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Die Stimme · 1929-01-17 · Heft 55 (17.1.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 55 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 55 Palästinensische Königsgräber Der Palestine Exploration Fund hat unter Leitung des Direktors der britischen Archäologensohule ln Jerusalem, J. W. C ro w f o o t, und des Dozenten an der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. R. L. S u k e n i k, neue Ausgrabungen am Ophel durchgefilhrt, deren Resultate ein neues Licht auf die Topographie des alten Jerusalem werfen. Die Expedition hat den steilen Abhang an der Westseite des Ophel kam mes zum Teil freigelegt. Die alte Stadtmauer und die Türme, die man schon 1927 aufgefunden hatte, standen auf einem breiten Unterbau unterhalb der jetzt freigelegten Steile. Ein kleiner Teil der alten Stadtmauer ist weiter südlich gefunden worden. Bei diesem Teil sind die Steine in einer Art geschichtet, wie man sie analog anderen Beispielen als charakteristisch für die Periode der hebräischen Könige ansieht. Es dürfte daher keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Stadtwall auf die Zeit eines der in der Bibel genannten Könige zurückgeht Aufgefundene Scherbenhaufen weisen auf die gleiche Periode hin. Etwas nördlich von dem erwähnten Teil der Stadtmauer sieht man eine schöne, sechs Meter tiefe Zisterne, die zwischen dem künstlich albgeböschten Vorsprung und der Stadtmauer gebaut worden war. Wahrscheinlich ist diese Zisterne zur Zeit Nehemias gebaut worden. Unter der Felsotoerfläche sind einige unterirdische Zimmer entdeckt worden. Die meisten Sind wohl zum Zwecke von Zisternen ausgehauen worden. Besonders interessant ist eine Reihe zusammenhängender Räume, die zu einem anderen Zweck angelegt worden waren. Fünf Räume dieses Komplexes sind bereits durchgeprüft worden. Man nimmt an, daß diese Räume ursprünglich als eine Flucht von Grabgemächern angelegt wurden. Vor wenigen Tagen wurde im weiteren Verlauf der Grabungen ein antikes Gewölbe entdeckt, das wahrscheinlich als Grabstätte jüdischer Könige benutzt wurde. Verschiedene auf gefundene Gegenstände weisen auf diesen Zweck hin. Die Ausgrabungen, die eine Expedition der Universität Philadelphia unter Leitung von Prof. Allan Rowe in Beth Schaan vornimmt, wurden auch in diesem Jahr fortgesetzt. Die entdeckten Reste stammen aus der Zeit Tutmes III. und Amenophis III., ägyptischer Könige, die in der Zeit von 1500—1450 über Kanaan regierten. Von den Funden in der laufenden Ausgrabungsperrode sind bemerkenswert: Ueberreste eines kanaänitischen Turmes, ein rundes Getreidemagazin aus Ziegelsteinen, die südliche Wand des Hügels Tel-el-Chusin und Bauten, die mit dem Baalstempel von Beth Schaan verbunden waren. Prof. Garstang von der Universität Liverpool setzt seine Arbeiten in H a z o n und A i fort. Hazon, am Merom-See, war die Residenz des Königs Y a -b i n, der von den Israeliten unter der Führung Doborahs besiegt wurde. Mit der Ausgrabung von Hazon glaubt Garstang einen wichtigen Beitrag zur genauen Datierung der Geschichte und Kultur der Richterzeit liefern zu können. * Die Ausgrabungen, die von der Regierung bei A 11 i t h wrgenommen werden, haben weiterhin eine Reihe von interefianten Funden, darunter Tierfkelette, Schmuckftückc und Mörfcr aus prähiftorilcher Zeit zutage gebracht. Das Regierungsdepartement für Antiquitäten nimmt gegenwärtig eine umfaflende willenfchaftliche Unterfuchung der getarnten Funde vor. Es läßt fich jedenfalls fchon jetzt feftftcllen, daß djr Fundort einer der w i ch t i g ft c n bis jetzt entdeckten prähiftorifchcn Siedlung splätze in P a 1 