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Die Stimme · 1929-01-31 · Heft 57 (31.1.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 57 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sern 4 ntt QTTUffMt? UlC v I ImWB Nr. 5? i* Reprfisenlaliomball <l«r Zionisten Oesterreichs Cm Konzerlhaus, 2. Marz 1029, Beginn 9 Vhr ab«nd§ Kartenvormerkungen: Ballkomitee, I., Kflrntnerstr. 28/2 Telephon Nr. R 27-4-85/86 abends : R 49*8-28 bindung mit dem Völkerbund, Völkerrecht und Völkerbundspolitik, vielleicht auch eine naturwissenschaftliche Disziplin, in Frage käme. Die zionistische Forderung wurde im Prinzip angenommen. Es ist damit zu rechnen, daß schon in allernächster Zeit die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde die von der Volkspartei geforderte Palästinainstitution in Gestalt dieses Berliner Lehrstuhls errichten wird. Gedacht ist an einen jährlich in das Budget der Berliner Jüdisehen Gemeinde einzusetzenden Betrag von etwa 15.000 Mark für diesen Zweck. Voraussichtlich wird ein Spezialkomitee eingesetzt werden, das in Verbindung mit dem Council der Universität alle weiteren Fragen regeln, den Lehrstuhl auch weiter betreuen, so namentlich für eine S e m i n a r b i b 1 i o t h e k und andere mit dem Lehrstuhl in Verbindung steherde notwendige Aufgaben Sorge tragen soll. . - Mit der Schaffung dieses Katheders verbindet sich zum ersten Ma'e eine führende westeuropäische Gemeinde durch eine Spezialsinstitution dauernd mit dem Aufbau des neuen Palästina. Von liberaler Seite wird zu diesem Uebereinkommen bemerkt, daß die Liberalen de»* Schaffung eines Lehrinstituts an der Jerusalemer Universität unter der Bedingung zugestimmt haben, daß seitens der Volkspartei Forderungen für den Ke ren.Haje s s o d in der nächsten Zeit nicht gestellt werden. Es ist auch nicht das erste Mal, daß die liberale Fraktion ihr Interesse für die neue Universität bekundet hat, deren Bibliothek von ihr mehrfach gefördert worden ist. Zionistischer Wahlerfolg in, der Dresdener Kultusgemeinde ■•Bei den am 20. -Jämier stattgefundenen Wahlen in den Vorstand und den Rat der -jüdischen GemehKle Dresden hat, wie von dort berichtet wird, der J <ü di s c h e n Volkspartei den Gewinn eines Vorstandssitzes gebracht.. In den Vorstand sind 3 Liberaie (bisher 4). und 2 Mitglieder der j ü d i s c h e n V o 1 k s p a r ’t e i (bisher 1, Dr. John Levy/zu dem jetzt Herr Samuel Weiger bmzutritt) gewählt worden. In den Gemeind e r a t wur- . den 7 Liberale, 6 V o l k s p a r t e i 1 e r und 2 Mitglieder der : Voöcsverekrigung für jüdische Interessen (die keinen Vorstandssifez erlangen konnte) gewählt. Insgesamt gehören also : der neuen Gemeinderepräsentanz 10 Liberale, 8 Mitglieder der Volkspar-tei und 2 Mitglieder der Volksveteirrigung an. Die Wahlbeteiligung .war sehr lebhaft, -mehr als 80 Prozent der W-ahSberechtlgtan gingen zur Urne, Nach dem jetzt dem sächsischen Landtage vorgelegten Gesetzentwurf über die öffentiichrecbtlsoben Religionsgesellschaften .soll zusammen mit den anderen Religionsgenossenschaften auch der Sächsische i s ra e li ti s c he Gemeinde v e r-b an d eine Körperschaft öffentlichen Rechtes werden. Das Nachspiel zum Magdeburger Dreyfußprozeß fei Fortsetzung der (bereits behandelten, Die Red.) : Disz'plinaTverhandlung gegen die Richter H bff.m a n n und; Kölling wegen ihrer' Rechtsverletzungen, mit denen sie die Verfolgung des Magdeburger jüdischen ‘ Kaufmannes Haas wegen erdichteten