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Die Stimme · 1929-01-31 · Heft 57 (31.1.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 57 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr« 57 T DTE STIMME Stile 5 40.000 Jaden in Bessarablen hungern Kein Brot und keine Kleidung. Die Jiudemheit der neuen rumärvochen Provinz Bessarablen, die zu wnetn sehr großen Teil entweder selbst Ackerbau befcreibt oder vom Getreidehandel beaw.. -Export lebt, ist durch die schweren Mißernten der letzten zwei Jahre hart betroffen worden Wie funchirb^r gegenwärtig die Lago ist, geJut aus den Schilderungen hervor, welche der Berliner Vertreter der New Yorker großen jüdischen Tageszeitung «Vorwärts», Dr. Jacob L e s t s c h i n s k y, von seiner Reise durch Bessarafoien in seinem Blatte entwirft. Aan meisten von der Hungersnot betroffen sind — wie Dr. Lestschinsky berichtet — die Distrikte Akerman, Orgejew, Teleneschte, Bender, Ismail, Romanowka, Arzif. Die Bevölkerung in 27 von Juden bewohnten Städten und von zahlreichen jüdischen Kolonien Ist buchstäblich dem Hungertode nahe. 40.000 jüdische Seelen sind ohne jede Existenzgrundlage und müssen aus öffentlichen Mitteln gespeist werden. Dazu kommt, daß infolge des allgemeinen wirtschaftlichen Druckes im Zusammenhang mit dein aufeinanderfolgenden Mißernten der jüdischeMittelstand Bessarabiens in seiner Gesamth e i t v e r a r m t ist Dr. Lestsdhinsiky hat auf der Strecke Kischinew—Akerman zwölf Stationen passiert, die als bedeutende Getreideunischlagpldtze gelten und Zentren des jüdischen Getreideihandels waren. Jetzt herrscht überall Totenstille. Die großen Getreidemagazine sind leer und verschlossen. Dr. Lestscliinsky hat in vielen Häusern, die er besucht hat, ein Elend vorgefunden, wie es in Worten kaum zu schildern ist. In manchen Familien traf er sieben bis acht Kinder an, die alle unbekleidet waren und — es war 5 Uhr nachmittags — noch keinen Bissen Brot im Munde gehabt haben. Das Joint Distribution Committee sorgt für die Speisung der Schulkinder und rettet auf diese Weise einen großen Teil der Jugend der jüdischen Bevölkerung Bessarabiens vor dem Veuihungern. Tausende Kinder können jedoch die Schule nicht besuchen, weil sie keine Kleider und Schuhe haben. Der Hilfsverein der deutschen Juden will jetzt eine Aktion zur Linderung der Not durchführen. Der „stolze" Magistrat von Bromberg Aus BrolUberg (Posen) wird beirichtet: Das Hunde rttau send -Dollar-Legat der in Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen zugunsten armer jüdischer .Greise in Bromberg, das seinerzeit, wie berichtet, vom Brombenger Magistrat zurückgewiesen wurde, mit der Begründung, daß es in Bromberg keime armen jüdischen Greise gäbe (in Wirklichkeit existiert in Bromberg ein um seine materielle Existenz schwer kämpfendes jüdisches GreisenasyJ), hat den Stadtrat von Bromberg in seiner letzten Sitzung abermals beschäftigt. Stadtrat K o 1 n i k schilderte als Referent alle Phasen der Angelegenheit. Im Jänner 1923 wies der Magistrat das Legat ungeachtet der Intervention der jüdischen Gemeinde zurück. Der Wojwode in Posen und der Innenminister in Warschau bestätigten den Magistratsbesohluß. In: Amerika machte die Zurückweisung des Legats, das inzwischen auf 1 6 0.0 0 0 Dollar angewachsen war, einen .sehr schlechten Eindruck. Der polnische Generalkonsul in Washington informierte hierüber das Außenministerium und empfahl die R e v i s i o n des Bromberger Beschlusses. Außenminister Graf Z a 1 e s k i schilderte in einem Schreiben an den Bromberger Magistrat diie wirtschaftlichen und. politischen Komplikationen, die für Polen im Hinblick auf die in Amerika entstehende Mißstimmung sich ergeben könnten. Auch der Wojwode befürwortete eine Revision des ersten Beschlusses. Der Referent begründete elfte Forderung nach einer Revision auch vom rein rechtlichen Standpunkt. In der darauffolgenden Debatte beantragten die Nationaldemokraten die Ueberv/eisung der Angelegenheit an die städtische Rechtskommission. