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Die Stimme · 1929-01-10 · Heft 54 (10.1.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 54 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Kr. 54 DTE STIMME Seife 7 Dr. Landau, die «Union» für Glück, Reg.-Rat Oppenheim, Ing. Kempler, Pappenheim, Kauders, Reif, Buchwald und Dohan. Da keine dieser Listen die Absolute Mehrheit fand, mußte der Waihlgang wiederholt werden. Das Wahlresultat war dasselbe. Daraufhin wurde die engere Wahl eingeleitet. Während der Wahlhandlung beriefen die Herren von der «Union» den Kultusvorsteher Moritz zu sich und machten ihm das Anbot, der Gruppe der «Werktätigen Juden» zwei Mandate im Vertreterkollegium einzuräumen. Auf die Frage des Herrn Moritz, wie viel Mandate den Zionisten eingeräumt werden sollen, erfolgte die Antwort, daß man beabsichtige, diese Gruppe bei der Wahl zu umgehen. Die «Werktätigen» wiesen darauf das ihnen gemachte Anbot zurück und auch die engere Wahl ergab das frühere Resultat von 18 zu 18 Stimmen. Nach dem Statut war nunmehr die Auslosung vorzunehmen. Wiederum entschied sich der Altersvorsitzende, der Agudist Pappenheim, für eine ihm von seinen Parteigenossen eingeflüsterte, gewalttätige Entscheidung. Da die Vornahme der Wahl in das Vertreterkollegium in einem Wahlgang beschlossen worden war, so war es klar, daß das Los zwischen den beiden Listen zu entscheiden habe. Herrn Pappenheim gefiel es anders; er verfügte, daß die zu wählenden Mitglieder des Vertreterkollegiums einzeln auszulosen seien und blieb hartnäckig bei dieser Entscheidung; obgleich ihm von zionistischer Seite vorgehallen wurde, daß dieser Wahlmodus statutenwidrig und unsinnig sei. Bei der vorgenommenen Auslosung wurden die Namen folgender Kandidaten gezogen: Dr. Ehrlich, Dr. Friedmann, Dr. Klaber, Dr. Leo Landau, Oppenheim, Kauders, Buchwald, Pappenheim. Die gewählten drei Zionisten, Dr. Ehrlich, Dr. Friedmann, Dr. Klaber, sowie Dr. Landau erklärten hierauf, die auf sie gefallene Wahl wegen Statutenwidrigkeit des geübten Wahlvorganges nicht anzunehmen. Hierauf wurden in einem neuerlichen Wahlgang die Kandidaten der «Union», Glück, Ing. Kempler, Reif und Dohan mit 18 Stimmen ge- / wählt Damit war der neue Kultusvorstand konstituiert und der Präsident, Prof, Dr.,Pick, übernahm den Vorsitz. Dei* nächste Punkt der Tagesordnung war die Wahl von 6 Obmännern des Schiedsgerichtes. Zu diesem Punkt der Tagesordnung ergriff der Kultusvorsteher Dr. Friedmann das Wort und hielt eine dreiviertelstündige Rede, in welcher er sich in ausführlicher Weise mit der Institution des Schiedsgerichtes, seiner Bedeutung und den vorgeschlagenen Personen beschäftigte. Zum Schlüsse seiner Rede stellte er den Antrag auf Vertagung der S i t z u n g, welcher mit Stimmenmehrheit — ein Teil der Union-Leute hatte sich unterdessen entfernt r-angenommen wurde. Klub der zionistischen Mandatare in einer Versammlung sämtlicher zionistischer Kuitusgemelnde-Mandatare, die vollzählig erschienen waren, fand eine Aussprache über die Tätigkeit und die Taktik der Zionisten im neuen Kuitwsvorstand und in den Bezirksvertretungen statt. Nach einhelliger Annahme der erörterten Richtlinien wurde Kultusvorsteher Dr. Desfder Friedmann einstimmig zum Obmann des neugebiildeten Klubs der zionist isehen Mandatare gewählt. Palästina-Orangen in Wien Wie wfir vom Zionistischen Landeskomitee erfahren, ist der von uns in deT vorletzten Nummer angekündifite Waggon Palästina-Orangen inzwischen eingetroffen. Die Orangen sind von ganz ausgezeichneter Qualität, wie sie in Wien noch nie zu