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Die Stimme · 1929-01-24 · Heft 56 (24.1.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 56 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 D!G STIMME mm Repräsenrfafioiisball der Zionisten Oesterreiclis im Konzerihaus, 30. Nttn 1029. Kartenvormerkungen: Ballkomitee, I., Kärntnerstr. 28/2 Telephon Nr. R 27-4*85/86 abends: R 49-8-98 König Salomos Lieblingsfrau Das Grab der ägyptischen Favoritin des Königs entdeckt? — Reiche Schätze — Ein Papyrus vom Opfertod der Motl Maris Nach einer van «Daily Mail» reproduzierten Meldung der arabischer, Zeitung «El Mokaitam» wurde in Jerusalem ein sensationeller Fund gemacht; es wurde eine G ra fast ä t fe entdeckt, deren reiche Schätze an Schönheit und Kunstwerk die Tutankhame.n-Funde weit ühertreffen. In einem goWenen Sarg, der mit Edelsteinen verziert und mit kostbaren Schmuckstücken gefüllt ist, lag eine weibliche Mumie Es ist der Leichnam der Favoritin des Königs Salomo, jener ägyptischen Prinzessin, von der auch die biblische Ghronik berichtet, die Salomo cvuen Harem von 1000 Frauen ruschreiht. Nach dem Berichte über den Fund trägt die Mumie mehrere Ringe an den Fingern und auf dem Haupte eine mit Smaragden, Saphiren und Perlen besetzte Königskrone.' Im Sarge lag — so lautet der Bericht weiter — neben der Mumie eine hebräische Papyrusrolle, die sehr gut erhalten ist. Es wird angenommen, daß dieser Bapymss, welcher die Tugenden der Bestatteten rühmt, von König Salomo selbst geschrieben ist. Der Bericht gibt den Inhalt dieses Papyrus an; danach ist die Frau Salomos, deren Mädchenname M o t j Maris war tsnd <Se aus Memphis gekommen war und im 36. Jahre seiner Herrschaft gestorben ist, unter ihrem Palast begraben worden, «nachdem sie sich für ihren Mann geopfert hatte». Der Papyrus berichtet weiter, daß König Salomo aus Liebe zu ihr und in Anerkennung ihrer Treue und Selbstaufopferung ihr eigenhändig die herrliche Krone auf das Haupt gesetzt habe, die ihm von seinem Volke zum 25. J a h rest-ag seiner Thronbesteigung überreicht worden war. Weiter berichtet der Papyrus folgendes: Drei Monate vor dem Tode der Lieblingsfrau, sei Amen to, der Water der Frau Salomos, aus Aegypten gekommen, beladen mit GeSchenken, aber in der geheimen Absicht, Salomo selbst vom Throne zu stoßen und das Land im Namen des Königs von Aegypten in Besitz zu nehmen. Eines Tages ersuchte Arnsnto um eine Privataudienz bei König Salomo, nachdem er vorher seiner Tochter Moti Maris befohlen hatte, Salomo mit Wein z.u vergiften. Der Papyrus schließt: «Als Moti eintrat, Becher und Wein tragend, argwöhnte ich nicht Verrat, obwohl ich bemerkte, daß sie totenbleich war, Als Moti den Wein in den Becher goß, bemerkte ich, daß Amento seine Hand nicht nach, seinem Becher ausstreckte. Trotzdem hob ich noch immer ohne Argwohn den Becher an meine Lippen. In diesem Augenblick entriß mir Moti, die neben mir stand, den Becher und trcik den Weh» «elbst. Einige Meuten büeb sie stehen. Ihr Vater floh mit einem Schrei der Wut aus dem Zimmer. Kurz darauf sank Moti sterbend in meine Arme. Der tückische Amento versuchte, mich zu vergiften, aber seine Tochter Moti, meine Ueb- Ifogsfräu, rettete mein Leben durch Aufopferung ihres eigenen:» Wenn diese Nachricht sich bewahrheitet .