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Die Stimme · 1929-01-17 · Heft 55 (17.1.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 55 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 55 - liehen Dampfet; «Camaro» der direkten Linie Palästina—Adria. Die von der ReiseleUimg für die einzelnen Klassen vorgesehenen Hotels in den verschiedenen Städten wurden ausgewählt auf Grund der Erfahrungen auf den bereits veranstalteten Reisen, Einige Tage vor Einlangen der Reisegesellschaft werden in den Städten von den dortigen Filialen der die Reise durch führenden Bureaus alle Vorbereitungen getroffen werden, da selbst vertrauensvolle Privatpersonen nicht imstande sind, die Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen in dem Maße durchzusetzen wie eben die behördlich anerkannten Unternehmungen. Neben den glänzenden landkundigen Führern werden gewiegte Fachmänner bestrebt sein, den Reiseteilnehmern alles Wissens- und Sehenswerte genauest zu erläutern. Vom 20. d. M. an werden an die bereits angemeldeten Reiseteilnebmer allwöchentlich' weitere Weisungen für die Reise zur Aussendung gelangen. Anmeldungen sind an das Zionistische Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, oder Reisebureau City, I., Kohl markt 8, zu richten, woselbst auch Reiseprospekte erhältlich sind. ... Ist Puccinis „Turandot“ ein Plagiat? Ein «Konzert-Prozeß» in Tel-Aviv. (Wie noch 'erinnerlich, ging vor einigen Monaten durch die Presse Amerikas und Europas die Nachricht, zwei Schwestern Robinson, die einer angesehenen jüdischen Familie aus Hannover entstammen und seit 1920 in Tel-Aviv ansässig sind, hätten sich zum Nachweis erbötig gemacht, daß «Turandot», die nachgelassene Oper des 1924 verstorbenen italienischen Komponisten Puccini, musikalisch einer Oper gleichens Namens entlehnt sei, welche die beiden Schwestern in ihrer Jugend komponiert und im Jahre 1896 dem Hamburger Opernhause ein ge reicht hatten. Die Nachricht wirkte sensationell, da sie einen Komponisten vom Range Puccinis betraf, der in vielen Opernwerken Originalität der Erfindung und musikalischen Durchführung bewiesen hatte, da überdies die Plagiiatbeschuldigung gegen ein Werk gerichtet war, das als das reifste unter den Opern des italienischen Meisters anzusehen ist. Doch wurde die Anschuldigung der Schwestern Robinson nicht allzu ernst genommen, sowohl aus dem Grunde, weit heute Plagiatbehauptungen stark in Mode und durch Reklamehascherei arg kompromittiert sind, als auch deshalb, weil die Nachprüfung der Behauptung, wenigstens nach den Berichten der amerikanischen und europäischen Blätter, fast unmöglich schien; denn es hieß allgemein* es sei keine Partitur von der «Turandot»-Oper der Schwestern Robinson vorhanden, die dem Hamburger Opernhause einigereichte sei wohl dort registriert, aber nicht auffindbar. Nun kommt aus Tel-Aviv eine Nachricht, .welche die ganze Angelegenheit in einem neuen Liohte erscheinen läßt: es ergibt sich, daß die Pressemeldungen, nach denen es keine Partitur der «Turandot»-Oper der Schwestern Robinson gebe, unrichtig sind; die Oper 1 st im Jahre 1 896 in einem Ham~ burger Verlag erschienen und es besteht die Möglichkeit, die Behauptung der beiden Schwestern nachzuprüfen. Eine solche Nachprüfung ist auch, allerdings in einem durch die Verhältnisse eingeschränkten Maßstabe, wie weiters berichtet wird, in T e 1 - A v i v, und zwar öffentlich vorgenommen worden und hat außerordentlichen Eindruck gemacht. Es fand nämlich am 26. Dezember 1928 eine Art von «Konzertprozeß» statt, bei dem vor einem geladenen Publikum die beiden «Turandot»-Opern verglichen wurden. Im Konzertsaale des Konservatoriums «Suilamiih» in Tel-Aviv fanden