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Die Stimme · 1929-01-24 · Heft 56 (24.1.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 56 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 56 ..STIMME, * ....... Sette 3 Cotys neuestes Parfüm. Der französische Parfumfabrikant C o t y hat den Ehrgeiz,'eine Rohe zu spielen und ist zu diesem Zwecke unter die Zeltungsherausgeber gegangen. Um seine Zeitungen und damit stell populär 2u machen, arbeitet er mit einem bewährten Rezept; er verzapft a n t i s e m itischen Unflat Solche Übelriechende Tätigkeit steht wohl in einigem Widerspruch zum Beruf eines Parfumfabrikanten, aber sie ist ein bequemes Mittel zum Zweck. Jetzt hat Coty wieder eine Zeitung «Ami du Peuple* erworben und dort schreibt er höchst eigenhändig seine antisemitischen Artikel; in zweien, die in der letzten Zeit, von ihm gezeichnet, erschienen sind, behauptet er im Zusammenhang mit der Affäre Hanau, das «naive* französische Volk werde von den Juden ausgeplündert, und warnt das «gutmütige* französische Volk vor den jüdischen Einwanderern und vor «Agenten Jerusalems und Budapests» (!), wie z. B. Professor Basch, der Präsident der Liga für Menschenrechte. Diese «Campagne Cotys* findet freudiges Echo in der extrem rechten und antisemitischen «Action Fran- $aise», die sich übrigens in letzter Zeit zum Ziele ihrer Angriffe den sonst in Rechtekreisen pardonnierten Ministerpräsidenten P o i ri c a r £ auserkoren hat Potocar£ kam nämlich während der letzten großen Debatten in der französischen Kammer u. a. auch auf seine Rohe in der Dreyfus-Affäre zu sprechen und sagte: «dm Jahre 1898 habe ich mein Herz erleichtert, als ich dem Gericht die Enthüllung machte, daß ein Dreyfus entlastendes Dokument vor handen sei, das de in Gerichte,vorent halten worden war. Diese meine Enthüllung brachte ein neueS'Vcrfähren in Gang, durch das sich Dreyfu s* Unschuld zweifelfrei erwies.» Diese Aeußerung, mit der Poincare u. a. seine gute republikanische Gesinnung begründete, hat ihm den Haß der Rechtspresse eingetragen und «Action Francaise» vcrsteigt sich zu der pathetischen Melodei, Poincare hape damals das Verfahren gegen einen Juden, der das Land verkauft hatte, gestört und die endgültige Verurteilung eines notorischen Verräters verhindert; jetzt sehe derselbe Poincare untätig zu, wie die J u d e n die Arme’c zerstören. Göty’s Wohlgcruch! Der politische Umschwung in Jugo? slawten und die Juden Aus Belgrad wird berichtet: Das auf Grund einer Proklamation des Königs cntilandene neue Regime in jugoüawien bat die judcnfrcundlidic Einteilung der bisherigen Regierungen bcibehalten. König Alexander entfandte zy den am 9. Jänner anläßlich des Geburtstages der Königin Marfa ftattgefundeniui Gqttftsdicnftcn fqiyolil in die fephardifche als auch in die a f ch k ca a f i I di e Synagoge Vertreter, während die neue Regierung des Generals Zivkovits zwei aktive Miniljcr in die jüdifchph Gottcshäufcr entfandte. Die j ü d i- Icbcn Gemeinden und Organi i ationen lind von den Vorfchriftcn betreffend Auflöfung von Vereinigungen und Verbänden nicht ber troffen worden. Unter Teilnahme des Konfularkorps, der Behörden und {erblicher Parlamentarier wurde im Skopljc (Südlerbien) ein jÜdilches Haiis eihgeweiht. gßnnt ist, hi der Umfriedung der Familie sich von seinen täglichen Kämpfen zu erholen. Einmal nur schien Fortuna ihn begünstigen zu wollen, sie gab ihm ein geliebtes Weff), ein ÜÖnd -raber dieses Glück war wie jder Sonnenstrahl, der den Fittieh eines vorüber fl legenden Vogels vergoldet, es schwand ebenso schnell. Das Weib starb infolge des Wochenbettes, das Kind schon bald na<jh der Geburt und über letzteres schrieb er einem Freunde die gräßlich witzigen Worte: „Meine Freud« war nur kurz. Und ich verlor ihn ungern, dielen Sohn. Denn er hatte fovicl Vcrftand! Soviel Vcrßand! Glauben Sie nicht, daß die wenigen Stunden meiner Vatcrldiaft mich Ichon zu einem Affen von Vater gemacht haben! Ich weiß, was ich läge. — War es nidit Verband, daß man ihn mit cifcrnen Zangen auf die Welt ziehen mußte? Daß er fobald Unart merkte? — War es nidit Ver Hand, daß er die erfte Gelegenheit ergriff, Geh wieder davon zu tnadieq? — Ich wollte es audi einmal lo gut haben wie andere -Mcnfchen. Aber es ift mir fdilcdit bekommen.