sehen war. Die Frucht Ist kernlos und saftig und von köstlichem Aroma, so daß es nicht verwunderlich Ist, daß sie schon Sn ganz Wien unter der Marke «Hasharon-Gold» populär geworden Ist and die Bestellungen sich tägiioh häufen. Es empfiehlt sich daher, solche schleunigst an däs Zionistische' Landeskomitee, Wien, I*. Kärntnerstraße 28, Telephon Nr. R27-4-85 zu richten. Der Detailverkauf erfolgt in Wien, II., Karmelitergasse 6 (Ungar) und in allen besseren Delikatessengeschäften- Die Ortsgruppen und Sektionen wlrden ersucht, ihre Bestellungen ehestens an das Landeskomitee zu richten, da sie sonst nicht rechtzeitig berücksichtigt werden können- Donnerstag-Zusammenkünfte des Zionistischen Landeskomitees Im Rahmen der vom Zionistische» Landeskomitee veranstalteten Donnerstag-Zusammenkünfte findet Donnerstag, den 10. Jänner, 8 Uhr abends, im Caf6 Silier, I., Schwedenplatz, der zweite Vortragsabend statt. Thema: «Die dritte Tagung der Union der Zionlsten-Re* vlsionisten in Wien.» Referenten! Dr- Kiw c und Doktor [Landau. Gäste willkommenl Gespenster Spät am Abend komme ich an einem Kaffeehaus vorbei. An der Tür hängt eine Tafel «UnLonversammhwg». Ich trete ein. Ein Weiner Saal; an einem länglichen Tisch sitzen teils alte, teils sehr alte Leute. Das Thema des Tages ist: «Probleme des Judentums.» Man hört Namen, die im vorigen Jahrhundert sehr bekannt waren oder zumindest es gerne sein wollten» Dr. Hein erzählt unter der Begeisterung der Anwesenden, mii welch geistreichen Bemerkungen er in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den Antisemiten im Wiener Gemeinderate entgegengetreten war. Er erklärt voll Stolz, der Rasse nach Jude, der Nationalität nach Deutscher zu sein, und bedauert es noch heute, daß ihn eine deutschnationale Studentenverbindung, die ihn zuerst aufnehmen wollte, schließlich nicht ausgenommen hat. Vielleicht säße er heute an Stelle des Wotawa im Parlament! Im Laufe der Debatte wird auch von der Mission gesprochen, die anderen Völker im Sinne der Demokratie des Judentums und der «Union» zu erziehen (die Demokratie, dbe sie meinen, siehe Kultusgemeindewahärecht u®w.), was wichtiger sei als «ein jüdisches Montenegro». Man müsse so agil sein wie die Zionisten und offen, ehrt ich für die Interessen des jüdischen Volkes (!) ei,»treten, was der Jugend als unerhörtes Novum wahrscheinlich sehr imponieren dürfte! Schließlich kommt auch — die H e i m w e h r b e w egung aufs Tapet. Ländlich-sittlich! Es spricht hierauf namens der «Jugendlichen» der jüngste der Anwesenden, ein Herr Geiger, ein verheirateter Mann von etwa 40 Jahren; er bittet um die Erlaubnis, trotz seiner Jugend seine Ansicht äußern zu dürfen. D:ese seine «jugendliche» Ansicht Ein bedeutsames Werk von AHNOLD ZWEIG HEKKUNFT UND ZUKUNFT Zwei Essays zum Schicksal eines Volkes mit Bildern von Max Liebermann, Chagall, Budkou.a. Der Dichter der »Novellen um Claudia« und des »Streit um den Sergeanten Grischa« hat in diesem Werk-einem der tiefsten Probleme der Welt unvergängliche Fassung verliehen. Blut und Heimat, Sendung und Antlitz, Erniedrigung und leuchtende Erhebung des jüdischen Volkes werden in mitreißenden Sätzen widergespiegelt Preis broschiert S 6 -- Ganzleinen S 0*35 PHAIDON •VERLAG WIEN gipfelt darin, daß er sich durch die Erfolge der Zionisten in seinen staatsbürgerlichein Rechten gefährdet sieht. Mit bewegten Worten dankt ihm der Tagespräsident O r n s t e i n, indem er erklärt, daß «Herr Geiger hier die Jugend repräsentiert».. Selbstverständlich meldet sich auch ein würdiger, mit einer leuchtenden Glatze gezierter