sich auf Grund der von einem Musikerkomitee ergangenen Einladung etwa 230 Personen ein, zumeist Musiker aus Tel-Aviv, ferner Publizisten, Schriftsteller und Zeitungsherausgeber; auch der italienische Konsul von Jaffa, ein Nichtjude, war erschienen, ln einer kurzen Ansprache erklärte der junge Musiker Grünspan, der seine Musikstudien in Italien betrieben und dort Pucdmis’ «Turandot» kennen gelernt hat, den Erschienenen den Zweck des Abends und wies die Partituren beider «Turandot»-Opcrn vor. Hierauf spielte die Pianistin Pann-Dubinska in Solostimme, ohne Begleitung, Stücke aus beiden Opern-. Die acht Themen, die sie spielte, stimmten in beiden Opern überein. Da ein Orchester und ein Chor nicht zur Verfügung standen, konnte der direkte Beweis der völligen'Uebereinstimmung nicht erbracht werden; daher wurde eine gewissermaßen indirekte Beweisführung versucht: der anwesende Pianist Nardi (auch unter -'em Namen Narodetzki als Konzertpi'änist bekannt) wurde von Grünspan ersucht, aus der Turandot-Oper der Schwestern Robinson verschiedene Themen, mit Begleitung zu spielen, dann an diesen Themen Tempo, Zeitmaß, Tri ölen usw. zu ändern. Nardi tat dies und dann wurden die entsprechenden Stellen in Puccinis’ «Turandot» aufge- THE STilffE Palästina-Jugendrelse. Vau dem Bestreben ausgehend, breiten Kreisen der jüdischen Jugend die Möglichkeit zu bieten, Palästina zu besuchen und das Land gründlich kennen zu lemen — die von den anderen Organisationen veranstalteten Palästinareisen sind für die Jugend infolge der hohen Kosten unerschwinglich — veranstaltet die Zionistische Arbeitspartet «Hitachduth» im Oktober oder anfangs November dieses Jahres eine Jugendreise, welche die Teilnehmer durch das neue und alte Palästina führen wird. Da die Durchführung der Reise von der palästinensischen Arbeiterorganisation «Hapocl Hazair» in jeder Weise unterstützt wird, ist die Gewähr geboten, daß den Reiseteilnehmern das Wichtigste gezeigt werden wird. Im Lande ist ein längerer Aufenthalt vorgesehen. Die Kosten der Reise sind sehr mäßig und werden sich an ihr auch Jugendliche anderer Länder wie Deutschland, Tschechoslowakei, Polen u. a. beteiligen. Anfragen und Anmeldungen sind an das Sekretariat der Zionistischen Arbeitspartei «Hitaehduth», II., Ausstelki ngsstraße 19, persönlich jeden Dienstag oder Mittwoch zwischen YiS und ^10 Uhr abends, oder schriftlich zu .richten. schlagen uind Zu Gehör gelbracht: cs ergaben sich d i eselben Variationen, die vorher der Oper der Schwestern Robinson entnommen worden waren* Der Eindruck im Saale, in dem der Direktor des Tel-Aviver Konservatoriums «Sulamith», Herr Hopenko, der Dirigent des Symphonie-Orchesters von Tel-Aviv, Herr Kompanej-etz, sämtliche Sänger der hebräischen Oper, der Pianist Löwenstein u. a. anwesend waren, war etn ungeheurer; die Uob e re 1 nst im m un’g war v e r b 1 ü f f e n d. Im zweiten Teile des Abends sang der KAUFT FISCHE bei PFIIHIIR «& HATZI II. Vnlkertploti, Fischhalle (Tel. R 40-2-38) VI. Pilgrambrücke, Fischhalle (Tel. B 24-4-23 X. Bel Lichten stein straße 112, Fischhalle (Tel. A 11-2-59) X. Colnmbnsplatz, Fischhalle (Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag in feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische 6690066606666flfl60ß60000ft000806ß80800(M Opernsänger Har-Melech mit Klavier- und Cellobegleitung, später auch mit Begleitung auf dem Fuß- 'harmonhim, die eine der Schwestern Robinson besorgte, einige Arien aus der «Tiunandot»-Oper der beiden Schwestern, die starken Beifall, fanden. Die Zuhörer bereiteten den anwesenden Schwestern Robinson spontane Ovationen. Es ist — so wird weiter berichtet — beabsichtigt, einen solchen «Konzert-Prozeß» in