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Die Stimme · 1929-01-24 · Heft 56 (24.1.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 56 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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oflrc O OIE STIMME Nr. 56 i ]■ t Jungos hochgebildetes Fräulein der bestes Gesellschaft angehoreod, längere Zeit im Ausland gelebt erteilt, erstklassigen frans, u. engl. Unterricht an AnfSnger. — Günstige Bedingungen. M. S. IX.» Fechfergasse 10/39. Bedingungen. H. S. IX.» Fechfergasse luchucgsha/t gehalten worden war, von dem furchtbaren Verdacht gereinigt. Oie Richter Kölling und Hoffmann hatten icdoch die Frechheit, gegen ihre oberen Behörden, die lieh um iie Aufklärung de« Falles bemüht hatten, in der antifemitifchen Treffe die fdiwerften Befchuldigungcn zu erheben und fie der ..Begümligung eines überführten Mörders“ zu bezichtigen. Gegen die baden „Säulen“ der Jufbz wurde nun das Disziplinarverfahren eröffnet, das nun fchon zum zwcitcnnialc ror dem Disziplinarfenac des Berliner Kammergerichtes geführt wird. Kölling und Hoffmann haben lieh wegen V c rgehens gegen Recht und richterliches Anfchen zu verantworten. Sic verteidigen fich mit lügenhaften Ausreden über die Möglichkeit einer Annahme der Mitfchuld Haas* an dem Morde des Schröder, ohne jedoch den geringflen Beweis hiefiir erbringen zu können. Durch die Auslage des berliner Polizcivizeprälldentcn Dr. Weiß, auf deffen Veranlagung feinerzei: von Berlin aus Kriminalkommiflare zur Aufklärung des Falles nach Magdeburg gefchickt worden waren, wurden jedoch die Machenfchaftcn des Kölling und Hoffmann klar gefleht. Sodann flehte der Präüdcnt des Disziplinarfenates an die Angeldmldigtcn die Frage, ob Ile noch jetzt, wo die U nfchuld des Haas einwand fr ci erwiefen fei, glaubten, irgend jemand habe Haas begünfligen wollen. Auf diefc Frage antworteten die Angefchuldigten und ihre Verteidiger mit völligem Schweigen. Die Regierung von Sowjet- Georgien hat eine Kommiflion ernannt, die die Vorbereitungen für die Einrichtung eines autonomen jüdifchen Verwaltung»* rayon* in Zyteligora (Diflrikt Kachetyn) an treffen hat. Die Sowjetbehörden der Gouvernements Zaporofchje in der Ukraine haben befdilolTen, in dem Diflrikt Novo-Zlato- Pol einen neuen jüdifchen Verwaltungsrayon ähnlich dem im Diflrikt Cherfon (Hauptort Kalinindorf) einzurichten. Die Sowjetbehördcn haben die bekannte Jefchiwah in Neve! gefchloffen und drei Synagogen der Stadt befdalagnahmc. Hunderte von Jefcbiwahfchülern mußten die Stadt verlaßen. Die Rabbiner Samuel Lcvitin, Zewi Aftronower, Elia Woltfchlnik, Salm an Ufchifchkin und Elchanan Maharak wurden verhaftet. Aus dem Orte Cuba (Diflrikt Reginistangub) wurden der 3ojährige Rabbiner Ifak Mizrachi und fein Sohn wegen „Unterflützung“ von Jefdiiwoth und Chcdarim iusge vielen. * Vor dem Oberilcn Gericht in Minfk hat fo^ben der Prozeß gegen den Werkführcr T o cfa y I i n und drei Arbeiter begonnen, welche ihre jüdifchc ArbcitsgcnolTin Drcifc Barf ch a y lange Zeit mißhandelt haben. * Die Warfcfaauer katholifche PrelV<‘-Agentur teilt mit, daß heb in Wilna eine Organifation katholifch getaufter Juden gebildet habe, die Vorbereitungen zurGründung eines allpolnifchen Verbandes getaufter Juden trifft. Die Gefchäftsfprache foll j i d d i f ch fein. «■ Der Vorfitzendc der jüdifchen Gemeinde Mannheim und Mitglied des badifefaen Oberrates Dr. Julius Mofes, ein führender Zionill, feierte am zz. Jänner feinen 6o. Geburtstag. Die Zioniflifchc Ortsgruppe Mannheim hat aus diefem Anlaß an alle Gemeindemitglieder einen Aufruf für eine Stiftung zugunflcn des Mikrobiologifchcn Inflituts in Jcrufalem verfandt: „Dr. Julius Mofcs-Stiftung“. Wochen-Kalender Jloner lese Oedenktage B3W »'BIP 24 Donnerstag IfflB — der Lehrer Robert Kochs, Prof. Dr. Ferdinand JulhK Cohn, der „BasSUeacohn“ gesamt, in Breelm geboren. 1007 — der berühmte Orientalist and Bibliograph MoHi» Steinschneider dljlnrtg in Berlin gestorben. 13 -a> 25 Freitag 14 — -p 26 Samstag ChamlMfcoh etui bi’ Schice« Sakbftth editxah Hattaiah ITDeberah lieh ah nawtjah 27 Sonntag 1850 — der Gründer und Führer doe amerikanischen Arbeiterbundes Samuel Gompere ln London geboren (1035 gestorben). 16 - ta 28 Montag 1800 — der berührato Orientalist und &»nakritforacher Prof. Theodor Bonfey in Nirten bei Göttingen geboren. 1904 — der Dichter Karl Emil Franxo* in Berlin gestorben. 17 — f* 29 Dienstag 1869 — Nahum Sokoiow in Wisofa. gorod geboren. iS -n* 30 Mittwoch 1016 der Historiker und Folklorist Joseph Jacobs in Nw York gestorben. 19 — 8* zioniflifchen Organifation nach Schaffung der Jewifh Agency". Galle willkommen. Die 70. Friedhofsschändung in Deutschland In Gladbeck wurde in der Nacht vom 19. auf den Jänner der jüdifchc Friedhof gefchändct. Fünf Grabdenkmäler wurden umgeworfen, zahlreiche Grabumfaßungen zerflört. Es wird vermutet, daß Stahlhelmleutc den Fricdhoffrcvcl begangen haben. Kleine Nachrichten Die lettländifchc R c g i c r u n g bewilligte jj.ooo Dollar für die kulturellen Bedürfniffc der jüdifchen M inderheit, davon 6000 Dollar für das Jüdifchc Theater, 6000 Dollar für das Gcwcrbefchulwcfcn. und tooo Dollar für die jüdifchen pädagogifchen Kurfe. Auf der letzten Tagung des Verbandes der jüdifchen Kooperativen in Polen wurde auch ein Bcridit über die auf Initiative der Gcfellfchaft Ort im Jahre 1924 begründeten G cnoffenfdiaftcn jüdifchcr Landwirte und Gärtner erftattet; darnach bcflchcn heute 16 folchcr Gcnoßenfehaften, die mehr als Soojüdifchc Bauern- und GIrtnerfamilicn cinfchließen. * In der Großen Synagoge von London fand am 1 z. Jänner die Barmizwih-Feier von Edmund Leopold de Rothf child, Sohn des Präfidcnten der United Synagoguc, Lionel de Rothfchild, flau. Aus A.nlaß des 60jährigen Jubiläums des am 14. Dezember rS6S flattgefundencn Kongrcflcs der ungarifeber» luden wird am 19. Februar d. J. ein aus den Repräsentanten des ungarifeben Judentums beflehender Kongreß zufammentreten. Die Ungarifchc Ifraelitifchc Landeskanzlei ifl mit den Vorarbeiten bcfchäftigt. Unter Ausfchluß jeglicher politifchen Debatte foll ein Organifationsflatut abgefaßt, ein Penfionsfonds für GcmeindcangefleUtc gefchaffcn und ein Entwurf für einheitlichen Religionsuntorr i ch t beraten werden. Colonel Herbert Lehman, der zum Vizegouverneur des StaatesNew York gewählt wurde, ifl in lein neues Amt feierlich eingeführt worden. In der amerikamfehiüdifchen Oeffentlichkeit wurde diefe Tatfache als ein wichtiges Ereignis in der Gcfchichte der amerikanifchen Judenheit vermerkt. (Das Amt eines Vizegouverneurs von New York ifl der höchfte Pollen, den bisher ein Jude in Amerika