Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 56 (24.1.1929)
- Date
- 1929-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 86 Pfg STfMWgB deutet auf Ungarn oder den Balkan Bio Ufld dtf Offlftiod» dlfl er dn fephardilches Rabbinerfeminar betucht bat» laßt /vermuten. daß et {paniolifcher Abdämmung ift. Zu leinen „Re* formvorfchlägen“ aber kann man nur — eine Geldlichte erzahlen (die nebftbd den Vorzug hat, wahr zu lein): Ein junger Zionift war mit einer jüdilchen Familie befreundet, deren Oberhaupt, ein Mann von tiefer Religiöfität und wahrer Frömmigkeit, der Typus eines alten jüdilchen Patriarchen war. Der etwa 3J Jahre alte Sohn des Haules war ein dreitbarer Anhänger der Agudas Jilrael (jener Richtung, welche aus der jüdilchen Frömmigkeit politilches Kapital fchlagen will; ihr Wiener „Organ“ prcid aber — offenbar entgeltlich —r Chridfclt und Chriftbaum als traut-anheimelnden Brauch an). Im Laufe eines Disputes über den Zionismus, den der Sohn des Haufcs und der zu Befuch gekommene Zionid führten und dem der Vater beiwohnte, kam auch von feiten des agudidilchen Disputanten der üblidhe Vprwurf der „Sabbatentweihung“ durch die zionidifche Jugend zur Sprache; und der dreitbärc Agudid fagte dabei: „Erez Iirael wird für uns fromme Juden erd dann ein jüdifches Land lein, wenn jeder, der den Sabbat entweiht, mit Gefängnis beftraft wird.“ Worauf der Vater, der dem Gepräch bis dahin Ichwcigend zugehört hatte, aufdand und dem Sohne mit den Worten „Fofche Jisroci“ eine — kräftige Ohrfeige verletzte. — Welcher Behandlung der wackere Rabbinefkandidat von Gablonz, deffen „Programmbriet“ lo manche Aehnlidibcit mit Wiener utjioniftifch-agudiftifchcn Meinungen hat, warmftens empföhlen lei. Die Jeschlwah von Lublin Dir feit dem 14. Jahrhundert bedehend^n jüdifchen Ge-' nicinde von Lublin erteilte König Sigismund von Polen im Jahre 1567 das Privilegium, eine Jefchiwah zu errichten. . Diele Jefcbiwah war die erde Thoralchrandalt in Polen und zog Jünger aus allen Ländern Europas heran. Diefcs Lehrzentrum gelangte zu großer Berühmtheit, umfomehr als dort die großen Gaonim Maharram und Mcharfchal lehrten, und die „Jefchiwah Chachme Lublin“ hatte lange Jahre einen großen Namen. Um nun das Thoraftüdium in Lublin in feinem alten Glanze auflebcn zu lalTen, wurde mit Mitteln; die in Polen und dem Ausland (Amerika, Deutfchland, England ufw.) aufgebracht wurden, eip neues Monumcptalgebäudc für die Lubliner Jefchiwah errichtet. Diefer Neubau id nunmehr vollendet. Das fechs Stock höhe Gebäude id im oricntalifchert Stil gehalten und fchließt eine Fläche von 35.000 Quadratmetern ein. Es enthält neben den großen Lehr- und Bibliötheksfälen modern eingerichtete Speifefäle, eine Badeandalt, eine Wäfchcrei, einen Empfangstaal, Ambulatorien Und Krankenzimmer. Das Auditorium maximum id mit einer Galerie für freie Zuhörer verfehin. Im angcfchloffencn Internat id für 4$o-Jcfchiwah - Jünger Platz. Ein großer Garten fehließt lieh an ..das Gebäude. Im Lehrplan der Jefchiwah id cin d r c i j ä h r i g e s Studium - zur- Heranbildung von; Talmude-Chachamirh,. für Erlangung des R a bbi n c rd.jp. 1 om s . ein fünfjähriges Studium vorgefehen. .Zur Einrichtung find noch 20.000 Dolkr; notwendig.