Mordverdachtes in Szene gesetzt hatten, wurde u. a. durch die Aussage des Oberstaats- anwaltes R a s m u s festgestellt, daß H offmann Jen Haas nach dessen Enthaftung; und als dessen Unschuld auch seinen Gegnern k'<ar geworden war, unter Vorwänden noch einmal, und zwar wegen konstruierter Me in ei d ssc h ui d, verhaften wollte. Die Wege, rdie Hoffmanh dazu ging, waren so bedenklich, daß Hoffmann — wie Rasnvus aussagt — zeitweise offenbar selbst Bedenken bekam. Der Große Disziplinarsenat fäMte folgende Entscheidung: Das Urteil des DiszJplinarsehats in Naumburg wird dahin abgeändert, daß der angeschuldigte Kölling wegen Dienstvergehens zur Strafversetzung in ein ärgeres Richtenamt mit gleichem Gehalt und zu einer Geld b ü ß'e von 50 Mark verurteilt wird (das Naumburger Urteil gegen KöHing lautete bioß auf einen Verweis). Die B e r u f ti n .g e n des Generalstaatranwaltes und des An geschuldigten im Falle Hoff mann werden z u r ii c k g e w 1 es e n. Danach bleibt Hoffman n z tu r Strafversetzung und zur Geldbuße von 200 Mark verurteilt. In der Begründung des Urte'ls heißt es u. a.: cDie Angeschuldigten haben das Eingreifen durch Justizfremde Personen veranlaßt, dadurch ist Trauriges über die deutschen Richter gekommen.» , Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto beiUegt, werden nicht zurückgesendet. Meinungsverschiedenheiten im polnischen Zionismus Die zionistische Exekutive greift ein.— Gefahr einer Spaltung im jüdischen Parlamentsklub. Wie »vir bereits berichteten, haben sich im Zentralkomitee der polnischen Zionisten scharfe Meinungsverschiedenheiten zwischen der vom Dep. Grünbäum geführten radikalen Gruppe «A3 Hamlsobmar» und der Gruppe «Eith Liwnotb» ergeben. In diese Meimmgsvsrsahiederrheifen spielen auch Differenzen in der Anffassamg über die inner poetische Taktik, hinein. Preswertretem gab Dep. Grünbaum über die verschiedenen Diifferenzpunkte, die zu einem (bereits berichteten. Die Red.) .Exodius der Gruppe «Al Hamlschmar» , aus der letzten Sitzung des zionistischen Zentralkomitees führten, eingehende Aufschlüsse. Aul die Frage, ob man vor einer Spaltung der Zionistischen Organisation in Polen stehe, erwiderte Grüntoauim: «Wir wollen nicht die Organisation spalten, werden dies auch in Zukunft nicht wollen; wir wollen die Aktivität der Zior'-ten durch Schaffung der notwendigen Organe steigern. Will das Zentralkomitee unserer Forderung auf Verbreiterung der Basis der Wahl zur Landeskon-, ferenz nicht nachkomm en, so werden wir an die breiten zionistischen Massen appellieren und sie auffordern, das Schicksal der Zionistischen Organisation in die eigenen Hände zu nehmen. Ich hoffe, daß dk zionistischen Müssen unseren Standpunkt einnehmen wenden.» Anscheinend, um die Differenzen zu schlichten, . hat die Exekutive der,Zionistischen Organisation in " London beschlossen, führende Zionisten aus Polen zu einer Beratung ' über die Lage der Zionistischen Landesverbände Polens nach London einzuladen. Die Besprechungen sollen, unter dem Vorsitz Doktor \Wei'zmanns, wenn. möglich Ende Februar;stattfinden.' Einladungen sind ergangen1 an die' Herren Grünbaum, Le v i t e, Dr. R e i.eh, D/p. S c h \v a r z- Tbart und Dr. Thon. Die Differenzen ‘ in den innerpoirtisCh taiktischen Fragen haben zu einer .Krise im jüdischen Parlamentsklub geführt Seine letzte Sitzung nahm einen stürmischen Verlauf, da in derseilben die Beschlüsse der Exekutive der Zionistischen Organisation Ostgaliziens zur Auswirkung