(auffällig ist, daß in Jerusalem ein Mitglied des königlichen Hauses nach ägyptischem Ritus begraben. worden wäre), so wünde es sich um esnen Fund von unschätzbarem Werte handeln, vor allem durch die Existenz des altfnbräischen Paryrus, der, wäre er auch nicht von König Salomo eigenhändig geschrieben, eines der frühesten literarischen Dokumente aus der hebräischen Epoche der Israeliten darsteilen würde. Ein ßrief des Königs Salomo an die Königin von Saba? Bei der vor einigen Wodien erfolgten Krönung des Regenten von Abeffinien, Ras Taffari, zum König, bezw- Kaifer diefes afrikanifdien Reiches erfchien u. a. eine Deputation der F a 1 a f ch a, jenes in einem Hodiland des nördlichen AbclTinicn fiedelnden Stammes, der jüdifdien Glaubens ift. Die Falafdia, auf deren jiidifche Gebräuche zuerft der Forfcher ProfefTor F a i 11 o v i ch hingewiefen hat und die feither Gegenftand mehrfacher Aktionen find, um fie mit dem jüdifdien Leben, von dem fie fo lange ifoliert waren, wieder in Kontakt zu bringen, haben eine uralte Pergamenthandfchrift in Befitz, welche die f.ünf Büdier M o f e s’ enthält. Die Häuptlinge des Stammes behaupten, daß diefes Pergament , aus dem Handfchriftennachlaß des Königs S a 1 o ni o - flamme .; lind gaben auch an,. noch andere Handfdiriften Salomos zu, befitzen. ., , ’i " . ... ...? Die Herrfcher von Abeßinicn führen bekanntlich ihre Her-, kunft auf König S a 1 o m o ii n d:'d i e K ö n i g i n von Sa b ä zurück,; deren Reich wahrfchcinlidi in jenem Teil des nördlichen AbefTinicn gelegen war, den' heute die Falafdia bewohnen. Nun haben die Falafdia dem . neuen Hcrrfdier! ÄbflfTiniens durch die erwähnte Krönungsdeputation ,cip'; Exemplar der a n g e b 1 i di e n , H a n d f ch r i f t S a 1 omb s überreichen laßen; es foll, wie fie ’ angaben, ein B r i c f : d Cs Königs Salomo fein, den diefer an die K ö n i g i n von Saba fandte, noch ehe er fie zur Gattin nahm. Wenn! diefe < Angabe zutrifft, fo dürfte diefes Pergament der erfte ' hiftorifch bekannte I iebesbrief eines Königs an feine Braut fein5 überdies jenes Königs, dem das fdiönfte Liebesgcdidit der Weltliteratur, das Hohe Lied, deßen Metaphern in die Liebeslyrik aller Kulturvölker eingingen, zugefchrieben wird. Aufschwung im persischen Judentum Nach einem Bericht aus Teheran hat fidi die reditlidie, politifche und wirtfchaftliche Lage der Juden in Perfien feit der Inauguricrung des neuen demökratifchen Regimes bedeutend gebelfert. In der pcrfifchcn Hauptftadt Teheran leben heute ungefähr xo.ooo J u de n. Kleinere jüdifchc Gemeinden gibt es in anderen pcrfifchen Städten. Die Juden, die vor der neuen konftitutionellen Acra als Heloten behandelt, unterdrückt und mißhandelt wurden, denen nur die Ausübung der' niederen Berufe geftattet war, dürfen heute dank der Konftitution und dank auch dem feit dem Kriege vor fich. gehenden w i r t f di a f 11 i di c n A. u f f ch w u n g beßerc Pofitioncn einnnehmen. Die perfifdi-jüdifchcn Kaufleutc haben in den beßeren Straßen von Teheran moderne Warenh ä u f e r errichtet und größere Handclsburcaus ctaj bliert. Die Juden vermitteln den Handel mit Europa, richten Druckereien ein, mehrere Juden betätigen fich als Aerztc und Apotheker, eine größere Anzahl vön Juden ift im Handwerk, befonders in der Schneiderei, tätig, auch dürfen Juden heute ftaatlichp Aemtcr bekleiden. Die. bemittelteren Juden verlaßen das enge Ghetto von Teheran und fiedeln fich in den europäifchen Vierteln ah. Die jüdifdien Kinder befuchcn die pcrfifchcn und die ausländifchen mittleren und höheren Schulen. Nach der Vcrfaßung genießt der pcrfifdie Jude die gleichen Rechte wie jeder, perfifche Bürger mit der einzigen Ausnahme, daß ihm, wie .jedem Nichtmufelmancn, die Minifterlaufbahn vcrfchloßen bleibt. Seitdem vor drei Jahren die allgemeine Wehrpflicht cingeführt wurde, dienen die jüdifdien jungen Leute auch in der Armee, die den Juden früher hermetifch vcrfchloßen .war. Bei den