- Der Unterricht im, neuen Gebäude foll in zirka einem Jahre ausgenommen werden. Die ostjüdische Konferenz in Berlin Am 13. Jänner wurde im Sitzungsfaalc der Berliner jüdifehen Gemeinde unter ftarjeer Beteiligung die (von uns angekündigte und in ihrer Bedeutung bereits behandelte — D. Red.) vierte Konferenz.des Ve.rbandcs oftjüdifcher Organi-fationcn in.. .D e u t f ch 1 a n.d, eröffnet. Nach den Begrüßungen durch die Vertreter zahlreicher jüdifcher Organilatiönen (Zcntralvercin, Bnei Brith, Ort, Oge, Verband ruffifcher Juden in Deutfchland, Reichsbund jüdifcher Frontföldaten, Jüdifchc Volkspartei, Ziöniftifchc Vereinigung für Deutfchland) und Verlefung der cingelaufenen Begrüßungsfdiroiben auswärtiger Korporationen wurden die Herren Samuel Haärpuder (Vorfitzender des Verbandes), Bcnzion Fett und M. Fuchs als Präfidiiim der Tagung gewählt-. ‘ Es folgte das Referat von Dr. Iirael Taube? (Wien) über die d 11 gern c x n c Lage der O ft j ud c n. Er behandelte den ganzen Komplex der ökonomidicn, fozialen und kulturellen Fragen der Juden in Oftcuropa und der oftcuropäifchen Juden im Wellen, insbefondere die Frage der jüdilchen Wanderung, und berichtete über die Zahl der Olljuden in den einzelnen Gemeinden Deutfchlands. Er kam zu dem Relultat, daß trotz des wirtfchaftlichen Vernichtungsfeldzugcs gegen das Judentum in Oft- # curopa diefes Judentum bei {einer Vitalität fich durdifetzen wird. Er zeichnete ein Programm der Kulturarbeit, die es dem Oftjudentum erleichtern foll, die Jüdifchkcit in der fremden Atmofphäre zu erhalten. Sodann crftattctc der Vorfitzcndc des Verbandes S. H a a rpuder Bericht über die Tätigkeit der Verbandsexekutive, vornehmlich auf den Gebieten der jüdilchen Gemeinde-, Kultur- und Jugendarbeit. Herr Bcnzion Fett referierte über die nächften Aufgaben des Verbandes. Er verlangte die Einordnung der in Deutfchland lebenden Oftjuden in die Gclamtheit des deutfehen Judentums fowie injlas deutfehe Wirtfdiaftslcbcn. Der oftjüdifchc Mittclftand hätte in der jüngften Zeit bcfpnders gelitten. Es fei erforderlich, die Hilfsarbeit produktiv zu gcftaltcn, oftjüdifchc Krcditgenoflcnfdiaften zu fchaffen. Uebcr „Oftjudentum und jüdifche Gemeinde“ referierte Herr Markus H o r n ft e i n (Berlin). Unter anderem empfahl der Referent die Einfetzung einer Wahlrechtskom mi 11 ion durch den Verband, die der Entrechtung der Oftjuden in verfchicdenen jüdilchen Gemeinden Deutschlands entgegenwirken foll. Die Vertretungen der Oftjuden in den Gemeinden und Landesverbänden in Deutfehlaad follten fich dafür eiöfetzen, daß das deutfeh^ Judentum an den InterelTen und Sorgen der jüdilchen Gefamtheit teilnimmt. Ferner fei die Eingliederung der frommen S ch i ch t c n des Oftjudentums in den Verbahd zu betreiben Aa StSe und die Referate über Schubuttd Erzfehtmgsf ragen (Rabb. Dr. Levy), Kulturarbeit (Jofef Lin) und Jugendarbeit (Jdfef B e öder fky) fchloß (ich eine'eingehende Ansprache. In der dritten Sitzung der Konferenz htelt der neogewählte Präfident der Berliner jüdilchen Gemeinde Georg K a r e i k i eine bedeutfame Anfprache, in der er u. a. ausführte: „Das Oftjudcnpröblem,“ fagte er, „befchäftigt das gefämtc Judentum in Deutfchland; es ift ein Problem der Gemeinfchaft. In der Löfung desfclben ift tin Schritt vorwärts zu