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Die Stimme · 1929-01-17 · Heft 55 (17.1.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 55 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. m DTE STIMME Sette 7 gust 1882, Ueg. Brod, verh., VIII., Tigergasse 16. — Amalie Anna Glaser geb. Vogt, 22. Februar 1885, Mähr.-Neustadt, ger. getr., VIII., Lerchenfelder Gürtel 66. — Emanuel Zelienka, 4. Juni 1871, Unterstrakoroitz, 1., XVII., Osdiwandtnergasse 8. — Franz Ludwig Hatschek, 1. August 1899, Wien, I., VH!., Albertgasse 55. — Dr. Egon Stern, 15. August 1898, Wien, gesch., IX., Servitengasse 6. — Ignaz Beck, 13. Oktober 1904, Wien, 1., IX., Hahngasse Nr. 16. — Ernestine S c h w a r 11 h a I, 30. April 1904, Wien,!., XIV., Grimmgasse 45. — Ludwig Schwarzthal, 24. November 1907, Wien, L, Schuhmachergehilfe, selbe Adresse. — Eduard Strauß, 27. April 1872, Wien, 1., IX., Seegassc 2L — Dr. Siegmund Fried, 28. Oktober 1850, Lemberg, verh., VII,, MarlahiKerstraßc 106. — Sandor Vadasz, 10. Juni 1891, Budapest, ger. gesell., IV., Suttnerplatz 5. — Gertrud Hamburger, 14. September 1901, Wien, 1., 111., Custozzagasse 12. — Klara Barnaper, 14. September 1905, Wien, I., UL, Erdbergerländc 52, — Marte Reiß geb. Koch, 27. Juli 1903, Wien, verh., Kfmgattin, III., Scidlga3sc 17. — KatJnka Kubelka geb. Welsz Antal, 2. September 1890, Veszprim, verh., UL, Fasangasse 42. — Gertrudc Bcrler geb Werner, 6. November 1885, Graudenz, verh., HL, Erdbergerländc 6. — Dr. Fritz Naumann, 14. Juli 1898, Graz, L, XII., Wcrtheimsteingosse 14. AmtlicheVerlautbarung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kwltusgemeinde Wien gibt hiermit bekannt, daß die Prlvatistenprüfungeri aus Israelitischer Religion für Schwer (innen) an MftMelsohiiien im ersten Halbjahre des Schuljahres 1928/29 Dienstag, den 22, Jänner 1929, von 3—6 Uhr nachmittags, t, Seltenstettengasse 2, U. Stock (Rabbinat&kanzlei), durch Herrn Schulrat Prof. Dr. Heinrich Poflak vorgenommen werden. Die Prüfungstaxe beträgt S 5.— pro Halbjahr m4 Ist im vorhinein an der Kassa der israelitischen Kuitusgemelnd-e, Wien, I., Scitenstettengassc 4, l. Stock, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags z>u entrichten. Die. Quittung ist dem Examinator vorzuiegen. Der Vorstand der Israel, Kultusgemelnde Wien. Wechsel im Präsidium der Berliner jüdischen Gemeinde Am Berlin wird berichtet: Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin hat in seiner am 8. Jänner stattgefundenen Sitzung den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden, Direktor Georg Kareski, zum Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde gewählt. Direktor Kareski gehört der Jüdischen Volkspartei an. Der bisherige Vorsitzende, Kommerzienrat Gerson Simon, der weiter im Gemamdevorätand verbleibt, wurde zum zweiten Herren- und Onmen-Hietder nach ms Belehn -tnffanewnh'. Zafciug oMb CnnMnin<nnnwn. lotaann ladna Wie», VI., M«rtahllferstraß« 107, Tel. B 27*2 88 stellvertretenden Vorsitzenden gewählt Erster stellvertretender Vorsitzender bleibt Kammergerichtsrat Leo Wo!ff. Der neue Präsident der Berliner Jüdischen Gemeinde, Georg Kaneski, wurde am 21. Oktober v. J. 50 Jahme alt. Zu Posen geboren, gelangte Georg Kareski schon in früher Jugend zu politischer Bedeutung. Er wurde der Führer der deutschen Handelsgehilfen und entwickelte eine umfang* reiche sozialpolitische Tätigkeit. Nachdem er eine geachtete politische Stellung errungen hatte, begann er seine Kräfte der jüdischen Gemeinschaft zu widmen. Im Jahre 1920 entsandte ihn die Jüdische. Volkspartei (Zionisten) in den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, wo er sich als Verwaitungsfachmann von großem Format erwies. Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemcindevorstandes und sodann zum Finanzrefercntcn gewählt, hat Kareski bi beiden Aemtero ungewöhnliche Erfolge erzielen könnm Er hat den Steuersatz von 15 auf 10 Prozent gesenkt und damit den Austritten aus der Gemeinde, die aus materiellen Motiven erfolgten, den Boden entzogen. Trotzdem konnten dank dem Verwaltungstalent Kareski» aus <ton Steuereingängen das Defizit der früheren Jahre gedeckt und die immer steigenden Bedürfnisse der Gemeinde in gottesdienstlicher, kultureller und sozialer Beziehung (dile Berliner Jüdische Gemeinde steht mit ihrem Jahresbudget von rund 10 Millionen Mark an der Spitze aller Jüdischen Gemeinden Europa«) befriedigt wenden. (In der Berliner Jüdischen Gemeinde sind bei den letzten Wahlen die liberalen Juden, welche die Gemeinde jahrelang beherrscht hatten, in die Minorität gelaugt. Seither hat die Gemeinde einen leibhaften Aufschwung genommen. — Die Red.) KONKURS In der israelitischen Kultusgememde Graz gelangt die Stelle eines Schächters, Vorbeters und Tempeldieners zur Besetzung. Bewerber, die Mohelim sind, werden bevorzugt. Die Bewerbungsschreiben müssen die Angaben über Alter, Familienstand und die bisheriqe Verwendung enthalten und mit der Abschrift der Zeugnisse, besonders der Kaboloth, belegt sein, Israe frische Ha<tusoemcinde Dees. PALÄS XI NA Wahltag in Tel-Avlv Von J. Gal-Escr, Am 1. Jänner fanden, wie bereits berichtet dl« Wahlen lür den Genrelndomt von Tel-Avlv statt Im folgenden geben wir dl« lebendige Schilderung unseres Mitarbeiters von dom Wahltag tn der ersten jüdischen Stadt wieder. Viele Tage lang stand Tel-Avlv und sein öffentliches Leben unter dem Eindruck einer lebenswichtigen Frage für die Zukunft dieser ersten jüdischen Stadt: der M-unizipalltätswahlen. Dieses Tel-Avlv mit seinen 45.000 Einwohnern, mehr als ein Viertel der jüdischen GeaamtbeWMkerung Erez Israels, ist ein integraler Bestandteil Im Körper des jüdischen Palästina, und sein Wohl und Wehe Ist von der allergrößten Bedeutung für das ganze Siedlungswerk. Wochenlang wurde das Stadtbild von der lebhaften Vorpropaganda beeinflußt. Aut den zahlreichen Plakattafeln im Weichbild der Stadt war neben Kinoplakaten und Todesanzeigen n*ur mehr Platz für Wahllisten, Einladungen m Wahlversammlungen und sonstige Wahlpropaganda. Viel früher als gewöhnlich Ist am Wahltag das Leben ln Tel Aviv erwacht, und schon beim ersten Morgengrauen huschen flinke Jungen Uber die Straßen und mit Hilfe von Schablonen und schwarzer Farbe beginnen sie das Straßenpflaster m «verzieren*. Und wie es heller wird, prangen, wo nur der Bück auf den Fußsteig fällt, in großer schwarzer Rundschrift die Buchstaben «12». Die «Hausbesitzer» habtu mit einer «großzügigen» Wahlpropaganda für ihre Liste begonnen. Und das tägliche Leben beginnt zu datieren, Brot- und MHchwagen fahren durch die Straße» mit großen Plakaten beklebt, die die Zahl «7», die Liste der Kaufleute tragen. Aber nicht lange lassen die Kutscher diese Zier auf Ihren Wagen; denn sie alle stimmen ja selbst für die Liste «3», die Liste der Arbeiterschaft, Emsig wird überall