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der deutschen Fraktion zum Beschlüsse erhoben, so daß eine weitere Verschleppung der Angetegentheit zu Ungunsten der Bromberger jüdischen Armen einiget re tan ist. Man hofft aber, daß inzwischen die übergeordnete Behörde Remedur schalilfen wird. König Salomos Lieblingsfrau Die Nachricht von der Auffindung des Grabes von König Salomos Favoritin, einer ägyptischen Prinzessin, die in der Presse der ganzen Welt verbreitet wunde und die wir mit starkem -Zweifel an dier Glaubwürdigkeit der Vachrioht wiedergegeben haben, hat sich als Feuilletonscherz eines arabischen Wochenblattes erwiesen, der von Presseberichterstattern in Kairo ernst genommen -und weiterverbreitet wurde. Die ostjüdische Konferenz in Berlin Die Tagung der oitjüdifchcn Organilationcn Dcucfchlands, über welche wir eingehend berichtet haben, hat unter ihren Befchlüffen auch folgende Refolution einfKmmig gefaßt: »Die Reichskonferenz nimmt zur Kenntnis, daß die Vcrfichcrongsgcfellfchaft ,Der Anker* der Vertragskontrahent des Verbandes iifc und daß die Verbandsorganifationen verpflichtet find, Abfchlüffe von Verficherungsverträgen bei diefer Gefcllfchaft zu empfehlen.“ Antisemitisch - kommunistische „Zellen" Die Methode kommunistischer Zellenbildung findet jetzt auch bei der antisemitischen Wühlarbeit in Rußland Anwendung. Die Sowjetpresse berichtet ausführlich über die Aushebung einer sogenannten «antisemitischen Zelle», die in der Dobrouscha-Papierfabrik, die früher dem Prinzen Paskiewitsch gehört hatte, bestanden hat. Verhaftet wurden drei frühere Mönche sowie frühere Polizisten. Die Mitglieder der Zelle pflegten geheime Sitzungen abzuhalten, in denen über Methoden zur Stärkung der antisemitischen Bewegung beraten wurde. Die Gruppe verfügte über große Mengen antisemitischer Propagandaliteratur (Woher? Die Red.) und verteilte Unmengen antisemitischer Proklamationen. Däs Sonderkomitee, das zur Untersuchung der Angelegenheit in die Fabrik entsandt wurde, verfügte die S c h 1 i e ß u n g d 6 s lokalen kommunistischen Bureaus, des lokalen Gewerkschaftsorgans und der Fabriksgilde. Neun Kommunisten wurden aus der Partei ausgeschlossen, 15 erhielten eine Rüge. Unter der Ueberschrift «Bestien* teilt das kommunistische Hauptorgan «Prawda» mit: Jn der Zuckerfabrik zu Schepetowke terrorisierte eine Bande Huiigans (in Zuckerfabriken sind Arbeiter beschäftigt, nicht Huiigans. Die Red.) unter der Führung eines älteren Meisters die neu eingestellten jüdischenArbeiter, um von ihnen Geld zu erpressen. Einer der jüdischen Arbeiter namens Ende wurde in das Räderwerk einer Maschine geworfen und kam nur durch glücklichen Zufall mit dem Leben davon. Auf den jüdischen Arbeiter M e 1 n i k wurde ein Sack mit Zucker geworfen, so daß er an den Beinen schwer ve riet z t wurde. Ein dritter jüdischer Arbeiter, Kuris, wurde andauernd mißhandelt, bis er wahnsin n i g wurde. Unter großer Teilnahme der Arbeiterschaft fanden die Gerichtsverhandlungen gegen diese Huiigans (?.) statt, sie erhielten Gefängnisstrafen von fünf Jahren bis zu einem Jahre. Kohlz-Hüttenhoiis OBERSCHLESISCH ANTHRACIT ENGLISCH UND WCSTPHSMSCH Qualtätssorten BASCH, IV Argentinierstr. 