verzeichnen. Die Hetze gegen die,Oftjuden hat aufgehört, die Eingliederung derfeiben in däs deutfehe Wirtfchaftsleben hat fich zum Teil bereits vollzogen. In. Berlin find die Oftjuden im Gemeindeleben gleichberechtigt. Dies ift nicht überall der Fall. Die Wahlbcftimmungen bezüglich der Oftjuden in manchen jüdilchen Gemeinden, wie in den Gemeinden Sachfens und Hclfens, find eine Kulturfchandc. Warum befchränkt man die Reite der Oftjuden? Weil diefc jüdifches Leben fchaffen, was in manchen Kreifen unerwünfdit ift. Die Jüdische Volkspartci wird keinem .Entwurf für die VcrfalTung des zu gründenden Rcichsvcrbandes zuftimmen, in dem nicht die volle uncingcfchränktc Gleichberechtigung der oftjüdifchen Wähler gcwährleiftet ift." Die Konferenz fprach in einer Rcfolution dem Präfidcntcn. K a r e f k i den Dank für die in diefer feiner Anfprache fkizzicrten Richtlinien aus. Sic faßte überdies eine Reihe von Befchlülfcn über alle Arbeitsgebiete des Verbandes in der durch den Referenten vorgefchlagenen Form und nahm fodann die Wahl der Leitung Vor. Es wurde pin dreigliedriges Präfidium, bcftchend aus den Herren Bcnzion Fett, Samuel Haarpuder und I. Leier, ferner der Vorftand, beftehend aus den Herren Doktor Altfchul, Goldmann, Langermann und Rothenberg, {amtliche in Berlin, und den Herren Dr. Büfehel (Rhcinland-Weftfalen), Dr. Koretz (Hamburg), Stcckel (Breslau) und Time (Nürnberg) gewählt. Eine Resolution gegen Jakob Wassermann I11 der Eröffnungslitzung der Konferenz wurde c i nft i m m i g eine von Herrn Bcnzion Fett vorgefchlagcne Refolution angenommen, in der cs u.’ a. heißt: „Die oftjüdifchc Reichskonferenz nimmt mit fchmcrzlichcn Bedauern von den A e u ßerungen.Jakob Waffe rmanns über die oftjüdifchen Einwander er in Dcutfdiland während der Rriegsjahrc und der Inflation Kenntnis. Es ift u n g c r e ch t, allgemeine Erfcheinungen einer unnormalen fozialen Situation auf eine beftimmtc Volksfchicht zu exemplifizieren, was feitens des Dichters wohl nur auf; Grund mangelhafter Informationen gcfchehen konnte.“. HohU^Hüttenliolis OBERSCHLE SISCH ftklTUDBflT iNGLISCH UNO AN inKHU I WESTPHSIISCH QuaUätssorten — Billigst BASCH, IV ' minnb Argentinlerstr. 22 T©i«pi*. u.41.a87 Rabattsektion des KEREN «KAJEMETK Ein Weltverband jüdischer Handwerker Der Zentralvcrband' jüdifcher Handwerker Deutfchlands, delTen Vorfitzender Herr Wilhelm M a r cu s (Berlin) ift, regt die Schaffung eines Weltverbandcs j ü d i f ch e r H a n clwcrker ’an; ein zu diefem .Zwecke entworfenes Expofe weift darauf hin, daß die: jüdifchc Juge:nd, auch in Weil- und Mitteleuropa,. in immer größerem Umfang handwerklichen Berufen zullrcht. .Es ift keine Uebertrcibung, wenn heute bereits feftgeftellt wird, daß das Handwerk unter den Juden in den kommenden^ Jahren eine bedeutfame Entwicklung zeitigen wird. Die Lage der jüdilchen Handwerker fclbft ift jedoch heute nodi nicht-genügend gefertigt. Sic find in dem Kampfe um ihre Exiftenz fehr häufig in einer viel fdilechtercn Pofition als ihre nichtjüdifchen Fachgenoflen, und zwar deshalb, weil fie ungemein ftark unter den Vcrdrängungserfchein ungen, denen die Juden in der Wirtfchaft überall ausgefetzt find, zu leiden haben. Nichtjüdifchc Unternehmer erteilen ihnen feiten Aufträge, bei den