gearbeitet Die Häuserfronten werden mit propagandistischen Inschriften verziert. Ueber die gesamte Breite der Herzlstraße werden Propagandaschriften auf Leinwandstrelfen gespannt — Am Ende der Straße stellt eine lange Kolonne von Automobilen und Wagen, die jetzt mit großen Schrlfttafcln versehen werden, und auf denen von allen Seiten die Zahl «9» prangt. Es Ist die Kolonne das «Misrachi*, der mit seinen großen Schrifttafeln den orthodoxen Bewohnern der Stadt verkündet: «Schmäh Jlwrael, rak resehflma 9U (Höre Israel, wähle nur Liste 0!) — Und nun, wenn die Arbeiter zu ihrer Arbeitsstelle gehen, wenn die Geschäftsleute Ihre Läden öffnen und die Kinder zur Schule eilen, — beginnt die Parade der dekorierten und mit Aufschriften und Zeichnungen überladenen Wagen mit der Propaganda für die 13 Wahllisten. Liste «I», das vereinigte Zentrum, ist aus einer Einigung der allgemeinen Zionisten, der Revisionisten und Scfardim hervorgegangen, Dieser Liste gehört auch die einzige Kandidatin für die Munizipalität an (Frau Perwitz) und an Ihrer Spitze steht Herr M. Diezcngoff, der ehemalige langjährige Bürgermeister von Tel Aviv. Die Anhänger dieser Liste haben sich das dekorierte «Alef», die Nummer «I», als Abzeichen ins Knopfloch gesteckt. Allenthalben durchziehen die mit der «Nummer 1» geschmückten Wagen die Stadt und verkünden den Wahlsprueb; «Ökonomische Fundierung der Stadt». * Sollte das nicht eigentlich der Wahlspruoh sämtlicher Parteien ln Tel Aviv sein? — In großen Plakaten wendet sich die Kandidatin der Frauen an die Frauen von Tel Aviv, —. Laut und selbstbewußt, aber keineswegs schreierisch ist die Propaganda, weiche die Arbeiterschaft für ihre Liste «3» entfaltet. Ueberall prangen die geschmackvoll gezeichneten Wahlpiakate der Arbeiterorganisationen in den Gassen, mit Gesang ziehen Arbeiter ln Gruppen durch die Straßen, fahren auf ihren Wagen und rufen die Genossen zur Wahlurne. Sic erwecken unbedingt das Gefühl, daß sie selbst für sich und ihre Interessen eine durchaus anständige Propaganda führen. — Die Hausbesitzer aber, die Herren der Liste «12», lassen andere für sich Propaganda machen und lassen sich diese Propaganda auch ein gutes Stück Geld kosten. Ein professioneller Marktschreier hat eine große Gruppe von Chederjungen im Alter von sec**s bis zehn Jaihren uni sich gesammelt, die Tafeln mit Propagandaplakater für die Liste «12» tragen und mit lautem Geschrei folgenden Sprechgesang im Chor ertönen lassen: «Im jcsch Baale balhim, jesch Iriah; bell baale batim, ein Iriaih».(Wenn es Hausbesitzer gibt, g,bt ec eine Munizipalität; Ohne Hausbesitzer gibt es keine Munizipaüiät.) — Keinerlei Erfolg haben die Agitationsversucv der Poale Zion und der Kommunisten. Groß ist die Bewegung in den Mittagsstunden, besonders beim Wahllokal in der Großen Synagoge von Tel Aviv. Jeder Wähler wird von den Vertretern der 13 Wahllisten überfallen, die ihm ihre Wahlzcttci in die Hand drücken. Automobile des Misrachi bringen greise Wähler, die nicht mehr gehen können, auch viele Frauen. Eine kommunistische Agitatorin hält eine feurige jiddische Ansprache. Bel jeder anderen Gelegenheit hätte man sie nicht lange reden lassen. Aber heute ist sogar der Gedud Megine Hassafah (Kämpfer für die hebräische Sprache) nachsichtig gegen das Jiddische und läßt sie sich vergeblich abmühen. Nur bisweilen wird sie von Gelächter unterbrochen, wenn sie übertreibt. — Ueberhaupt ist