Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 55 (17.1.1929)
- Date
- 1929-01-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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I Nr. 55 Ptfe STIMME Sette 8 Der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas Louis Ltpsky veröffentlichte eine Erwiderung auf dieses Kommunique Dr. Wise’s, in der er u. a. erklärt, die Opposition ad.in der letzten Aktionskomiteesitzung entscheidend geschlagen worden und sie werde auch auf dem Wege der Obstruktion nichts mehr erreichen; jeder Versuch, die Arbeit am Palästinaaufbau innerhalb des Zionismus zu verzögern, sei gegen den Willen des jüdisch e n V ol k e s. Das Exekutivkomitee der zionistischen Organisation Amerikas hat einstimmig eine Resolution gefaßt, in der die volle U eb e r e i n s t i m m u« g mit den vom Aktionskomitee gefaßten, die Erweiterung der Jeiwish Agency betreffenden Beschlüssen zum Ausdruck gebracht wird. In einer zweiten Resolution wird an die zionistische Opposition in Amerika die dringend* Aufforderung gerichtet, die Obstruktion gegen die Arbeit des Präsidenten der amerikanischen Organisation, Louis Lipsky, aitifzugehen, damit das zionistische Werk in Amerika weiter ungestört vor sich gehen könne. Des weiteren wird erklärt, daß Dr. Stephen S. W i s e in seiner Propaganda die aus der Erweiterung der Jewish Agency den zionistischen Prinzipien drohenden Gefahren stark übertreibt In einer in der Carnegie Hall gehaltenen Predigt erklärte Dr. Stephen S. W i s e, infolge der Erweiterung der Jewish Agency duroh Auslieferung des zionistischen Werkes an die Nichtzionisten drohe dem Zionismus in Europa wie in Amerika der Untergang. Stephen Wiise stellte die Forderung auf, daß die gesamte zionistische Führerschaft zurücktreten und anderen Männern die Führung überlassen möge. Er werde, schloß er, bis zum 16. Zionistenkongreß den Kampf gegen die Erweiterung der Jewish Agency und für seine sonstigen zionistischen Ueberzeugungen fortführen. Der arabisch-jüdische Konflikt in Chedera Der Streit tim Weidefelder Wie bereits gemeldet, erfolgte vor kurzem ein Ueberfall von Beduinen auf die jüdische Kolonie Chedera, wobei die Beduinen, die von dem arabischen Agitator Wadie Bustani aufgehet/* Besitzansprüche auf ihnen zu Weidezwecken unentgeltlich überlassene Grundstücke machten, jüdische Kolonisten von den Feldern vertrieben. Der Fall hat, wie aus Jerusalem, gemeldet wird, weitere K o m p 1 i k ati o n e n angenommen. Die Beduinen, von denen einige von der Polizei festgenommen, dann aber freigelassen wurden, erschienen neuerlich auf den Feldern der jüdischen Kolonisten und pflügten die Aecker um, die erst in der letzten Woche von den Juden gepflügt worden waren. Eine starke Polizeiabteilung ist nach Chedera abgegangen, um die Ordnung wieder herzustellen. Die arabische Forderung nach einem Parlament . Aus Jerusalem wird berichtet; Ueber den Empfang einer Abordnung der arabischen Exekutive Palästinas durch den Oberkommissär wird jetzt ein offizielles Statement veröffentlicht, in welchem es heißt, Sir John'Chanceilor habe in der Beantwortung der Forderung der arabischen Exekutive Palästinas, betreffs der Errichtung eines parlamentarischen Regimes, darauf hingewiesen, daß ein A n f a n g zw einer Volksvertretung bereits durch cfeie Einrichtung von autonomen Stadt- und Dorfverwaltungen gemacht worden