ä ft i n a gewefen ift. Vor der Vollendung des Jordan- Kraftwerkes Aus Jerufalem wird uns gefchrieben: Die von Ingenieur Ruthenberg begründete Paleftine Electric Corporation (an deren Kapital auch der Keren Hajeffod mit ioo.ooo Pfund beteiligt ift) hat vor kurzem eine Gruppe von Preffevurtretern zur Beftditigung der Arbeiten am Jordan- Kraftwerk bei Naharaim geladen und dortfelbft eine F4hrung durch die im Bau befindlichen Anlagen vcranftaltet. Nach Vollendung der großzügigen Vorbercitungsarbcitcn — Bau der proviforifchen Kraftftation, Arbeiter - und Bcamtcnvl^rtel, Wcrkftätten, Straßen und Eifenbahn für die lokale V arenbeförderung — wird jetzt zur Ausführung des K*rns des Planes gcfchritten. Die Herftellung. rflfpcktive der Ausbau des großen natürlithen Staubeckens nähert fich feinem Ende. Ii das riefige Becken (dclTen Fläche zirka uoo Dunam gleich rihen Quadratkilometer umfaßt) werden fich der Jarmuk ui d der Jordan ergießen. Im Laufe eines Monats foll der Biu der Schleufc an der nordweftiiehen Seite vollendet fe<n. Auch die Arbeiten an der Kanalführung, die bis zur K/aftftation 400 Meter Länge aufweift, werden demnächft beerbet werden. Zur Verftärkung des Gefälles wurde ein künftiger Abhang für die Röhrenleitung zum Turbinenhaus aufgerichtet. Mit dem Bau dercigentlichen Kraftftation wfcrde bereits begonnen. Ihre Fundamente und Fußböden werden in einer Tiefe von 30 Metern gegolten. Die großen nfernen. Röhren von 3 Meter DurchmcfTcr, die das Waller in die Turbinen führen werden, liegen zur Inftallierung fertig am Platze. Der Bau des kleineren Kanals, durch welchen das (chmutzige Walter vom Wehr in den Jordan abfließen wird, ift ebenfalls fcrtiggeftellt. De; Bau der Kraftftation felbft geht in fchneltem Tempo weiter. Trotz des dauernden Arbeitens mit mächtigen Mafchinen wird mit großer Genauigkeit und Vorficht zu Werke gegangen, io daß bis heute noch kein einziger ernfter Unglücksfall fich ereignet hat. Der Gefundheitszuftand der Arbeiter ift gut, der Krankenftand beträgt nur 4 Prozent, obwohl in der unmittelbaren Umgebung der Prozentfatz der Kranken viel größer ift. Am 27. Dezember betuchte der High Comrrtiltioner, Sir John Chancellor, Naharaim; er fprach fich mit großer Anerkennung über das Gcleiftcte aus. Nahum Sökolows ältester Sohn gestorben Der Präfident der Zioniftifchen Weltcxekutive Nahum Sokolow hat einen fehweren Vcrluft erlitten; am 6. Jänner ift in Berlin, als Opfer der dort herrfchenden fehweren Grippeepidemie, fein älteftcr Sohn Henrik Sokolow im 42. Lebensjahre verftorben. Henrik Sokolow, der bis 1927 ftändig in Berlin wohnte und dann nach London überfiedeltc, war vor ein paar Wochen zu kurzem Aufenthalt nach Berlin gekommen und erlag dort nach kurzer Krankheit der tückifdien Epidemie. Henrik Sokolow war ein hochgeachteter Kaufmann und befaß eine hohe allgemeine und fpezieli hebräiiehe Bildung. Er war der hefte Mitarbeiter feines Vaters bei deften wiflenfchaftlichen hebräifchcn Forfchungen. Nahum Sokolow, der fich in Berlin aufhält, weilte bis zuletzt am Krankenbett feines Sohnes. Dem fchwergeprüften Führer wenden fich die Sympathien und das Mitgefühl aller zioniftifchen und jüdifcheh Ktcife zu. Die Beerdigung Henrik Sokolows hat unter maflenhafter Beteiligung ftattgefunden. I n h a b e rvlIflCN Wlsrga» e 5 Richard Herzog WlLll ib., kl.p|*rra. 28 Tel. A-41-6-24 alle jüdischen und hebräischen Schallplatten; sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager! In reichster Auswahl auf Lager 1 j Auch Teilzahlungen! Provinzversand! I 8oebea neu« original-amerikanische Lieferuntren eingelangt Waad Leumi und Agudah Wie bereits gemeldet, wurde zwischen