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Die Stimme · 1929-01-31 · Heft 57 (31.1.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 57 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite $ PIE STIMME Nr. 57 Die Union wird sich endlich von dem Irrglauben fossagen müssen, daß sie durch die göttliche Vorsehung dazu berufen ist, die Wiener Gemeinde nach ihrer Willkür 2u leiten. Wir verlangen von ihr nichts anderes, als daß sie den legalen Zustand hersteUt. Wir halten die Auflösung des Kultusvorstandes für ein Unglück und wir wollen alles tun, um dieses Unglück zu verhüten. Die Union hat bisher gar nichts unternommen, was die Arbeitsfähigkeit des Vorstandes foerbeiftihren könnte. Sic will im Gegenteil die Dinge auf die Spitze treiben. Wenn sie aber unter den gegebenen Umständen zu bequem oder nicht fähig ist, für die Gemeinde zu arbeiten, hat sic die Pflicht, die 18 Mann starke Opposition zur Uebemahme der Geschäfte aufzufordem. Die parlamentarische Minderheit der englischen Arbeiterpartei hat lange Zeit die Regierung Englands geführt, und das britische Weltreich besteht noch immer! Allen Respekt vor der geistigen Kapazität der Herren von der Union. Ich bin aber so arrogantzu erklären: das, was diese Herren vermögen, das treffen wir noch immer! Und wir haben den Herren erklärt, wir geben ihnen alle Stellen, die ihnen nach dem Proporzgebühren, und wir tun dies vollständig bedingungslos, ohne Verlangen nach G a ran t i en. Dia Antwort sind uns die Herren noch schuldig. Wir wollen alles tun, um die Auflösung des Vorstandes zu verhindern. Eine Preisgabe unserer Grundsätze kann man aber von uns nicht verlangen. Diese unsere Hand ist friedensbereit ausgestreckt und bereit zur Mitarbeit. In letzter Stunde sollen die Herren aber gewarnt sein-. Wenn es notwendig ist, wird sich unsere friedensbereite Hand zur Faust ballen und sie wird niedergehan auf diejenigen, die in leichtfertiger Weise die Gemeinde an den Rand des Abgrundes führen. (Stürmischer Beifall.) Als letzter Redner sprach der verdienstvolle ehemalige Vizepräsident der Kuiltuagemeinde Dr. Josef Löwenherz, der bei seinem Erscheinen von den Versammlungsteilnehmern stürmisch akklamiert wurde. Er führte das jetzige unnachgiebige Verhalten der Union psychologisch auif die ohnmächtige Wut der Union zurück, die nach den Wahlen erkennen mußte, daß ihre unumschränkte Herrschaft in der Kultusgemeinde gebrochen Ist. Die Herren der Union hätten es ihm zum bitteren Vorwurf gemacht, daß er bei Verkündung des Wahlergebnisses diesen Ausdruck vor der begeisterten jüdischen Volksmenge gebraucht habe; und doch entsprach er nur der Wahrheit, was die jetzigen Vorkommnisse in der Kultusgemeinde am deutlichsten beweisen. Die Mandatare der Union wollen nichts als Ru he in der Ku 1 tu sg e m e i n d e, sie wollen ihre-Mandate in Beschaulichkeit ausfüilen, ohne daß ihnen aus ihren Plichten Unannehmlichkeiten erwachsen. Wir aber können unsere wichtigsten Programmpunkte nicht aufgeben, nur um den alten Herren ihre Ruhe nicht zu stören. Unser oberster Programmpunkt ist, dem Judentum und unserer Gemeinde bedingungslos zu dienen und diesem Programmpunkt werden wir stets die Treue bewahren. Durch das eigensinnige Verhalten der Union ist die Gemeinde in eine Sackgasse geraten, aus der wir uns bemühen, sie herauszuführen. Eine der schwierigsten Aufgaben ist es, mit den Herren der Union zu verhandeln. Sie verlangen von uns Garantien für unser ferneres Verhalten. Darauf haben wir nur eine Antwort: Wir schulden der Union nichts und geben ihr infolgedessen auch keine Garantton. Wir sind gewohnt, unsere Schulden pünktlich zu bezahlen. Wir haben aber nur Schulden uns er er Wählerschaft gegenüber und d/ie werden wir auch pünktlich elnlösen, indem wir nichts von unseren Programm punkten preisgeben. Wir sind stark genug, um unseren Willen durchzusefczen und wollen uns dabei in erster Linie auf unsere eigene Kraft verlassen. Vor den Verhandlungen haben sich die Beamten an uns gewandt und gebeten, auf ihre Existenzen Rücksicht zu nehmen und die Einheit der Kultusgcmeinde nicht zu stören. Wir geben den Beamten hier die Versicherung, daß wir nie etwas unternehmen