Lieferungen für Staat und Kommune find fie fefir oft. im Nachteil. Die jüdifchen Handwerker haben längft erkannt, daß audi fie nur auf dem Wege der Organifation, des Zufammcnfchlufles aller Kräfte für die Sicherung ihrer Exiften^ und den wohlverdienten wirtfehaftlichcn Aüfftieg kämpfen können. Die Idee der Organifation des j ü d i f ch e n H a n d w er k c s hat in den letzten Jahren zahlreiche Freunde gefunden. In fall allen Ländern der jüdidien Siedlung Oft- und,Mitteleuropas find kräftige jüdifdie Handwcrkerorganifationei),, entftanden. Die gemcinfamc Not und die gemeinfamen Sorgen der jüdifchen Handwerker in den vcrichiedcnen Ländern laßen den Z u f a m m c n f ch I u ß der verfchicdenen jüdifchen Handwerkerorganifationenzu einem Weltverband des jüdifchen Handwerkes notwendig erfcheincn. Als Aufgaben eines folchqn Verbandes kämen in Betracht: 1. Zufammcnfaffung aller jüdifdien Handwerker-Organifationen zu einem Weltverband der jüdifchen Handwerker. 2. Gefamtvcrtretung der jüdifchen Handwerker bei allen jüdifchen Organifationcn und allgemeinen Berufsvereinigungen, insbefondere bei jenen, die für die Produktiv» crung der Juden tätig lind. 3. Schaffung und.Ausbau von Krediteinrichtungen und Genollenfchaften für die jüdifchen Handwerker durdi Errichtung von Krcditgcnolfenfchaften, fowohl durch Zufammcnfchluß der verfchicdenen genoffenfchaftljchen Krediteinrichtungen des jüdifchen Handwerks zu einer großen Zentralbank, mit der Aufgabe der zentralen Regelung der Kreditverförgung der einzelnen GcnolTcnfchaftsbanken, fchließlich durch genieinfamen und dadurdi verbilligten Einkauf von Mafdiinen und Material, eventuell Ucbernahme des Exports beftimmter, im Handwerk "€af6 {Reklame WIEN, II., PRATERSTRASSE NR. 34 anschließend die „Jüdischen KSnatlerspiele“. — Inhaber: Jakob Goldfließ. — Vorzügliche Gelränke und Kalte speisen zu billigen Preisen. —- Rummy-Spietlische. — Treff* punkt der jüdischen Gesellschaft. verfertigter Waren. 4* Schaffung von Berufs-Arbeit sgemeinfehaften zwecks Austaufch der beruflidten Erfahrungen und Verbefferung der Produktion und Arbeitsmethoden. 5. Schaffung einer Ber a tu ng s fte Ile für Wirtfchaft und Technik im Handwerk. 6. Förderung der Lehrlingsausbildung, Studium der Wirtfchaftslagc der verfchicdenen Berufe zwecks Zuführung der jüdifchen Jugend zu jenen Berufen, die handwerfclid» heute nodi als ausfichtsreich angefehen werden. 7. Veranftaltung von Tagungen der jüdifchen Handwerker zwedts Aust-ufdi von Meinungen und Erfahrungen fowie Ausbau der Organifationcn und Anbahnung freundfchaftlicher Beziehungen zwifchen den Handwerkern der verfchiedencn Länder. Boykott jüdischer Arbeit in Polen In der letzten Sitzung des polnifdien Sejm interpellierten die jüdifdien Deputierten wegen des Boykotts der jüdifehen Arbeit durch die ftaatlichen Acmter und Unternehmungen. Dr. W y g o d f k y berichtete über fyftcnutifdie Entlaffungcn jüdifcher Arbeiter und Angcftellter aus den ftaatlichen Fabriken. In den Warfchauer Tabakfabriken waren vor der Monopolilierung über 1000 jüdifchc Arbeiter befchäftigt, heute ift dort kein einziger Jude anzutreffen. Von früher 600 jüdidien Tabakarbeitern in Wilna find heute bloß 20 befchäftigt. In Grodno, wo früher 95 Prozent der Tabakarbeiter