größerem Maßstabe m wiederholen, dabei sollen auch Chor und Orchester zur vergleichenden Wiedergabe der beiden Opern heranigezagen werden. Immerhin ist schon das Ergebnis dieser ersten Nachprüfung, die in Tel- Avfiv stattgefunden hat, bemerkenswert und da es nun feststeht, daß die Par ti t u r der Robi usonseben «Turandot»-Op er aus dem Jahre 18 96 vorhanden ist, wird es möglich sein, eine Nachprüfung der Behauptung der Schwestern Robinson über Pucdmis’ fast dreißig Jahre jüngere «Turandot»- Oper exakt vorzunehmen. Die Partitur der Robinsonsch-en Oper ist sicher heute noch in Hamburg erhältlich und d i e A ti f klär u n g k a n n u n d d a r f tr i c h t lange a u f sich warten lasse n. „Alpha1', nur Wlan, l„ Adlergass« Nr. 8 ff MMf »f U TTf ryy Der Mann, der die kürzesten Werke schreibt Einsteins neue Arbeit. Es dürfte wohl wenig bekannt sein, daß der große Physiker Professor Albert Einstein dessen Relativitätstheorie eine epochale Umwälzung des physikalischen Weltbildes bedeutet, die erste Abhandlung über seine Erkenntnis auf knappen drei Seiten publiziert hat. Diese drei Seiten haben inehr Bedeutung als die x-mal sechs Millionen Seiten, die alljährlich der deutsche Buchdruck produziert. Nun hat Einstein nach z e h njähriger Arbeit eine neue Abhandlung vollendet, die in den nächsten Tagen in den Berichten der Preußischen Akademie der Wissenschaften erscheint; sie wird dort einen Umfang von nicht mehr als fünf Seiten haben und soll die allgemeine Relativitätstheorie, bezw. mathematisch-geometrische und physikalische Begründung erweitern. Einstein hält diese Schrift, welche den Titel «Zurein heitlichenFeldtheorie» führt, für noch wichtiger als die erste über die Relativitätstheorie* Der Titel der neuen Schrift bedarf einer Erklärung, die, soweit es dem NicMpffiysikcr und Nichtniathemai tiker verständlich zu machen ist, ungefähr folgendermaßen zu geben wäre: Wir sprechen im allgemeine^ von Bewegung der Körper im Raume: nach der allgemeinen Relativitätstheorie läßt sich die Wirkung jeder, auch der ungleichförmigen und der nicht geradlinigen Bewegung durch Schwerefelder ersetzen, daher sind es im physikalischen Sinne die Bewegungswirkungen den Schwerewirkungen gleichzusetzen; cs bedarf keiner Annahme spezieller Bewogungswirkungen, um die Theorie der Schwerkraft lückenlos zu begründen. Nun ist die Physik zum Ergebnis gelangt, daß nicht die Schwerkraft, sondern der Elektromagnetismus die Grundkraft bildet, auf die alle anderen Kräfte zurückzuführen sind. In seiner neuen Schrift versucht nun Einstein die Beziehung der Schwerkraft zum Elektromagnetismus theoretisch zu erweisen und durch diese Verschmelzung der Mechanik mit der Elektrodynamik das Gebäude der: allgemeinen Relativitätstheorie zu erweitern. Die Beweise, die er anführt, sind, wie bei der allgemeinen Relativitätstheorie, aus geometrischen: Gcciankengängen geschöpft; erweist daraufhin, daß eine Krümmung des R a u m e s angenominen werdon muß, die wir nicht merken, ebenso wie wir ohne .Theorie nicht merken, daß wir nicht auf einer ebenen, sondern einer gekrümmten Erdoberfläche leben. So schafft Einstein eine neue R a u m a n s c h a u u n g, welche es ermöglicht, Elektromagnetismus und Schwerkraft miteinander fn Beziehung zu bringen. Die ersten drei Seiten, welche Einstein über seine Relativitätstheorie veröffentlicht hat, gaben den Anstoß zu mehr als 2000 Büchern und Schriften über diese Theorie; wieviel Bücher werden die neuen fünf Seiten hervorbringen? Konzert jüdischer Musik Die neue jüdifchc Mufik, auf deren Werke und Wert die „Stimme“ feit Jahr und Tag immer wieder liinwcift, fetzt fich in Wien in den jüdifchen Vcranftaltungen immer ftärker