werden, was den Bestand dieser Gemeinde gefährden könnte, und daß wir stets das Interesse der Beamtenschaft, die voll und ganz an dem Bestände dieser Gemeinde interessiert ist, verfechten werden. Wir hätten die Möglichkeit gehabt, nach dem Statut die unrechtmäßig erfolgte Wahl der Funktionäre anzufechten und bei den politischen Behörden Abhilfe zu verlangen. Wir haben es abgelehnt, weil wtr einen fremden Eingriff in die Autonomie der Gemeinde nie dulden, geschweige denn heraufbeschwören werden. Wir wissen nicht, ct> unsere Bemühungen, die Einheit der Gemeinde zu erhalten, von Erfolg begleitet sein werden. Es ist möglich, daß es der Starrsinn der Union so weit treibt, daß wir bald wieder an die Wähler herantreten werden müssen. Wenn die Herren den Wahlkampf wieder aufnehmen wollen, wir sind gerüstet, wir sind dessen sicher, daß uns (Be ganze aufrechte Wiener Judenschaft bei unserem Kampfe neuerdings Gefolgschaft leisten wird. Auch die Ausführungen Dr. Löwenherz’ wurden von dem Publikum, das den Saal bis auf das letzte Plätzchen füllte, mit langanhaltendem Beifall aufgenommen. Der Massenbesuch der Versammlung und die Stimmung der Zuhörer zeigte, wo die Sympathie der Wiener jndenschaft steht. Delegiertentag der österreichischen Zionisten Am 13. und 14. April 1929 Zionisten! Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat den ordentlichen Delegiertentag der österreichischen Organisation für den 13. u n d 14. A p r i I 1929 einberufen. Die Tagesordnung, welche noch separat bekanntgegeben wird, stellt eine Reihe von wichtigen Fragen zur Behandlung, deren Lösung unbedingt nötig ist, damit die aus hartem Boden in mühevoller Arbeit hervorgebrachten Ansätze einer gesunden Partei sich weiter entwickeln können. Der Weg zu dieser Lösung wird gefunden werden, wann a l l 3 I., Adlergasse s Tel. R-23-4-90 ln h a b e r >11; Ul« Kräfte ‘der Organisation in allen ihren Richtungen beim Delegiertentag in voller Stärke zum Ausdruck kommen. Dazu ist notwendig, daß sämtliche Grupen die Parteisteuer und den Schekel längstens bis zum 20. Februar 1. J. abführen und verrechnen, um die Wahl ihrer Delegierten in solcher Zahl, daß sie der vollen Stärke der einzelnen Organisationen und Gruppen entspricht, zu ermöglichen. Der Termin für die Einzahlung der Parteisteuer und des Schekels kann über das angegebene Datum hinaus nichterstreckt werden, da bereits am 27. Februar d. J. von 6 bis 10 Uhr abends die Wahlen der Delegierten für den Parteitag in ganz Oesterreich erfolgen. Zionisten! Ihr müsset Euren Delegiertentag so stark beschicken, daß schon daraus Euer fester Wille offenbar wird, die von Euch begonnene Arbeit der Festigung und Ausbreitung der österreichischen Organisation fortzuführen! Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Repräsentatfonsball der Zionisten Oesterrelichs Der Repräfcntationsball ‘der Zioniften Oefterreichs wurde mit Rücklicht auf die verfchiedenen im März ftattfindenden Gefellfchaftsrcifen nach Paläftina auf Samstag, den 2. März vorverlegt und findet an diefem Tage in den Räumen des Konzcrthaufes ftatt. Die Vcranftaltung lieht unter dem Protektorate eines Ehrenkomitees, dem prominente Pcrfönlichkeiten der Wiener jüdifthen Finanz-, Kunft- und Literaturwelt angehören. Außerdem wird ein Damen- und Herrenkomitcc gebildet, das lieb aus allen Kreifen der Wiener jüdifdhen Gefellfchaft zufammenfetzt. Der Ball foll dazu dienen, die Idee unterer Bewegung auch in Kreife zu tragen, die uns bisher ferngeftanden lind und die uns durch diele auf rein gefellfchaftliche Bafis geflehte Veranilaltung näherkommen follen. Das Ballkomitee wird bemüht fein, den Ball lo zu gellalten, daß alle Tcünehmcr in jeden Belangen zufriedengeftellt werden. Der Reinertrag fließt dem Chajcs-Wald und dem Chaies-Gymnalium zu. Rartenvorverkauf: Ballkomitee, L, Kärntnerflraße j8, Tel. R-27-4-8J/86; II., Zirkusgafle 33, Tel. 4- 49-9-98; Bücherftube Rath, II., Taborftraße 10a, Tel. R-43-1-J8} Kartenbureau „Aida", II„ Taborftraße 1, Tel. R-46-2-J3; Jofef Singer, IL, Taborftraße 2j, Tel. R-4J-J4S5 Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmftraße 22, Tel. R-2t-4-2j, Donnerstag-Zusammenkünfte des Zionistischen Landeskomitees