Parlamentswahlcn wählen, die J u d c n in einer gefonderten Kurie, was Anlaß zu Streitigkeiten inner-’ halb der jüdifdien Gemeinde gibt. Infolge diefer Unz'uträgiichkeiten ift. u. a. die Zioniftifchc Föderation Perfiens fei? pinigen Jahren untätig. Anftrengungen, die Föderation zu rcorganifieren, werden gemacht. , Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto | beiliegt, werden nicht zurückgesendet« > BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern oller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. gaschmackvollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebrülsche, jiddische u. Deutsch- Judalca in reicher Auswahl 5 Täglicher Umtausch . Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr. geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr t J Eine Mischehen-Konferenz Die Landesverbände jüdifcher Gemeinden in den einzelnen .* Gebieten des Deutfchcn Reiches haben, wie bekannt, im Vor- I jaHre — gewiflermaßen als Vorläufer für die geplante Gefamtvercinigung — eine Rcichsarbeitsgcracinfchaft gebildet, in der über gemeinfame Angelegenheiten aller Gemeindeverbände Fühlung genommen und Ausfprache gepflogen wird. In ihrer vor kurzem ftattgefundenen Tagung, an der mit Ausnahme des jüdichen Gemeindcvcrbandcs Heßen alle Verbände tcilnahmcn, hat die Reichsarbeitsgemeinfchaft u. a.befchloßen, eine Konferenz einzuberufen, welche fich mit der Schaffung; einer A u s ft e u c r a n ft a 11 für j ü d i f ch c M ä d ch en befaßen foll. Ferner wurde auch die Frage der Mi.f.chehcn und ihrer .Bekämpfung eingehend erörtert; die Stellungnahme der Reichsarbeitsgemeinfchaft zu diefer Frage, ging dahin, daiß die Bekämpfung der Mifdiehcn,wegen der. mit ihnen verbundenen Gefahr für die. Erhaltung des, Judentums dien Gegen* ftand ernfter Sorge aller Landesverbände bildet., Neben den praktifchen Mitteln, die hier in Frage . kommen, befonders der Schaffung'von Stätten zu gcmcinfamer Belehrung und‘Unterhaltung der Jugend, foll verfocht werden, in einer mit iden anderen großen Organilatioutn gemcinfam vcranftaltcten Konferenz die V’riditigkeit der Bekämpfung der Midiehen weitefteo Kreiicn zum Bcwußtiein zu bringen. Die Tagung befaßte fich tueb mit der Erörterung von Maßnahmen zur Erhaltung der jüdifdien Kauft de n kmaler in Deutfchland. Lebhaftes Interefle fand der Gedanke, die Bcftrebungen zur Erhaltung jüdifcher Kunftdenkmäler zu untetllützenund zu vereinheitlichen. Die einzelnen Landesverbände follcn — fo wurde empfohlen — zunädhft für die I n v e n t ar i(ie r u ng der Kunftfdiatze forgen und dann ihre Verzeichniße nebft den Berichten und ihren eigenen Erfahrungen fortlaufend dem Preußifchen Landesverband mitteilcn, bei dem die Frage weiter bearbeitet, wird. Das Treiben der Mission Aus Nc w.. Y o r k wird berichtet: Die judenbekehrungsPropaganda der Mißionäre wird fehr inteiifiy und. mit großem Aufwand unter der j ü d i f ch c n Maffe'OftiNew Yorks betrieben, wobei cs in erfter Linie auf ‘ die neuenEinwanderer, die wirtichaftlidi noch keinen Boden unter den Füßen haben, abgefehen ift. Dicic Propaganda artet nicht feiten zu einem ö f f c n 11 i ch e n A e r g e r n i s aus.; Vor kurzem haben Rabbi Nathan Kraß und Rabbi David de S o 1 a Pool in einer in New' Yoirk abgehaltencn . Verf'ammlung für , Annäherung zwifdien Chriften und Juden, die von mehr als Soo hervorragenden Vertretern der jüdifdien, proteftantifchen und katholifdien Religion befudit war, gegen diefe Mißionstätigkeit proteftiert. Rabbi Kraß führte in feiner Anfprache aus, die chriftlichc Kirdie habe eine Mißion, chriftlichen Geift vor allem nnter den Chriften