ist, und daß der vor einigen Jahren seitens der Regierung gemachte Vorschlag bezüglich der Bildung eines Legislative Council von den palästinensischen Arabern zurückgewiesen worden sei. Sir John fügte hinzu, er anerkenne wähl die Bedeutung der Frage eines parlamentarischen Regimes, es sei aber unmöglich, schon jetzt eine Antwort hierüber zu erteilen. Er werde der Frage ein eingehendes Studium widmen und sich hierüber auch mit dem Kolonienminister in London Ins Benehmen setzen, und zwar im kommenden S o nur e r in England, wo er seinen Urlaub verbringen; wird. Bei seiner Rückkehr werde er die Besprechungen mit der arabischen Exekutive Palästinas über dieses Thema wieder aufnehmen. Der Oberkonunissär in Tel-Aviv Am 8. Jänner besuchte der neue Oberkommissär für Palästina Sir John Robert Chancellor die Stadt Jaffa; u. a. war er auch Gast der vereinigten arabischen und jüdischen Handelskammer von Jaffa. In seiner dort gehaltenen Ansprache gab der Oberkommissär seiner Genugtuung darüber Ausdruck daß dte beiden Handelskammern zum besten des Landes Zusammenarbeiten und erklärte weiter, der Aufbau Palästinas werde nur dann die gewünschten Fortschritte erzielen, wenn Juden und Araber an diesem Aufbau zusamtnen-, r r b e i t e n. Von Jaffa kommend traf der Oberkommissär am Ö. Jänner in Tel-Aviv ein. An der Grenze zwischen beiden Städten wurde der Oberkommissär vom neugewäMten Bürgermeister von Tel-Aviv, Herrn Mayer Dizengoff, an der Spitze einer Abordnung der Stadt empfangen und nach dem Magistratshause gelltet. Die Straßen von Tel-Aviv waren alle mit den britischen und den blauweißen zionistischen Fahnen geschmückt. Die Bevölkerung von Tel-Aviv bildete auf dem ganzen Wege Spalier und bereitete dem Oberkommissär stürmische Ovationen. Im Stadthause fand zu Ehren des Oberkommissärs ein Empfang statt. Anf eine Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dizengoff erwiderte Sir John Chancellor; «Die Juden in Palästina haben es fertiggebracht, die Dinge In Palästina ihrem Willen unterzuordnen. Sie müßten eingedenk bleiben, daß Palästina nur auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis aufgebaut werden könne. Die palästinensische Industrie müsse darauf bedacht sein, sich die Märkte in den Nachbar*ändern zu erobern, dies sei aber nu*- möglich, wenn darauf gesehen wird, daß in den Ausgaben eine Wirtschaftlichkeit Platz greife, damit die Produktion verbilligt werde.» «Ich glaube,» schloß Chancellor, «an eine freie Entwfcklungdcr jüdischen Rasse ln Palästina und bin überzeugt, daß die Juden von der ihnen du-ch Großbritannien gewährten Freih ei t den richtigen Gebrauch machen werden.» Der neue Oberkommissär von Palästina, Sir John I Robert Chancellor besuchte die jüdische Arbeitersiedlung D i 1 b und wurde von den Siedlern herzlich begrüßt. In seiner Dahkarisprache beim Verlassen von Dilb sagte der Obedcommissär, der Erfolg einer Kolonie hänge von der Befähigung und der Hingabe der Siedler selbst ab. Er habe diese guten Eigenschaften bei den Kolonisten in Dilb gefunden. Er versprach, alles mögliche zu tun, um das Wohl der Siedler zu fördern. HablE«Hfittenhofeis OBERSCHLE 8ISCH ANTHRACIT ENGLISCH UND WCSVPNXLISCH Qualtätssorten — Billigst BASCH, IV Argtnttftlerstr. 