22 ...... — Billigst Toleph. U-4E-403 U-41-287 RabaStsektlon des KEREN »KAJEMETM General Booth— jüdischer Abstammung Gegenwärtig steht die Heilsarmee ira Mittelpunkte des öffentlichen Interesses, da in ihr ein Kampf um die Führerschaft zwischen dem bisherigen General Booth und den verschiedenen Gliedern seiner Familie entbrannt ist. Ueber das Verhältnis dieser in England und Amerika sehr starken Organisation zu den Juden läßt sich das Hamburger Isr. Tambl. von einem Leiter der deutschen Heilsarmee- Gruppe folgendes berichten: . Die Heilsarmee hält sich für eine über den Konfessionen stehende Einrichtung, obwohl sie eine christliche Organisation ist, die aus dem Protestantismus hervorgegangen ist. Für die Juden hegt die Heilsarmee große Sympathien, da sie von ihnen glaubt, daß Gott sie zum Träger einer Verheißung gemacht habe. Die Juden sind nach Auffassung der Heilsarmee ein Volk ganz nach dem Sinne Gottes, allerdings unterscheide sich der Glaube der Heilsarmee in dem Hauptpunkte von der jüdischen Religion, als sie glaube, daß der Messias bereits gekommen sei.. Die Heilsarmee beabsichtigt nicht, irgendwelche Unterschiede zwischen Juden und anderen Hilfsbedürftigen zu machen, weil sie der Meinung ist, daß Wohltaten keinen Unterschied kennen sollen. So tritt die Heilsarmee den Juden mit der gleichen Liebe wie allen anderen Gemeinschaften entgegen. Sie zählt zahlreiche jüdische Freunde, die sie auch finanziell erheblich unterstützen. Niemals ist in Kundgebungen oder Versammlungen oder in internen Besprechungen der Heilsarmee ein Wort gegen die Juden gesprochen worden, und niemals hat die Heilsarmee in ihren Reihen antisemitische Tendenzen geduldet. Von dem ersten Gründer der Heilsarmee, William Booth, wird behauptet, daß er mütterlicherseits jüdischer Abstammung sei; auch sein Aeußeres, das ihm den Typus eines jüdischen Patriarchen gab, ließ auf jüdische Abstammung schließen. Die Heilsarmee zählt unter ihren A m t s t r ä g e r n nur wenige Juden. Sie verlange von Juden bei ihrem Beitritt nicht die Taufe oder auch nur den Austritt aus der Synagogengemeinde. Die Zahl der jüdischen Amtsträger der Heilsarmee in Deutschland ist besonders klein, in anderen Ländern dagegen größer, ln ihren Unterstützungen macht die Heilsarmee zwar keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, unterstützt aber a/uoh keine jüdischen und andersgläubigen Organisationen, weil sie sich selbst für überkonfessionell ansieht. Eine Ausnahme wurde nur in der Kriegs? und Nachkriegszeit gemacht, als Le‘bensmi 11el u n terst ü t z u ng en für die. Länder der Mittelmächte auch den jüdischen Organisationen in dem gleichen Verhältnis wie den übrigen Hilfswerken zvgeführt wurden. €af£ UteMame WIEN, II., PRATERSTRASSE NR. 34 anschließend die »Jüdischen Künstler spiele“. — Inhaber: Jakob Goldfliefi. — Vorzügliche Getränke und Kalte Spelzen zu billigen Preisen. — Rummy-Spieltisch«. — Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Kleine Nachrichten Ausnahmegesetze für die Juden im Yemen. Dem bei der letzten Sitzung des Jewish Board of Deputies in London erstatteten Bericht »st zu entnehmen, daß die Judenschaft der südlichen arabischen Halbinsel Yemen unter sehr stanken Verfolgungen und Bedrückungen zu leiden hat. Die Juden Yemens stehen unter härtesten Ausnahmegesetzen. » kt Leipzig ist der langjährige Vorsitzende der dortigen Zionisten, Dr. Emo Löbl, gestorben. Dr. Löbl, der aus Eiwanowitz (Mähren) stammte, studierte in W i e n und gehörte hier der jüdisch-akademischen Verbindung «Unitasi an. Er war einer der ensten, welche Theodor Herz! Gefolgschaft