“ Ein Unglück gab es, worüber sich Lessing nie gegen seine Freunde ausgesprochen, dieses war seine schaurige Einsamkeit, sein geistiges Alleinstehen. Einige seiner Zeitgenossen liebten ihn, keiner verstand ihn. Mendelssohn, sein bester Freund, verteidigte ihn mit Eifer, als man ihn des Spinozismus beschuldigte. Verteidigung und Eifer waren ebenso überflüssig. Beruhige dich toi Grabe, altqr Moses; dein Lessing war zwar auf dem Wege zu diesem entsetzlichen Irrtum, zu diesem jammervollen Unglück, nämlich zum Spinozismus. — Aber der Allerhöchste, der Vater im Himmel, hat ßm noch zur rechten Zelt durch den Tod gerettet. Beruhige dich, dein Lessing war kein Spinozist, wie die Verleumdung behauptete, er starb als guter Geist, wie du und Hiitolal und Keller und die «Allgemeine deutsche Bibliothek»! Lessing starb zu Braunschweig im Jahre 1781, verkannt, gehaßt und verschrien. In demselben Jahre erschien zu Königsberg die «Kritik der reinen Vernunft» von Emamiel Kant, Centiral-Kino Telephon D42 3 4I II. TohorsfroOe 0 Telephon R-42-3-41 Heute und Täglich Heute und Täglich Ur- und Alleinaufführung: zu den Revue-Bühnen New-Yorks Ein Lebenslauf aus den Winkeln des Ghetto des Niggersangers 600.000 Dollar bezog In der Hauptrolle der für die Rolle Berlin 14 Wochen Frankfurt am Main 8 Wochen Hamhurn 6 Wochen new York 88 Wochen London 12 Paris 16 Wochentage: y,8, V48 u. Q Samstag, Sonnu. Feiertag */,6, 0| V98 und 8 Uhr FlBn» PlcansSlasi Unter anderem singt der JOfSffMä berühmteste und beliebteste aasENRLArv Kantor der Welt Oberkantor fONEHUGEN Dos gesamte mosikollsclie Arrangement Kapellmeister Herrmonn In dem neuen Kabinett, das nach der Aufrichtung der Diktatur ernannt wurde, erhielt das wichtige landwirt- (aftliche Rellort Profcffor Frangcs, ein kroäti- Ichcr Jude, früher Beamter des landwirtfchaftlichcn RelTorts und feit dem Zufammcnbrudi ProfelTor an der Agramcr Hodilchulc für Bodenkultur. Er hat fich bisher politildi wenig betätigt. Eine offizielle Erklärung über die Juden in der Türkei Aus Angora wird gemeldet: Das türkifche Innenmi&ifterium veröffentlicht folgende Erklärung: „Innerhalb der Grenzen der türkifchcn Republik genießen alle Bürger die gleichen Rechte. In der Anwendung der Gc- Cctze erfahre? die Juden keine andere Behandlung als die anderen türkifchcn Staatsbürger. Das Gerücht über den AüsfdiIuß von Juden aus den Staatsvcrwalt.ungsrätea entbehrt jeder Grundlage, ln den Provinzen Iüambul, Edirnc, Izmir, Klirklarcii ufw. erhalten die jüdifdien Schule 11 von den lokalen Verwaltungsbehörden f i n a n z i c 11 c U n t c r ft ü t z u n g c n “ Venizelos gegen das spanloUsche Idiom Der griediifchc Miniftcrpräfidcnt Venizelos empfing vor kurzem eine Deputation der jüdifdien Gemeinde in Saloniki. In {einer Anfprachc wies er darauf hin, daß er felbßverßändlidi den Juden das volle Recht der Haltung ihrer Traditionen und der Anhänglichkeit an die jüdifche Gefamthcitzubillige, er fügte aber den Wunlch hinzu, daß die Juden daß Griedii.fche als ihre Umgangsfprache wählen möchten. Wenn die Juden von Saloniki, lo fagte er, ihre nationale Spradic, das Hebräifdic, iprcchen würden, fo wäre dagegen natürlich nichts zu lagen, aber da fic eine Sprache Iprcchen, die an fich nidit (!) die ihrige iß, nämlich das Jüdilch-Spanilche (das Spanioiifdie), fo wäre es dodi ernftefter Erwägung reif, ob He nicht auf das Spanioiifdie zugunften des Griechifchen verzichten follteo. Das Ghetto von Lincoln ln L i n c 01 tj (England) besteht, ähnlich wie in BerEn, ein «Judenhof», ein historischer Ueberrest des Judenghettos aus dem 12. Jahrhundert. Eine Abordnung der Architekten* Gesellschaft von Lincolnshirc erschien beim Stadtrat von Lincoln und drückte den Wunsch aus, daß der «Judenhof» restauriert und als ein historisches Denkmal en< halten bleibe, jedenfalls nicht der geplanten Assanierung des Stadtteils, tu welchem der «Judenhof 1* sich befindet, zum Opfer falle. Das Finanzkomitee des Magistrates schlug vor, den Judenhof der Architekten-Gesellschaft zwecks Restaurierung und Erhaltung als historisches Denkmal sehe n k<u «gs weise zu überlassen.

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