durch und findet beim Publikum Zeigendes InterefTc. Zum Teil ift diele rafdic eigcnkulturellc penctration pacifique der Aufnahmsfähigkeit Wiens für Mufik zu danken, die gerade die Wiener Juden feit je bekundet haben; von befonderer Wichtigkeit ift aber auch die Art der Darbietung, befonders in Wien,' wo das Urteil über den mufikälifchen Kunflwert an fich eng mit dem Urteil über den kiinltlcrifdien Wert der Darbietung verknüpft ift. Gerade in dieier Hinficht bildet das Konzert jüdifdiei* Mufik, welches der Wiener jüdifchc GefangvcreLn am 12. Jänner im prunkvollen Feftfaal des Induftriehaufes veranftaltctc, einen Höhepunkt in der Reihe von Darbietungen neuer jüdifcher Mufik, die in der letzten Zeit rafch aufeinander, folgten. Diefer Wiener jüdifchc Gefangvercin ift fo etwas wie ein Stiefkind des Glücks; er befteht feit mehreren Jahren und hat fich ftets mit wahrhaftem Ernft um jüdifchc Mufik in ihren Volks- und Kunftformcn bemüht, doch bisher mehr als geringe Beachtung gefunden. Der Wiener jüdifchc Gefangverem braucht ausübende Mitglieder (cs fehlt an Tenor- und Akftimmen), er braucht Untcrftützung in der Wiener jüdifchen Öffentlichkeit, nicht bloß dadurch, daß man ihm ein paar Schilling Mitgliedsbeitrag zuwendet (auch das ift nötig), fondern auch dadurch, daß man ihn zur Mitwirkung an jüdifchen Vcranftaltungen hcranzicht; er hat diefe Förderung nicht erhalten. Warum? jWcil es einen Narrenabend des Wiener Männergefangvcrcins gibt? Oder weil die jüdifchen Vcranftaltungen in Wien noch immer bei „War ein kleines, ftilles Haus“, bei „Mülln^rs Tränen“ oder — Spitzcnleiftung — bei Bruchs „Kol nidre“-Bearbeitung als letztem, ftärkftem Ausdrude jüdifdv-mufikalifchen Schaffens flehen? Wie dem auch fei — der Wiener jüdifchc Gefangvercin befteht trotz dem und allem, was fonft noch in Wien an jüdifch-kulturellen Emanationen zum Selbftmord treiben könnte, noch immer, wurde vor einiger Zeit reorganifiert und arbeitet. Sein Chormeiftcr A. D z i m i t r o f s k y hat mit den weiß Gott geringen Mitteln und dem nodi immer weitaus nidit genügenden Material, das bisher vorhanden ift, Hervorragendes geleiftcc, indem er ein Inftrumcnt von geradezu vollendeter Präzifion fchuf, das aus Menfchenftimmcn nur durch unerhörte disziplinäre Hingabe cinerfeits und durdi ftärkfte künftlerifch-fuggeftivc Kraft andererfeits gefchaffen werden kann. Darum gewährte cs wahrhafte Freude, daß das Konzert des Jüdifchen Gefangvercins vor einem vollen Haufe ftattfand; vielleicht gewinnt der Verein endlich die Beachtung, die er längft verdient hat. Was gebracht und wie cs gebracht wurde, war erftrangig. Gleich der erftc Chor „El jibne hagalil“ von Saminfky ift eines der fehönften Vokalftiicke der neuen jüdifchen Mufik und feine Wiedergabe war Hingabe an die reine Schönheit des Werkes. Ein volkstümliches Wicgenlieddien von Ljow und eine in Halbtönen dahinwcllcndc Melodie von Lwow klangen wie von einer Stimme gefummt. Achrons Canzonetta, „Licht fo träumend“, von Dzimitrowfky für den Chor bearbeitet, packte das Publikum durdi ihre Farbigkeit und mußte wiederholt werden, ebenfo wie Dzimitrowfkys Märchen „In a kleinem Scübclc“, das die Schalkhaftigkeit des erzählenden Kindes mufikalifdi cingefangen hat. Der wirkungsvolle Chor „Der Lcuchtturm“ von Joel Engel kam mit allen Feinheiten feiner geradezu raffiniert verhaltenen Dynamik zu Gehör. Der Chor aus Rubinftcins „Makkabäern", uer ichr forgfältig gebradit wurde, ift mufikalifdi zu wenig bedeutend, um zu fcfl'eln; die ihm angefdilofl'cnc Arie des Juda MaccaÄÄw wurde von Igor Grünberg gelungen, der eine weidve, WISSEN / KUNST / LITERATUR 9 .' . f.......

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