bekleidet hat. Die Red.) In der jüdifchen Gemeinde von Köln kamen bei den letzten Wahlen die liberalen Juden in die Minderheit; da ße alfo nicht mehr in der Gemeinde fchalten und walten können, wie fie wollen, beabfiditigen ihre Wortführer, fidi nach Art der Berliner Reformgemcinde feparat zu einer „Gcmeinfehaft“ zufammenzufchließcn. In einer nationalfozialiftifchcn Vcrlatr.mlung in Cleve, '.u der die Stadt Verwaltung ihren Rathausfaal gegeben hatte, unter der Bedingung, daß der Satz der Einladung: „Juden haben keinen Zutritt“, verfchwinden mäße, kam es zu Ausfehreivungen unter dem äußeren Kennzeichen eines Judenpogroms. Zwei Hitler-Trupps unterfuchten während des Vorcragcs alle fchwarzhaarigen Anwefenden auf „Judenähnlichkeit“ und fetzten eine Reihe von Teilnehmern, Juden und Nichtjuden, vor die Tür, darunter angefchene Bürger der Stadt. Dabei kam cs zu Mißhandlungen. Merkwürdiger» eifc fchritt die Polizei nicht ein. Der verschobene Prozeß oder Judenmord ist straffrei Ein korrupter Jcumatöst, Unzier seines (in Wien ohnedies nicht allzu hochstehendest) Standes, schießt einen anderen Journalisten im Gerichtssaal nieder, wie aus einer früheren Aeußerung hervorgehit, mit Vorbedacht, unter Verwendung einer Präzisionswaffe. Der M-örder wird freigesprochen, die Geschwornen bejahen mit neun Stimmen die ihnen vörgelegte Frage auf Sinnesverwirrung, obwohl kein psychiatrisches Gutachten diese eindeutig festgcstellt hat; sic bejahen diese Frage im zugegeben vollen Bewußtsein, daß daraufhin der Mörder freigesprochen werden muß. Der Mord wird eben als «Affekthandlung» hingest eilt (was beinahe jeder Mord ist). Wie ist ein solches Urteil zustande gekommen? Der Ermordete war Bruno Wolf, ein j ii d iseber Journalist, der Mörder P ö f f 1 ist Haken kreu zier (daß er jüdischer Abstammung ist, mag für seinen Anwalt Dr. Riehl ein pikantes Verteidigungsargument sein, das er den Geschworenen aus dem Burgenlande so verhüllt vorsetzte, daß sie es wohl nicht verstanden haben dürften, für den Betrachter ist es ein. Schulbeispiel der Abreaktion des Minderwertigkeitsgefühles, die sich von Pfefferkorn bis Trebitsoh vielfach belegen läßt Daß es burgenländische Geschworenen waren, die zu urteilen hatten und so geurteilt haben, ist nicht von Belang; Wiener Geschworene treffen solche «Urteile» auch; wir erinnern nur an die Ermordung des jüdischen Ratenh ä n d 1 c r s, dessen Mörder von Wiener Geschworenen freigesprochen wurde, Mord an einem Juden ate straffrei anzusehen, scheint in allen Gegenden des Bundesgebietes Volksmeinung zu sein; kein Wunder in einem Staate, in dem aller politischen Weisheit letzter Schluß «dar Jud» ist. Den Geschworenen wurde es auch leicht gemacht Aus einem Mordprozeß wurde ein Prozeß um journalistische Methoden, um politisierte oder politische Organisationen gemacht Durch diese Verschiebung des Prozeßfaktums sollte gezeigt werden, daß Journalismus in seiner schlechten Form und Judentum identisch sei und daß es letzten Endes um den ermordeten Juden-Jouraallsten «eh nicht schad» war. Und das Argument «eh nicht sohad» verfängt leicht. So kam es, daß der Mörder Pöffl rechtskräftig freigesprochen wurde. Der jüdische Student Halsmann wurde vor wenigen Wochen von den Geschworenen aus dem Burgenlande auf Grund von mehr als unzulänglichen Indizien als Mörder