Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 56 (24.1.1929)
- Date
- 1929-01-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 ME STIMME Nr. 66 Die Trennungsorthodoxie in Erez Israel Die Agudah gegen die palästinensische Einheit*- gemeinde. Aus Jerusalem wird berichtet: Eine Abordnung aer palästinensischen Agudas Jisroel, unter Führung des Rabbi Sonnenfeld, wurde vom Oberkommissar Sir John Robert Chancellor empfangen. Die Abordnung sprach die dringende Fordern n g aus, die aschkenasische Gemeinde in Jerusalem, wie überhaupt die extrem-orthodoxen Gemeinden, die sich der Knesscth Israel nicht unterordnen wollen, als selbständige Gern einden an zu erkennen. Der Oberkommissar erwiderte der Abordnung, er habe früher geglaubt, daß eine geschlossene jüdische Gemeinschaft in Palästina im Rahmen der K n e s s e t h Israel zu erhalten möglich sein wird; jetzt sehe er aber ein, daß dielnstitutioneinerEinheitsge me in de fast eine Unmöglichkeit sei. Er werde demgemäß sein Bestes tun, um beide Parteien, die Knesscth Israel wie die extreme Orthodoxie, zufriedejrzustd'len. Die Mitglieder der Agudah-Abordnung betonten ün Verlauf der Unterredung, daß die Agudah bereit sei, mit dem Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) als der Repräsentanz der Knesseth Israel jederzeit z usam men zu arbeiten und daß eine solche Zusammenarbeit bereits in der Angelegenheit der jüdischen Vertretungen in den Stadträten und in der Frage der Kiagemauer in Erscheinung getreten ist. Zwanzig Jahre Tel-AviV Anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens von Fel- Aviv, der ersten jüdischen Stadt in Palästina, findet vom 24. Märzbiszum 24. April 1929 eine Ausstellung «Tozereth Haaret z» statt, deren Aufgabe cs sein soll, einen Ueberblick über die heutige Produktion des jüdischen Palästina in Industrie, Handwerk und Landwirtschaft zu geben. Im Anschluß an die Ausstelung wird auch, wie bereits gemeldet, ein Kongreß j ü d t s c h e r P a 1 ä s t i n a- Interessenten statt! inden, die am dem Gedanken der Verbreitung jüdisch-palästinensischer Produktion in der Diaspora interessiert sind, stattt'inden. Dieser Kongreß soll auch die Anknüpfung von Handels- und Industriebeziehungen ermöglichen und die mit dem Export aus Palästina zusammenhängenden Fragen einer Lösung näh erbringen. Die Ausstellung und die Tagungen,,die in. der Frühjahrs-Touristensaison stattfinden, sind geeignet, den Touristen ein eindrucksvolles Bild der heutigen wirtschaftlichen Leistungen Palästinas zu vermitteln. Zu diesem Zwecke werden in einer Reihe europäischer Länder, auch in Oesterreich, G e s e 11 s c h a f t Sr reisen nach Palästina organisiert. Miszellen Eine neue Chaluz-Alijah aus Polen. Nach einer Partie von zweieinhalb Jahren' hat lieh wieder eine größere Gruppe vorgebildeter Chaluzim, jo Männer und io Frauen, aus Polen nach P a 1 ä ft i n a begeben. Weitere 240 vo r g ebildetc Chaluzim und Chaluzoth werden ihnen noch in diefem Monat folgen. Im Verlauf der Monate Jänner und Februar 1929 follen 500 Chaluzim aus Rußland, Polen, Rumänien, Litauen, Bulgarien, Ocfterrc i eh, Tfchechoflowakei und Deutfchland in Paläftina eintreffen, um zunächft in "den Orangenplantagcn von Judäa und Samaria untergebracht zu werden. Die