gelangten, die die Politik von Dr. Leon R e i c h billigten und die galizisohen Mitglieder’des Parlamentsklubs dahin insftru'ierteh, daß sie aus dem Klub auszutreten haben, falls das Plenum des Klubs der Forderung nach Bildung eines Präsidiums, aus drtf gleichberechtigten Mitgliedern nicht nachikommen sollte. . Zu Beginn der Sitzung hielt der jetzige Präsident des Klubs, Abgeordneter J. G rü n b a,u m,, eine große Rede, .in der. er darauf hinwies,. daß die, von den galizischen Deputierten zum Ausdruck .gebrachte Anschauung, daß die jetzige Klubleitung schon darum zurücktreten müsse, weil die Regierung m.i t i h r n i c h t v e r h a n del n to o.l 1 e, sehr schädlich für das jüdische Interesse und auch vom nationalen . Standpunkt unzulässig sei. Keine außerhalb des Klubs stehende Macht dürfe auf die Zusammensetzung der Leitung der jüdischen parlamentarischen Vertretersdhaft von Einfluß sein. Die Regierung habe weder Zeit noch Geduld für die jüdische.Frage; ihre Forderung nach seiner (Grünbauros) Beseitigung von der Leitung des Klubs sei einelleere Ausrede. Auch mit Dr. Reich wird die Regierung nicht reden wollen. Dr. Reich stellte fest, daß die ostgalizischen Deputierten Herrn Grünbaum nicht darum bekämpfen, weil ihn die Regierung nicht mag, sondern weil Grünbaum für jede positive Arbeit ungeeignet sei. In namentlicher Abstimmung wurde der Vorschlag Dr. Reichs, ein dreigliedriges paritätisches Präsidium zu wählen, mit 8 gegen 6 Stimmen a b g el ehnt, mit dem gleichen. Stimmenverhältnis wurde Grünbaum als Vorsitzender des Klubs bestätigt und ihm zwei Vizevorsitzende belgegeben. Nach Verkündung des Wahlresultats verlas Doktor Reich eine Deklaration der ostindischen Deputierten, die u. a. besagt, daß die Abgeordneten aus Galizien die V e r a n t w o rt u r. g für die weitere Politik' der jetzigen Ktnibmehrheit nicht m 111 r a g e n können; daher werden sie sich jeder Arbeit Im Rahmen des Klubs so lange enthalten, als sich die Verhältnisse nicht ändern. Nach Verlesung dieser Deklaiation verließen Dr. Reich und seine Gruppe die Sitzung. Der ostgalizisclie Deputierte Heller (Hltadiduth) schloß sich der Deklaration n i c h t an und verblieb in der Sitzung. Abgeordneter F a r b s t e i n formulierte zunn Schluß einen Kompromißvorscfila g, um die Einheit des Klubs zu erhalten. Es besteht die Neigung, die Verhandlungen mit der Gruppe Reichs fortzusetzen, um diese zu einer Wiederaufnahme der Arbeit im Klub zu veranlassen. Die Agudah stellt Bedingungen! In einer Berliner Vcrfammlung der Agudas Jilroel befprach der Redner Jacob Rofcnhcim (Frankfurt a. M.) ü. a, audi die Anfgaben der zweiten K n e f f i o G c d a u I o, welche angeblich im Auguft 1929 ftattfinden foll, und gab dabei bekannt, daß fich die Knelfio Gedaulo audi mit der Frage der Beteiligung der Agudah an der Jcwifh Agency befchäftigen foll. Wie der Redner anführte, fei Vorausfetzung für eine foldie Beteiligung, daß der Keren Haje ffod die Förderung kultureller Inftitutioncn, unter denen Geh ja auch leider (!) eine Reihe nichtrcligiöfcr Anhalten befinden, aus feinem Aufgabenkreis ausfdieidet, cliefc Aufgaben vielmehr hicfür zu fchaffenden Organifationcn überläßt und fich lediglich auf die w i r t f ch a f 11 i ch e undkölonifatorifdieBetätigungim Heiligen Lande befdiränkt. Dann wäre die Möglichkeit für eine enge Zuf tmmenarbeit auf wirtfchaftlidiem Gebiete offen. . Die Darlegungen Rofenheims ließen übrigens deutlich erkennen, daß das