dem jüdischen National rat in Palästina (Waad Leumi) und der dort'gen Organisation der Agudas Jisnoel nach längeren Verhandlungen eine Verständigung bezüglich eines gemeinsamen Vorgehens in der Klagern au er-Angelegenheit erzielt. Darüber gibt die Leitung der Aguidah in Frankfurt eine offizielle Mitteilung heraus, in der es am Schluß heißt: «U n b e r ü h -nt von dem Abkommen bleibt die Freiheit der beiden Organisationen, dde mit dem Kose! maarowi- Probtem zusammenhängenden politischen Fragen vor der palästinensischen und englischen Regierung und vor dem Völkerbünde zu vertreten. Doch verpflichten sich die beiden Jerusalemer Organisationen, vor der Ausführung solcher politischer Schritte die Gegenseite zu verständigen und sich mit ihr zu beraten. Ganz unberührt von dem Abkommen bleiben natürlich die zentralen Stellen, also die zionistische Weltorganisation und die agudistische Weltorganisation; doch ist zu hoffen, daß auch nach dieser Richtung hin die moralische Wirkung der lokalen Verständigung nicht ausbleiben wird.» Die Fortschritte des Unterrichtswesens in Palästina Der Direktor des Unterrichtsctepartements der Palästina- Regierung, Humphrey Bowman, hielt im Anglo-Paiesfcine Club ln London eine Vorlesung über das Unterrichtswesen in Palästina und führte u. a. aus: Vor dem Kriege g.-tb es kein öffentliches Schulwesen in Palästina. 1913 machten die Türken die ersten Versuche, ein solches ennzuführen, der Krieg gebot aber dieser Entwicklung Halt. Die Unterrichtssprache in den ersten öffentlichen Schulen unter der türkischen Herrschaft war türkisch, das allen Kindern fremd ,var; Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache gab es keine. 1914 übernahm die Zionistische Organisation die Kontrolle über diie jüdischen Schulen, und sehr bald gab es 40 Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache. 1920 übernahm die britisohe Administration die Verwaltung der früher türkischen Schulen und unterstellte die jüdischen Schulen der Kontrolle der Zionistischen Organisation. So kam es, daß das Land heute zwei öffentliche Unterrichtssysteme hat. Die Beziehungen zwischen der Leitung der zionistischen Schulen und der Regierung haben sich gebessert. Die schwierigste Frage bleribt die der F inanzierung der Schulen. Mehrere Jahre lang war die Finanzlage dieser Schulen -unbefriedigend; die Lehrer mußten oft drei oder vier Monate auf Gehaltszahlung warten, dennoch war ihr Verhalten loyal und ihr-e Arbeit ausgezeichnet. Jetzt ist es mit bezug auf Gehaltszahlung besser geworden Trotz Rückschlägen geht es in Palästina vorwärts. Die jetzt die Schule besuchende Generation wird das Land aufbatien. Dem Geiste, in dem diese Sohuien geleitet werden, wind es zu verdanken sein, wenn in Zukunft Araber und Juden Seite an Seite für das Wohl -des Landes arbeiten werden. Miszellen 500 Chaluzim nach Palästina. Während der Monate Jänner und Februar werden 500 Chaluzim aus Mittel- und Osteuropa in Palästina erwartet. Die Arbeiterorganisation trifft alle Vorbereitungen, um die nennen Einwanderer sofort an ihre Arbeitsplätze zu üb erführen., die vorwiegend in den O ra n ge n k o 1 o n i e n von Judäa und Samaria sein werden. * Das von Nathan Strauß gegründete und finanzierte Gesundheitszentr um in Jerusalem wird am 3 1. Jänner feierlich eingeweiht werden. Der Sohn des Stifters, Herr G. Strauß, wird der Einweihung beiwohnen. * Das neue Gebäude für das Hadassah-Hsspital in Tel Aviv an der Baflfourstraße ist nunmehr vollendet worden. Die darin investierten Mittel belaufen sich auf 18.000 Pfund, von denen die R e g i e r u n g einen Betrag von 4600 Pfund und Baron Rothschild, Paris, 2500 Pfund