die Stimmung fast allgemein friedlich und versöhnlich und die Polizei, welche durch Feuerwehrleute verstärkt wird, hat fast keine Gelegenheit zum Einschreiten. Ruhig und fast feierlich geht cs im zentralen Wahllokal zu, das in der Feuerwehrhalle neben der Polizeizentrale untergebracht Ist. Zur Mittagszeit erscheinen zahlreiche Notable der Stadt, darunter auch Diezcngoff und seine Frau. Respektvoll macht ihm die Menge Platz. Keinerlei Ovationen seiner Freunde, keinerlei Äußerungen des Mißfallens vonseiten seiner Gegner. Nur ein Flüstern: «Wird er wieder Bürgermeister?» — Äußerst lebhaft geht es beim Wahllokal im Jemenitenviertel zu. Hier haben sich dichte Massen angesammelt Jemenitische Agitatoren halten Ansprachen mit viel Geschrei und noch mehr Handbcwegungen, Aber auch hier hat die Polizei leichtes Spiel, die Ordnung aufrecht« zuerhalten. Abseits stehen ein paar ältere Jemeniten und studieren die Wahllisten, die man ihnen in die Hand gedrückt hat, und u«r eine sagt: «Mab Haraasch? Hajutaw Mazaw Hatejmonim? Je rachem Haschern.» (Wozu der Lärm? Wird sich die Lage der Jemeniten bessern? Mag Gott.sich erbarmen.) Die Beteiligung der Frauen an diesen Wahlen ist sehr groß. Nicht nur die Frau aus Intelligenzkrciscn, die einem Intelligenzberuf angehört, geht zur Wahlurne. In Haufen kommen die armen Frauen der orientalischen Gemeinden mit einem Baby auf dem Arm und noch zwei bis drei kleinen Kindern. Das Wahllokal wird oft zur Kinderstube. — Dann aber kommen auch einige arabische Frauen zur Wahl. Gattinnen von Arabern, die Wahlrechte in Tel Aviv besitzen und es Ist das erstemal in der Geschichte der Levante, daß arabische Frauen Wahlrechte ausüben. Am stärksten ist die Bewegung natürlich am Abend, wo die Massen der Arbeiter und Handwerker nach vollbrachtem Tagewerk zur Wahlurne ziehen. In vollkommener Ruhe geht die Wahl um 11 Uhr nachts zu Ende. — — — 24 Stunden später wird das Resultat der Wahlen bekannt. Fünf Plätze hat die Arbeiterorganisation errungen, vier Plätze das vereinigte Zentrum, einen Platz der Misrachi und noch weitere fünf Plätze die anderen bürgerlichen Parteien. Erst nach einigen Tagen werden die Namen der Gewählten bekannt werden und darm weiden wir wissen, wer Bürgermeister von Tel-Aviv geworden ist, * Diezengoff wieder Bürgermeister von Tel-Aviv Aus Tel-Aviv wird gemeldet: In seiner Konstituierenden Sitzung wählte der neue Stadtrat von Tel- Aviv mit den Stimmen der bürgerlichen Vertreter gegen die der Arbeitervertreter Herrn Melr D1 e z e n g o f f zum Bürgermeister der Stadt. Diczengoff, der Führer der MlUelstandspartelen in Tel-Aviv, war bereit« mehrere Jahre Bürgermeister der Stadt und hat ««ich um Ihr Aufblühen große Verdienste erworben. Als im letzten Stadtrat die Arbeitervertreter die Majorität erlangten (die sie jetzt, nach der Einführung des Zensuswahlrechtes, verloren haben), wurde David Bloch-Blumenfeld Bürgermeister von Tel- Aviv; er weilt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten, wo er für die Werbeaktion zugunsten der Arbeiterinstitutionen Palästinas tätig ist. Bloch zu Ehren gab der Bürgermeister von New York, Walker, ein Bankett im New Yorker Rathause, dem viele hunderte der angesehensten Persönlichkeiten des New Yorker öffentlichen Lebens beiwohnten. Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto befliegt, werden nicht zurückgesendet.

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