Hof- oder Regicrungsrat zum Wort. Er erklärt, als Intellektueller natürlich F r c i d c n k e r und — guter Unionist zu sein, er wolle die Union warnen, das religiöse immer; so hervorzukehren. (Jetzt, nach den Kultu-swalilen ist das ungefährlich!) Die Religion — meint-der erleuchtete Kopf — ist nicht alles, man kann sehr fromm und doch ein Lump sein. (Zwei in ihren religiösen Gefühlen sich gekränkt erachtende Zwischenrufen ernten MlßfaMansäußerungcu der Anwesenden.) Der Herr Hofrat findet, es sei außer der Re legi on «noch etwas» da, das die Juden bindet, etwas ererbtes, gemeinsames, charakterologisches, das man aber nicht als Nationalität bezeichnen dürfe; dieses U n d e f i n 1 e r b a r e m ü s s e m a n p r o p.a g i e r e n, um die Jugend, die heute im zionistischen Leger ist, zu gewinnen, um etwas für das Jüdische Völk(!)zu tun. Den Clou des Abends bildet ein Ingenieur K o d i tschek. Er ist — so sagt er —- Wiener und der Zionismus ist nur für «Polische» da. Jetzt folgen Schimpforgien auf die «Zuag’rasten». «Sie sind hergekomwen, wir haben sie nicht geliebt, für Schädlinge gehalten und bekämpft. Gott sei Dank, ist die «Union» bodenständig.» (Woher mag der Herr Koditschek bloß seinen wienerischen Namen haben?) Großer Beifall lohnt die kernig teuIschen Wörtc. Den Abschluß bildet Dozent Stern, der sich dagegen verwahrt, daß zwei unionlstische Redner hier vom jüdischen «Volke» gesprochen haben. Er fordert Aufklärung von diesen Verrätern am Deutschtum. Herr Ornstein erklärt, es sei bereits zu spät; so erlangen die beiden «Verbrecher» Bewährungsfrist. Weiteres und die gräßlich peinliche Angelegenheit verschwindet von der Tagesordnung. Der Präsident schließt rasch die Sitzung; das Kaiserlied hat er nicht singen lassen. Indem sie über die gute alte Zeit disputieren, humpeln die Greise auseinander. Versuchen sie, es 2u begreifen, warum man sie heule nicht mehr verstehen kann und verstehen will, oder versuchen sie nicht einmal das? Der. Spuk ist zu Ende. W. P. flefren< und Hamen-Kleider nacn Man JtMeba Stoff**»*»!!1 «Mb lohaitn toclna Wien, VI., llarlahllferstraßc 107, Tel. B 37-2-88 Rabbi Meir Berlin in Wien Der kurze Wiener Aufenthalt des bekannten Misra-chiführers Ffabbi Meir Berlin gestaltete sich zu einer imposanten Manifestation des in der Misrachiorganisation konzentrierten Wiener religiös-nationalen Judentums. Bei der Ankunft wurde Rabbi Berlin vom Präsidium des Wiener Misrache am Bahnhöfe erwartet. Samstag, den 29. Dezember, vormittags, fand ein feierlicher Gottesdienst im Misrachiminjan statt, bei welchem namhafte Beträge für Palästinazwecke gespendet wurden. Den Samstagnachmittag widmete Rabbi Berlin der zahlreich versammelten Misrachijugend, zu der er im Rahmen des Schaloschsudos begeisternde Worte sprach. Am Abend fand im Saale des Hotel Stefanie e:r Massenmeeting statt, zu dern die religiös-nationalen Juden in Mascz.i strömten, so daß der Saal noch lange vor Beginn polizeilich geschlossen werden mußte. Nach einer Eröffnungsrede des Herrn Dr. S. R a p p ap o r t hielt Rabbi Berlin einen groCangelegten Vorirag, in welchem er die Klagemauer-Affäre, die A k t i o n s k o in i t e e - S i t z u n g in Berlin und die 5 Stellung des Misrachi zur Frage der Erweiterung der Jewish Agency eingehend erörterte. Rabbi Berlin' widerlegte auch die in der letzten Zeit von der Wiener Aguda ausgestreuten Verdächtigungen gegen den Misrachi im Zusammenhang mit einer Schrift des Seminarlehrers Dr. Chacham in Jerusalem. Die vielen Zuhörer waren von der Rede derart begeistert, daß bald am nächsten Tage spontan verhältnismäßig