Gefüge der Agudah ilark erfdiüttert ift, da nicht nur in orgamfatorifcher Beziehung, fondern vor allem in den Fragen der Ziele und Aufgaben der Agüdäh große Meinungsvcrfchiedenheiten beftehen. Dielen Spaltungstendenzen will Rofenhcim dadurch entgeger treten, daß‘es örmöglicht werde, Fraktionen zu bildern- - 1 Ein Schuifall des russischen Fabriks-Antisemitismus Die Peiniger der jüdischen Arbeiterin Barschay vor Gericht . Wie wir bereits in der letzten Nummer unfcrcs Blattes kurz mkgctcilt haben., wurde vor dem OberfUn Gericht der wclßruffitchcn Republik in Minsk der Prozeß gegen den Werkführer Tod? y 1 in und zwei Gruppen von drei,.bezw. zwei Arbeitern emer Minsker Fabrik "wegen fchwerer Mißhandlung, ihrer Arbeitskollegin Drcife. Barfdiay . durdigeführt.. Der auflehenerrege.ndc Fall.ift noch in allgemeiner Erinnerung: In. einer Minsker Fabrik haben nichtjüdifcho Arbeiter ihre j ü d i f ch e Arbeitsgenofßn Drcife Barfdiay längere- Zeit hindurch bef di impft und mißhandele, ohne daß die übergeordnete Behörde cingcfdirittcn war. Die kommuniftifdie Prelle zeigte fidi beftrebt, den Fall zu vertufdien. Die zufällige Aufdeckung des Falles Barfdiay gab Anlaß zur Aufdeckung unglaublicher Verfolgungen jüdifdier Arbeiter in verfdiicdcncn ftaatlichen Fabriken der Sowjetunion. . . Der Prozeß Barfdiay ift der Vorläufer einer langen Rc;'?c ähnlicher Prozeße in verfdiicdcncn Städten der Sowjetunion. Er braditc grauenvolle Tatfachen ans Licht. Der Häuptapgeklagtc, Werkführer Todiylin, verantwortete fidi dahin, er habe die Barfdiay einlernen wollen und mußte fic, die Anfängerin, oft ausfchelten. Im Verlauf des Verhörs gab er aber zu, daß er fie nicht anders als „Schyd“ (Sdiirapfname für »Jude“) genannr und audi fonft g e m e i n e S di i m p f w o r t e gebraucht habe. Audi habe er untätig zugefchen, wie die Barfdiay von anderen Arbeitern mit Waffer übergoffen wurde. Doch, meinte er, habe er fich nichts Böfes dabei gedacht. Die Zeugen gaben Details der Mißhandlungen an: Die Arbeiterin Gilfchajcwskaja erzählte, die Angeklagten Todiylin und Grudzdijcw haben in Gegenwart der Zeugin die Barfdiay zu Boden gefdileudert, ihr die Kleider vom Leibe*gcrif fen und fie f ch w e r m i ß h a nd c 11., Die Barfchay felbft, die fehr eingefdiüchtert und zurückhaltend in ihren Aeußerungcn war, gab an, daß Todiylin und der Arbeitcr Grudzdijew fic zu Boden geworfen und dort feftgehalten haben, •während die Arbeiterin Nitfcha/ewskaja ihr Waffer auf den nackten Körper gegoffen hat. Der Fabrikswächter Krasniansky fah diefer Peinigung untätig zu. Ein anderes Mal hat Todiylin mit einem h ö! ze r n c n S ch u h die Barfdiay mißhandelt und fie am Fuß fo fchwer verwundet, daß fie einige Tage arbeitsunfähig' war. Das Gericht erkannte fämtlidic Angeklagte für fdiuldig. Der Hauptbefchuldigtc, Wcrkmeifter Todiylin, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wobei das Gericht ausdrücklidi betonte, daß auf feinen Fall die Oktober-Amneftia keine Anwendung findet. Die drei Arbeiter Grudzdijew,T.uliakow und Krasniansky wurden zu je zwei Jahre« Gefängnis verurteilt; gemäß der Oktober-Amneftie vermindert fidi. ihre Strafe auf je ein Jahr. Von der »weiten Gruppe der Befchuldigten wurden der Arbeiter P t f di o, 1 k i n zu einem Jahre, die Arbeiterin . N i t f di a j e w s k.aja zu fcchs Monaten Gefängnis verurteilt. Dicfcn-beide« wurde dem Amneftieerlaß zufolge die gefamte Strafe erlaßtib

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