29 RabaHiAktion des Teieph, U*4^<03 U-41-J87 KEREN-KAJCNET^ €af£ (Reklame WIEN, II., PRATERSTRASSE NR. 34 ansdtlieflend die .Jüdischen K6n*tlerspiele". — Inhaber: Jakob GoldfHefl. — Vorzügliche Getränke and Kette Speisen xn billigen Preisen. — RammySpiettische. — Treff* punkt der jüdischen Gesellschaft Der bekannte jüdifdie Publizift Abraham Goldberg, einer der Organifatoren der zioniftifchen Bewegung in Amerika, beging foeben das 25jährige Jubiläum feiner literarifdien und zioniftifchen Tätigkeit. Aus diefem Anlaß veranftaltete die Zioniftifche Organifation Amerikas, deren Exekutive Goldberg angehört, ein Feftbankett, dem etwa 4^0 Pcrfönlichkehen beiwohnten. Der Präfidcnt der Zioniftifchen Organifation Amerikas Louis L i p f k y und mehrere andere Redner würdigten die Verdienfte des hervorragenden zioniftifchen Publiziften und Propaganden um die Bewegung. * Das Coileggio Rabb* nice Itaiiano, cinft in Padua unter der ruhmreichen Leitung Samuel David Luzzatos weit und breit bekannt, dann in Rom und zuletzt unter Ofcerrabbiner Dr. Marguiies in Florenz einer neuen Blüte entgegengeführt, hat unter den KriegsverhältnifTen fchwer gelitten. Die icalienifche Judenhcit unternimmt nun einen Neuaufbau des Coileggio unter der Leitung der Profefforen Artom und CalTuco. Auch für die Wiederherausgabe der unter Margulics herausgegebenen, damals außerordentlich wertvollen „Rivifta Ifraclitica“ follen Mittel bereitgeftellc werden. a Der erfte Vorfitzende des Vorftandcs der Breslauer jüdifchen Gemeinde, Juftizrat Leo Goldfeld, feiert am 20.Jänner 1929 feinen 70. Geburtstag. Er gehört dem Gemeindevorftand feit 1913 an. * Der Reidisbund jüdifcher Frontfoldatcn in Deutfdiland begeht am 9. Februar d. J. das Jubiläum feines zehnjährigen Beftandes. ff Die Kultusgemeindcwahlen in der Krakauer Vorftadc Podgorze, bei denen 1346 Stimmen (d. i. 80 Prozent der Wahlberechtigten) abgegeben wurden, brachten den Z i o n i ft e n die ft ä r k ft e Stimmenzahl (328) unter den wahlwerbenden zwölf Parteien. Die Agaduh, welche mit den Aflimilanten gekoppelt hatte, erhielt 213 Stimmen. Für die Lifte des* Misrachi wurden 119 Stimmen abgegeben. Es erhielten die Zioniften z wei Mandate, die Misrachi ein Mandat. Die Vereinigung Agudah-Affimilanten hat fünf Mandate innc. Der Schekel Kleine Nachrichten Die franzöüfchen Behörden verfagen in Anbetracht erhöhter Arbeitslofigkcit den eingewanderten Ausländern das Recht auf Arbeit; dadurch find viele jUdifche Einwanderer fchwer betroffen. * Nach Angaben des Dr. R o f e n, des Direktors des Agro- Joint, der das Siedlungswerk für die rufTifdien Juden patronifiert, wurden im Jahre 1928 zirka 7500 Juden in Rußland auf dem Lande angcfiedelt. Den infole der Mißernten in N o t geratenen jüdifchcn Siedlern wurde feitens des Joint, der anderen jüdifdien Organifatioqen und der Regierung Hilfe geleiftet. ff Vor kurzem wurde, gemäß einer Anregung von Doktor Joachim Prinz, in Berlin eine „Schule der jüdifchcn Jugend“ begründet, in welcher die Jugend Kenntnis der hcbräifchen Sprache und Literatur, der jüdifdien Gefchichte und fonftiger jüdifcher Kulturgebiete vermittelt werden toll. Bisher find ti Kurfe zuftandegekommen. Die Teilnehmer gehören bisher vorwiegend der organifierten jüdifdien Jugend Berlins an, und zwar hauptfädilich den Bünden „Kadimah“, „Kameraden“, Dcutfdi-jüdifche Jfugendgemeinfchaft“ und „Jüdifdiliberale Jugend". ff In der New Yorker Carnegie Hall wurde vor kurzem das 40jährige Beftehen dar vereinigten jüdifdien Gewerkfchaften (United Hebrcw Trades), der 8t Arbeitervereine mit insgefamt 120.000 Mitgliedern ange- Ichlolten find, feftlich begangen. Hauptredner des Abends war de* Präfident der amerikanifchen Arbeiterföderation William Green. * Die Föderation der polnifchen Juden in Amerika erörterte in ihrer letzten Konferenz den Plan einer Anleihe von drei bis fünf Millionen Dollar zum Zwecke der Kredithilfe für jüdidie Handwerker und Kleinhändler in Polen; diefe Aktion foll durchgeführt werden, wenn darüber mit dem Joint Diftribution Committee eine Verftändigung erzielt werden wird. In Paris trat der Confeil der Jewifh Colonifation Aflociacion (I. C. A.) zu einer Sitzung zufammen, in der u. a. das Budget für die verfchicdenen kolonifatorifchen Unternehmungen der I. C. A. in Südamerika und Europa feftgefetzt wurde. Zum Präftdenten der L C. A. für das kommende Jahr wurde Herr Franz P h i 11 p p f o n (Brüffcl) wiedergewählt. An Stelle des verdorbenen Direktors Dr. Schmoll wurde Herr Dr. Mirkin zum Direktor der I. C. A. gewählt; der neue Direktor war in den letzten Jahren im jüdifdien Siedlungswerk der I. C A. in Rußland tätig. Zioniften! " Gemäß dem Befchluß des Aktionskomitees wird der XVI. Zioniftenkongreß am 25. Todestage Theodor Herzls 20. Tammus ~ 25. Juli) ftattfinden. Diefer Kongreß wird endgültig über die Erweiterung der Jewifh Agency entfeheiden. Er ift ferner berufen, Mittel und Wege zu fudien, um die Einheit der Organifation und die innere Disziplin zu . ftärken. Die Zioniftifche Exekutive hat die Monate F e br u a r und März für die Sdiekelpropaganda beftimmt. Es ergeht daher an alle Gefinmmgsgenoflen die Aufforderung, mit einer intenfiven Sdiekelpropaganda einzufetzen. Da für das Wahlrecht zum Kongreß die Zahl der Schekalin der beiden letzten Jahre entfdieidend ift, müflcn auch die Schekel des vergangenen Jahres, und zwar fpäteftens 31. Jänner d. J., abgerechnet werden. Schekelhefte find im Zioniftifchen Landeskomitee, L, Kärntnerftraßc 28, erhältlith. Für die Landes-Sdiekelkommiflion: Mofes Weiner. Repräsentatioosball der Zionisten Oesterreichs. Die zionistische Organisation Oesterreichs veranstaltet am 3 0. März 1929, im Konzerthaus Ihren diesjährigein Repräsentatlonsbaiil. Das Baflkomitee (I., KärntnerstraBe 28, Te3.-Nr. R 27-4-85/86 und II„ Zlrkusgasse 33, Teü-Nr. 49-8-98) hat bereits seine Vorarbeiten begonnen. Karteirvarmenkungem nimmt schon jetzt das zionistische Landeskomitee entgegen. Predigten In den Israelitischen Gemelndetempeln. Frei’ tag, den 18. Jänner 1929 werden befl dem um 4 Uhr 30 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in folgenden Gemeindetempedn Predigten abgehalten und zwar: I., Seitenstettengas&e 4 (Rabbiner Dr. M. Gronwald); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Im Gemeindetcmpel, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Fcuchtwiang) findet Samstag, den 19. Jänner 1929 beim Morgengottesdicnsite (Beginn 8 Uhr 30 Moniten) ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer jugendgottescüenst. Samstag, den 19. Jänner 1929, um 3 Uhr nachm., findet der Jugendgobtesdiienst für die isrealitisohe Schuljugend In dien Gemeindewtd Bezirks-Synagogen statt lEBJtt. HORilMEHL. BroBfleischhauerei Zentrale «X, Bergpasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A I6-9.34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Bertgesse 1 XVUI, Währingerstraße 97