Juden waren, beträgt heute der Prozentfatz der jüdifdien Arbeiter weniger als 30. Ebcnfo fdilccht ift das Verhältnis in den Naphthagruben und Raffinerien in Boryflaw und Drohobycz (Oftgalizicn). In Boryfhaw fank der Prozentfatz. der jüdifdien Arbeiter von 50 auf to, in Drohobycz von 60 auf 30. Um eine Handhabe für die weitere Verdrängung jüdifcher Arbeit zu bekommen, wird jetzt von den rein manuellen Arbeitern die Kenntnis der polnifchcn Sprache in Wort und Sdiril't gefordert. Dabei wird das vorgefdiriebene „Examen“ von der Fabriksdircktion vorgenommen, die die reine Willkür walten läßt und fyftematifdi jüdifdie Arbeiter durchfallen läßt. In Polen hat der Wojwode in einer amtlichen Mitteilung erklärt, daß j ü d i f ch c Tierärzte in Pofcn n i ch t angeftcllt werden dürfen. ln. der BudgetkommilTion des Sejm ergriff nach der Rede des Agrarminifters der jüdifdie Abgeordnete Hell e r (Hit^cjiduth) das Wort ijnd erinnerte den Miniftcr daran, daß er, trotz feiner Vcrfidierung, cs feien alle Kategoi'ien dei* an der Agrarreform intereffierten Bürger befriedigt, eine Kategorie, die Juden, ganz und gar vergeben hat. Die Juden erheben Anfprudi, daß man fie bei der Bodenverteilung entfprechcnd berüddichtigt; der Drang der Juden zur Betätigung in der Landwirtfdiaft entfpringt dem Bedürfnis zur Normal i fi e r u n g ihres Lebens. Befonders ift diefc Frage in Oftgalizicn akut. Die jüdifchen Invaliden und früheren Frontfoldaten fordern ebenfalls Land. Abgeordneter Heller berührte u. a. auch die Frage der Austrocknung der Pinskcr Sümpfe. Das polnische Agency-Komitee Aus W a rl di a u wird berichtet: ln Uebereinftimmiing mit den- Befdilüffcn des Zioniftifchen Aktionskomitees in Berlin wurde eine i5gliedrige Konimii’fion zur, Schaffung einer R e p r ä f c n t a n z der nichtzioniftifchen Elemente in Polen zwecks Erweiterung der Jcwifh Agency eingefetzt. Der Kommifiion gehören u. a. an: Abg. Grünbaum, Levite, Abg. Rafenblatt, Abg. Dr. Thon, Abg. Dr. Leich, Abg. Farbftcin, Lcvin-Epftein, Frau Dr. Melzcr, Dr. Tartkiower, Stadtrat Hindes, Dr. Federbufch und Dr. Wahrhaftig. Nachspiel zum Magdeburger Dreyfußprozeß Fs ift noch in allgemeiner Erinnerung, daß der Magdeburger Induftricllc Haas, ein Jude, lange Zeit hindurch unter der Anfchuldigung fland, einen Kaufmann namens Helling ermordet zu haben. In Wirklichkeit war Helling von ennem Verbrecher namens Schröder ermordet worden und Haas hatte mit der ganzen Sache nichts zu tun. Daß gegen einen Unfdruldigen eine fo furchtbare Anklage erhoben wurde, war das Werk dreier antifemitifcher Gcrichtsfunktionäre von Magdeburg, des KriminalkoramÜTäts Ten Holt, dcsUmMrfuchungsrichtes K ö 11 i n g und des Landgerichtsdirektort H o f f m a n n, die darauf hinarbeiteten, daß Haas durch konllruicrte Indizien zum Mörder des Helling geftcmpelt und als folchcr verurteilt werde. Die Machenf«haften des fauberen Drcigcftirns kamen jedod» auf und die oberen Regierungsbehörden griffen zur Aufklärung des Falles ein; durd» diefes Eingreifen wurde der wirkliche Mörder Schröder feftgeftellt und Haas, der lange Zeit unfchuldig in Unter- 5IE6M. KOHHMEHb, GraBfleiscliliauerei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kuttusgemeinde Wien IX, Berggasse 15 XV! 11, Wäbringerstraße 97