Keren-Hajclfod-Eingänge im Dezember 1928. Im Dezember 1928 find beim Hauptbureau des Keren HajefTod m Jerufalem 3 4.100 Pfund eingegangen. (Im November betrugen die Keren-Hajeffod-Eingänge 27.682, im Oktober 21.661, im September 31.239, im Auguft 16.372 Pfund. In den vorangegangenen Monaten des Jahres 1928 betrug der Monatsdurchfchnitt der Eingänge rund 40.000 Pfund. D. Red.) Mißbräuche bei den paläftmenfifchen Bahnen. DerStationsvorftcher von Jaffa und 20 arabifchc und jüdifchc Änge ft eilte der paläftinenfifchen Eifenbahnen, die in Ludd, Jerufalem und Jaffa ftationiert waren, wurden im Zufammcnhang mit aufgedeckten Durchftechcreien verhaftet. Sie werden der Fälfchung von F r a ch t b r i e f e n und der B eftechlichkcit befchuldigt. Mit ihnen wurden audi mehrere Kauflcutc verhaftet. Felix M. Warburg, der Präfidcnt des Joint Diftribu> tion Committee und der amerikanifchen Jewifh Agency-Kommilfion, hat 1 0.0 00 Dollar für das Haifaer Tcch- 0ik u m gefpendet. Auf einer Tagung kalifornifcher Orangenpflanzer in Los Angeles, die den Problemen der Konkurrenz der kalifornifchen Orangen auf dem englifchen Orangemmrkt gewidmet war, ift man laut „Doar Hajom“ zu dem Befchluß gekommen, die brafilianifche, füdafrikanifche und paläftinen« fifche Orange durch Herabfetzung der Preile für die bekannte „Sunkift“-Orangc auf dem cnglifchen Markte energifch zu konkurrenzieren. * Die „Union“ will erpressen Wie sich die Kultusvorstands-„Majorität“ der 17 das „Regieren“ vorstelit Als die bei den Kultuswahlen geschlagene Union- Agudah-Gruppe einsah, daß ihr gewaltsames Unternehmen, durch Umgehung des Proporzes das Präsidium, Vertreterkollegium und die Kommissionen unter sich aufzuiteilen, zu nichts Gutem führen könne, begann sie zu verhandeln. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Pick fand eine Obmännerkonferenz statt. Natürlich verlangte der Obmann des Zionistischen Klubs zunächst die Durchführung des Proporzgntndsatzes. Da glaubten die Herren von der «Union» ein Kompe msa t i o n sg sc h äf t gegen Grundprinzipien machen zu können und verlangten für die Wiederherstellung des legalen Zustandes die P r e isgabc programmatischer Grundsätze der Opposition. Natürlich wurde dieses der Denkungsart der Union-Agudah-Leute würdige Ansinnen, Grundsätze für Stellen aufzugeben, energisch abgelehnt. Ueber diesen Erpressungsversuch der fiktiven Kultusgemeinde-Majorität, der ihr ein trauriges Armutszeugnis ausstel'lt, gibt der nachstehende Briefwechsel deutlichen Aufschluß; er informiert die Wiener Juden über die politischen Sitten der Union-Leute: T. Privat. 14. Jänner 1920. Herrn Dr. Josef Tic ho, Rechtsanwalt, Wien. Lieber Freund! Da ich verhindern will, daß clie in der letzten Zeit so häufigen «Mißverständnisse» noch um ein weiteres vermehrt werden, so gestatte icli mir, das Ergebnis unserer gestrigen, unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Pick stattgehabten Besprechung wie folgt schriftlich z/u fixieren: Ich habe namens meines Klubs bei der stattgehabten Ofomäitnerkonferenzeine einzige Forderung er- I n h a b e r: UIICIJ Adlergasse 3 Richard Herzog n!