getorandmärkt, der offen verübte und einbekannte M 0 r d an dem jüdischen Journalisten Wolf wurde von burgenländischen Geschworenen als straffrei sanktioniert; Ist man in Oesterreich als Jude seines Lebens sicher? Donnerstag-Zusammenkünfte des Zionistischen Landeskomitees Im Rahmen der vom Zioniflifchen Landetkomitce für Oefterreidi veranftaltetcn Donnersug-Zufammcnkünftc fprichc Donnerstag, den 24. d. M., 8 Uhr abends, im Cift Silier, I-, Schwedenplatz, Herr Adolf Böhm über „Die Aufgaben der Delegiertentag der österreichischen Zionisten Am 6. und 7. April 1929 Zionisten! Das zionistische Landesikomitee für Oesterreich hat den ordentlichen Delegiertentag der österreichischen Organisation für den 6. und 7. April 1929 eim berufen. Die Tagesordnung, welche.noch separat bekanntgegeben wird, stellt eine Reihe von wichtigen Fragen zur Behandlung, deren Lösung unbedingt nötig ist, damit die aus hartem Boden in mühevoller Arbeit herrvörgebrachten Ansätze einer gesunden Partei sich weiter entwickeln können. Der Wog zu dieser Lösung wird gefunden werden, wann al 1 e Kräfte der Organisation in allen ihren Richtungen beim Delegierte n-tag in voller Stärke zum Ausdruck kommen. Dazu ist es notwendig, daß sämtliche Gruppen die Parteisteuer und den Schekel längstens bis zum 20. Februar d. J. abführen und verrechnen, um die Wahl ihrer Delegierten in solcher Zahl, daß sie der vollen Stärke der einzelnen Organisationen und Gruppen entspricht, zu ermöglichen. Der Termin für die Einzahlung der Parteisteuer und des Schekels kann über das. angegebene Datum hinaus nicht erstreckt werden, da bereits am 27. Februar d, J. von 6 bis 10 Uhr abends die Wahlen der Delegierten für den Parteitag in ganz Oesterreich erfolgen. Zionisten! Ihr müsset Euren Delegiertentag so stark beschicken, daß schon daraus Euer fester Wille offenbar wird, die von Euch begonnene Arbeit der Festigung und Ausbreitung der österreichischien Organisation fortzuführen! Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Repräsentationsball der Zionisten Oesterreichs. Am 30. März findet in den Kopzerthausfälen rin Reprafeatt* tionsball der Zioniilen Oeflerrcichs flatt. An denselben werden Geb alle führenden Kreife der zioniflifchen Organifation Oefterreiebs, fowohl von Wien als auch von der Provinz, beteiligen. Diefe Veranilaltung foll einen Treffpunkt bilden für alle führenden und aktiven Gefinnungsgenoften in Oeflerrehh. Es ifl dies der erfte Verlud:, eine nach außenhin fiebtbare repräfentative Veranflaltung der Zioniflifchen Organifation in Oeflcrreich zu fehaffen. Der Reinertrag wird dem Chtjes- Wald, refpektive dem Chajes-Gymnafium zugeführt. Es wurde ein Komitee von fchr aktiven und erprobten GcünnungsgenoGen eingefetzt, das die Veranflaltung aufs forgfältigflc und pünktlichflc vorbereitet. Bin-Nun in Wien. Der bekannte Führer des Hapocl Hamisrachi, Bin-Nun aus Ercz Ifracl, weilt gegenwärtig in Wien. Herr Bin-Nun wird fidi hier mit der Organifation der misrachiflifchen Jugend und gleichzeitig mit der Propaganda für den Hapoel Hamisrachi befallen. ooooooocxxx>oooooooooocxxxxxxxxxx)oooooo RedaktlonsschluU und Schlutt der Inseraten« annabme Dienstag um 12 Uhr mittags. Spater einlangende Einsendungen können keine Aufnahme ln die laufende Nummer finden. t

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