felbft zu befeftigen. Die Zentralkonfcrenz der amerikanifchen Rabbiner und die Union amerikanifch-jüdifcher Kongregationen find wiederholt mit’Prdteftcn gegen die diriftlichc Bckchrungstätigkcit hervorgetreten. U. a. hat das Mitglied des Exekutivkomitees der Vereinigten Synagoge Amerikas, Rabbi J. G o 1 d ft e i ii, an den .I nt ie r n a t i o.n a 1 e n M i f f i o n s r a t einen Appell gerichtet* die Bekchrungstätigkeit unter, den Juden, die zer ftör end auf das Familienleben wirkt,. cinzuftellen. .Auf. diefen Appell hin hat nun der gegenwärtig in Atlantic City tagende Rat des Mißionsverbandes eine. E r k l.ä r ung erfaßen, in der zum Ausdrudc gebracht wird, daß die Mißionäre auf' ihrem Rechte beftehen.müßen, das Evangelium.Chrifti^ unter allen Völkern zu verbreiten, . .. Die. Seelenfängcr. laßen fich alfo nicht‘ftören; fie vertreten — ihr Recht!. Ein wackerer Gottesstreiter Die Judengemeinde von Gablonz in Böhmen hatte die feit mehreren Jahren vakante.Rabbinerftclle ausgcfchrieben; unter-den Bewerbern —' fo wird dem Hamburger ' „Ifr. i Fambl:" gefehrieben— meldete fich ein Dr. P a p o, feinen Anr gaben nach in Hamburg geboren, Abfolvent des f e p h a r'd if ch e n Rabbinerfeminars in ■ Amfterdam, Zuletzt Rabbirieir.; (?) in dem deutfdien Marktflecken Gemünden im- Hunsruck (der unter knapp iooo Einwohnern etwa 6o Juden zählt).: Diefer Bewerber wurde zu einer Probepredigt eingeladen,'* do^h -eine Anftellung erfolgte nicht: die Gemeinde Gablonz. fand wohl an dem Herrn keinen Gefallen, offenbar aber er auch nicht an der Gemeinde; dies brachte er in einem Schreiben zum Ausdruck, das es verdient, als Document humain feftgchaltenzu werden; cs lautet (die fpationierten Stellen find von-uns herausgehoben. Die Red;): Bezugnehmend auf-,unferc Befprediung am Sonntag geftatte ich mir, Ihnen mitzutcilen, daß es mir - ungemein leid tut, von meiner Bewerbung zurückzutreten. Da innerhalb der Gemeinde die oftjüdifchen Elemente fich beftreben, Zwietracht in die Gemeinde zu fäen (!). Io ift cs für uns weftdeutldie Juden eine förmliche Unmöglichkeit in einer foldien Gemeinde zu wirken, in der Oftjuden find Es könnte nur dann eine Verftändigung erfolgen, wenn die Wahl des Vorftandes geändert wird. Ich■'•■verliehe es in der Weife, indem in den Statuten ausdrücklidi erklärt wird,;Juden,'die nicht in Böhmen geboren find, können nicht gewählt werden“. . Dann müßte fich die Gemeinde dem national-dcutfdicn Refcrmvcrband (ein Ableger der deutfchcn Spezies der «nationaldeutfchen Juden“, der in der Tfdiechoflowakei fehr. wenig Anwert gefunden hat. Die Red.) anfdilicßen öder zumindeft anerkennen, daß Oftjuden keinerlei rcligiöfe Funktionen ausüben dürfen. Es müßte den Herren jenfeits der Oder eine f eparatw* Gott cs dien ft außerhalb der Synagoge eingerichtet werden und unterlagt werden müßen, den H a u p t go 11 csd i c n ft zu befuchcn. Da diefe Bedingungen, wie idi im -Bilde, bin (!)* nicht erfüllt werden, fo ftehc ich von einer weiteren v Bewerbung ab,. Für mich ift das Judentum eine an:. Raum, und an die Zei t gebundene Idee und hör.t mit den Reichsgtenz'en (deutfchen) für uns feeliTch auf. Sie hätten wißen müßen,' daß i<h einer d er eif r i gft e n . B e k’!ä m p f e r :d e r h i ch t d c u t f dve n J u d e-nrb Fn.. "‘Mit •'yorä'gl.,'''Höchä(lttuhg--' v ' ' ''Dr. F'apö.' Abgefehen davon, daß der. „nationaldcutldic“ Herr Papo ein Deutfdi idireibt, wie es Ichlechtcr kaum möglidi ili, hat .er noch andere Kennzeichen, die fein „zeit- und raumbc’grenztes“ deutichci Jculcntum einigermaßen desavouieren: fein Name

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