£u ss., k'l. Pfar'rg. aa w Tel. A-41-6-24 mm olle jüdischen und hebräischen Schallpbtfen sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager in reichster Auswahl auf. Lager! Auch Teilzahlungen! .. Provinzversand! Soeben neue original-amerikanische Lieferungen eingeiaogt ■BMBBHHBHHBHUMliinPBSBKBHBGHnni hoben, die dahin geht, daß bei' Verteilung der Stellen im Präsidium, im Verireterkoilegium und den Kommissionen , der Grundsatz des Proporzes, welcher bisher bestanden hat, wiederüm zur Geltung gelangt, und habe bei diesem Anlässe darauf-hhvgewfesen, daß der Partei rat unseres Verbandes die Mandatare der Kultusgemeinde beauftragt hat, m i t al len Mitteln a.uf d j e A nwendung des Pro porz.g ru n d s a t z e s h i nz u a r b e i t e n. Ich stelle fest, daß die Erörterung der Fragen des B m d ge t p r ov i s o fi um s Ihr Februar und der Wahlreform von mir nicht angeschnitten wurden und daß ich, als dies deinerseits geschah, darauf verwiesen habe, daß seitens meiner Parteifreunde gewünscht wird; daß die Wiedereinführung des Proporzes ohne jedes Junktim mit anderen Fragen behandelt und erledigt wird. Ich wiederhole neuerlich, daß der zionistische Klub vorderhand, das ist insolange ihm der gebührende proportioneUe Anteil an der Leitung und Verwaltung der Gemeinde sowie der Kontrolle der Gebarung nicht cingeräumt wird, es grundsätzlich ablehnen muß, zu anderen Fragen irgendwelche, ihn bindende Stellung m nehmen. Ich nehme an, daß durch diese Darlegungen, die notwendige Klarheit geschaffen ist und zeichne mit besten Grüßen Dr. Friedmann m. p. II. Abschrift. Rechtsanwalt Dr. Josef Ticho. Wien, am 15. Järrner 1929. Herrn Dr. Deskler Fried mann, Rechtsanwalt, Wien. Lieber Freund! Ich habe Dein Schreiben dem Klub zur Kenntnis gebracht und beantworte dasselbe namens meines Klubs wie folgt: Es ist richtig, daß die Frage der Stellungnahme Deiner Parte» und der Partei der werktätigen Juden zum Bndgetprovisoritim pro Februar 1929 und z*r W a h 1 r e f o r m von mir in der Obmännerkonferenz aufgeworfen wurde; und zwar geschah dies, wie ich ausdrücklich hervorhob, gerade deshalb, weil mein Klub das Hauptgewicht darauf legt, die ungestörte Geschäftsführung der Gemeinde durch die Arbeitsfähigkeit des Vorstandes zu sichern. Ich habe dem Klub der unionistischen Vertreter berichtet, daß sowohl von Deiner Seite, als auch von seiten des Obmannes der Werktätigen hervorgehoben wurde, daß sich zwischen euren Parteien ein Zweckverband gebildet hat und daß beide P a r t e i e u a b 1 e h n e n, die W a h Ir ef o r ni f r a g c zur U'c k zustell eu und das B u d g e t.pr o v i s o r i um zu bewilligen. ' Aus Deinem Briefe geht nun hervor, daß dieser Standpunkt aufrecht erhalten wird, wenn auch die Formulierung gewählt wurde, «daß der zionistische Kluib vorderhand, das ist insolange ihm der gebührende proportionale Anteil in der Leitung und Verwaltung der Gemeinde sowie der Kontrolle der Gebarung nicht ein geräumt wird, es grundsätzlich ablehnen muß, zu anderen Fragen irgendwelche, ihn bindende Stellung zu nehmen.» Demgegenüber stellt mein Klub gerade mit Rücksicht auf die Haltung des «Zweckverbandes» auf dem Standpunkte, daß vor Schaffung der eingangs erwähnten Garantie n, nämlich Zusicherung der B e w i 11 i .g u n g des Budgetprovisoriams, bezw. Budgets und Zurückstellung der W ah Ircform bis unmittelbar vor Ablauf der Funktiosnperiode des jetzigen