Ins Rahmen der Donnerstag-Zulammenkünfte des Landeskomitees fpricht Donnerstag, den 7. Februar, um 8 Uhr abends im Cafe Silier, I., Schwedenplatz, Herr Dr. Ifräel Taubes über „Das Arbeitsprogramm der zioniftifchen Sektionen und Ortsgruppen". Gäfte willkommen. Gespenster Wir erhielten folgendes Schreiben, datiert vom 28. Jänner 1929, dem wir loyalerweise gerne Raum geben: Unter Bezugnahme auf den in der Nummer 54 der «Stimme» am 10. Jänner 1929 unter obiger Aufschrift erschienenen Artikel, erauche ich um nachstehende Richtigstellungen: Es ist unrichtig, daß ich gesagt habe, der Zionismus sei mur für « Pol i sehe» da, weiters ist es unrichtig, daß Ich Sch impf orgien auf die «Zuag’rasten» gemacht habe. Richtig ist vielmehr, daß ich sowohl das Wort «Polische» als auch das Wort «Zuag’rastes überhaupt nicht gebraucht und überhaupt kein einziges Schimpfwort gesprochen habe. Hingegen habe ich gesagt, daß man unbedingt mit der Tatsache rechne’n muß, daß es sowclhll Zionisten als auch Sozial» de mok raten in den Reihen der Mitglieder def Kultusgemeinde gibt und habe ich auch die tatsächlichen Gründe angeführt, wieso eben beide Gruppe« Anhänger besitzen. Ais Kernpunkt meiner Ausführungen wurde von mir angeführt, daß es ein tiefbeschämender Zustand ist, daß sich in Wien jetzt die Juden gegenseitig so befehden und ein weitaus ärgeres Bild nach außen bieten, als wie es die politischen Parteien der Andersgläubigen derzeit zeigen. Endlich habe ich meine Rede nicht mit der Absicht gehalten, diese «kernig deutsch» zu bringen, sondern nur in der reinen Absicht, eine Annäherung alle-r Teile herbeizuführen. Indem ich für die Aufnahme vorstehender Zeilen danike, zeichne ich hochachtungsvoll Ing. Hugo KodLtscfiek. Predigten in den ifraelitifchen Gemeindetempeln., Freitag, den 1. Februar, werden bei dem um 4 Uhr 45 _ Minuten beginnenden Abendgottesdienfte in folgenden Gcmeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenftettengalle 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV., Turnergaffe 22 (Rabbiner Dr. 1. Taglicht); XVI., Hubergaffe 8 (Rabbiner Dr. j. M. Bach). Im Gemeindctempel XVIII., Schopcnhauerftraßc 39 (Rabbiner Dr. D. Feuditwang) findet Samstag, den 2. Februar, beim Morgengottesdienfte (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) ein exegetifchcr Vortrag ftatt. Orangen, Tomaten, Blumenkohl aus Palästina Großer Erfolg der Einfuhraktion palästinensischer Produkte in Oesterreich* Der erste vom Zionistischen Landeskomitee unternommene Versuch, die P a 1 ä s t i n a. - O r a n g e in Oesterreich einzuführen, kann als gelungen angesehen werden,. Drei Waggons haben bisher glatte Aufnahme gefunden, für den rollenden vierten liegen bereits Bestellungen vor. Unter der Marke «Hasharon- Gold» ist die sorgfältig ausgewählte Jaffaorange, die an Geschmack und Aroma weitaus an erster Stelle steht, sehr bald zum gesuchtesten Artikel in allen Delikatessenhandlungen Wiens geworden. (Es sei übrigens angeführt, daß manche Aerzte die Palästinaorange als vorzügliches Schutzmittel gegen Grippe bezeichnet) Der erste Schritt zur Eroberung des österreichischen Marktes für-palästinensische Produkte ist somit getan. Es hat sich gezeigt, daß bei fachmännischer und sorgfältiger Vorbereitung auch Oesterreich au einem bedeutenden Abnehmer p a I ä s t inensischer Erzeugnisse werden kann. Es braucht gerade hier nicht näher erörtert werden, was dies für den Aufbau Erez Israels bedeutet. Die in letzter Zeit in der zionistischen 0 Öffentlichkeit ausgegebene Parole «Tozereth Haarez» (Eroberung des Weltmarktes für Palästinaprodukte) ist somit vom Zionistischen Landeskomitee Oesterreichs mit Erfolg in die Tat umgesetzt worden. Nun schreitet das Landeskomitee an die Einführung weiterer Erzeugnisse Erez Israels in Oesterreich und wird in den nächsten Tagen die ln ihrer Größe und Qualität hervorragenden Tomaten, weiters den Riesenblumenkohl auf den Markt bringen. Da6 Landeskomitee hat weiters Anstalten getroffen, um die österreichische Judenschaft mit den unter besonderer Kasch ruth Aufsicht stehende* weltberühmten M a z z o t li Erez Israels für die bagga»

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