beisteuerten. Das Gebäude enthält zwei Stockwerke. Ein drittes, das für den Vohbetrieb notwendig sein wird, soll später auf gestockt werden. Die Gesamtzahl der Betten wird 102 betragen. ♦ In Palästina gibt es gegenwärtig 281 Rechtsanwälte. Von ihnen können 147 vor den Regierungsgerichten und den moslemischen Gerichten plädieren, während 237 nur bei den Regierungsgerichten und 44 nur beä den moslemischen Gerichten zu gelassen sind. ’ ■ ‘ * Sir Gilbert C1 a y 10 n, der frühere Cbefsekretär der Palästina-Regierung, wird Anfang Februar in Ägypten eintrelfen und sich auf seiner Reise nach Bagdad einen Tag in Palästina aufhalten, um mit Sir John Chancellor zusamm-enzulrcffcn. * Im September 1928 waren 199 Gcfcllfchaften auf kooperativer Grundlage in Paläftina eingetragen, darunter 80 Gefellfchaften für Landerwerb, Landanbau und Häuferbau, 42 Spar- und DarlehensgenofTcnfchaften, 25 ProduktionsgcnofTenfchaftcn, 41 Ackcrbaugcnoflcnfdiaftcn. An der Bewegung für Kooperation find Juden und Dcutfdic, aber keine Araber beteiligt. © Die zweite Wiederkehr des Todestages des großen hebräifdhen Philofophcn und Begründers des geiftigen Zionismu* Achad Haam (Afdicr Ginsburg), der 1927 im Alter von 70 Jahren in Tel Aviv verftarb, wurde am 10. Jänner von den hebräifchen S di u 1 e n in Paläftina als Gedenktag begangen. In Tel Aviv marfchierten alle Schulkinder in Reih und Glied zum Grabe Achad ITaams, wo ein Gedenkgottcsdienft abgchalten wurde. Der Waad Leumi (Jüdifdier Nationalrat Paläftinas) hat eine Kommiffion eingefetzt, die zwifdien den jüdifchcn Arbeitern in den Kolonien und den Koloniftcn in Fällen von Lohn- und anderen Differenzen vermitteln und Entfcheidungcn treffen foll. Anlaß hiezu gaben die nicht endenwollenden Differenzen und Streitigkeiten zwifdien den jüdifdien Arbeitern in Petadi Tikwah und den dortigen jiidifdien Land- und Plantagcnbefitzcrn. Im Zufammcnhang mit der Einfetzung der Ausgleidiskommiffion erließ der Waad Leumi eine Proklamation, in der die Arbeiter wegen Anwendung von Gewalt und die Koloniftcn wegen der Weigerung, fich einem Schiedsfpruch zu unterwerfen, getadelt werden. Gleichzeitig wird in der Proklamation auf die Notwendigkeit, jüdifchc Arbeitcrkolonien zu errichten, hingewiefen. Die erste Palästina-Ae$rypfen-Reise des zionistischen Landeskomitees Diese Reise soll den Teilnehmern clie Möglichkeit bieten, Palästina, die Heimat unserer Väter, das Land des neuen Judentums, ln seiner eigenartigen landwirtschaftlichen Schönheiit, mit seinen modernen, landwirtschaftlichen, industriellen und kulturellen Errungenschaften genau kennen zu lernen. Aber auch die genaue Besichtigung des unteren Aegyptens sieht das Programm vor. Das bedeutende Entgegenkommen, welches der «Lloyd T r i e s t i n 0» als einzige Schifffahrtsgesellschaft in den Jahren nach dem Zusammenbruch unseren Chaluziim zeigte, macht es der Reiseleitung zur Ehrenpflicht, die erste Reise des österreichischen zionistischen Landeskomitees mit den herrlichen Dampfern dieser Schiffahrtsgesellschaft zu unternehmen. Die Hinreise erfolgt auf dem Lux'usdampfer der Expreß-Linie Triest—Alexandrien «Vidnna» in der Fahrtdauer von 73 Stunden, Das Schiff gleicht einem großen, vornehmen Hotel, mit Gese'llschaftsräuinen, Spiel- und Musikzimmern, Rauchsalons und geräumigen Decks in allen Klassen. Die reichlichen und vorzüglichen Mahlzeiten der Lloyd'küche sind weltberühmt. Die schönen Badezimmer, die gute Bedienung in den Kajüten, die von einem polyglotten Personal besorgt wird, steigern das Gefühl ruhigen Wohlbefindens Geborgenseins, Die Rückreise erfolgt mit dem herp»

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