leisteten. Seit mehr als 20 Jahren wirkte er in Leipzig. In den letzten Jahren widmete sich Dr. Löbl vornehmlich der kulturellen und hebräischen Arbeit. Er nahm sich am wärmsten der vor annähernd sechs Jahnen gegründeten Schule für die hebräische Sprache und Literatur «Techrciija» sowie des ihr an gegliederten modernen hebräischen Kindergartens an. * Die jugoslawische Regierung hat im Zuge der Auflösung der politischen Organisationen und Vereine die Organisation der zionistischen Arbeiterpartei «P o a l e Zion» aufgelöst. Dies ist die einzige jüdische Vereinigung, die aufgelöst wunde. Die in der Wiener Presse verbreitete Nachricht, daß auch die zionistische Organisation Jugoslawiens der Auflösung anheimgefailen sei, ist, wie uns ihr Präsident Dr. Licht mitteilt, unrichtig. Das sogenannte jüdische Gericht in Minsk verhandelte gegen den Minsker Rabbiner Abraham Sadowski, der die Beschneidung seines Enkelkindes gegen den Willen seines Sohnes (des Kindesvaters) und bei dessen Abwesenheit vollzogen hat. Rabbi Sadowski verantwortete sich dahin, daß der Schutcfoan Aruch den Großvater verpflichtet, sein Enkelkind zu beschneiden, wenn der Vater des Kindes dies unterläßt. Rabbi Sadowski wurde zu einer Geldsträfe von 25 Rubel verurteilt. •* In Warschau fargl in Anwesenheit von zitika 170 Delegierten (darunter 60 des «Baschomer Hazair») aus 120 Städten Polens und vielen Gästen, unter ihnen den l.lO Chahtzim, welche jetzt nach Palästina gehen, die fünfte Landeskonferenz des polnischen Hachafoiz statt. * Der preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstadt) hat die Gründung einer Sc hochtim- Sc hule in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Diese Schule wird der Leitung der Frankfurter Jeschiwah unterstehen. Die theoretische Ausbildung geschieht durch die Schochtim der israelitischen Religionsgeseüsebaft. Die Eröffnung ist für das kommende Sommersemester vorgesehen. * In Uebereinstimmung mit der Pariser Konvention hat die italienische Regierung ihrerseits drei Mitglieder für die g es.e t z g e b e n d e Versammlung von Tanger entsendet, unter ihnen einen Juden: Signor Jakob M. Nation. Die Wahl Signor Nahons hat die Zahl der jüdischen Mitglieder des Tanger-Parlaments auf acht (unter einer allgemeinen Zahl von 26 Abgeordneten) erhöht. * Im Alter von 53 Jahren verstaub in New York die bekannte Schriftstellerin Sophie Iqpne Loeb. Sie kam noch als junges Mädchen aus Rußland nach den Vereinigten Staaten und absolvierte in New York eine Hochschule. Seit 1910 war sie ständige Mitarbeiterin der «Evening World». Sie betätigte sich hervorragend auf dem Gebiete der s o z i alen Fürsorge und führte einen leidenschaftlichen publizistischen Kampf für die Durchführung notwendiger sozialer Einrichtungen, wie Witwenpension, Schulspeisungen, Fürsorge für schwer erziehbare Kinder usw. Sie veröffentlichte eine große Anzahl Welke über Frauen und Kinder* schütz und andere soziale Themen. Der vor mehreren Monaten ohne Angabe von Gründen von der G. P. U. verhaftete bekannte Moskauer Rechtsgeiehrte Urison, Syndikus der Moskauer Jüdischen Gemeinde, ist soeben auf freien Fuß gesetzt worden untei der Bedingung, daß er sich bis auf weiteres indensechs größten Städten der Sowjetunion nicht aufhalten darf. 51B8M. lOINMEHL, BfoBfidKlkHir«! Zentrale «X, Berggasse 19, Tel. A17-3-99 u. A 16-9.34 Lieferant för Heilanstalten, Abteilungen fü' ^^«Fleisch uuter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israeli _ Utlschen Kultusgemeiude Wien IX, Barggaaaa 15 XVH1, Währlngerstraöa 97

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