Vorstandes, mit Rücksicht auf die derzeitigen Kräfteverhältnisse eine gedeihliche Arbeit und eine Fortführung der Geschäfte überhaupt nicht möglich ist, weshalb erst nach Schaffung der vorbezeichneten Garantien der Anwendung des Proporzes, und zwar im Verhältnis der Parteien, gegen den dann kein Einwand bestellen würde, z u g e s t i m m t werden könnte. Ich bitte Dich daher, mir in der allerkürzesten Zeit bekanntgeben zu wollen, ob Deine Partei gewillt ist, diese im Interesse der Gemeinde unbedingt erforderlichen Garantien zu leisten. Ich zeichne mit besten Grüßen Dr. Ticho m. p, III. Klub zionistischer Kultusvorstcher. : Wien, am 22/ JännerT929< . . - i. Au den ..; . .. / .. j ... .. _• Klub der auf das Programm der «Jüdische Union, Vereinigte Parteien zur Hintanhaltung jedweder Politik in der Kultusstube» gewählten Vorsteher. Wien. In Beantwortung des voji Ihrem Klubobmann an den Obmann unserem Klubs gerichteten: Schreibens vom 15. d. M. teilen wir Ihnen nachstehendes, mit: 1. Wir stellen vor allem richtig, daß bei der am 13. d. M. über Einladung des Herrn Präsidenten Prof, Dr. Pick stattgehabten Obmännerkonferenz wed’erdurch Herrn -'Kultusvorstcher Mo.ri z, als Obm a ii iidcs Klubs der w e r k t ä ti g e n J u d e H, noch auch durch unseren Klubobmann d as Zustandekommen eines Z vre clc verband es Ihrem Klubobmann notifiziert wurde. Herr Kultusvorsteher Moriz und tunser Klubobmaan sind, vielmehr lediglich, als Herr Dr. Ticho für Ihren Klub die Majorität-und den Vorsitz in allen vom Kultusvorstand zu wählenden Kommissionen mit der Begründung in, Anspruch nahm, daß die Parteien des Kultusvorstandes sich nicht in gleicher Stärke, sondern im Verhältnis von 18 zu 13, 5 und 1 gegeniibersteben, dieser sonderbaren «Argumentation unter anderem auch mit dem Hinweis entgegen getreten, daß die 18 Kultusvorsteher zählende andere Hälfte des Vorstandes jederzeit die Möglichkeit habe, sich zur Verhinderung der von Ihnen beabsichtigten Benachteiligung bei Aufteilung der Kommissiansmitgliederstellen zu einem Zweckverbande,zu vereinigen. Die Ihrem Klub von Ihrem Obmann gemachte Mitteilung der bereits vollzogenen Bildung eines solchen Zweckverbandesentspricht somit — wenigstens für den gegenwärtigen Zeitpunkt — n i c..h t den Tatsachen. Wir sind über Ihre u n r i ch t ig e I«forraierua g du r c h ihren K1 u b.o b m a n n um so mehr erstaunt, als wir ohnedies die — wie sich zeigt — nicht unangebrachte Vorsicht beobachtet haben, das Ergebnis der stattgefumdenen Ausspraclie durch das Schreiben unseres Obmannes vom 14. d. M. authentisch festzulegen, in welchem in keiner Weise auf das angebliche Zustandekommen, eines Zweckverbandes Bezug genommen wird. 2. Unser Klub legt zumindest dien gleichen Wert, wie Sie, auf eine gedeihliche Arbeit des Kultusverstandes, glaubt jedoch, daß die Voraussetzungen-foiefür nur dadurch geschaffen werden können, daß Sie den derzeit bestehenden, jeder Raison und j cd em Rechtsgefüh1 hohn sprechen den Zustand der Ausschließung der Hälfte des Kultus vor« Standes von der Leitung und Verwaltung d e r G e m e i n d e a n g e 1 e g e n h e i t e n u n v e r z ü glieh ein Ende machen. Ihr Klub hat sich bei der konstituierenden Sitzamg mit Hilfe des Ihrer Vereinigung atHgelhörenden Alterspräsi- I