hohe Beträge für den Erez JisroeJ-Fonds gezeichnet und eimgezahlt wurden. Zum Abschied von dem verehrten Führer versammelten sich viele Misraohisten am Bahnhöfe und unter Klängen hebräischer Lieder und der Tikv/ah verließ Rabbi Berlin Wien mit den besten Eim- .drlicken. Zionistische Bezirkssekfcion IV/V. Donnerstag, den 17. Jänner, um 8 Uhr abends, im Klubs aal des Terrassen« Cafes, V., Margaretenplatz 4, Vortrag d. H. Ludwig Bato: «Israel und sein Land im altjüdischen Schrifttum». Gäste willkommen. Sonntag, den 27. Jänner, veranstaltet die Frauengruppe der Sektion eine Charnisch’assar-Feier für Kin« der im großen Saale des Volksbildungshauses, V., Stöber« gösse. Programme und Karten bei den Aussohußmitgliedern* — Die.Hebräischkursc finden nunmehr für Erwachsene Montag «and Mittwoch von 8 bis^ 10 Uhr abends, für Kinder Dienstag und Donnerstag von H4 bis Ae5 ian Unterrichtslokal V., Siebenbnmnengasse 1 a, statt. < Jüdisches Zentrum der Sozialen Hüfsgemefci Schaft (llj Untere Augartenstraße 35). Am 1. Jänner hat ein neuer Hebräischkurs für Anfänger begonnen und findet Montag und Mittwoch von 7 bis 8 Uhr abends statt. Anmeldungen werden täglich von G bis 8 Uhr abends im Sekretariat entgegengenommen. Englisch für Anfänger Dienstag und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr abends, für Vorgeschrittene Dienstag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends. Samstag, 3 Uhr nachmittags, jugendgottesdiensK anschließend Vortrag Dr. Birnbaum. Gäste willkommen. Lese- und Redchalle jüdischer Hochschüler (IX., Türkenstraße 9). Samstag, den 12. d. M., um 8 Uhr abends Vortrag d. H. Dr. Leo G o 1 d h a m m c r «Judenstaat- und Dominio ns. Brith Hanoar Haniisrachi (II., Praterstraße 43). Samstag, den 12. d. M., um 6 Uhr abends, S'cha klallith, Sonntag, Ys6 Uhr, Gemarra für Vorgeschrittene. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Freitag, den 11. d. M., HS Uhr abends, Talmodvortrag d. H. I. Schönfeld. Sonntag, den 13. d. M., 148 Uhr abends, Vortrag über die Entwicklung der hebräischen Sprache in Erez-Israel und in der Galuth. Referenten: Prof. Jonas G e 1 e r n t e r, Doktor Auerbach und N. K t e n b e i n. Anschi. Diskussion. — Dienstag, den 15. d, M., 168 Uhr bends, Vortrag Dr. Oskar Karbach «Die Aussichten der jüdischen Minoritätsrechte». JücL-Akad. Verbindung «Unitas». Samstag, den 12. Jänner, 8 Uhr abends, im Lokal VIII., Auerspergstraße 21, Bericht über die 3. Weltkonferenz der Ziomsten-Revislonisten. Referent: F. M. Geller. Zionistische Hochschüler willkommen! Kulturgruppe der Zion. Sektion Prater. Im Rahmen dar wöchentlichen Dienstagvörträge und Disfeussionsaöende findet der zweit(^Vortrags2ben.dT)ienstag, den 22. Jänner statt Es spricht DrT N. M. Frey über «Die häufigsten Krankheiten und deren Behandlung». Zionistische Bezirksselction X. Donnerstag, den 10. Jänner, Vortrag d. H. Dr. Leo Goldhammer im jüdischen Helm, X., Humboldtgasse 25, präzise 8 Uhr abends. Thema: «Die K'tiltuswahlen und die gegenwärtige Situation». Jugendkongrefireisc. Bei der am Samstag stattgefumienen Besprechung wurde ein Sparverein für die Jugend- Kongreßreise gegründet. Die Mindesteinzahlung pro Monat beträgt 10 S. Anmeldungen sind an den Jugend verein «Erez Israe.lv, 11., Zirkusgnssc. 33, zu richten. Die Jugendratsitzung, dk* unter Vorsitz d. H. Direktor Kellner am 3. Jänner stattfand, beschäftigte sich mit einer Anzahl wichtiger, die zionistischen Jagend gruppen betreffen- •m ki» jjp r abbestellfe Abonnements selten als werter bestehend!

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