinde von den nachteiligen Folgen der vorzeitigen Auflösung betroffen wird. Es ist selbstverständlich, daß in diesem Falle Ihnen der nach dem Proporz gebührende Anteil an der Gemeindeverwaltung bedingungslos Vorbehalten bleibt Für den Klub der Zionistischen Ktiltusvorsteher: Dr. Ehrlich m. p. Dr. Friedmann m. p. Wir erklären uns mit dem Inhalte vorstehende:: Schreibens einverstanden. Für den Kluib der Mandatare der Wahl-Vereinigung werktätiger Juden: Gustav MotIz m. p. Einverstanden: Dr. Leo Landau m. p. III. Betriebsgruppe: Israel. Kultusgemeinde Wien (Bund der öffentlichen Angestellten Oesterreichs). Promemoria der Betriebsgruppc der Angestellten der Israel. Kultusgemeinde Wien. Die Vertreter der Angestelltenschaft sind heute hier erschienen, um Sie, als Vertreter Ihrer Partei, zu bitten, bei der Beratung über die weitere Verwaltung der Gemeinde auch sich vor Augen zu halten, daß mit dem Bestände der Gemeinde, welche durch e i n e A u flösung des derzeitigen Kultusvorstandes unzweifelhaft schweren Schaden erleiden würde, auch die Existenz vieler Hunderter von Angestelltenfamilien, Pensionisten, Witwen und Waisen auf Gedeih und Verderb verbunden ist, und es sicher nicht die Absicht einer Partei sein kann, über diese so vitale Frage hinwegzugehen. In Kenntnis der großen Schwierigkeiten, die sich einer gedeihlichen Zusammenarbeit vorläufig entgegenstellen, bittet die Betriebsgruppe, bei Ihren Verhandlungen keine Möglichkeit außer acht zu lassen, die zu einer Verständigung führen kann. Wien, 27. Jänner 1929. Hochachtungsvoll Die Betriebsgruppe der Angestellten der Israel. Kultusgemeinde Wien: Oehlernm. p. Förster m. p. IV. Wien, am 28. Jänner 1929. A n den Herrn Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeindc Generalstabsarzt i. R. Uuwersitätsprofessor Dr. Alois Pick, Wien. Sehr geehrter Herr Präsident! Im Namen der von uns vertretenen achtzehn Mitglieder des Kultusvonstandcs gestatten wir uns, an Sie, als das freigewählte Oberhaupt unserer Jüdischen Gemeinde, die Bitte zu stellen, in'dem bedauerlicherweise im Kultusvorstand ausgebrochenen Konflikt die V e rm i 111 u n g zu übernehmen und das Gewicht Ihrer allseits anerkannten Autorität Ln die Wagschale zu t/srfeft, damit die unserem Gemeinwesen durch #1 e

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